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Was macht eigentlich Michael Drube?

Michael Drube: Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Marc ist 18 Jahre alt und Sabrina 15. Von Beruf bin ich Anlagenführer in der Getriebefertigung bei VW. Mittlerweile schon seit 15 Jahren. Außerdem trainiere ich die Bezirksoberliga-Mannschaft der SG Fuldabrück. Dort war ich nach meiner Zeit beim KSV Spieler, dann Spielertrainer und jetzt Trainer.

Was war für Dich als Spieler die beste Zeit beim KSV Hessen Kassel?

Michael Drube: Die beste Zeit für mich persönlich, war die Zeit der Aufstiegsrunden. In der Saison 1988/89 sind wir Meister in der Oberliga Hessen geworden und über die Aufstiegsrunde in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Wir hatten in dieser Zeit die beste Truppe, wo es auch Spaß gemacht hat zu spielen und da habe ich auch meine besten Serien gespielt. Zu der Zeit war ich Mitte 20 und es war alles sehr aufregend. Später als gestandener Spieler sieht man die Sache etwas nüchterner. Fußball hat mir aber immer Spaß gemacht, sonst hätte ich nicht solange spielen können.

Gibt es ein besonderes Spiel, an das Du Dich sofort erinnerst?

Michael Drube: Es gibt mehrere Spiele, die mir in Erinnerung geblieben sind. Wegen der großen Euphorie natürlich am meisten die Spiele der Aufstiegsrunden. Ich kann mich aber auch noch an das Spiel gegen 1860 München in der Aufstiegsrunde 1991 erinnern. Das war eine herbe Enttäuschung. Das Stadion war voll und mit einem Sieg hätten wir wieder in die 2. Bundesliga aufsteigen können. Zudem waren wir über 90 Minuten die bessere Mannschaft, haben das Spiel aber trotzdem durch zwei Konter verloren. In diesem Spiel hatte ich noch eine riesen Kopfballchance, konnte sie aber nicht nutzen. Da macht man sich schon eine Zeit lang Gedanken, was passiert wäre, wenn der Ball reingegangen wäre.

Was denkst Du über Deine Zeit beim FC Hessen Kassel?

Michael Drube: Für uns Spieler hatte sich ja nicht viel geändert. Im Prinzip nur der Name. Mit dem Namen konnten wir uns aber nicht identifizieren, denn wir waren KSVer. Wir haben immer nur vom KSV gesprochen und nie vom FC Hessen. Das mache ich heute auch nicht. Wenn mich jemand fragt, wo ich 1994/95 Fußball gespielt habe, sage ich "beim KSV Hessen Kassel". Selbst für unsere Gegner waren wir der KSV. Wir hatten zwar einen anderen Namen, aber es war der KSV Hessen Kassel. Insgesamt war es aber eine schwierige Zeit, denn es war finanziell alles unsicher. Teilweise wussten wir nicht, ob wir für das Auswärtsspiel einen Bus bekommen. Über so etwas mussten wir uns als Fußballer Gedanken machen. Ich will nicht sagen, dass so etwas die Leistung drückt, aber man musste sich mehr Gedanken um andere Sachen machen, als in der Zeit davor. Es war eigentlich nie einfach beim KSV, denn der Verein war finanziell nie auf Rosen gebettet. Wenn der Verein in der Saison 1989/90 finanziell besser dagestanden hätte, hätte man noch ein paar vernünftige Fußballer holen können und der Abstieg aus der 2. Bundesliga wäre vielleicht doch noch zu verhindern gewesen. Das wäre dann ein Aufwand gewesen, um den Verein vielleicht über Jahre zu retten. Zu der Zeit ging das aber nicht. Obwohl da meiner Meinung nach noch beste Präsidium beim KSV war. Da wurden die Versprechen noch eingehalten.

Welche Rückennummer hattest Du?

Michael Drube: Ich kam als gelernter Stürmer zum KSV und habe mit der 9 angefangen. Später spielte ich dann im Mittelfeld und sogar Libero. Als Manndecker hatte ich die 4 und später als Libero dann die 5 als Rückennummer.

Wie kam es zu dazu, dass Du immer defensivere Positionen übernommen hast?

Michael Drube: Das fing unter Trainer Franz Brungs in der Oberliga 1987/88 an. Zuerst war ich Stürmer, bin dann aber ins Mittelfeld gerutscht, weil wir mit Dieter Hecking und Lothar Sippel zwei sehr gute Stürmer hatten. Später kam es dazu, dass sich unser Verteidiger Günter Eymold verletzt hat und somit bin ich auf die Libero-Position gerückt. Ich habe mich auf dieser Position sehr wohl gefühlt, weil ich da die Freiheiten hatte, meine Offensivkräfte auszuspielen.

Mit welchen Mitspielern bist Du am besten klargekommen?

Michael Drube: Am besten mit Thomas Schmidt. Wir verstanden uns auf dem Platz sehr gut und auch privat. Wir haben ja auch 10 Jahre zusammen gespielt. Da gab es aber auch noch viele andere Spieler, wie Thomas Kneuer, Bodo Schmidt, usw. Man kannte sich ja schon von den Amateuren des KSV. Oft sehen wir uns, wenn wir in der Traditionsmannschaft spielen. Wir machen aber auch alle 5-6 Wochen einen Stammtisch und gehen irgendwo essen.

Wie kam es, dass Du über 14 Jahre bei KSV Hessen Kassel geblieben bist? Gab es andere Angebote aus der 2. Bundesliga?

Michael Drube: Es gab mehrere Angebote. Unter anderem hatte ich Angebote von Fortuna Köln und dem VfL Bochum. Beide waren damals in der 2. Bundesliga. Der HSV hatte zwar auch kurzzeitig mal Interesse gehabt, was sich aber wieder zerschlagen hatte. Ich wollte aber immer in meinem Beruf abgesichert sein. Die Verträge von heute gab es damals ja gar nicht. Das ist mit heute gar nicht mehr zu vergleichen. Man hat damals zwar auch als Zweitliga-Spieler gut verdient, aber nicht in dem Maße, wie heute. Wenn ich mich damals mit 10 Jahren 2. Bundesliga zur Ruhe hätte setzen können, hätte ich es gemacht.

Fällt Dir spontan eine kuriose Situation auf dem Platz ein, die Du miterlebt hast?

Michael Drube: Wir haben in der Oberliga mal bei Eintracht Haiger gespielt. Unser damaliger Torwart Thomas Kneuer wollte den Ball zu einem freien Spieler abwerfen. In dem Moment läuft ein gegnerischer Spieler dazwischen. Er wollte den Abwurf noch verhindern und hat sich den Ball hintenrum an den Pfosten geworfen und wieder aufgefangen. Das war wirklich sehr kurios.

Welcher Trainer hat Dich meisten überzeugt?

Michael Drube: Der Trainer, bei dem ich am meisten gelernt habe war Jürgen Nehme. Er war damals Amateurtrainer und hat mich zum KSV geholt. Ich kam vom Dorfe, wo ich schon mit 17 Jahren in der ersten Mannschaft gespielt habe und Alleinunterhalter war. Ich habe da in der Kreisliga Tore geschossen, wie ich wollte und hatte von Taktik null Ahnung. Als ich dann zum KSV kam, hat mir Jürgen Nehme das Einmaleins des Fußballs beigebracht. Ansonsten würde ich noch Lorenz-Günther Köstner positiv herausheben. So ein Trainer wie Franz Brungs hatte mit medizinischen Sachen, etc. nichts am Hut. Da gab es nur laufen und schießen.

Was denkst Du über das Auestadion?

Michael Drube: Ich habe immer gerne im Auestadion gespielt. Die Atmosphäre im Auestadion ist aber nicht zu vergleichen mit der Atmosphäre in einem reinen Fußballstadion, wie in Aachen im Tivoli oder in Essen. Unsere Fans haben auch richtig gut Stimmung gemacht, aber das ging nicht so ins Blut, wie in einem Fußballstadion. Damals in der 2. Bundesliga haben wir in vielen Fußballstadien gespielt, wo die Atmosphäre ganz anders ist. Am beeindruckendsten war unser Auswärtsspiel bei 1860 München im Grünwalder Stadion. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht erlebt. Da waren 35.000 Zuschauer und das ganze Stadion war blauweiß. Da waren 3-4 Rote vom KSV dazwischen und der Rest blauweiß. Als wir dann auf den Platz gelaufen sind, gab es ein gellendes Pfeifkonzert. Da bekommt man eine Gänsehaut, die Nackenhaare stellen sich hoch und es läuft einem eiskalt den Rücken runter. Das war schon klasse.

Wie war Dein Stand beim Kasseler Publikum?

Michael Drube: Hass und Sympathie. Einige haben mich mit Sicherheit nicht gemocht. Ich glaube aber schon, dass der Großteil mich gemocht hat, weil ich ein Spieler war, der immer alles gegeben hat. Ich war wegen meiner Art auf dem Platz oft in der Kritik, weil ich oft mit den Schiris Probleme hatte. Das war aber meine Art Fußball zu spielen. Privat bin ich eigentlich gar nicht so, auf dem Platz brauchte ich das aber, um meine Leistung zu bringen.

Wie ist Dein heutiger Kontakt zum KSV?

Michael Drube: Kontakt habe ich noch mit Holger Brück und auch mit Thomas Freudenstein, mit dem ich lange zusammengespielt habe. Wenn wir uns sehen unterhalten wir uns natürlich über den KSV. Leider sehe ich selbst sehr wenige Spiele des KSV, weil ich durch meinen Trainerjob am Wochenende zu sehr eingebunden bin. Und wenn ich mal frei habe, muß ich mich auch um meine Familie kümmern, die ich die letzten Jahre durch den Fußball sehr vernachlässigt habe. Grundsätzlich ist es aber so: Ich habe meine ganze fußballerische Laufbahn beim KSV verbracht und der KSV ist deshalb auch mein Verein. Ich verfolge die Entwicklung des KSV intensiv.

Wie beurteilst Du die Entwicklung des KSV?

Michael Drube: Was in den letzten Jahren gelaufen ist, sehe ich positiv. Man musste ja in den sauren Apfel beißen und bis ganz unten absteigen, um sich dann wieder hochzuarbeiten. Der Verein ist allerdings an einem Punkt angelangt, wo es richtig schwierig wird. Jetzt nochmal in die Regionalliga aufzusteigen und im diesem Falle die Regionalliga vernünftig zu bestreiten, ist auch vom Finanziellem nicht einfach. Gerade in dieser Region. Das war bei uns früher schon ein Problem und wird mit Sicherheit auch immer ein Problem bleiben. Der KSV Hessen Kassel ist aber in Nordhessen der einzige Verein, der überhaupt die Chance hat, irgendetwas zu machen und für den sich die Leute interessieren. Es gibt zwar noch viele andere gute Vereine und das wird nebenbei auch zur Kenntnis genommen, aber im Grunde dreht sich alles um den KSV. Es wäre auch schade, wenn man in Kassel mit diesem großen Einzugsgebiet nichts auf die Beine stellen könnte.

Tim Siebrecht