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Wo hat Ihre Fußballkarriere begonnen?

Ulrich Wielandt: In habe in meinem Geburtsort Furtwangen angefangen Fußball zu spielen und bin dann zum SV Kirchzarten gewechselt. Das war in der 1. Amateurliga, der damaligen dritten Liga. Der SC Freiburg war zum Beispiel auch in dieser Liga und hatte später Aufstiegsspiele in die 2. Bundesliga. 1979 habe ich dann ein Spiel in der Amateurnationalmannschaft gegen Holland gespielt. Bei diesem Spiel hat mich der Trainer von Borussia Mönchengladbach, Udo Lattek, gesehen und mich nach Gladbach geholt. Allerdings war er später nicht mehr Trainer, sondern Jupp Heynckes.

Wieso sind Sie in den eineinhalb Jahren nur dreimal in der Bundesliga zum Einsatz gekommen?

Ulrich Wielandt: Ich war damals sehr gut und habe zum Beispiel in unserem ersten Vorbereitungstestspiel 9 von 15 Toren geschossen. Allerdings habe ich mir noch in der Vorbereitung den Fuß gebrochen, später das Band und danach das Knie. Und so hatte ich in dieser kurzen Zeit drei Operationen. Das war so frustrierend, dass ich ganz mit dem Fußball aufhören wollte. Wir hatten die Koffer schon gepackt und wollten wieder zurück nach Freiburg.

Wie kam es dann im November 1980 doch zu Ihrem Wechsel zum KSV Hessen Kassel in die 2. Bundesliga?

Ulrich Wielandt: Als mich der damalige Manager des KSV angerufen hat, habe ich erst abgesagt. Aus meiner Sicht hatte es keinen Sinn, weil ich ständig verletzt war. Dazu kam, das der KSV ca. 180.000 DM Ablöse für mich zahlen musste. Schließlich konnten sie mich dann doch überreden. Ich ging nach Kassel, habe in meinem ersten Spiel zwei Tore geschossen und mir gleich den Meniskus gerissen. So lag ich wieder im Krankenhaus. Allerdings hatte ich in den folgenden 3 ½ Jahren beim KSV keine schweren Verletzungen mehr.

Wie sind Ihre Erinnerungen an die Kasseler Zeit?

Ulrich Wielandt: An Kassel habe ich sehr gute Erinnerungen, es war die schönste Zeit für mich. Nach dem ersten halben Jahr, bzw. nach der Meniskusverletzung lief es sehr gut. Wir hatten viele Zuschauer und auch sehr gute Trainer mit Rudi Kröner, Friedhelm Konietzka und Jörg Berger. Konietzka war für mich der beste Trainer. Er war unwahrscheinlich autoritär. So durfte man sich zum Beispiel beim warmlaufen nicht unterhalten, etc. An ihm hat mir gefallen, dass er sich von außen nichts hat sagen lassen. Bei aller Härte war er aber auch sehr gerecht. Man wusste, dass man spielt, wenn man Leistung bringt. Man hätte nicht mit ihm ein Bier trinken können und sich somit hintenrum in die Stammelf schummeln können. Diese Geradlinigkeit hat mir gefallen, auch wenn viele Spieler mit Sicherheit sagen, dass er zu hart war.

Sie sind als Stürmer nach Kassel gekommen und haben unter Konietzka in der Saison 1982/83 in der Abwehr gespielt. Wie kam es dazu?

Ulrich Wielandt: Ich war von der Jugend an immer Stürmer gewesen, so wie auch in meiner Zeit in Gladbach und in der Anfangszeit beim KSV. Im ersten Training unter Konietzka sagte er zu mir, dass ich jetzt nicht mehr im Sturm spiele, sondern dass er aus mir einen Vorstopper und damit mich zum Nationalspieler macht. Ich bin dann nach Hause gefahren und habe zu meiner Frau gesagt: „Komm lass uns packen, wir haben einen Verrückten bekommen“. Ich hatte vorher noch nie Vorstopper gespielt. In meinem ersten Heimspiel in der Saison haben wir dann gegen den SC Freiburg 0:0 gespielt. Mein Gegenspieler hieß Hans Benz und der hat mich ziemlich schwindelig gespielt, weil ich immer unterwegs war. Da musste ich scharfe Kritik einstecken. Im nächsten Spiel ging es dann gegen Hannover 96 im Auestadion. Zu der Zeit war Dieter Schatzschneider der Mann in Angriff. Gegen den musste ich spielen und er hat in diesem Spiel keinen Stich gemacht. So wurde ich auf dieser Position dann immer besser. Egal ob es Emanuel Günther, Olaf Thon oder Jürgen Klinsmann war, von denen hat keiner ein Tor geschossen. Mein Vorteil war, dass ich als Stürmer die Laufwege kannte. So musste ich auch selten grätschen. Unter Jörg Berger habe ich auch noch in der Abwehr gespielt, erst beim Freiburger FC bin ich dann ins Mittelfeld gewechselt.

An welches Spiel erinnern Sie sich besonders?

Ulrich Wielandt: Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München in der Saison 1983/84. Wir haben zwar 0:3 zu Hause verloren aber das war eine schöne Erfahrung. Die Sportschau war da und es musste sogar eine Zusatztribüne aufgestellt werden, denn bei dem Spiel waren über 20.000 Zuschauer im Auestadion. Das besondere an dem Spiel war auch, dass wir zu diesem Zeitpunkt erster in der 2. Bundesliga waren und Bayern München erster in der Bundesliga. Ich erinnere mich aber auch gerne an die Atmosphäre in Aachener Tivoli oder auch auf Schalke und in St. Pauli. Diese Spiele vergisst man nicht. Wenn man in St. Pauli spielt, muss man absolut gute Nerven haben. Man spielt da wie in einem Käfig. Ein Tollhaus, so wie es auch heißt. Leider hat es für uns nie zum Aufstieg in die Bundesliga gereicht. In meiner Zeit sind wir dreimal vierter in der 2. Bundesliga geworden. Auch in dem Jahr nach meiner Zeit war es so knapp.

In Kassel gibt es nach wie vor Leute, die davon überzeugt sind, dass der KSV Hessen Kassel nicht aufsteigen wollte/durfte ...

Ulrich Wielandt: Das ist dummes Geschwätz. Das kann ich bei den Trainern und bei der Mannschaft zu 100 Prozent ausschließen. Kröner, Berger und vor allen Dingen Konietzka wollten auf jeden Fall aufsteigen. Ob es jemanden von der Führungsetage gepasst hat, dass wir nicht aufgestiegen sind, das weiß ich nicht. Aber selbst wenn, die hätten keinen Einfluss gehabt. Vielleicht haben sich einige ältere Spieler gedacht, dass es bei einem Aufstieg bei ihnen aus wäre, aber selbst das kann ich nur vermuten. Es ist auch sehr schade, denn wir haben vier Boom-Jahre beim KSV Hessen Kassel gehabt. Die Zuschauer sind von überall hergekommen. Wir hatten einen Schnitt von 14.500 Zuschauern pro Spiel und das war für die damalige 2. Bundesliga ein unglaublicher Schnitt. Es war dann schon verwunderlich, dass wir das an unseren Gehältern nicht gemerkt haben. Wenn man das mit anderen Vereinen verglichen hat, musste man sich schon fragen, wo das ganze Geld geblieben ist. Selbst um die Punktprämie mussten wir hart feilschen. Es gab drei bis vier Topverdiener in der Mannschaft, mich eingeschlossen, die vielleicht um die 100.000 DM im Jahr verdient haben. Von Olaf Thon wusste man aber, dass er das vierfache verdiente. Bei dem Potential und dem riesen Umfeld, was der KSV damals hatte, wäre viel mehr Möglich gewesen, wenn ein besseres Management geführt worden wäre.

Haben Sie noch andere Angebote aus der Bundesliga bekommen?

Ulrich Wielandt: In der Saison 1983/84 habe ich ein Angebot von Borussia Dortmund bekommen. Ich habe das Angebot aber nicht wahrgenommen, weil ich zurück nach Freiburg wollte und so bin ich 1984 zum Freiburger FC gewechselt. Im Wildparkstadion in Karlsruhe hatte ich das per Handschlag klargemacht. Es war gerade unser zweites Kind unterwegs und das erste, was übrigens im Februar 1982 in Kassel geboren wurde, musste in den Kindergarten. Von daher war es der beste Zeitpunkt. Mein Abschied aus Kassel war allerdings nicht ganz so, wie ich es erhofft hatte. Ich hatte frühzeitig dem Jörg Berger gesagt, dass ich wechseln werde. Zum Ende der Saison hieß es dann, dass ich als Leistungsträger bleiben müsste. Allerdings war mein Vertrag ausgelaufen und es war eigentlich alles korrekt. Es wurde dann noch schlechtes über meine Frau in der Zeitung geschrieben, aber es war sowieso unsere gemeinsame Entscheidung, dass wir nach Freiburg gehen. Und so sind wir dann zurück in unsere Heimat.

Was haben Sie nach Ihrer aktiven Fußballkarriere gemacht?

Ulrich Wielandt: Ich habe zunächst noch zwei Jahre beim FC Freiburg gespielt und war dann sieben Jahre lang Spielertrainer beim SV Kappel und dem SV Endingen. Außerdem habe ich noch Alte Herren in meinem Wohnort Heitersheim gespielt und in verschiedenen Prominentenmannschaften.

Was machen sie beruflich?

Ulrich Wielandt: Ich habe in Freiburg Lehramt für Grund- und Hauptschule studiert und dort auch mein erstes Staatsexamen gemacht. In Kassel habe ich neben dem Fußball mein zweites Staatsexamen gemacht und in meinem Referendariat an einer Schule in Wilhelmshöhe unterrichtet. Es war mein Traumberuf, allerdings gab es Probleme weil ich zwei Staatsexamen in zwei verschiedenen Bundesländern gemacht habe und somit wurde ich weder in Kassel noch in Freiburg eingestellt. Ich wäre dann auf eine Warteliste gekommen und erst Jahre später eingestellt worden. So habe ich mich dann weiter umgeschaut und noch in Kassel bei der Berlin-Kölnischen Versicherung eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann gemacht. Mittlerweile bin ich fast 20 Jahre dabei und arbeite bei der Zürich Gruppe Deutschland.

Wie groß ist Ihr heutiges Interesse am Fußball?

Ulrich Wielandt: Ich habe den Weg des KSV Hessen Kassel noch weiter verfolgt. Auch den von Gladbach und Freiburg. Allerdings ist mein Interesse am Fußball nicht mehr so groß, wie es mal war. Selbst beim SC Freiburg, der nur ein paar Kilometer von mir entfernt ist und von dem ich auch einige Leute persönlich kenne, war ich in den letzten 10 Jahren vielleicht nur ein oder zweimal. 1992 bin ich gläubig geworden, ähnlich wie auch Jorginho oder Heiko Herrlich. Ich habe Jesus angenommen und mich in der Bibel vertieft. Außerdem habe ich ein Familie mit drei Töchtern und damit auch andere Interessen.

Tim Siebrecht