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Nach Ihrer aktiven Karriere als Spieler konnten Sie sich nahtlos als erfolgreicher Trainer etablieren. Wie fing es an?

Dieter Hecking: Ich habe in der Saison 1999/00 meine letzte Saison als Spieler bei Eintracht Braun-schweig in der Regionalliga Nord gespielt und wurde dann ab der Saison 2000/01 Trainer des SC Verl. Nach einem halben Jahr habe ich diesen relativ kleinen Verein auf Platz fünf in der Regionalliga geführt und so kam das Interesse vom VfB Lübeck, der schon zu dieser Zeit ein Spitzenverein in der Regionalliga war. So sollte ich den VfB ab 2001/02 übernehmen, was aber schon auf März vorgezogen wurde, weil es in Verl nicht mehr so gut lief. Ich dachte, dass ich der Mannschaft noch einen Schub in Richtung Aufstieg geben könnte, was zunächst aber leider nicht geklappt hat.

In der folgenden Saison haben Sie mit dem VfB Lübeck den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. War es ein geplanter Aufstieg?

Dieter Hecking: Ja. Es war ganz klar die Vorgabe von Vereinsseite in der Saison 2001/2002 aufzusteigen. Wir haben auf einen guten Kern in der Mannschaft gesetzt und zusätzlich noch versucht, die vier bis fünf stärksten Regionalligaspieler zu bekommen. Das haben wir bei drei Spielern geschafft, außerdem noch drei sehr gute junge Spieler bekommen und eine sehr gute Saison gespielt. Der Einstieg für mich als Trainer war optimal und sehr erfolgreich mit dem Aufstieg, zwei guten Jahren in der 2. Bundesliga und dazu das Halbfinale im DFB-Pokal.

Bis auf die Zeit von 1995-97 hat der VfB Lübeck immer unter der 2. Bundesliga gespielt. Ist es jetzt das Ziel, sich in dieser Liga zu etablieren?

Dieter Hecking: Zuerst müssen wir uns in den letzten Spielen dieser Saison den Klassenerhalt sichern. Generell muss es aber das Ziel des Vereins sein, sich über Jahre in der 2. Bundesliga zu behaupten und Strukturen zu schaffen, die alles einfacher machen. Das heißt Trainingsbedingungen, Infrastruktur im Verein, zusätzliches Personal einstellen, etc. Das sind alles Sachen, die auch hier noch amateurhaft ablaufen, aber jetzt stetig verbessert werden.

Gibt es Unterschiede zwischen dem Spieler und dem Trainer Dieter Hecking? Gerade im DFB-Halbfinale waren Sie sehr impulsiv.

Dieter Hecking: Eigentlich nicht. Wenn man den Beruf des Trainers ausübt, sollte man diesen mit Leben füllen. Wenn ich als Trainer meinen Job nur absitze, macht es keinen Spaß. Ich denke, dass man gerade beim Fußball Emotionen zeigen muss, wenn es angebracht ist. Ich kann natürlich auch sachlich sein, aber irgendwann muss auch mal der Frust raus.

Haben Sie nach Ihrer Zeit beim KSV Hessen Kassel die weitere Entwicklung des Vereins verfolgt?

Dieter Hecking: Ja, natürlich. Ich habe fünf Jahre in Kassel gespielt, viele schöne Erinnerungen an diese Zeit und auch heute noch private Kontakte nach Kassel. Somit habe ich auch die weitere Entwicklung des Vereins verfolgt. Kassel war nach Borussia Mönchengladbach meine zweite Profistation. Schade, dass wir nach zwei Jahren in der 2. Bundesliga abgestiegen sind, allerdings waren die zwei Jahre Oberliga danach richtig klasse. Dann kam der Aufstieg in die 2. Bundesliga mit der ganzen Dramatik, dass man am letzten Spieltag wegen ein paar Toren wieder absteigt. Das war nicht schlecht, was in Kassel abgelaufen ist, auch für den Zuschauer und mit den Fans. Das war für mich eine sehr schöne Zeit. Aber wie gesagt, ich habe auch heute noch Kontakt zu Uwe Schmidt, Thomas Kneuer, Holger Brück, Terry Scott und zu anderen meiner ehemaligen Mitspieler. Somit waren meine Erinnerungen an Kassel nie weg.

Einige Ihrer Ex-Spieler, wie Freudenstein, Knauf, Eplinius, etc. haben dem KSV zur Neugründung 1998 als Spieler auf dem Platz eine „Starthilfe“ gegeben.

Dieter Hecking: Das liegt daran, dass der Verein mit uns Spielen sehr gut umgegangen ist und dann ist diese Bereitschaft eben dann auch da. Und man sieht es auch an den Hilfsaktionen, die gelaufen sind, wie zum Beispiel dem Aufruf, wieder Mitglied zu werden, etc. Ich glaube, dass da viele ehemalige Angestellte den KSV Hessen sich immer wieder hingezogen fühlen und das dann auch mit so Aktionen zum Ausdruck bringen.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Dieter Hecking: Mein Ziel ist, dass wir in den letzten Spielen so viele Punkte einfahren, dass wir die Klasse halten können. Ich hoffe, dass wir dies so früh wie möglich schaffen, damit wir nicht bis zum letzten Spieltag zittern müssen. Und dann gilt es wieder eine gute Mannschaft auf die Beine zu stellen. In den letzten Jahren sind drei Spieler aus unserem Kader in die 1. Bundesliga gewechselt und das zeigt, dass wir hier sehr gut arbeiten. Es wird auch nächstes Jahr wieder unser Ziel sein, junge Spieler an die Bundesliga heranzuführen. Und so wie es für die Spieler das Ziel ist, ist es auch das Ziel des Trainers, irgendwann einmal in der 1. Bundesliga zu arbeiten.

Glauben Sie, dass Sie das mit dem VfB Lübeck schaffen können?

Dieter Hecking: Das kann irgendwann mal möglich sein. Bis dahin ist es aber noch ein sehr langer Weg und sicher nicht in den nächsten ein bis zwei Jahren zu schaffen.

Ähnliche Gedanken hat auch der KSV, auf seinem Weg in Richtung Profifußball.

Dieter Hecking: Das Wichtigste ist, dass sich der Verein nicht übernimmt, was ja nun beim KSV durch ist. Alles was man mit Spielern und Trainern erfüllen will, muss wirtschaftlich abgesichert sein. Nicht, dass man im November die Gehälter nicht mehr zahlen kann und dann eine Negativsicht entsteht. Ich kann mir schon vorstellen, was in Kassel momentan für eine große Euphorie herrscht. Auch völlig zurecht, denn man muss jeden Aufstieg mitnehmen. Man muss dann nur hart arbeiten, um die Regionalliga zu halten, denn für den KSV Hessen ist es absolut wichtig, dass er so hoch wie möglich spielt. Aus der Vergangenheit hat der KSV auch noch einen Namen und zum Beispiel hier in Lübeck sind oft die Reaktionen: „KSV Hessen Kassel, da war doch mal was, die müssten auch mal wieder hoch kommen“. Außerdem ist auf der Landkarte in dieser Region ein Loch. Zwischen Hannover, Dortmund und Frankfurt fehlt etwas und das könnte Kassel sehr gut ausfüllen, auch als Zweitligist. Da sollte auch langfristig der Anspruch wieder hinkommen. Für die jetzige Saison hoffe ich als ehemaliger Spieler, dass der KSV die Darmstädter noch abfangen kann und Fulda hinter sich lässt. Ganz besonders auch für Uli Thomale, den ich persönlich sehr gut kenne, dass er das glückliche Händchen hat, um den Aufstieg zu verwirklichen.

Tim Siebrecht