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Du bist in Halle geboren. Was waren Deine ersten Stationen als Fußballer?

Nico Steffen: Über meine Jugendvereine Motor Halle und Motor Ammendorf bin ich mit 13 Jahren auf die Sportschule des Halleschen FC gekommen. Es gab in der DDR keine speziellen Fußballschulen, sondern Sportschulen, mit allen Sportarten. Als ich neun Jahre alt war, bin ich in ein Trainingszentrum gekommen, wovon es in Halle fünf verschiedene gab. Dort wurden die Fähigkeiten überprüft, man hat Punkte bekommen und wenn man unter den besten 13 war, kam man auf die Sportschule. Mit 17 Jahren war ich dann in der ersten Mannschaft des HFC und habe in über 160 Spielen in der damaligen Oberliga gegen Traditionsvereine, wie FC Magdeburg, Dynamo Dresden und VFB Leipzig gespielt. Später kam ein neuer Trainer, mit dem ich Probleme hatte und so bin ich während der Saison 2001/02 zu Grün-Weiß Wolfen gewechselt.

Was waren Deine Ambitionen als Jugendlicher?

Nico Steffen: Ich habe nur für den Fußball gelebt. Mit 17 Jahren habe ich schon in der Oberliga, der damaligen 3. Liga gespielt und dachte auch, dass ich noch weiter oben spielen werde. Wenn man aber einige Zeit in der Oberliga spielt, bleibt man in der Oberliga hängen. Deshalb ist es jetzt mein größtes Ziel, in die Regionalliga aufzusteigen. Ich will einfach noch mal höher spielen und traue mir das auch zu.

2002 warst Du mit Wolfen im Finale des Landespokals Sachsen-Anhalt gegen Deinen Ex-Club Halle.

Nico Steffen: In dem Spiel habe ich auch ein Tor gemacht, das 1:2. Leider haben wir 1:3 verloren. Das Spiel war aber trotzdem eine super Sache für mich, denn ich habe bis heute sehr viele Freunde in Halle und ich weiß, dass es auch viele gerne sehen würden, wenn ich wieder dort spielen würde.

Halle war ein Profi-Club. Kannst Du Parallelen zum KSV ziehen?

Nico Steffen: Zur Wende war Halle in der 2. Bundesliga, ist dann in die Regionalliga abgestiegen und hat damals, wo die Regionalliga geteilt wurde, den Sprung in die neue Regionalliga verpasst, so dass man dann in der Oberliga war. Von den Vereinsstrukturen hat man in Halle gemerkt, dass da kein Konkurs dazwischen war, wie in Kassel. Viele professionelle Strukturen, die hier heute und in den letzten Jahren entstanden ist, waren dort vorhanden. Es war auch so, dass die Spieler des Vereins alle von der Sportschule kamen. Dort gibt es auch immer noch ein Sportinternat. Außerdem glaube ich, dass die Oberliga dort höher einzuordnen ist, weil dort die ganzen Traditionsvereine spielen. In der Oberliga Hessen sind es nur Hessen Kassel, Darmstadt und Fulda.

Wie würdest Du das Publikum in Halle und in Kassel vergleichen?

Nico Steffen: Vom Publikum her war es ähnlich. Es ist dort auch so, dass zu großen Spielen wesentlich mehr Leute ins Stadion kommen. Allerdings war die Mentalität dort etwas anders. In Kassel ist das Publikum laut, wenn man gut spielt und still, wenn man schlecht spielt. In Halle ist das Publikum schon mehr aus sich rausgegangen, auch wenn es mal nicht so gut lief.

Wie kam Dein Kontakt nach Kassel zustande?

Nico Steffen: Das ist eine lange Geschichte. Kurz gesagt habe ich einen Verein gesucht, was auch einer meiner besten Freunde, Dariusz Wosz, den ich aus Halle kenne, mitbekommen hat. Über Mirko Dickhaut, der mit Dariusz in Bochum spielte, kam der Kontakt nach Kassel zustande. Für mich war dann klar, dass ich nach Kassel gehe, wenn der KSV in die Oberliga aufsteigt.

Was hat den Ausschlag gegeben, nach Kassel zu wechseln?

Nico Steffen: Unter anderem, dass ich hier meine Ausbildung als Bürokommunikationskaufmann beenden kann. Dieser Ausbildungsplatz wurde mir vom KSV bei VW beschafft. Im Mai 2004 mache ich den Abschluss und da zum Ende dieser Saison auch mein Vertrag beim KSV Hessen Kassel ausläuft, stehen alle Türen offen. Ich würde aber sehr gerne hier in Kassel bleiben. Selbst wenn wir den Aufstieg nicht schaffen sollten, hätte ich kein Problem, noch ein Jahr in der Oberliga zu spielen.

Es ist Deine zweite Saison in Kassel und Du hast wegen den vielen Transfers zwei unterschiedliche Mannschaften kennen gelernt. Kann man diese beiden Mannschaften vergleichen?

Nico Steffen: Letztes Jahr hatten wir auch eine sehr gute Mannschaft und man hätte aufsteigen können. Mir persönlich ist die jetzige Mannschaft aber viel sympathischer. Wir sind jetzt einfach mehr eine Mannschaft. Wenn wir letztes Jahr eine richtige Mannschaft gewesen wären, hätten wir auch am Ende mehr Punkte gehabt. Damit meine ich nicht nur die Rückrunde, sondern die gesamte Saison. Es gibt jetzt auch keine überheblichen Spieler, die sich etwas darauf einbilden, in einer höheren Liga gespielt zu haben. Ich fühle mich auch bedeutend wohler, weil mehr Ossis hier sind ...

Stimmst Du zu, dass die Qualität der Spieler dieses Jahr ausgeglichener ist, als letztes Jahr?

Nico Steffen: Das Ausschlaggebende ist, dass wir uns untereinander alle grün sind und miteinander vernünftig umgehen. Das ist es, was die Mannschaft stärker macht. Eine zusätzliche Stärke der Mannschaft ist, dass im Grunde jeder in der Mannschaft ersetzbar ist und es für jeden einen zweiten Mann gibt, der nicht schlechter ist, als derjenige, der spielt. Wir sind dieses Jahr auch vom Spielerischen stärker, als letztes Jahr. Damals mussten in der Winterpause neue Spieler geholt werden, die zwar dachten, dass sie in der Oberliga spielen können, aber dann doch nicht erfüllen konnten, was man von Ihnen erwartet hatte. Erst zum Ende der letzten Saison hatten wir eine Siegesserie hingelegt, ähnlich wie jetzt.

Die gleiche Situation mit den verlockenden Überlegungen „aufzurüsten“, könnte auch in dieser Winterpause entstehen, wenn Darmstadt weiter „taumelt“ und ihr noch einmal Punkte aufholen könnt.

Nico Steffen: Das glaube ich nicht, denn es wäre nicht unbedingt nötig. Die Mannschaft ist auf jeder Position doppelt besetzt, was will man da noch dazu kaufen? Ich glaube auch, dass wir vom spielerischen stärker sind, als Darmstadt. Leider haben wir es im direkten Duell nicht bewiesen, weil wir vielleicht zu viel Respekt hatten. Ich bin aber überzeugt, dass wir den Aufstieg schaffen und glaube sogar, dass wir in der Winterpause Tabellenerster sind, wenn wir bis dahin keinen Punkt mehr abgeben.

„Erzhausen“ war das erste Spiel, wo ihr die Punktverluste von Fulda und Darmstadt ausgenutzt habt. Wieso konntet ihr das vorher nicht umsetzen?

Nico Steffen: In diesem Spiel hat man unseren Zusammenhalt in der Mannschaft am besten gesehen, weil der eine für den anderen gegangen ist. Sonst hätten wir dieses Spiel auch nicht gewonnen. Warum das vorher nicht ging, ist schwer zu beantworten. Ich denke es war das Problem, mit dem eigenen und dem öffentlichen Druck, unbedingt gewinnen zu müssen, aufs Spielfeld zu gehen. Später wurde das Wort „Darmstadt“ nicht mehr in den Mund genommen und man hat uns einfach spielen lassen. Man hat dann gesehen, dass wir solche Spiele gewinnen, weil wir uns selbst nicht so unter Druck setzen.

Wie bist Du in der letzten Saison mit der Kritik über das Flügelspiel des KSV umgegangen, die Du in diesem Falle auch auf Dich beziehen musstest?

Nico Steffen: Im nachhinein betrachtet, kann nicht letztes Jahr schlecht gewesen sein, was heute gut ist. Letztes Jahr galt die Mitte als überragend und die Außenspieler als schlecht. Es ist aber so, dass wenn die Mitte gut ist, auch die Außenspieler gut sind, denn die sind auf die zentralen Spieler angewiesen. Wenn ich aus der Mitte gute Pässe bekomme, kann ich glänzen, bekomme ich keine Pässe, geht das nicht. Und dann kann ich auch keine Flanken schlagen.

Geht Deine Kritik in Richtung Andreas Mayer?

Nico Steffen: Dazu sage ich nichts.

Wie motivierst Du Dich gegen Mannschaften, wie Bad Vilbel oder Wörsdorf?

Nico Steffen: Für diese Spiele muss ich mich nicht besonders motivieren. Die muss man einfach gewinnen. Wenn ich auf dem Spielfeld bin, ist es mir eigentlich egal, gegen welche Mannschaft wir spielen. Allerdings gibt es Gegner, die uns liegen und auch Gegner, die uns nicht liegen. Ich fahre zum Beispiel sehr gerne nach Wald-Michelbach, weil ich da weiß, die hauen wir weg. Vielleicht liegt es daran, dass es eine Mannschaft ist, die mitspielt.

Auf dem Platz spielst Du gerne mit Provokationen.

Nico Steffen: Auf jeden Fall. Das brauche ich, um mich selbst heiß zu machen. Für mich gehört das zum Fußball und was danach kommt, ist erst einmal egal. Wenn man auf dem Platz provokant spielt, heißt das aber nicht, dass es nach dem Spiel so weiter geht.

In Deiner Zeit beim KSV bist Du, aufgrund Deiner Tore, der Mann des ersten Spieltags. Bist Du da besonders motiviert?

Nico Steffen: Nein, da legen sie mir besser auf ...

Welche Schlagzeile würdest Du gerne einmal lesen?

Nico Steffen: Steffen schießt Kassel in die Regionalliga!

Zum Schluß interessiert mich noch Dein Film-Tip und Dein CD-Tip.

Nico Steffen: Mein Filmtipp ist Coyote Ugly. Es gibt aber keine Stilrichtung in der Musik, die mich besonders begeistert. Ich höre mir alles an.

Tim Siebrecht