Zu Beginn dieser
Saison bist Du vom KSV Baunatal zum KSV
Hessen gewechselt. Kommst Du aus der Baunataler
Jugend?
Artur Tews:
Nein. Als ich 5 Jahre alt war, bin ich
erst mit meiner Familie nach Deutschland
gezogen. Ich habe einen deutschen Pass,
bin aber in Tadschikistan geboren. 9 Jahre
lang habe ich dann in der Jugend des FC
Homberg gespielt und bin ab der A-Jugend
zu Neukirchen in die Landesliga gewechselt,
bevor ich nach Baunatal kam. Meine Motivation
bei Baunatal war es, so gut wie möglich
auf mich aufmerksam zu machen, um mich
größeren Vereinen anzubieten,
was mir jetzt auch gelungen ist.
Hast Du auch
für eine Jugendauswahlmannschaft
gespielt?
Artur Tews:
Ich war erst in der Bezirksauswahl Kassel
und habe mich darüber für die
Hessenauswahl qualifiziert, mit der ich
auch im Länderpokal gespielt habe.
Es gibt in Grünberg ein Turnier,
wo die sechs Bezirke gegeneinander spielen.
Bei diesen Turnieren beobachtet der jeweilige
Verbandstrainer die Spieler, sucht sich
die besten 32 Spieler heraus und benennt
daraus die 16 Spieler für die Hessenauswahl.
Leider hat es aber nie für die U17
oder U18 gereicht.
Auf welcher Position
spielst Du am liebsten?
Artur Tews:
In meiner Jugend habe ich natürlich,
wie jeder andere, gerne Tore geschossen.
Deswegen fängt man auch an, Fußball
zu spielen. Aus diesem Grund spiele ich
auch heute noch gerne so offensiv, wie
möglich. In Baunatal wurde ich als
A-Jugendlicher in die erste Mannschaft
hoch gemeldet und habe als linker Verteidiger
in der Viererkette gespielt. Das war die
einzige Position, wo ich damals eine Chance
hatte, in die Mannschaft zu kommen. Leider
war die rechte Mittelfeldseite mit Nils
Gertenbach schon besetzt gewesen, denn
das war die Position, die ich in der Jugend
am meisten gespielt habe.
Auf welcher Position
hast Du Dir vor Deinem Wechsel nach Kassel
Chancen ausge-rechnet?
Artur Tews:
Eigentlich im rechten Mittelfeld, weil
der KSV, auch nach Zeitungsberichten,
als flügellahm galt. Ich hatte auch
keine Bedenken nach Kassel zu wechseln,
denn ich musste es versuchen. Wenn ich
jetzt nicht zu Hessen Kassel gegangen
wäre, hätte ich mir keine weiteren
Gedanken machen müssen, ob ich den
Sprung in die Regionalliga oder 2. Bundesliga
schaffen kann.
Allerdings hattest
Du in Baunatal Deinen Stammplatz sicher.
Artur Tews:
In Baunatal hätte ich aber nichts
mehr dazu gelernt. In Kassel habe ich
im ersten Training sofort gemerkt, dass
ich hier eine viel höhere Anforderung
habe. Es wird zum Beispiel mit einer Sicherheit
ein Kurzpassspiel aufgezogen, wie ich
es vorher nicht kannte. Auch bei Trainingsspielen
geht es hier richtig zur Sache. In Baunatal
gab es Abschlussspiele, die 8:7 ausgingen
und so kann ich mich nicht richtig auf
ein Saisonspiel vorbereiten.
Bis auf ein paar
Spiele, bist Du nun aber wieder Defensivspieler.
Artur Tews:
Das war für mich keine Umstellung,
da es das vierte Jahr in der Defensive
ist und ich die Laufwege der Viererabwehrkette
kenne. Weiterhin liegt es zum größten
Teil an mir, wie offensiv ich meine derzeitige
Position interpretiere. Ich messe mich
als defensiver Spieler, wie ich mich jetzt
selbst bezeichne, nicht an den Defensivleistungen.
Die Defensive muss stehen, egal, ob ich
in der Viererkette spiele oder im defensiven
Mittelfeld und dann wird man daran gemessen,
was man offensiv macht. Deshalb ist es
auch immer wieder mein Drang, nach vorne
zu gehen. Ich muss jetzt wieder daran
arbeiten, das Spielerische, was ich früher
mal hatte, wieder zu finden. In den letzten
Jahren stand eher das Kämpferische
im Vordergrund, weil ich schnell und zweikampfstark
bin. Ich musste nur hinten absichern und
durfte nicht mit nach vorne gehen. Beim
KSV Hessen kann man sich aber auf andere
verlassen und es wird viel mehr gespielt.
Das war auch der Hauptgrund, warum ich
nach Kassel gegangen bin. Es ist für
mich ein weiterer Schritt nach vorne.
Du wurdest in
13 von 15 Spielen in dieser Saison eingesetzt.
Hast Du das so erwartet?
Artur Tews:
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass
ich so viele Spiele in der Abwehr spielen
würde. Es kommt mir aber zu gute,
dass wir auf die Viererkette umgestellt
haben, denn jetzt kann ich meine Ausdauer
und Schnelligkeit ausspielen. In dieser
Formation rückt ein Stammplatz für
mich immer näher, den ich auch in
Anspruch nehmen möchte.
Demnächst
steht wieder das Derby gegen Baunatal
an. Was erwartest Du in diesem Spiel?
Artur Tews:
Ich kenne die Emotionen, die bei so einem
Spiel aufkommen, denn der KSV Hessen polarisiert
natürlich. Es gibt in Baunatal Abneigungen
gegen den Verein und auch gegen ehemalige
Mitspieler, die jetzt beim KSV Hessen
spielen. Während des Spiels wird
mit allen Mitteln gekämpft, aber
nach dem Spiel werden wir uns wieder in
die Augen gucken können. Da wird
zwar auch noch diskutiert, aber nicht
mehr mit so viel Emotionen, wie auf dem
Platz. Ich möchte meinem ehemaligen
Verein auch nicht eins auswischen, aber
mit unserer Mannschaft ihnen die Punkte
klauen und ihnen zeigen, wo es lang geht.
Hast Du nach
Deinem Wechsel das Gefühl, dass Du
jetzt beim „Konkurrenten“
spielst?
Artur Tews:
Überhaupt nicht. Ich verfolge keine
Vereinsideologien, sondern ich will Erfolg
haben. Außerdem habe ich die ganz
große Zeit des KSV Hessen und KSV
Baunatal gar nicht miterlebt. Als ich
angefangen habe, im Verein Fußball
zu spielen, kannte ich beide Vereine,
weil sie starke Jugend-mannschaften hatten.
Deswegen habe ich auch zum KSV Baunatal
gar nicht den großen Bezug. Es ist
der Traum des Profifußballs, der
mich leitet, den ich konsequent verfolge
und niemals aufgeben werde. Dabei möchte
ich am liebsten in der Region bleiben,
einerseits weil ich in Kassel Wirtschafts-wissenschaften
studiere, aber andererseits auch wegen
meiner Familie. Und bei diesen Zielen
ist der KSV Hessen einfach der ideale
Verein.
Für wie
lange hast Du beim KSV unterschrieben?
Artur Tews:
Für ein Jahr und in der Zeit versuche
ich, mit dem KSV aufzusteigen. Das ist
das wichtigste Ziel. Wie es danach weitergeht,
wird sich zeigen. Ich denke aber jetzt
nicht, dass ich alles erreicht habe, was
ich wollte. Ich will unbedingt noch höher,
am besten natürlich mit der Mannschaft,
ansonsten aber auch alleine. Wenn man
sieht, welche Möglichkeiten in diesem
Verein stecken, was die Fans hier bewegen,
wie groß das öffentliche Interesse
am Verein ist und welche Spieler geholt
werden können, gehört der KSV
für mich jetzt schon in die Regionalliga.
Und mit unserer Mannschaft können
wir auch aufsteigen, wenn wir konstanter
spielen.
Zum Schluss noch
meine Standardfrage zu Deinem Lieblingsfilm
und Deiner Lieblingsmusik.
Artur Tews:
Zur Zeit „Bad Boys II“ und
meine Musik ist Soul, Blues, Hip Hop aber
auch Elvis und Frank Sinatra.
Tim Siebrecht