Gab es als Kind
eine Schlüsselsituation oder ein
Idol, warum Du ins Tor gegangen bist?
Zoran Zeljko:
Als kleiner Junge hat mir das schon am
meisten Spaß gemacht. Mein Vater
musste mir damals immer aufs Tor schießen.
Als ich dann in die Jugend von CSC 03
Kassel gekommen bin, war ich im Wechsel
mal Feldspieler und mal Torwart. In der
B-Jugend bei CSC 03 war ich noch rechter
Verteidiger. Wir haben damals in der höchsten
Spielklasse gespielt, die es im deutschen
Jugendbereich gab. Das war die Landesliga.
Irgendwann bin ich dann im Tor hängen
geblieben. Ein bestimmtes Idol hatte ich
damals nicht.
Wie ging Deine
Fußballkarriere nach der Jugend
weiter?
Zoran Zeljko:
Ich galt damals als größtes
Torwarttalent in dieser Region und bin
mit 17 Jahren in die Oberliga-Mannschaft
des KSV Hessen Kassel gekommen. Mein Stern
ging am Bieberer Berg in Offenbach auf,
wo ich mit dem KSV Hessen Kassel 1:0 durch
Michael Drubes Kopfballtor gewonnen haben.
Es war ein Spiel auf ein Tor, auf unser
Tor. Ich habe da ganz ordentliche Spiele
gemacht und somit wurde man auf mich aufmerksam.
Später kam Franz Brungs als Trainer,
mit dem ich meine Probleme hatte. Ich
habe meinen Vertrag während der Saison
aufgelöst und bin zum KSV Baunatal
gewechselt. Dort habe ich 2 erfolgreiche
Jahre gespielt, bis ich wieder ein Angebot
vom KSV Hessen Kassel bekam. Ich konnte
mich gleich als Stammtorwart etablieren
und Thomas Kneuer aus dem Tor verdrängen.
Wir wurden Meister in der Oberliga, scheiterten
damals aber mit 0:2 an 1860 München
in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga.
Nach der Saison 1991/92 wollte man mich
dann nicht mehr beim KSV Hessen Kassel
haben, was eine sehr dubiose Situation
war und so stand ich zu Beginn der neuen
Saison ohne Verein da. Michael Drube ist
damals zu Borussia Fulda gewechselt und
hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen
könnte in Fulda zu spielen, weil
sich dort der Torwart schwer verletzt
hatte. Somit habe ich dann in Fulda unterschrieben.
Du hast in der
Saison 1993/94 beim MSV Duisburg in der
1. Bundesliga gespielt. Wie kam es zu
dem Wechsel?
Zoran Zeljko:
Ich bin von Borussia Fulda aus der Oberliga
zum MSV Duisburg in die 1. Bundesliga
gewechselt und habe mir das hart erkämpft.
In Fulda hatte ich eine überragende
Oberliga-Saison gespielt und so klingelte
irgendwann abends das Telefon und Ewald
Lienen war dran. Er hat mich zum Probetraining
eingeladen, welches ich erfolgreich absolviert
habe. Beim MSV war Jürgen Rollmann
Kapitän und erster Torwart. Als er
sich in der Saison verletzte, wurde ich
in das Spiel gegen Eintracht Frankfurt
eingewechselt, das wir 2:1 gewonnen haben.
Danach habe ich noch weitere 5 Spiele
für den MSV gespielt. Das Spiel,
wo sich viele Leute hochgezogen haben,
war mein zweites Spiel für Duisburg
gegen den 1. FC Kaiserslautern. Wir haben
das Spiel im eigenen Stadion vor 35.000
Zuschauern 1:7 verloren. Wenn man sich
aber die Mühe macht und in den Archiven
nachguckt, wird man feststellen, dass
ich an den 7 Toren nicht schuld war. Der
Hintergrund zu diesem Spiel war, dass
Pavel Kuka vor der Saison zum MSV wechseln
sollte, man wurde sich nicht einig, Kuka
wechselt daraufhin nach Kaiserslautern
und schießt in diesem Spiel 3 Tore.
Daran wurde das ein wenig aufgehangen
und aufgebauscht: Kuka gegen Zeljko, dem
„Greenhorn“ in der Bundesliga.
Zudem hatte ich das Pech, dass Werner
Hansch das Spiel kommentiert hat, der
besser ins Kabarett gehört.
Was kam nach
dieser Zeit?
Zoran Zeljko:
Nach dieser Saison hatte ich dann die
Möglichkeit beim MSV Duisburg zu
bleiben. Für Bundesligaverhältnisse
habe ich in dem ersten Jahr noch für
wenig Geld gespielt und das hat man auch
im zweiten Jahr bei mir versucht, was
ich aber abgelehnt habe. Ich habe daraufhin
einen Vertrag bei Rot-Weiß Essen
unterschrieben und hatte auch eine schöne
und erfolgreiche Zeit dort. Ich war Stammtorhüter
und Publikumsliebling und wurde zum Sportler
des Jahres der Stadt Essen gewählt.
In meinem zweiten Jahr hatte ich dann
mit einer Fingerluxation meine erste schwere
Verletzung und mußte 4,5 Monate
ausfallen. In diesem Jahr sind wir leider
nicht Meister geworden. Es kam dann ein
neuer Trainer, Herr Gores, von dem ich
nur negativ sprechen kann. Der hat mir
keine faire Chance gegeben und so wurde
ich in die 2. Bundesliga zum FSV Mainz
05 verliehen. In Mainz hatte ich eine
Verletzung nach der anderen und dann kommt
man im Profigeschäft einfach nicht
mehr auf die Beine. Das Profigeschäft
ist ein schönes, wenn man spielt,
aber auch ein hartes, wenn man nicht spielt.
Da ist man schnell vergessen. Fußball
ist ein Tagesgeschäft.
In Duisburg
war Ewald Lienen Dein Trainer. Wie war
das Wiedersehen mit ihm beim Freundschaftsspiel
gegen Gladbach?
Zoran Zeljko:
Sehr schön. Wir haben uns lange unterhalten
und ein sehr persönliches Gespräch
geführt. Ich habe mich mit Ewald
Lienen immer gut verstanden. Er war damals
mit dem MSV Duisburg aufgestiegen und
hatte sein erstes Jahr in der ersten Bundesliga.
Heute ist er dagegen ein alter Hase, nachdem
er Trainer in Teneriffa mit Lehrmeister
Jupp Heynckes war, später dann in
Rostock, usw. Ich habe auch noch sehr
guten Kontakt mit Uli Sude, der Jugendtrainer
in Gladbach ist. Fußball ist irgendwo
eine große Familie und man trifft
sich immer wieder mal. Ich werde im Oktober
35 Jahre und habe damals mit 17 Jahren
in der Oberliga angefangen. Das ist ein
langer Weg und in dieser Zeit habe ich
in alle Ligen reingeschnuppert.
Was ist der Unterschied
für Dich als Torwart zwischen der
Oberliga und der Bundesliga?
Zoran Zeljko:
Das ganze Spiel ist schneller. Außerdem
trainiert man unter Top-Verhältnissen.
Man trainiert jeden Tag und hat Zeit,
sich nur auf Fußball zu konzentrieren.
Das ist ein gravierender Unterschied zu
dem, wie wir trainieren. Letztes Jahr
haben wir hinten auf den Hartplätzen
trainiert, wo die Flutlichtmasten teilweise
kaputt sind. Da muss man sich schon fragen,
ob das so das Richtige ist. Wir sind eben
Amateure, gehen einem Beruf nach, einige
von uns haben Familie und dann gehen wir
nebenbei noch 5 mal in der Woche ins Training.
Das ist alles nicht so einfach. Ich denke,
dass Darmstadt oder auch Eschborn letztes
Jahr, unter besseren Bedingungen trainieren.
Zudem spielen wir hier auch für weniger
Geld, als Spieler in Darmstadt. Da muss
man schon über den Willen kommen
und der Sache positiv gegenüber stehen.
Somit ist es schon ein Opfer, was man
bringen muss, aber auch ein schönes
Opfer. Wenn wir gegen Darmstadt vor 8.000
Zuschauern gewonnen hätten, wäre
das eine super Sache gewesen. Das ist
es eben, was es ausmacht. Fußball
ist eine Leidenschaft.
Wie beschreibst
Du Dich als Torwart?
Zoran Zeljko:
Ich bin bekannt als Kasper in der Mannschaft.
Auf der anderen Seite kann ich im Tor
auch sehr aggressiv sein. Man muss schon
eine Macke haben, um sich da hinten rein
zu stellen und sich die Bälle vor
den Kopf schießen zu lassen. Das
sind ja alles keine einfachen Leute. Jens
Lehmann habe ich kennen gelernt. Das ist
ein sehr netter, aber besessener Mensch.
Als Torwart ist man Einzelkämpfer
und unter Umständen das arme Schwein.
Wenn man in einem Spiel drei Schüsse
klasse hält, aber der Vierte rutscht
Dir durch die Hosenträger, der Ball
flattert oder er wird abgefälscht,
sieht man schlecht aus und muss sich immer
Kritik gefallen lassen. Bei der Ecke,
die zum 0:1 gegen Darmstadt geführt
hat, kann man auch sagen „der Ball
war in der Nähe vom Tor, hätte
der Zeljko den nicht haben müssen?“.
In der Situation lag es aber an der Zuordnung.
Ich stehe hinten am Pfosten und vorne
wird zugemacht. Ich muss die langen Bälle
abpflücken und vorne muss der Ball
weggeköpft werden. Der Darmstädter
hat natürlich extrem flach und fest
reingeflankt und Saridogan läuft
voll rein. Ein Stürmer spekuliert
und läuft immer einen Bruchteil von
einer Sekunde früher rein. Das kann
ich als Torwart nicht machen, weil ich
erst einmal gucken muss, wo der Ball hinkommt.
Wenn ich blind kurz laufe und er flankt
ihn mir lang, habe ich ein Problem.
Die Rolle des
Torwarts ist eher destruktiv: verhindern,
bzw. zerstören. Wie siehst Du das?
Zoran Zeljko:
Ich finde eher, dass es eine filigrane
Rolle ist. Die Wenigsten sind dazu berufen
sich ins Tor zu stellen. Ein guter Torwart
zeichnet sich nicht damit aus, heute Weltklasse
zu halten und morgen Kreisklasse. Man
muss über eine gesamte Saison seine
Leistung bringen. Es kommt auch drauf
an, in welcher Mannschaft man spielt.
Wenn man 20 Schüsse hält und
bekommt 5 rein, sagen alle die Mannschaft
war schlecht nur der Torwart war gut.
Ich bin auch ein mitspielender Torwart.
Darauf lege ich großen Wert. Das
Solide macht es aus. Wir hätten auch
letztes Jahr nicht so gut abgeschlossen,
wenn wir nicht so solide gewesen wären.
Wir haben da die wenigsten Tore bekommen.
Als Torwart braucht
man viel Durchsetzungskraft.
Zoran Zeljko:
Das ist klar. In der Mannschaft gibt es
nur die eine Position. Ein Feldspieler
kann leicht mal eine andere Position übernehmen
und dann ist der rechte Verteidiger auf
einmal Stürmer. Als Torwart hat man
nur die Chance Nummer eins zu werden.
Der Trainer entscheidet dann, ob er einen
offenen Konkurrenzkampf zwischen der Nummer
eins und der Nummer zwei will oder ob
die Nummer zwei die Klappe halten soll.
Es gibt ja auch Torhüter, die jahrelang
nur die Nummer zwei sind.
Du hattest einen
Bandscheibenvorfall. Wie sieht es gesundheitlich
bei Dir aus?
Zoran Zeljko:
Das ist richtig. Nebenbei mache ich viel
Reha und Krafttraining. Verletzungen bleiben
eben nicht aus. So lange es mir aber Spaß
macht und ich diese Geilheit auf Fußball
habe, werde ich weitermachen. Das Problem
am Alter ist, dass eine Verletzung bei
einem 35-jährigen nicht so schnell
heilt, wie bei einem 20-jährigen.
Von daher muss man das Glück haben,
dass man von schweren Verletzungen verschont
bleibt.
Man sagt über
Dich, dass Du immer 100 Prozent motiviert
bist, egal ob im Training oder im Spiel.
Zoran Zeljko:
Ja natürlich. Allerdings bin ich
seit meiner Rückenverletzung auch
im Training noch nicht der, der ich im
letzten Jahr vor der Verletzung war. Ich
bin grundsätzlich sehr ehrgeizig
und aggressiv und will deshalb auch kein
Trainingsspiel verlieren. Da gibt es heftige
Wortgefechte und teilweise beleidigt man
sich unter der Gürtellinie, aber
das ist kein Mädchenpensionat, sondern
Männersport. Wichtig ist, dass wir
uns in die Augen schauen können,
wenn wir in die Kabine gehen.
Habt ihr beim
KSV ein spezielles Torwarttraining?
Zoran Zeljko:
Wir haben jetzt ein besseres Torwarttraining,
als damals unter Profibedingungen. Wir
haben damals viel trainiert und deshalb
wurde auch viel aufs Tor geschossen. Somit
haben wir Torschußtraining gemacht,
aber selten ein spezielles Training, wie
ich es jetzt mit dem Skibi mache. Er macht
hervorragendes Training, ein- bis zweimal
die Woche.
Es gab immer
wieder Situationen, wo Du kurz vor Schluss
bei einem Eckball mit nach vorne gegangen
bist. Ist das die letzte Verzweiflung
in einem Spiel oder bringt ein man mehr
wirklich einen Überzahl-Effekt?
Zoran Zeljko:
Jens Lehmann hat schon so ein Tor erzielt.
Ich bin hinten natürlich hilflos.
Für die Ansprüche, die ich an
mich selbst stelle, kann es für mich
im Moment nicht befriedigend sein, wenn
ich die Gegentore sehe. Wir sind aber
ein Kollektiv. Auch ein Zoran Zeljko kann
nicht jeden Ball halten, macht mal einen
Fehler oder ist mal nicht topfit. Ich
war in den letzten Wochen sehr oft in
der Reha wegen meinem Rücken. Ich
habe da in sechs Wochen das wieder einiger
Maßen hinbekommen, wofür andere
ein halbes Jahr brauchen. Ich bin immer
ein Beißer gewesen und solange ich
das bin, werde ich weiter Fußball
spielen. Ich muß Montag zum Beispiel
zum Röntgen, weil es sein kann, dass
mir am Daumen ein Band gerissen ist. Das
sind alles Sachen, die sonst keiner sieht.
Wo Du gerade
beim Vergleich mit anderen Torhütern
bist: Jörg Butt schießt Elfmeter.
Wie gut schießt Du Elfmeter?
Zoran Zeljko:
Ich habe das noch nicht probiert, weil
wir sichere Schützen haben. Ich würde
mir aber zutrauen, die Murmel zu nehmen,
wenn sich kein anderer traut.
Wie stark verknüpfst
Du Deinen persönlichen Erfolg mit
dem Erfolg der Mannschaft? Wenn ihr zum
Beispiel 2:1 gewinnt, Du aber ein blödes
Tor fängst oder Du hältst Weltklasse,
ihr spielt aber nur 0:0.
Zoran Zeljko:
An erster Stelle steht natürlich
der Sieg. Ich bin jetzt schon so lange
dabei und bin wie gesagt auch nicht fehlerfrei.
Außerdem hinterfrage ich mich immer.
Das muss ich aber nicht in der Öffentlichkeit
tun. Ich habe auch meinen Jungs gesagt,
dass sie alles auf mich schieben können,
wenn ihnen das leichter fällt. Bei
uns zählt die Gemeinschaft. Wir gewinnen
und verlieren zusammen. Und von daher
freue ich mich über den Erfolg.
Wie lange brauchst
Du, um ein Spiel zu verarbeiten?
Zoran Zeljko:
Das ist von Spiel zu Spiel verschieden.
Das Spiel gegen Darmstadt hat mich mehr
getroffen, als das Spiel gegen Bernbach.
Die Darmstädter haben uns heute unsere
Grenzen aufgezeigt und auch, wer der Klassenbeste
ist. Zudem sind wir 9 Punkte weg. Da muss
man jetzt über die Motivation kommen.
Wenn Du nicht
gespielt hast, hat Dich eher Norman Stollberg,
anstatt Frank Lehmann ersetzt. Ist er
die Nummer 2?
Zoran Zeljko:
Norman hat sich sehr gemacht. Ich habe
ihm neulich erst gesagt, dass er auf dem
richtigen Weg ist. Ich glaube aber, dass
Frank der talentiertere Torwart ist. Norman
hat allerdings den größeren
Biss. Fairerweise muss man aber dazusagen,
dass der Frank einen schweren Kreuzbandriss
im Knie hatte, der ihn zurückgeworfen
hat. Er sagt zwar immer, dass er fit ist,
das glaube ich ihm aber nicht so ganz.
Nach so einer schweren Verletzung ist
man nach 5 Monaten noch nicht fit. Um
annährend wieder 90 Prozent zu erlangen,
braucht der Körper ungefähr
ein Jahr.
Kannst Du die
Mannschaft von hinten dirigieren?
Zoran Zeljko:
Ich habe natürlich keine Fernsteuerung.
Ich als Torwart, sehe von hinten schon
viel mehr und kann das Spiel deshalb besser
lesen. Es muss aber grundsätzlich
jeder wollen. Wenn ich zu einem Spieler
sage „geh nach links“, muss
er auch nach links gehen. Wenn ich eine
Mauer stelle und sage, dass 5 Leute da
rein sollen und es sind nur 4, liegt es
immer noch an einem Spieler sich dazu
zu stellen. Ein Torwart hat mitten im
Spiel nur begrenzt die Möglichkeit
einzugreifen. Deshalb wollen zum Beispiel
viele Trainer nicht, dass der Torwart
Kapitän wird. Dazu kommt noch der
Krach, den die Zuschauer machen. Wenn
40 Meter von mir entfernt etwas passiert,
wie soll ich denn da etwas zurufen? Da
habe ich schon das Problem vom Fünfmeterraum
bis hinter den Sechzehner, dass derjenige
mich hört oder hören will. Generell
versucht man als erfahrener Mann immer
einzuwirken, so wie auch in der Kabine,
um die Jungs heiß zu machen.
Die Mannschaft
besteht aus vielen jungen Spielern. Wer
führt diese Mannschaft?
Zoran Zeljko:
Es ist immer leicht zu sagen, dass es
2-3 Leute geben muss, die die Mannschaft
anfeuern müssen. Jeder muss selbst
wollen. Wir haben eine Achse. Die fängt
bei mir an, geht über Thorsten Schönewolf,
in der Mitte Slawomir Chalaskiewicz und
vorne Thorsten Bauer. Im Krieg ist aber
jeder alleine. Man kann zwar geringfügig
eingreifen, aber in erster Linie konzentriere
ich mich auf mein Spiel, Thorsten sieht
zu, dass er seine Tore macht und Slawomir
sieht zu, dass er seine Pässe spielt.
Teilweise hat das funktioniert, teilweise
aber auch nicht. Wir sind noch nicht so
weit. Wir sind eine ordentliche Mannschaft,
aber noch keine Spitzenmannschaft in der
Oberliga. Man braucht das nur vergleichen
mit Darmstadt. Da hat man gesehen, wie
homogen und bissig die in einem vollen
Stadion aufgetreten sind. Wir konnten
zu keiner Zeit zu unserem Spiel finden
und somit haben sie uns den Schneid abgekauft.
In dieser Saison
kam mit Christoph Keim ein weiterer Hochkaräter
in die Abwehr. Wieso habt ihr trotzdem
mehr Tore bekommen, als zu gleichem Zeitpunkt
der letzten Saison?
Zoran Zeljko:
Das ist auch eine Sache, worüber
wir uns kritisch unterhalten haben. Allerdings
kann man dies nicht nur auf die Abwehr
schieben, das wäre zu einfach. Das
Problem bei uns ist momentan der Aufbau
von hinten nach vorne. Wenn sich die gegnerische
Mannschaft nur hinten reinstellt, wie
zum Beispiel Bernbach, haben wir unsere
Probleme. Wir spielen am besten, wenn
wir kompakt stehen und die Räume
eng machen. Aggressiv spielen, dem Gegner
früh den Ball abluchsen und nach
vorne spielen. Gegen eine rein defensive
Mannschaft ist es schwierig ein Spiel
aufzuziehen, weil jeder Ballverlust ein
Konter bedeuten könnte. Wir sind
auch noch nicht so weit, mal ein schlechtes
Spiel nach Hause zu schieben. Es hilft
jetzt auch nichts mehr auf Darmstadt zu
gucken. Wir müssen uns auf unsere
Mannschaft konzentrieren und von Spiel
zu Spiel denken.
Man sieht Dich
oft auch noch lange nach einem Spiel mit
Fans diskutieren. Aus welcher Motivation
tust Du dies?
Zoran Zeljko:
Jeder hat seine Meinung. Heute hatten
wir 8.000 Zuschauer und somit 8.000 Trainer.
Ich gehe keiner Diskussion aus dem Weg,
wenn sie vernünftig abläuft.
Da unterhalte ich mich auch mit jedem,
wenn auch nicht stundenlang, denn irgendwann
will ich auch mal nach Hause. Generell
ist es aber wie in einer Beziehung oder
Freundschaft, dass man sich auch dann
unterhält, wenn es mal nicht so gut
läuft, wie heute gegen Darmstadt.
Das ist zwar dann nicht ganz einfach,
ich bin aber keiner, der vor irgend etwas
flüchtet.
Ich denke, dass
deswegen auch bei den Fans hoch im Kurs
stehst.
Zoran Zeljko:
Das mag sein. Als ich hierher gekommen
bin, habe ich es nicht einfach gehabt.
Die Fans waren am Anfang schon sehr skeptisch
mir gegenüber und ich bin hier sicherlich
nicht mit offenen Armen empfangen worden.
Ich denke aber, dass ich in den zweieinhalb
Jahren, die ich nun wieder beim KSV spiele,
ehrliche Arbeit abgeliefert habe. Und
ehrliche Arbeit setzt sich einfach durch.
Wenn mich Leute vernünftig behandeln
und mir zurufen, dann werde ich mich natürlich
auch für den Verein zerreißen.
Mich hat es damals
eher gewundert, dass Du bei Eintracht
Baunatal Bezirksoberliga gespielt hast
und dann zum KSV in die Landesliga gewechselt
bist. Eigentlich könntest Du selbst
jetzt noch höherklassig spielen.
Zoran Zeljko:
Das ist auch viel Routine bei mir. Damals
bin ich vom Profifußball zurückgekommen
und hatte genug davon, weil ich auch die
dunklen Seiten des Geschäfts kennen
gelernt habe. In Kassel hatte ich dann
einige persönliche Entscheidungen
zu treffen, wie zum Beispiel die Trennung
von meiner Lebensgefährtin. Ich habe
mir ihr zusammen eine acht-jährige
Tochter, namens Paulina. Und weil ich
hier ein Kind habe, bin ich auf diese
Region festgelegt. Das Problem hier in
Nordhessen ist, dass es nur Mannschaften
in der Landesliga, Bezirksliga, etc. gibt.
Ich habe jetzt aber das Glück, dass
ich ein sehr nettes und hübsches
Mädchen kennen gelernt habe, die
mir sehr gut tut.
Was ist Dein
berufliches Ziel?
Zoran Zeljko:
Ich möchte jetzt noch 2-3 Jahre Fußball
spielen, wenn der Körper mitmacht.
Und dann will ich mich beruflich umorientieren.
Ich bin selbst ein Fitness-Guru und lizenzierter
Fitnesstrainer. Nebenbei habe ich dann
noch eine Umschulung zum Bürokaufmann
gemacht. In Zukunft werde ich mich in
Richtung Vermögensberatung selbstständig
machen.
Was ist Dein
Filmtip und Dein Musiktip?
Zoran Zeljko:
Ich gehe sehr gerne und oft mit meiner
Freundin ins Kino. Mir gefallen zum Beispiel
Filme, wie „Gladiator“ und
„American Pie“. Ich schaue
mir aber grundsätzlich alles an.
Egal ob Horrorfilm, eine Komödie
oder etwas intellektuelles an, was meinen
Horizont erweitert und mich zum nachdenken
anregt, wie „Schindlers Liste“
oder den Antikriegsfilm „Platoon“.
In Sachen Musik bin ich eigentlich ein
kleiner Kuscheltiger. Ich höre gerne
sanftere Klänge. Ich habe zwar zu
Hause in meiner Musiksammlung auch AC/DC
„Hells Bells“ usw., das ist
aber nicht die Musik, die ich ständig
höre. Bei mir muss es eine Musik
sein, wo das Singen im Vordergrund steht.
Für mich ist das auf VIVA und MTV
zuviel rumgehopse, einfach nur schön
sein, Six-Pack und ein bißchen Ärschchen
bewegen. Das ist mir zu wenig, um zu sagen
„das ist Kunst“. Shanaia Twain
kann zum Beispiel singen. Mir gefällt
aber auch die Musik von Bryan Adams, Shakira
oder auch deutsche Musik, wie Pur, Westernhagen
und Grönemeyer.
Tim Siebrecht