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Du hast die slowenische Staatsbürgerschaft. Kommst Du ursprünglich aus Slowenien?

Rudi Istenic: Ich habe die deutsche und die slowenische Staatsbürgerschaft. In meiner Zeit in der 1. Bundesliga hat der slowenische Fußballverband mitbekommen, dass ich slowenische Eltern habe, so dass ich deren Staatsbürgerschaft annehmen und somit auch für die Nationalmannschaft spielen konnte. Da ich in Köln geboren bin, wollte ich die deutsche aber nicht abgeben.

Also hast Du nie in einem slowenischen Verein gespielt?

Rudi Istenic: Nein. In der Jugend habe ich unter anderem beim 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen gespielt und bin über Bayer Dormagen zu den Amateuren von Fortuna Düsseldorf gekommen. Damals war die erste Mannschaft in der 2. Bundesliga, wo mir der Trainer Aleksandar Ristic allerdings keine Chance geboten hatte. Somit bin ich zum SV Straelen gewechselt, wurde 1995 aber zurück zur Fortuna geholt, die gerade in die 1. Bundesliga aufgestiegen war. Im ersten Jahr habe ich als Vertragsamateur 15 Spiele gemacht, im zweiten Jahr war ich dann Stammspieler und Profi. Das heißt, dass ich im ersten Jahr vormittags noch gearbeitet habe und am Wochenende Bundesliga gespielt habe.

Was war Dein Beruf?

Rudi Istenic: Ich war Chemikant bei Bayer in Dormagen und hatte auch schon mit der Meisterschule angefangen, was ich eigentlich nicht aufgeben wollte. Allerdings war es auch immer mein Kindheitstraum, Fußballprofi zu werden und wenn ich es nicht versucht hätte, würde ich mir heute noch Vorwürfe machen.

Wann hat Deine Länderspielkarriere begonnen?

Rudi Istenic: In meiner Zeit bei Fortuna Düsseldorf ab 1997. Ich habe die Qualifikation zur Europameisterschaft gespielt und war auch beim Turnier im Jahr 2000 dabei. Zu der Zeit war gerade mein Vertrag beim KFC Uerdingen ausgelaufen und somit sollte das Turnier für mich ein Sprungbrett sein, im Profibereich einen neuen Verein zu finden. Mein Spielerberater hat sich aber zu sehr auf die Vereine der 1. Bundesliga konzentriert und somit konnte ich am Ende froh sein, dass ich bei Uerdingen in der Regionalliga wieder einen Vertrag bekommen habe.

Ab 2001 begann Deine Zeit in der Regionalliga mit Eintracht Braunschweig. Was hast Du da für Erinnerungen?

Rudi Istenic: Ich hatte Pech, weil ich mir einen Muskelbündelriss zugezogen hatte und vier Monate ausgefallen bin. Somit kam ich schon verletzt zu dem Verein und die Leute hatten von Anfang an einen Hals auf mich. Braunschweig hatte eine sehr starke Mannschaft und wir haben am Ende sogar den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Für die Saison 2002/03 hieß es dann, dass sie mit mir planen. Ich habe auch eine sehr gute Vorbereitung gespielt, wurde aber dann doch von heute auf morgen für die zweite Mannschaft aussortiert. Hätte ich dass vorher gewusst, wäre ich gleich gewechselt. Ich habe dann in der Oberliga gespielt, in 12 Spielen 10 Tore geschossen und mich damit weiter empfohlen. Trotzdem habe ich keine Chance mehr bekommen, im Gegenteil, man hat mich gar nicht mehr spielen lassen.

Du hast schon in vielen Vereinen gespielt, wie stark identifizierst Du Dich mit dem jeweiligen Verein?

Rudi Istenic: Es ist für mich zuerst einmal ein Job, bzw. mein Beruf. Bei mir war es bisher aber immer so, dass ich relativ lange bei dem Verein gespielt habe. Ich habe nie nur für ein halbes Jahr irgendwo gespielt, was diesem Legionärsimage gleich käme. In Düsseldorf waren die Fans sauer auf mich, weil die Medien mich in eine schlechte Rolle gebracht haben. Es hieß dort, dass ich nicht in der Regionalliga spielen wollte, was aber überhaupt nicht stimmt. Das Problem war, dass ich als Nationalspieler versuchen musste im Profibereich zu bleiben, um vom Nationaltrainer weiter berücksichtigt zu werden.

Wie ordnest Du den KSV Hessen Kassel in Deine Karriere ein, wo Du nun im Amateurbereich gelandet bist?

Rudi Istenic: Man muss sehen, dass ich 33 Jahre alt bin. Zudem stand für mich nicht nur der Fußball allein im Vordergrund, sondern es ging auch um die Perspektive im beruflichen Bereich. In Gesprächen wurde mir zugesagt, dass ich mich beruflich verbessern kann, wenn meine Karriere vorbei ist. Ich bilde mich in einem Fernstudium im Bereich Sportmanagement weiter. Es geht aber nicht darum, dass es mit dem Verein in Verbindung gebracht wird, sondern dass mir in diesem Bereich gewisse Leute zur Seite stehen, um mich irgendwo rein zu bringen.

Hast Du das Gefühl, dass Du vom Publikum aufgrund Deiner Vorgeschichte kritischer beurteilt wirst, als andere Spieler?

Rudi Istenic: Ja, aber das ist auch legitim. Von einem Spieler, der mal Bundesliga gespielt hat, muss man mehr erwarten. Ich setze mich auch selbst unter Druck. Es ist am Anfang hier alles ein bisschen ungünstig gelaufen, weil ich nach dem Heimspiel gegen Darmstadt von Thomas Freudenstein keine Möglichkeit mehr bekommen habe, mich positiv zu präsentieren. Ich habe aber so viel Professionalität gezeigt, dass ich trotzdem immer pünktlich war, bei jedem Training da war und mich in die Mannschaft eingebracht habe. Ich habe auch versucht, gerade die jungen Spieler weiter zu bringen. Das sehe ich als Plus, obwohl es mir schwer gefallen ist, immer nur gute Miene zum schlechten Spiel zu machen.

Wie beurteilst Du Dich selbst in den Spielen, wo Du auf dem Platz standest?

Rudi Istenic: Im Moment ist das alles noch zu wenig, da fehlt mir auch das halbe Jahr. Hans-Ulrich Thomale hat mir jetzt wieder mehr Spielpraxis gegeben. Meine Spiele waren ordentlich, aber auch nicht überragend. Ich erwarte auch mehr von mir und versuche wieder richtig in die Mannschaft zu kommen. Die Spieler, die die ganze Zeit spielen durften, haben natürlich wesentlich mehr Selbstvertrauen. In meiner Position setzt man sich dann mehr unter Druck, weil man im Prinzip alles machen will: das Spiel ankurbeln, am besten noch Tore schießen, usw. In meinem Spiel komme ich aber eher aus der Defensive und da muss man aufpassen, dass man die Disziplin wahrt, damit man nicht alles aufreißt.

In welcher Position fühlst Du Dich am wohlsten?

Rudi Istenic: So wie wir bisher gespielt haben. Wir haben zentral meist mit zwei Offensiven und einem Defensiven im Mittelfeld gespielt. Somit ist meine Position nicht so offensiv, wie dem Chala seine, sondern ich kann mehr von hinten raus mein Spiel machen. Ich bin und war noch nie der Sprintertyp. Ich bin ein Spieler, der das Spiel liest und der versucht ein gutes Aufbauspiel zu betreiben, mich anzubieten, gute Bälle zu spielen, so dass die Mannschaft Sicherheit hat und sich gute Chancen herausarbeiten kann.

Was sind Deine sportlichen Ziele?

Rudi Istenic: Ich will in den nächsten Spielen natürlich versuchen, besser zu spielen und meine Möglichkeiten, die ich habe, noch einmal richtig zu zeigen. Vor allen Dingen in den letzten Spielen der Saison, denn wir haben alle Möglichkeiten aufzusteigen. Für mich wäre es wichtig, wenn ich daran maßgeblichen Anteil hätte. Auch unter dem Aspekt, dass ich meinen Vertrag verlängert bekomme, der am Ende der Saison ausläuft. Ich fühle mich in Kassel sehr wohl, gerade auch unter dem neuen Trainer.

Egal ob Regionalliga oder Oberliga?

Rudi Istenic: Das spielt für mich keine Rolle. Aber es wäre schade, weil wir jetzt die Chance haben. Nur muss sich ja, wie gesagt, noch einiges im Umfeld verändern. Das heißt im Finanziellen, den Trainingsbedingungen, etc. Ich wünsche es jedenfalls der Region, denn der KSV ist ein Traditionsverein und hat auch viele Zuschauer. Der Umbau des Stadion ist nun auch beschlossen. Allerdings müssten sich damit auch die Trainingsbedingungen verbessern, so dass wir Flutlicht haben, wenn wir abends trainieren. Außerdem müssten die Plätze vernünftig gewartet werden.

Tim Siebrecht