Welche Änderungen
wird es in der neuen Saison im Spielbetrieb
des KSV geben?
Klaus Hennemann:
In diesem Verein muß sich noch einiges
in den Strukturen tun, auch wenn wir schon
viel durch unsere Vereinsgremien umgesetzt
haben. Wir wollen in der ersten Mannschaft
ein 18er Kader, in der zweiten eine 16er
Kader und darunter noch eine dritte Mannschaft.
Bei dieser dritten Mannschaft ist uns
aus Wilhelmshöhe eine ganze Mannschaft
mit 13 Spielern mit Betreuern zugelaufen,
die als Unterbau zur 2. Mannschaft spielen
werden. D.h. wir werden das Fundament
weiter ausbauen. Denn bisher war es ja
tatsächlich so, dass wir nur die
erste Mannschaft hatten und die Zweite
lief nur so als Anhängsel mit. Und
jetzt muß diese Pyramide vernünftig
hingebaut werden. Für die zweite
Mannschaft finanzieren wir dieses Jahr
auch ein Trainingslager, um auch ein Zeichen
zu setzen, wie wichtig uns die Mannschaft
ist. Somit fahren sie 3 Tage ins Trainingslager,
was noch nicht einmal die erste Mannschaft
bekommt. Wir haben für die zweite
und für die dritte Mannschaft auch
einen Trikotsponsor. Die Martini-Brauerei
wird das auf dem Trikot begleiten.
Wie wird die
Struktur der zweiten Mannschaft aussehen
und wie ist die Verbindung zur ersten
Mannschaft?
Klaus Hennemann:
Unsere Planung diese Saison, ist ein 18er
Kader in der ersten Mannschaft, plus 4
Perspektivspieler. Das sind Spieler, die
ständig im Kader der ersten Mannschaft
mittrainieren, aber vorwiegend, solange
kein Anderer verletzt ist, in der zweiten
Mannschaft spielen werden. Desweiteren
werden alle Spieler, die samstags nicht
in der ersten Mannschaft eingesetzt werden,
sonntags in der zweiten Mannschaft spielen.
Der Kader der zweiten Mannschaft ist dadurch
so zusammengestellt, dass es personelle
Engpässe, wie letzte Saison, nicht
mehr gibt. Letzte Saison bestand der Kader
im Prinzip aus 4-5 Spielern und wurde
am Spieltag dann aufgestockt mit Spielern
aus der A-Jugend und aus der ersten Mannschaft.
Wir wollen also, dass die zweite Mannschaft
ihren eigenständigen Kader hat und
als Mannschaft wachsen kann. Es wird dort
ein Junglöwen-Konzept umgesetzt,
worin 8 A-Jugendliche integriert werden.
Es soll eine junge Mannschaft werden,
die von 3-4 erfahrenen Spielern geführt
wird und so in der Bezirksliga möglichst
eine sehr gute Rolle spielt. Das langfristige
Ziel muß sein, die zweite Mannschaft
dahin zu bringen, dass der Unterschied
zwischen erster und zweiter Mannschaft
eine, maximal zwei Klassen ist. Das was
der KSV Baunatal praktiziert, ist zum
Beispiel ideal: erste Mannschaft in der
Oberliga, zweite Mannschaft in der Landesliga.
Wenn man will, dass die Spieler 13 bis
18 aus dem ersten Kader, die Perspektivspieler
und die nachrückenden A-Jugendspieler
eine vernünftige sportliche Perspektive
in unserem Verein haben, dann muß
diese zweite Mannschaft so gefördert
werden, dass sie mindestens Bezirksoberliga
spielt, langfristig dann aber Landesliga.
Wird der Aufstieg
der zweiten Mannschaft mit diesem Konzept
zur Pflicht?
Klaus Hennemann:
Wir wollen natürlich mit jeder Mannschaft
des Vereins versuchen, nächstes Jahr
aufzusteigen. Wir können aber die
Bezirksliga noch nicht so richtig einschätzen.
Wir wissen auch noch nicht, wie unsere
jungen Spieler dort im Seniorenfußball
zurecht kommen. Wir haben aber für
die zweite Mannschaft schon feststehende
Neuzugänge, die Bezirksoberliga und
höher gespielt haben. Dazu kommen
3-4 Spieler aus dem letztjährigen
Kader, die 8 A-Jugendspieler und die Perspektivspieler
Menne, Sandiford und ein Torwart aus der
ersten Mannschaft. Und mit diesem Kader
sollte man in der Bezirksliga oben mitspielen.
Welche Aufgaben
hat Thomas Freudenstein im Hinblick auf
die zweite Mannschaft?
Klaus Hennemann:
Thomas Freudenstein ist Cheftrainer und
wird ganz genau beobachten, was in der
zweiten Mannschaft passiert. Er hat klar
gesagt, dass er sich die Spiele der zweiten
Mannschaft ansehen wird und es kann sein,
dass noch ganz andere Spieler aus dem
Kader auf die Plätze der Perspektivspieler
rutschen, wenn sie gute Leistungen zeigen.
Und das ist der Hauptansporn. Das wird
sich auch herumsprechen und dadurch wollen
wir versuchen, viele Talente an uns zu
binden. Denn wir haben das große
Problem, dass im Grunde die 30 besten
A-Jugendspieler und die 30 besten B-Jugendspieler
Nordhessens allesamt in Baunatal spielen.
Im Moment konzentriert sich somit alles
in Baunatal. Langfristig wollen diese
Spieler aber auch im Seniorenbereich Perspektive
sehen. Und da wollen wir zeigen, dass
beim KSV nicht nur Spieler zusammengekauft
werden, sondern auch eigene Talente eine
Chance bekommen.
Wie bekommt man
diese Spieler schon vorher in den Jugendbereich
des KSV?
Klaus Hennemann:
Vorher bekommt man die nur durch Gespräche,
Verhandlungen und Überzeugungsarbeit,
was die sportliche Entwicklung angeht.
Das ist aber sehr schwierig, denn die
Jungs gucken auf das Geld. Und das Geld,
was in Baunatal gezahlt wird, haben wir
nicht. Unser Problem ist auch, dass wir
mit der A-Jugend unbedingt in die Oberliga
aufsteigen müssen. In der nächsten
Saison ist ja damit zu rechnen, dass die
Baunataler in der Bundesliga nicht so
gut zurechtkommen und eventuell sogar
absteigen. Dann würde deren Zweite
auch gleich mit absteigen und wenn wir
dann im Gegenzug aufsteigen, wäre
das natürlich sehr schön für
uns, denn dann wären wir mit dem
KSV Baunatal plötzlich wieder auf
einer Höhe.
Ist der große
Unterschied zwischen der Baunataler Jugend
und der KSV-Jugend auf den Konkurs von
Hessen Kassel vor 5 Jahren zurückzuführen?
Klaus Hennemann:
Eine gute Jugendarbeit hat der KSV Baunatal
schon immer gemacht. Das muß man
auch neidlos anerkennen. Da wurde in den
letzten 10 Jahren kontinuierlich gute
Arbeit geleistet und nun haben sie einen
zusätzlichen Schub durch die Verpflichtung
von Jörg Müller bekommen, mit
dem noch einige gute Spieler aus der B-Jugend
des KSV Hessen Kassel mit nach Baunatal
gegangen sind. Vorher hatte Jörg
Müller die B-Jugend des KSV trainiert
und auch den Klassenerhalt in der Regionalliga
geschafft.
Man hört
immer, dass der KSV Baunatal von der ersten
Mannschaft bis in die Jugendmannschaften
das gleiche System spielen, so dass ein
junger Spieler sich schnell in der jeweils
höheren Mannschaft zurechtfindet.
Ist ein ähnliches Prinzip in Kassel
geplant?
Klaus Hennemann:
Da arbeiten wir dran. Wir sind sehr dankbar,
dass wir einen sehr engagierten Trainer
Thomas Freudenstein haben, der sich auch
mit solchen Dingen beschäftigt. Oliver
Roggensack hat dies überhaupt nicht
interessiert. Er hatte sich weder mit
Jugendtrainern unterhalten, noch Jugendspieler
angeguckt und sich auch nicht um die zweite
Mannschaft gekümmert. Er hat sich
ausschließlich als Trainer der ersten
Mannschaft gesehen und nichts anderes.
Er hat zwar Vorschläge euphorisch
begrüßt, aber nichts davon
umgesetzt. Bei Thomas Freudenstein ist
das anders. Er ist Cheftrainer. Das heißt
er ist erster Trainer im Verein und im
Grunde genommen verantwortlich als Overhead
für alle Mannschaften und auch für
das Spielsystem. Und da wird er sich in
den nächsten Jahren Gedanken machen
müssen, wie wir diese Probleme im
Verein in den Griff bekommen. Natürlich
ist es bei uns im Verein immer etwas anderes
als in Baunatal, wo man kontinuierlich
10 Jahre in Ruhe arbeiten kann. Bei uns
ist wesentlich mehr Druck dahinter und
nicht ganz einfach, längerfristig
etwas aufzubauen. Aber mit Thomas Freudenstein
haben wir jemanden gefunden, wo ich überzeugt
bin, dass wir da in den nächsten
Jahren etwas erreichen können. Wir
hatten ihn auch vorher schon als Jugendkoordinator
im Verein vorgesehen. Dann kam aber der
Tag, wo wir Roggensack entlassen haben
und dann war er Trainer.
Wie weit ist
das Thema „Ausgliederung der ersten
Mannschaft“ aus dem Verein?
Klaus Hennemann:
Ab dem 01.07.2003 gründen wir eine
KSV Fußball GmbH, um das Marketing
direkt über den Verein abzuwickeln
und nicht mehr über das Sportmarketing.
Langfristig wird der Spielbetrieb dann
in diese GmbH verlagert. So werden dann
die Verträge nur noch mit dieser
Fußball GmbH abgeschlossen. Das
bedarf allerdings eines Beschlusses der
Mitgliederversammlung. Im Grunde genommen
ist das aber nach Vereinsrecht vorgeschrieben,
denn wir dürfen als eingetragener
Verein keinen wirtschaftlichen Betrieb
führen. Und das, was wir mit der
ersten Mannschaft machen ist ja schon
ein wirtschaftlicher Betrieb, wenn wir
350.000 Euro umsetzen. Somit müßten
im Prinzip alle Vereine in der 1. Bundesliga,
2. Bundesliga und den Regionalligen das
längst umwandeln in eine GmbH oder
KG oder in irgendeine andere Gesellschaftsform.
Wir werden somit auch nicht da herum kommen,
dies zu tun. Auf unserer Mitgliederversammlung
am 01.08.2003 werden wir das auch thematisieren,
aber noch keinen Beschluß fassen.
Es wird aber im Laufe des nächsten
Jahres ein Beschluß herbeigeführt,
um das zu ändern. Das bringt uns
auch eine große Sicherheit, denn
wenn diese GmbH Konkurs geht, ist der
Verein nach wie vor völlig intakt.
Es fällt lediglich die erste Mannschaft
weg und der restliche Spielbetrieb geht
ganz normal weiter. Und wenn man dann
mit der zweiten Mannschaft in der Landesliga
spielt, hat man nur ein Jahr verloren.
Das ist jetzt bei Waldhof Mannheim so
und in Ulm ist das auch schon passiert.
Es gibt auch keine Argumente, die dagegen
sprechen, da der Verein mit mindestens
51 % der Hauptgesellschafter ist.
Man hört
im direkten Vergleich zu den anderen Top-Teams
in der Oberliga oft, dass beim KSV Hessen
Kassel das Geld fehlt. Kann sich der Verein
überhaupt die Regionalliga leisten?
Klaus Hennemann:
Der Verein kann sich die Regionalliga
leisten, weil mit 460.000 Euro Fernsehgeldern
ein dicker Haufen in die Kasse kommt.
Außerdem ist es in der Regionalliga
möglich den ein oder anderen überregionalen
Sponsor zu bekommen. In der Oberliga ist
das sehr schwierig. Wir haben das Problem
als Viertligist mit den Huskies zu konkurrieren
und die binden die meisten Sponsorengelder
in Nordhessen. Wir haben es ja bei der
VW-Geschichte gesehen, wo wir auch dicht
dran waren und uns gesagt wurde, VW hätte
kein Geld. Kurze Zeit später haben
sie bei den Huskies einen großen
Abschluss im sechsstelligen Bereich gemacht.
Generell wäre die Regionalliga aber
finanzierbar, denn wir haben ja auch diese
Saison die Bewerbung eingereicht und auch
die Lizenz vom DFB bekommen, bzw. hätten
sie im Falle der sportlichen Qualifikation
bekommen. Das basiert natürlich darauf,
dass der Großteil der Spieler einer
Arbeit nachgehen. Das also mindestens
Halbtagsjobs dahinter stehen, um das gehaltsmäßig
dann dementsprechend auch hinzukriegen.
Ein Vollprofitum ist auf absehbarer Zeit
in Kassel nicht möglich. Weder in
der Oberliga noch in der Regionalliga.
Wie sieht denn
die finanzielle Lage im Moment aus? Wird
auf der Jahreshaupt-versammlung am 01.08.2003
ein Pressebericht darüber abgegeben?
Klaus Hennemann:
Ja natürlich. Der Schatzmeister wird
seinen Bericht dann abgegeben und die
Kassenprüfer geben eine entsprechende
Entlastung. Dann wird es einen Bericht
geben, wieviel Geld umgesetzt wurde und
wieviel am Ende über war. Wir haben
heute am 30.06.2003 einen Kassenstand
„Null“. Eine schwarze Null.
Keine Rote Zahlen, keine Schulden und
wir sind liquid. Wir haben sicherlich
diese Saison mehr Geld ausgegeben aber
auch wieder mehr eingenommen. Problematisch
wäre es aber geworden, wenn der DFB
irgendwelche Auflagen gesetzt hätte
und wir durch Baumaßnahmen unter
Druck geraten wären. Dann wären
wir in Schwierigkeiten gekommen, denn
das können wir nicht selber leisten.
Das ist das Problem mit der Stadt Kassel,
weil die mit dem Stadionbau nicht in die
Pötte kommen. Im Februar wurde uns
gesagt „im März rollen die
Bagger“. Es gibt fertige Bauzeichnungen
und Pläne aber sie machen nichts.
Das nächste Problem ist das Nordstadtstadion.
Da rührt sich auch nichts. Die ganzen
Mittel, immerhin 2,5 Millionen Euro, fließen
nur nach Kassel, weil der KSV Hessen sich
engagiert hat und gesagt hat „wir
gehen in die Nordstadt und trainieren
da“. Es gab 60 beantragte Projekte
für Kassel, aber nur 5 kamen in die
Förderung der EU. Daraufhin haben
SPD und CDU angefangen zu streichen. Und
die CDU hat gesagt, dass wir das Nordstadtstadion
nicht brauchen. Daraufhin hat die SPD
wieder gedrückt, worauf die CDU die
Forderung stellte, dass ein renommierter
Kasseler Verein mitmachen muß. Daraufhin
bin ich zur CDU gegangen, die mir sagte
„wenn der KSV Hessen erklärt,
dass er im Nordstadtstadion, in dem Falle
auf einem Kunstrasenplatz mit Flutlicht,
trainiert, dann unterstützen wir
das auch“. Damit ist das Projekt
wieder von der Streichliste in die Förderliste
gekommen. Jetzt muß die Stadt schnell
die Dinge mit der Baugenehmigung klären,
sonst ist das Geld weg. In Brüssel
wird nicht lange gefackelt. Es wäre
ärgerlich, wenn es nun nicht klappen
würde, denn einen Kunstrasenplatz
mit Flutlicht werden wir in Kassel bei
der klammen Finanzlage von Land, Bund
und Kommunen nie wieder bekommen.
Zum Schluss noch
eine Frage zur nächsten Saison. Es
gibt viel Diskussionsstoff durch die Verpflichtung
von Slawomir Chalaskiewicz. Ist der Spieler
vom Finanziellem und auch von der Fitness
als 39-Jähriger ein Risiko für
den Verein?
Klaus Hennemann:
Absolut nicht. Er war die letzten 5 Jahre
nicht verletzt gewesen. Den haben wir
für unsere Fans geholt. Ich habe
die Verabschiedung von ihm in Babelsberg
gesehen. Die Leute haben da kopfgestanden.
Er ist ein klassischer Führungsspieler,
läuferisch und auch in den Standardsituationen
sehr stark. Er hatte uns gefragt, wie
oft wir trainieren. „4mal“,
haben wir ihm geantwortet. „Das
ist wenig. Ich trainiere 10mal“.
Slawomir wird uns noch viel Spaß
machen!
Tim Siebrecht