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Du bist nun schon einige Wochen in Kassel. Wie gefällt es Dir hier?

Slawomir Chalaskiewicz: Ich fühle mich in Kassel sehr wohl. Zudem haben wir sehr gute Fans. Man muss ja sehen, dass wir „nur“ in der Oberliga spielen und trotzdem kommen so viele Zuschauer. Wenn wir jetzt noch 2 oder 3 Spiele gewinnen, hoffe ich, dass noch mehr Zuschauer kommen.

Deine Frau und Deine zwei Kinder leben in Polen. Warum sind die nicht mit Dir nach Deutschland gezogen?

Slawomir Chalaskiewicz: Wir waren alle zusammen in Rostock, als ich dort 1. Bundesliga gespielt habe. 1998 sind wir wieder zurück nach Polen gezogen. Ich habe in Lodz einen 2-Jahresvertrag bekommen, mit der Perspektive, als Trainer weiter zu arbeiten. Nach einem halben Jahr kam allerdings ein neuer Trainer, der mir sagte, dass ich zu alt bin und bei ihm nicht mehr spielen werde. Da man in meinem Alter keine langfristigen Verträge mehr bekommt, habe ich dann beim SV Babelsberg einen Vertrag für ein Jahr unterschrieben. Für dieses Jahr wollte ich meiner Familie nicht wieder einen Umzug zumuten. Insgesamt bin ich 4 Jahre in Babelsberg geblieben, so dass ich jetzt schon das 5. Jahr ohne Familie in Deutschland lebe und sie nur zu Besuch sehe. Das fällt mir schwer, aber das ist mein Job.

Hast Du schon eine familienfreundliche, langfristige Berufsplanung nach Deiner Fußball-karriere?

Slawomir Chalaskiewicz: Ich will weiter beim Fußball bleiben und als Trainer arbeiten. Einen polnischen A-Schein habe ich damals schon gemacht. Ich kann damit in Polen bis zur Regionalliga als Cheftrainer arbeiten. Die deutsche Regionalliga ist auch sehr interessant, weil die noch stärker ist, als die polnische Regionalliga.

1995 bist Du mit Hansa Rostock in die 1. Bundesliga aufgestiegen und hast dort 3 Jahre gespielt. Was ist das Besondere an der Bundesliga?

Slawomir Chalaskiewicz: Es ist die Atmosphäre. Bei jedem Spiel kommen 25 – 30.000 Zuschauer und das ist unbeschreiblich. Für mich war damals jedes Spiel so wie die 3 Länderspiele, die ich für Polen gemacht habe. Es war auch Pflicht, sich nach dem Spiel zu Hause noch einmal das Ganze im Fernsehen anzusehen.

In Deiner Zeit bei Rostock hatte der Verein Probleme mit eigenen Hooligans. Ich kann mich da noch an die Spiele gegen St. Pauli erinnern, wo sogar deren Bus angegriffen wurde. Was hast Du davon mitbekommen?

Slawomir Chalaskiewicz: Da war so etwas. Wir als Spieler haben davon allerdings nichts gemerkt. In St. Pauli haben wir zweimal gespielt und auch gewonnen. Da war das Stadion ausverkauft und auch sehr gute Stimmung. In Rostock gab es nur einmal Probleme, weil Fans eine Rauchbombe geworfen haben, aber ansonsten habe ich nichts Schlechtes erlebt. Ich selbst hatte auch nie Probleme als Ausländer in Deutschland.

Hast Du eine Anekdote aus der Bundesliga parat?

Slawomir Chalaskiewicz: Damals musste ich mal mit einer Maske spielen, weil mein Nasenbein gebrochen war. Als ich dann ins Stadion gegangen bin, kamen 20-30 Journalisten auf mich zu und fotografierten mich 10 Minuten lang, wie einen Popstar. Ich war damals der erste Spieler in der Bundesliga, der mit dieser Maske gespielt hat. Als ich mich dann zu den anderen auf die Ersatzbank gesetzt habe, kam ein Journalist auf mich zu: „Entschuldigung, wie heißen Sie eigentlich ?“. Die anderen Spieler haben vor lachen fast auf dem Boden gelegen.

Beim KSV Hessen Kassel spielst Du nun Oberliga. Kannst Du die Rivalität mit den südhessischen Mannschaften nachvollziehen? Immerhin spielt ihr jedes zweite Wochen-ende in Südhessen?

Slawomir Chalaskiewicz: Das ist mir egal. Hauptsache es ist spannend. Mit der Spannung entsteht die Atmosphäre und die Leute kommen ins Stadion. In dieser Liga ist es gut, dass 4-5 Mannschaften vorne mitspielen und nicht nur eine und die anderen sind Außenseiter. Das würde keinen Spaß machen.

Wie bewertest Du eure Mannschaft?

Slawomir Chalaskiewicz: Die Mannschaft macht riesen Fortschritte. Zwar hatten wir in den ersten beiden Heimspielen zwei Pleiten, das liegt aber daran, dass die Mannschaft noch unerfahren ist. Die Spieler haben allerdings dazugelernt und auch ihre Konsequenzen daraus gezogen. Wir spielen jetzt sehr kompakt und versuchen unser Spiel zu machen. Und es hat sich gelohnt, denn wir haben dreimal hintereinander gewonnen. Selbst in dem Spiel gegen FSV Frankfurt, wo wir durch einen unberechtigten Elfmeter das 2:1 bekommen haben, sind wir nicht in Panik geraten, haben unser Spiel gemacht und zum Schluss souverän 4:1 gewonnen.

Siehst Du Dich als Führungsspieler in der Mannschaft?

Slawomir Chalaskiewicz: Mir macht es Spaß hier zu spielen und ich will in erster Linie den jungen Spielern helfen. Wenn man das als Führungsspieler bezeichnet, akzeptiere ich das.

Vor Dir galt Andreas Mayer als der Führungsspieler der Mannschaft. Als er ging hieß es, dass man einen Ersatz für ihn finden muss. Fühlst Du Dich in diese Rolle gedrängt, bzw. stört Dich dieser Vergleich?

Slawomir Chalaskiewicz: Jeder Spieler spielt seine Art. Andreas Mayer hat in den 1 ½ Jahren, wo er in Kassel war, sehr viel geleistet und die Zuschauer waren mit ihm zufrieden. Es ist dann normal, dass die Leute Sorgen haben, wenn so ein Führungsspieler weggeht, denn der KSV will weiter aufsteigen. Als ich nach Kassel gekommen bin, haben alle von Mayer gesprochen, der unersetzbar sei. Auf der Welt gibt es aber keinen Spieler, der unersetzbar ist. Seine Geschichte ist hier beendet und jetzt spielt er für St. Pauli. Ich brauche auch nicht beweisen, dass ich besser bin. Außerdem haben wir eine andere Mannschaft und müssen uns auf unsere Mannschaft konzentrieren.

Hast Du Bedenken, dass Darmstadt mit den vielen Namen in der Mannschaft einen Durchmarsch macht?

Slawomir Chalaskiewicz: Wieso? Gegen uns verlieren die! Wir haben schon bei dem 1:0 Sieg gegen Fulda bewiesen, dass wir gegen gute Mannschaften spielen können. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen und Darmstadt wird auch noch Punkte verlieren. Außerdem haben wir gegen Bundesligamannschaften mitgehalten und ich glaube nicht, dass Darmstadt stärker ist, als Borussia Mönchengladbach oder Arminia Bielefeld. Die Namen spielen nicht von alleine. Der Sieg liegt alleine in den Händen der Mannschaft, die mit Herz spielt. Wir haben eine junge Truppe mit 3-4 erfahrenen Spielern und das ist eine sehr gute Mischung. Wenn wir unser Spiel machen, sind wir in der Lage jede Mannschaft zu schlagen.

Tim Siebrecht