Wie war ihr sportlicher
Werdegang?
Hans-Adolf Schade:
1960 bin ich von BC Sport Kassel in die
Jugendmannschaft des KSV Hessen Kassel
gewechselt und habe zwei Jahre A-Jugend
gespielt. Danach bin ich zu den Amateuren
des KSV gewechselt und hatte in der Saison
1963/64 meine ersten Einsätze für
die erste Mannschaft. Insgesamt war ich
13 Jahre beim KSV Hessen Kassel. Zur Saison
1973/74 bin ich dann zum KSV Baunatal
gewechselt und habe drei Jahre Hessenliga
und drei Jahre 2. Bundesliga Süd
gespielt. Mit 35 Jahren war ich noch 4
Jahre Spielertrainer in Immenhausen und
habe dann aufgehört zu spielen. Ich
hatte eine Trainer-Lizenz gemacht und
war noch 2 Jahre Trainer beim KSV Baunatal
in der Oberliga. Später in der Zeit,
wo mein jetziger Kollege Karl-Heinz Schwabe
Präsident des KSV Hessen Kassel war,
habe ich zwei Jahre im Spielausschuss
des gearbeitet.
Was ist ihr Beruf?
Hans-Adolf Schade:
Ich bin Rechtsanwalt und Notar. Ich habe
schon während meiner Zeit als Spieler
beim KSV Hessen Kassel in Göttingen
Jura studiert. Mit dem Geld, was ich beim
KSV verdient habe, konnte ich mir mein
Studium finanzieren und mir auch ein Auto
kaufen. Wir haben damals nur 3 mal in
der Woche trainiert. Somit haben wir am
Wochenende gespielt, Montags bin ich nach
Göttingen gefahren, Dienstags mit
dem Auto nach Kassel zum Training, Mittwochs
habe ich in Göttingen bei 05 trainiert
und Freitags zum Abschlusstraining wieder
in Kassel.
Gab es nicht
den Gedanken zu Göttingen 05 zu wechseln,
wenn Sie sogar schon mittrainieren durften?
Hans-Adolf Schade:
Göttingen war sehr gut damals. Die
haben in der Regionalliga Nord gespielt
und standen in der Tabelle oft höher,
als der KSV. Ich hatte aber auch von Karlsruhe
und von Mönchengladbach Angebote.
Wir haben ein Freundschaftsspiel gegen
Borussia Mönchengladbach gespielt
und ich hatte es als Linksaußen
gegen Berti Vogts, der rechter Verteidiger
war, zu tun. Da habe ich ein sehr gutes
Spiel gemacht und ihn wohl 2-3 mal überlaufen
können. Nach dem Spiel kam dann ein
Anruf von dem Verein, ob ich nicht ein
Probetraining machen wollte. Ich wollte
aber nicht wechseln und dann in Köln
zur Uni zu gehen. Außerdem hatte
ich eine Erdverbundenheit zur Region.
Ich hatte hier meine Familie, meine Freundin
und Kumpels. Ich habe auch in der Studentennationalmannschaft
gespielt.
Welche Rolle
haben Sie in der Mannschaft des KSV Hessen
Kassel gespielt?
Hans-Adolf Schade:
In der Jugend habe ich im Mittelfeld gespielt.
Bei den KSV-Amateuren war ich dann zwei
Jahre Außenstürmer und danach
habe ich hinten rechts die Außenbahn
abgedeckt. Beim KSV Baunatal war ich 6
Jahre lang Libero.
Wie bewerten
Sie die Zeit beim KSV Hessen Kassel?
Hans-Adolf Schade:
1963 ist der KSV Hessen Kassel aus der
höchsten Klasse, der Oberliga Süd,
abgestiegen und hat in der folgenden Saison
nur knapp den Wiederaufstieg in die 1.
Bundesliga verpasst. Danach sind einige
Spieler weggegangen, wie zum Beispiel
Helmut Huttary, der zum VFB Stuttgart
in die 1. Bundesliga wechselte und es
wurde somit neu aufgebaut. Mitte der Sechziger
haben wir uns im Mittelfeld eingependelt.
Ende der Sechziger hatten wir eine sehr
gute Mannschaft, die fast nur aus nordhessischen
Fußballern bestand. Wir sind zweimal
knapp am Aufstieg in die Bundesliga gescheitert.
In der Saison 1970/71 sind wir zum Beispiel,
mit nur 2 Punkten Abstand dritter in der
Tabelle hinter dem Karlsruher SC geworden.
Der Zweitplazierte war für die Relegation
zur Bundesliga qualifiziert.
Wie kam es zu
Ihrem Wechsel nach Baunatal?
Hans-Adolf Schade:
Ich bin in meiner Referendarzeit zum KSV
Baunatal gewechselt, weil der KSV Hessen
Kassel eine Liga höher gespielt hatte
und das Training immer arbeitsintensiver
wurde. Mir wurde das zu viel, denn ich
musste hier am Landgericht mehr arbeiten,
als in meiner Studentenzeit. Außerdem
kannte ich schon einige Leute, die vorher
gewechselt waren. Und plötzlich bekamen
wir eine Mannschaft zusammen, die sehr
erfolgreich war. Das war reiner Zufall,
die wollten eigentlich gar nicht aufsteigen.
Es war eine Mannschaft aus gestandenen
Profis, die schon ein paar Spiele auf
dem Buckel hatten. Und so wurden wir Meister
und sind in die 2. Bundesliga Süd
aufgestiegen.
Wie haben Sie
die Rivalität zwischen dem KSV Hessen
Kassel und dem KSV Baunatal empfunden?
Hans-Adolf Schade:
Die gibt es nur unter den Fans. Unter
den Verantwortlichen gibt es die nicht.
Der KSV Hessen Kassel ist die Nummer eins
in Nordhessen und wird es immer bleiben.
Das Interesse der Leute hier und auch
über Kassel hinaus am KSV Hessen
Kassel ist viel größer, als
für den KSV Baunatal. Wenn ein Verein
in Nordhessen den Aufstieg schaffen kann,
ist es doch nur der KSV Hessen Kassel.
Die Regionalliga müsste eine Durchgangsklasse
sein und die 2. Bundesliga wäre das
Optimale. Ich habe aber keinen Einblick,
ob und wie es machbar ist, dies zu verwirklichen.
Gehen Sie heute
noch zu den Spielen vom KSV Hessen Kassel?
Hans-Adolf Schade:
Ab und zu, wenn ein entsprechendes Spiel
ist, wie zum Beispiel ein Derby. Ansonsten
habe ich viele andere Interessen. Ich
spiele zum Beispiel Tennis und so ist
der Samstag ein Tennis-Tag, wo ich dann
keine Zeit habe zum KSV zu gehen. Ich
erinnere mich gerne an meine Zeit beim
KSV, weil es meine Jugendzeit war. Ich
habe mit Uwe Habedank zusammen in der
A-Jugend gespielt und da sind wir zwei
mal Hessenmeister geworden und haben um
die Süddeutsche Meisterschaft gespielt.
Tim Siebrecht