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Gab es als Kind eine Schlüsselsituation oder ein Idol, warum Du ins Tor gegangen bist?

Zoran Zeljko: Als kleiner Junge hat mir das schon am meisten Spaß gemacht. Mein Vater musste mir damals immer aufs Tor schießen. Als ich dann in die Jugend von CSC 03 Kassel gekommen bin, war ich im Wechsel mal Feldspieler und mal Torwart. In der B-Jugend bei CSC 03 war ich noch rechter Verteidiger. Wir haben damals in der höchsten Spielklasse gespielt, die es im deutschen Jugendbereich gab. Das war die Landesliga. Irgendwann bin ich dann im Tor hängen geblieben. Ein bestimmtes Idol hatte ich damals nicht.

Wie ging Deine Fußballkarriere nach der Jugend weiter?

Zoran Zeljko: Ich galt damals als größtes Torwarttalent in dieser Region und bin mit 17 Jahren in die Oberliga-Mannschaft des KSV Hessen Kassel gekommen. Mein Stern ging am Bieberer Berg in Offenbach auf, wo ich mit dem KSV Hessen Kassel 1:0 durch Michael Drubes Kopfballtor gewonnen haben. Es war ein Spiel auf ein Tor, auf unser Tor. Ich habe da ganz ordentliche Spiele gemacht und somit wurde man auf mich aufmerksam. Später kam Franz Brungs als Trainer, mit dem ich meine Probleme hatte. Ich habe meinen Vertrag während der Saison aufgelöst und bin zum KSV Baunatal gewechselt. Dort habe ich 2 erfolgreiche Jahre gespielt, bis ich wieder ein Angebot vom KSV Hessen Kassel bekam. Ich konnte mich gleich als Stammtorwart etablieren und Thomas Kneuer aus dem Tor verdrängen. Wir wurden Meister in der Oberliga, scheiterten damals aber mit 0:2 an 1860 München in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Nach der Saison 1991/92 wollte man mich dann nicht mehr beim KSV Hessen Kassel haben, was eine sehr dubiose Situation war und so stand ich zu Beginn der neuen Saison ohne Verein da. Michael Drube ist damals zu Borussia Fulda gewechselt und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte in Fulda zu spielen, weil sich dort der Torwart schwer verletzt hatte. Somit habe ich dann in Fulda unterschrieben.

Du hast in der Saison 1993/94 beim MSV Duisburg in der 1. Bundesliga gespielt. Wie kam es zu dem Wechsel?

Zoran Zeljko: Ich bin von Borussia Fulda aus der Oberliga zum MSV Duisburg in die 1. Bundesliga gewechselt und habe mir das hart erkämpft. In Fulda hatte ich eine überragende Oberliga-Saison gespielt und so klingelte irgendwann abends das Telefon und Ewald Lienen war dran. Er hat mich zum Probetraining eingeladen, welches ich erfolgreich absolviert habe. Beim MSV war Jürgen Rollmann Kapitän und erster Torwart. Als er sich in der Saison verletzte, wurde ich in das Spiel gegen Eintracht Frankfurt eingewechselt, das wir 2:1 gewonnen haben. Danach habe ich noch weitere 5 Spiele für den MSV gespielt. Das Spiel, wo sich viele Leute hochgezogen haben, war mein zweites Spiel für Duisburg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Wir haben das Spiel im eigenen Stadion vor 35.000 Zuschauern 1:7 verloren. Wenn man sich aber die Mühe macht und in den Archiven nachguckt, wird man feststellen, dass ich an den 7 Toren nicht schuld war. Der Hintergrund zu diesem Spiel war, dass Pavel Kuka vor der Saison zum MSV wechseln sollte, man wurde sich nicht einig, Kuka wechselt daraufhin nach Kaiserslautern und schießt in diesem Spiel 3 Tore. Daran wurde das ein wenig aufgehangen und aufgebauscht: Kuka gegen Zeljko, dem „Greenhorn“ in der Bundesliga. Zudem hatte ich das Pech, dass Werner Hansch das Spiel kommentiert hat, der besser ins Kabarett gehört.

Was kam nach dieser Zeit?

Zoran Zeljko: Nach dieser Saison hatte ich dann die Möglichkeit beim MSV Duisburg zu bleiben. Für Bundesligaverhältnisse habe ich in dem ersten Jahr noch für wenig Geld gespielt und das hat man auch im zweiten Jahr bei mir versucht, was ich aber abgelehnt habe. Ich habe daraufhin einen Vertrag bei Rot-Weiß Essen unterschrieben und hatte auch eine schöne und erfolgreiche Zeit dort. Ich war Stammtorhüter und Publikumsliebling und wurde zum Sportler des Jahres der Stadt Essen gewählt. In meinem zweiten Jahr hatte ich dann mit einer Fingerluxation meine erste schwere Verletzung und mußte 4,5 Monate ausfallen. In diesem Jahr sind wir leider nicht Meister geworden. Es kam dann ein neuer Trainer, Herr Gores, von dem ich nur negativ sprechen kann. Der hat mir keine faire Chance gegeben und so wurde ich in die 2. Bundesliga zum FSV Mainz 05 verliehen. In Mainz hatte ich eine Verletzung nach der anderen und dann kommt man im Profigeschäft einfach nicht mehr auf die Beine. Das Profigeschäft ist ein schönes, wenn man spielt, aber auch ein hartes, wenn man nicht spielt. Da ist man schnell vergessen. Fußball ist ein Tagesgeschäft.

In Duisburg war Ewald Lienen Dein Trainer. Wie war das Wiedersehen mit ihm beim Freundschaftsspiel gegen Gladbach?

Zoran Zeljko: Sehr schön. Wir haben uns lange unterhalten und ein sehr persönliches Gespräch geführt. Ich habe mich mit Ewald Lienen immer gut verstanden. Er war damals mit dem MSV Duisburg aufgestiegen und hatte sein erstes Jahr in der ersten Bundesliga. Heute ist er dagegen ein alter Hase, nachdem er Trainer in Teneriffa mit Lehrmeister Jupp Heynckes war, später dann in Rostock, usw. Ich habe auch noch sehr guten Kontakt mit Uli Sude, der Jugendtrainer in Gladbach ist. Fußball ist irgendwo eine große Familie und man trifft sich immer wieder mal. Ich werde im Oktober 35 Jahre und habe damals mit 17 Jahren in der Oberliga angefangen. Das ist ein langer Weg und in dieser Zeit habe ich in alle Ligen reingeschnuppert.

Was ist der Unterschied für Dich als Torwart zwischen der Oberliga und der Bundesliga?

Zoran Zeljko: Das ganze Spiel ist schneller. Außerdem trainiert man unter Top-Verhältnissen. Man trainiert jeden Tag und hat Zeit, sich nur auf Fußball zu konzentrieren. Das ist ein gravierender Unterschied zu dem, wie wir trainieren. Letztes Jahr haben wir hinten auf den Hartplätzen trainiert, wo die Flutlichtmasten teilweise kaputt sind. Da muss man sich schon fragen, ob das so das Richtige ist. Wir sind eben Amateure, gehen einem Beruf nach, einige von uns haben Familie und dann gehen wir nebenbei noch 5 mal in der Woche ins Training. Das ist alles nicht so einfach. Ich denke, dass Darmstadt oder auch Eschborn letztes Jahr, unter besseren Bedingungen trainieren. Zudem spielen wir hier auch für weniger Geld, als Spieler in Darmstadt. Da muss man schon über den Willen kommen und der Sache positiv gegenüber stehen. Somit ist es schon ein Opfer, was man bringen muss, aber auch ein schönes Opfer. Wenn wir gegen Darmstadt vor 8.000 Zuschauern gewonnen hätten, wäre das eine super Sache gewesen. Das ist es eben, was es ausmacht. Fußball ist eine Leidenschaft.

Wie beschreibst Du Dich als Torwart?

Zoran Zeljko: Ich bin bekannt als Kasper in der Mannschaft. Auf der anderen Seite kann ich im Tor auch sehr aggressiv sein. Man muss schon eine Macke haben, um sich da hinten rein zu stellen und sich die Bälle vor den Kopf schießen zu lassen. Das sind ja alles keine einfachen Leute. Jens Lehmann habe ich kennen gelernt. Das ist ein sehr netter, aber besessener Mensch. Als Torwart ist man Einzelkämpfer und unter Umständen das arme Schwein. Wenn man in einem Spiel drei Schüsse klasse hält, aber der Vierte rutscht Dir durch die Hosenträger, der Ball flattert oder er wird abgefälscht, sieht man schlecht aus und muss sich immer Kritik gefallen lassen. Bei der Ecke, die zum 0:1 gegen Darmstadt geführt hat, kann man auch sagen „der Ball war in der Nähe vom Tor, hätte der Zeljko den nicht haben müssen?“. In der Situation lag es aber an der Zuordnung. Ich stehe hinten am Pfosten und vorne wird zugemacht. Ich muss die langen Bälle abpflücken und vorne muss der Ball weggeköpft werden. Der Darmstädter hat natürlich extrem flach und fest reingeflankt und Saridogan läuft voll rein. Ein Stürmer spekuliert und läuft immer einen Bruchteil von einer Sekunde früher rein. Das kann ich als Torwart nicht machen, weil ich erst einmal gucken muss, wo der Ball hinkommt. Wenn ich blind kurz laufe und er flankt ihn mir lang, habe ich ein Problem.

Die Rolle des Torwarts ist eher destruktiv: verhindern, bzw. zerstören. Wie siehst Du das?

Zoran Zeljko: Ich finde eher, dass es eine filigrane Rolle ist. Die Wenigsten sind dazu berufen sich ins Tor zu stellen. Ein guter Torwart zeichnet sich nicht damit aus, heute Weltklasse zu halten und morgen Kreisklasse. Man muss über eine gesamte Saison seine Leistung bringen. Es kommt auch drauf an, in welcher Mannschaft man spielt. Wenn man 20 Schüsse hält und bekommt 5 rein, sagen alle die Mannschaft war schlecht nur der Torwart war gut. Ich bin auch ein mitspielender Torwart. Darauf lege ich großen Wert. Das Solide macht es aus. Wir hätten auch letztes Jahr nicht so gut abgeschlossen, wenn wir nicht so solide gewesen wären. Wir haben da die wenigsten Tore bekommen.

Als Torwart braucht man viel Durchsetzungskraft.

Zoran Zeljko: Das ist klar. In der Mannschaft gibt es nur die eine Position. Ein Feldspieler kann leicht mal eine andere Position übernehmen und dann ist der rechte Verteidiger auf einmal Stürmer. Als Torwart hat man nur die Chance Nummer eins zu werden. Der Trainer entscheidet dann, ob er einen offenen Konkurrenzkampf zwischen der Nummer eins und der Nummer zwei will oder ob die Nummer zwei die Klappe halten soll. Es gibt ja auch Torhüter, die jahrelang nur die Nummer zwei sind.

Du hattest einen Bandscheibenvorfall. Wie sieht es gesundheitlich bei Dir aus?

Zoran Zeljko: Das ist richtig. Nebenbei mache ich viel Reha und Krafttraining. Verletzungen bleiben eben nicht aus. So lange es mir aber Spaß macht und ich diese Geilheit auf Fußball habe, werde ich weitermachen. Das Problem am Alter ist, dass eine Verletzung bei einem 35-jährigen nicht so schnell heilt, wie bei einem 20-jährigen. Von daher muss man das Glück haben, dass man von schweren Verletzungen verschont bleibt.

Man sagt über Dich, dass Du immer 100 Prozent motiviert bist, egal ob im Training oder im Spiel.

Zoran Zeljko: Ja natürlich. Allerdings bin ich seit meiner Rückenverletzung auch im Training noch nicht der, der ich im letzten Jahr vor der Verletzung war. Ich bin grundsätzlich sehr ehrgeizig und aggressiv und will deshalb auch kein Trainingsspiel verlieren. Da gibt es heftige Wortgefechte und teilweise beleidigt man sich unter der Gürtellinie, aber das ist kein Mädchenpensionat, sondern Männersport. Wichtig ist, dass wir uns in die Augen schauen können, wenn wir in die Kabine gehen.

Habt ihr beim KSV ein spezielles Torwarttraining?

Zoran Zeljko: Wir haben jetzt ein besseres Torwarttraining, als damals unter Profibedingungen. Wir haben damals viel trainiert und deshalb wurde auch viel aufs Tor geschossen. Somit haben wir Torschußtraining gemacht, aber selten ein spezielles Training, wie ich es jetzt mit dem Skibi mache. Er macht hervorragendes Training, ein- bis zweimal die Woche.

Es gab immer wieder Situationen, wo Du kurz vor Schluss bei einem Eckball mit nach vorne gegangen bist. Ist das die letzte Verzweiflung in einem Spiel oder bringt ein man mehr wirklich einen Überzahl-Effekt?

Zoran Zeljko: Jens Lehmann hat schon so ein Tor erzielt. Ich bin hinten natürlich hilflos. Für die Ansprüche, die ich an mich selbst stelle, kann es für mich im Moment nicht befriedigend sein, wenn ich die Gegentore sehe. Wir sind aber ein Kollektiv. Auch ein Zoran Zeljko kann nicht jeden Ball halten, macht mal einen Fehler oder ist mal nicht topfit. Ich war in den letzten Wochen sehr oft in der Reha wegen meinem Rücken. Ich habe da in sechs Wochen das wieder einiger Maßen hinbekommen, wofür andere ein halbes Jahr brauchen. Ich bin immer ein Beißer gewesen und solange ich das bin, werde ich weiter Fußball spielen. Ich muß Montag zum Beispiel zum Röntgen, weil es sein kann, dass mir am Daumen ein Band gerissen ist. Das sind alles Sachen, die sonst keiner sieht.

Wo Du gerade beim Vergleich mit anderen Torhütern bist: Jörg Butt schießt Elfmeter. Wie gut schießt Du Elfmeter?

Zoran Zeljko: Ich habe das noch nicht probiert, weil wir sichere Schützen haben. Ich würde mir aber zutrauen, die Murmel zu nehmen, wenn sich kein anderer traut.

Wie stark verknüpfst Du Deinen persönlichen Erfolg mit dem Erfolg der Mannschaft? Wenn ihr zum Beispiel 2:1 gewinnt, Du aber ein blödes Tor fängst oder Du hältst Weltklasse, ihr spielt aber nur 0:0.

Zoran Zeljko: An erster Stelle steht natürlich der Sieg. Ich bin jetzt schon so lange dabei und bin wie gesagt auch nicht fehlerfrei. Außerdem hinterfrage ich mich immer. Das muss ich aber nicht in der Öffentlichkeit tun. Ich habe auch meinen Jungs gesagt, dass sie alles auf mich schieben können, wenn ihnen das leichter fällt. Bei uns zählt die Gemeinschaft. Wir gewinnen und verlieren zusammen. Und von daher freue ich mich über den Erfolg.

Wie lange brauchst Du, um ein Spiel zu verarbeiten?

Zoran Zeljko: Das ist von Spiel zu Spiel verschieden. Das Spiel gegen Darmstadt hat mich mehr getroffen, als das Spiel gegen Bernbach. Die Darmstädter haben uns heute unsere Grenzen aufgezeigt und auch, wer der Klassenbeste ist. Zudem sind wir 9 Punkte weg. Da muss man jetzt über die Motivation kommen.

Wenn Du nicht gespielt hast, hat Dich eher Norman Stollberg, anstatt Frank Lehmann ersetzt. Ist er die Nummer 2?

Zoran Zeljko: Norman hat sich sehr gemacht. Ich habe ihm neulich erst gesagt, dass er auf dem richtigen Weg ist. Ich glaube aber, dass Frank der talentiertere Torwart ist. Norman hat allerdings den größeren Biss. Fairerweise muss man aber dazusagen, dass der Frank einen schweren Kreuzbandriss im Knie hatte, der ihn zurückgeworfen hat. Er sagt zwar immer, dass er fit ist, das glaube ich ihm aber nicht so ganz. Nach so einer schweren Verletzung ist man nach 5 Monaten noch nicht fit. Um annährend wieder 90 Prozent zu erlangen, braucht der Körper ungefähr ein Jahr.

Kannst Du die Mannschaft von hinten dirigieren?

Zoran Zeljko: Ich habe natürlich keine Fernsteuerung. Ich als Torwart, sehe von hinten schon viel mehr und kann das Spiel deshalb besser lesen. Es muss aber grundsätzlich jeder wollen. Wenn ich zu einem Spieler sage „geh nach links“, muss er auch nach links gehen. Wenn ich eine Mauer stelle und sage, dass 5 Leute da rein sollen und es sind nur 4, liegt es immer noch an einem Spieler sich dazu zu stellen. Ein Torwart hat mitten im Spiel nur begrenzt die Möglichkeit einzugreifen. Deshalb wollen zum Beispiel viele Trainer nicht, dass der Torwart Kapitän wird. Dazu kommt noch der Krach, den die Zuschauer machen. Wenn 40 Meter von mir entfernt etwas passiert, wie soll ich denn da etwas zurufen? Da habe ich schon das Problem vom Fünfmeterraum bis hinter den Sechzehner, dass derjenige mich hört oder hören will. Generell versucht man als erfahrener Mann immer einzuwirken, so wie auch in der Kabine, um die Jungs heiß zu machen.

Die Mannschaft besteht aus vielen jungen Spielern. Wer führt diese Mannschaft?

Zoran Zeljko: Es ist immer leicht zu sagen, dass es 2-3 Leute geben muss, die die Mannschaft anfeuern müssen. Jeder muss selbst wollen. Wir haben eine Achse. Die fängt bei mir an, geht über Thorsten Schönewolf, in der Mitte Slawomir Chalaskiewicz und vorne Thorsten Bauer. Im Krieg ist aber jeder alleine. Man kann zwar geringfügig eingreifen, aber in erster Linie konzentriere ich mich auf mein Spiel, Thorsten sieht zu, dass er seine Tore macht und Slawomir sieht zu, dass er seine Pässe spielt. Teilweise hat das funktioniert, teilweise aber auch nicht. Wir sind noch nicht so weit. Wir sind eine ordentliche Mannschaft, aber noch keine Spitzenmannschaft in der Oberliga. Man braucht das nur vergleichen mit Darmstadt. Da hat man gesehen, wie homogen und bissig die in einem vollen Stadion aufgetreten sind. Wir konnten zu keiner Zeit zu unserem Spiel finden und somit haben sie uns den Schneid abgekauft.

In dieser Saison kam mit Christoph Keim ein weiterer Hochkaräter in die Abwehr. Wieso habt ihr trotzdem mehr Tore bekommen, als zu gleichem Zeitpunkt der letzten Saison?

Zoran Zeljko: Das ist auch eine Sache, worüber wir uns kritisch unterhalten haben. Allerdings kann man dies nicht nur auf die Abwehr schieben, das wäre zu einfach. Das Problem bei uns ist momentan der Aufbau von hinten nach vorne. Wenn sich die gegnerische Mannschaft nur hinten reinstellt, wie zum Beispiel Bernbach, haben wir unsere Probleme. Wir spielen am besten, wenn wir kompakt stehen und die Räume eng machen. Aggressiv spielen, dem Gegner früh den Ball abluchsen und nach vorne spielen. Gegen eine rein defensive Mannschaft ist es schwierig ein Spiel aufzuziehen, weil jeder Ballverlust ein Konter bedeuten könnte. Wir sind auch noch nicht so weit, mal ein schlechtes Spiel nach Hause zu schieben. Es hilft jetzt auch nichts mehr auf Darmstadt zu gucken. Wir müssen uns auf unsere Mannschaft konzentrieren und von Spiel zu Spiel denken.

Man sieht Dich oft auch noch lange nach einem Spiel mit Fans diskutieren. Aus welcher Motivation tust Du dies?

Zoran Zeljko: Jeder hat seine Meinung. Heute hatten wir 8.000 Zuschauer und somit 8.000 Trainer. Ich gehe keiner Diskussion aus dem Weg, wenn sie vernünftig abläuft. Da unterhalte ich mich auch mit jedem, wenn auch nicht stundenlang, denn irgendwann will ich auch mal nach Hause. Generell ist es aber wie in einer Beziehung oder Freundschaft, dass man sich auch dann unterhält, wenn es mal nicht so gut läuft, wie heute gegen Darmstadt. Das ist zwar dann nicht ganz einfach, ich bin aber keiner, der vor irgend etwas flüchtet.

Ich denke, dass deswegen auch bei den Fans hoch im Kurs stehst.

Zoran Zeljko: Das mag sein. Als ich hierher gekommen bin, habe ich es nicht einfach gehabt. Die Fans waren am Anfang schon sehr skeptisch mir gegenüber und ich bin hier sicherlich nicht mit offenen Armen empfangen worden. Ich denke aber, dass ich in den zweieinhalb Jahren, die ich nun wieder beim KSV spiele, ehrliche Arbeit abgeliefert habe. Und ehrliche Arbeit setzt sich einfach durch. Wenn mich Leute vernünftig behandeln und mir zurufen, dann werde ich mich natürlich auch für den Verein zerreißen.

Mich hat es damals eher gewundert, dass Du bei Eintracht Baunatal Bezirksoberliga gespielt hast und dann zum KSV in die Landesliga gewechselt bist. Eigentlich könntest Du selbst jetzt noch höherklassig spielen.

Zoran Zeljko: Das ist auch viel Routine bei mir. Damals bin ich vom Profifußball zurückgekommen und hatte genug davon, weil ich auch die dunklen Seiten des Geschäfts kennen gelernt habe. In Kassel hatte ich dann einige persönliche Entscheidungen zu treffen, wie zum Beispiel die Trennung von meiner Lebensgefährtin. Ich habe mir ihr zusammen eine acht-jährige Tochter, namens Paulina. Und weil ich hier ein Kind habe, bin ich auf diese Region festgelegt. Das Problem hier in Nordhessen ist, dass es nur Mannschaften in der Landesliga, Bezirksliga, etc. gibt. Ich habe jetzt aber das Glück, dass ich ein sehr nettes und hübsches Mädchen kennen gelernt habe, die mir sehr gut tut.

Was ist Dein berufliches Ziel?

Zoran Zeljko: Ich möchte jetzt noch 2-3 Jahre Fußball spielen, wenn der Körper mitmacht. Und dann will ich mich beruflich umorientieren. Ich bin selbst ein Fitness-Guru und lizenzierter Fitnesstrainer. Nebenbei habe ich dann noch eine Umschulung zum Bürokaufmann gemacht. In Zukunft werde ich mich in Richtung Vermögensberatung selbstständig machen.

Was ist Dein Filmtip und Dein Musiktip?

Zoran Zeljko: Ich gehe sehr gerne und oft mit meiner Freundin ins Kino. Mir gefallen zum Beispiel Filme, wie „Gladiator“ und „American Pie“. Ich schaue mir aber grundsätzlich alles an. Egal ob Horrorfilm, eine Komödie oder etwas intellektuelles an, was meinen Horizont erweitert und mich zum nachdenken anregt, wie „Schindlers Liste“ oder den Antikriegsfilm „Platoon“. In Sachen Musik bin ich eigentlich ein kleiner Kuscheltiger. Ich höre gerne sanftere Klänge. Ich habe zwar zu Hause in meiner Musiksammlung auch AC/DC „Hells Bells“ usw., das ist aber nicht die Musik, die ich ständig höre. Bei mir muss es eine Musik sein, wo das Singen im Vordergrund steht. Für mich ist das auf VIVA und MTV zuviel rumgehopse, einfach nur schön sein, Six-Pack und ein bißchen Ärschchen bewegen. Das ist mir zu wenig, um zu sagen „das ist Kunst“. Shanaia Twain kann zum Beispiel singen. Mir gefällt aber auch die Musik von Bryan Adams, Shakira oder auch deutsche Musik, wie Pur, Westernhagen und Grönemeyer.

Tim Siebrecht