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Du bist in Braunschweig geboren. Über welche Stationen bist Du nach Kassel gekommen?

Markus Krause: Ich bin in einem Dorfverein entdeckt worden und in die A-Jugend des VFL Wolfsburg gewechselt. Wir haben in der Regionalliga gespielt, der höchsten Spielklasse zu der Zeit. Insgesamt war ich 2 Jahre in der Jugendmannschaft und danach 2 Jahre als Vertragsamateur in der zweiten Mannschaft des VFL Wolfsburg. Ich habe auch öfters bei den Profis mittrainiert, die in der 2. Bundesliga gespielt haben. Nach zwei Jahren Niedersachsenliga hat mich Gerd Roggensack zum SC Paderborn in die Regionalliga West/Südwest geholt. Ich habe dort einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Nach einem Jahr habe ich den Verein aber gebeten, den Vertrag aufzulösen, weil ich mich in Paderborn nicht wohlgefühlt habe. Ich bin ein offener Mensch und so waren mir die Leute dort zu konservativ. Danach bin ich zu Göttingen 05 in die Regionalliga Nord gewechselt. Wir haben in dieser Saison den 9. Platz erreicht und sind damit in die Oberliga Niedersachsen abgestiegen, weil die Regionalliga zweigleisig wurde. In Göttingen hat es mir sehr gefallen und so habe ich dann noch zwei Jahre Oberliga mit Göttingen 05 gespielt, bevor ich zum KSV Hessen Kassel gewechselt bin.

Welchen Stellenwert hat Fußball für Dich?

Markus Krause: Ich hatte als Kind schon den Traum, Fußballprofi zu werden. Wo andere vorm Computer gesessen haben und ihre Spiele gespielt haben, war ich alleine auf dem Sportplatz und bin da rumgeturnt. Ich habe sogar den Fußball noch mit ins Bett genommen. Ich bin in Braunschweig geboren und deshalb schon immer Fan von Eintracht Braunschweig. Als ich in der B-Jugend gespielt habe, war ich auch Balljunge bei den Spielen der ersten Mannschaft. Braunschweig hat da noch im alten Stadion gespielt und es kamen immer 20.000 Fans zu den Spielen.

Dann müsste es eigentlich Dein Traum sein, nach Braunschweig zu wechseln. Die spielen „nur“ eine Klasse höher ...

Markus Krause: Die Fußballbegeisterung in Braunschweig ist wie eine Art Religion. Für jeden Braunschweiger, der dort aufgewachsen ist, wäre es das Größte, bei der Eintracht zu spielen. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich nicht gerne beim KSV spiele. Im Gegenteil. Ich spiele in Kassel so gerne, weil hier eine ähnliche Begeisterung wie in Braunschweig ist, nur eine Nummer kleiner, weil wir hier Oberliga spielen. Wenn wir Regionalliga spielen würden, hätten wir gleich ein paar tausend Fans mehr im Stadion. Man hat es im Spiel gegen Darmstadt gesehen, wo 9.000 Zuschauer gekommen sind. Das ist doch Wahnsinn, in der Oberliga so viele Zuschauer zu haben. Da laufe ich als Spieler von ganz alleine.

Du bist in der Saison 2000/01 mit Göttingen 05 Meister in der Oberliga geworden. Wieso seid ihr nicht aufgestiegen?

Markus Krause: Meiner Meinung nach wurde schlecht gewirtschaftet und zu teure Spieler verpflichtet. Somit haben wir für die Regionalliga keine Lizenz bekommen, obwohl wir sportlich aufgestiegen waren. Wir mussten im Relegationsspiel gegen Holstein Kiel antreten. In Kiel haben wir 0:2 verloren und dann zu Hause 3:0 gewonnen. Da war die Euphorie natürlich groß. Obwohl, bei dem Spiel waren in Göttingen gerade einmal 6.000 Fans. Da sieht man den Unterschied zu Kassel, wo schon zu einem Meister-schaftsspiel 9.000 Zuschauer kommen. Dort gab es diese Fußballbegeisterung nicht, wie in Kassel.

In Göttingen hast Du mit Thorsten Schönewolf zusammengespielt. War euer Zusammenspiel mit dem heutigen zu vergleichen?

Markus Krause: Ja. Nur weil wir jetzt bei anderen Vereinen spielen, ändern wir nicht unsere Spiel-weise. In Göttingen war er auch Libero und ich war Verteidiger. Wir haben da auch schon sehr gut harmoniert. Das Interessante ist auch, dass er nach Paderborn gewechselt ist, als ich nach Göttingen gegangen bin. Durch Zufall haben wir da nicht zusammen gespielt und uns erst in Göttingen getroffen.

In der Oberliga Niedersachsen hast Du auch gegen Silas Owusu gespielt, der damals bei Kickers Emden war.

Markus Krause: Silas habe ich erst in Kassel kennen gelernt. Ich stelle mich vor einem Spiel nicht auf einen Gegenspieler ein. Bei mir bekommt jeder Feuer und damit fertig. Ich merke mir die Gegenspieler auch nicht, außer vielleicht die Stürmer. Wenn ich nächstes Jahr zum Beispiel mit einem aus Frankfurt zusammenspiele, würde ich den nicht wieder erkennen.

Ich glaube nicht, dass aus Frankfurt ein Spieler verpflichtet wird ...

Markus Krause: ... glaube ich auch nicht, weil die Südhessen kein Fußball spielen können!

Wo wir gerade dabei sind: Gibt es einen Verein, für den Du nie spielen würdest?

Markus Krause: Ich als Braunschweiger sage natürlich Hannover 96.

Achtest Du auf Zwischenrufe aus dem Publikum?

Markus Krause: Ich mag es, wenn mich die gegnerischen Fans während des Spiels beleidigen. Da werde ich richtig gepusht. Ich mag auch das harte Spiel mit meinem Gegenspieler. Wenn er seinen Körper einsetzt und foult, pusht es mich an und ich werde richtig aggressiv und kann meine Leistung abrufen. Ich bin ein Kämpfer und kein Techniker.

Bei Ecken geht immer einer aus der hochgewachsenen KSV-Abwehr mit nach vorne. Wie besprecht ihr euch da, bzw. laufen da irgendwelche Wetten, wer mehr Tore schießt?

Markus Krause: Es gibt bei uns Zeichen, die vorher abgesprochen werden, bevor eine Ecke getreten wird. Das machen wir drei Abwehrspieler und Thorsten Bauer untereinander aus. Es weiß dann jeder von uns, wo er hinlaufen soll. Eine Ecke ist sehr wichtig, weil sie jedes Mal eine Torchance ist. Meist kommen wir dann von hinten in den Strafraum gelaufen. Das muss so sein, weil man vorm Torwart nur die Sprungkraft aus dem Stand hat. Wetten gibt es bei uns nicht, weil sonst jeder den Ball haben will und dann alles durcheinander laufen würde. Drei bis vier Tore pro Saison müssen bei unseren Größen aber schon drin sein.

In dem Freundschaftsspiel gegen Gladbach hast Du gegen Arie van Lent gespielt. Wie war das?

Markus Krause: Vom Spielerischen war es herrlich. Man hat an sich selbst Ansprüche und denen kann man in diesen Spielen gerecht werden, indem man seine Leistung abruft. Wenn man gegen einen Bundesligastürmer spielt, muss man wirklich alles aus sich rausholen und hundert Prozent konzentriert sein. Bei dem Spiel gab es dann noch eine interessante Situation: Bei einer Ecke sind wir beide zum Kopfball hochgesprungen und zusammengestoßen. Er ist dann, trotz seines wuchtigen Körpers, weggeflogen. Daraufhin hat er mich gefragt, ob ich ihn gefoult hätte. Er hatte gedacht, dass ich ihn mit den Händen weggestoßen hätte. Es war aber ein regulärer Zweikampf und deshalb war seine Reaktion ein schönes Kompliment für mich.

Momentan laborierst Du an einer Verletzung am Knie. Was hast Du genau?

Markus Krause: Ich habe eine Bänderdehnung mit Verdacht auf Innenmeniskusriss. Man hat das auf den CT-Bildern gesehen. Es kann aber auch sein, dass dies eine alte Verletzung ist, weil ich schon einmal am Knie operiert wurde. Am Mittwoch habe ich im Pokal gegen TSV Wabern gespielt und habe selbst gemerkt, dass mir die Spritzigkeit gefehlt hat. Und da man einen Bezirksoberligisten nicht mit einem Oberligisten vergleichen kann, brauche ich noch ein wenig Zeit. Ich hätte der Mannschaft heute gegen Ober-Roden nicht geholfen.

Wenn Du sagst, dass es Dein Kindheitstraum war Profi zu werden, wie sieht dann Deine Zukunftsplanung aus?

Markus Krause: Ich bin jetzt 26 Jahre alt und fühle mich hier in Kassel und beim KSV Hessen Kassel mit seinen Fans, sehr wohl. Ich warte jetzt nicht mehr auf irgendein Angebot und werde das auch nicht mehr ankurbeln. Wenn man mit 26 noch vom Profifußball träumt, muss man schon überragend in der Regionalliga spielen. Regionalliga traue ich mir auch noch zu, aber dazu werde ich nicht mehr wechseln. Ich habe hier meine Freundin und meinen festen Arbeitsplatz bei der Stadt Kassel. Bei meinem Wechsel habe ich gleich einen Dreijahresvertrag unterschrieben und mich somit auf Kassel festgelegt. Mein Ziel ist es jetzt mit dem KSV Hessen Kassel in die Regionalliga aufzusteigen, alleine schon, um noch mehr Fans ins Auestadion zu locken. Es würden beim Aufstieg wieder 3.000 Zuschauer mehr kommen. Außerdem will ich gegen größere Mannschaften spielen und nicht mehr gegen Bernbach oder Wörsdorf. Da hole ich mir doch lieber die Offenbacher her. Dann müssen unsere Fans im Auestadion nicht alleine die Stimmung machen.

In dieser Saison habt ihr einige schwache Mannschaften unterschätzt. Wie kann das einer Mannschaft passieren, die so gut besetzt ist und das Ziel hat aufzusteigen?

Markus Krause: Ehrlich gesagt habe ich nur eine Mannschaft unterschätzt und das war Darmstadt. Das hört sich zwar komisch an, die hatten aber bislang fast nur knappe Ergebnisse und meistens viel Glück dabei. Bei uns ist das Problem, dass zu früh die Euphorie ausbricht. Auch jetzt wo wir drei Spiele gewonnen haben, gucken wieder einige auf Darmstadt. Mich interessiert Darmstadt gar nicht mehr, weil die immer noch 9 Punkte Vorsprung haben. Mich interessiert auch momentan die Tabelle nicht mehr. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken.

Wie bist Du zu Deinem Spitznamen "Mickie" gekommen?

Markus Krause: Ich höre gerne Schlager und feiere gerne. Der Spitzname wurde mir in Kassel von der Mannschaft gegeben, wegen dem Schlagersänger Mickie Krause.

Zum Schluss noch meine Standardfrage zu Deinem Lieblingsfilm.

Markus Krause: Ich bin kein Kinogänger. Im Fernsehen gucke ich gerne Serien, wie zum Beispiel „Hör mal wer da hämmert“.

Tim Siebrecht