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"Ich gehe nach Frankfurt ..."

... sagt Julio Cesar da Rosa einem seiner Freunde am Handy. Schock für alle Fans des KSV Hessen Kassel, denn die haben diese Schlagzeile völlig missverstanden. Was Julio in gebrochenem deutsch sagen wollte ist nicht, dass er Wechselgedanken hat, sondern dass er heute vom Frankfurter Flughafen aus in seine brasilianische Heimat Porto Alegre fliegt. Dort wird er seinen verdienten Urlaub bei sommerlichen 30 Grad genießen.

Der Kasseler Publikumsliebling hat zwar kein einziges Saisonspiel der Hinrunde 2003/04 für den KSV gespielt, dafür aber wohl die schwierigste Zeit in seiner bisherigen Fußballkarriere vorerst hinter sich. Eine Adduktorenverletzung zwang ihn zu dieser langen Pause, die geprägt war von Spekulationen, ob und wann Julio wieder spielen könnte.

Zum einen war es Julios Ziel, so schnell wie möglich wieder zu spielen, zum anderen wurden seine Sturmläufe vom Großteil der Fans im Auestadion schmerzlich vermisst. Am deutlichsten wurde dies beim letzten Heimspiel gegen Wörsdorf, wo schon die Nachricht, dass Julio wieder auf der Bank sitzt, auch bei den sonst eher zurückhaltenden Zuschauern für Begeisterung sorgte. Als er dann im Trainingsanzug das Stadium betrat, schallten die Julioooo-Rufe wieder aus allen Richtungen des Stadions. "Das hat mich sehr gefreut", beschreibt er verlegen schmunzelnd seine Gefühle.

Für seine Zukunft hat Julio genaue Vorstellungen: "Ich will der Mannschaft helfen" ist dabei eher die bescheidene Darstellung seiner angestauten Angriffslust. Denn er will in der Rückrunde noch einmal alles für den KSV geben, um den Aufstieg in die Regionalliga zu schaffen. Im nächsten Jahr wird Julio 25 Jahre alt und das sieht er für seinen Traum Profifußballer zu werden, als entscheidendes Alter. Somit will er so oder so auf sich aufmerksam machen. "Wenn der KSV aufsteigt, bleibe ich in Kassel", setzt er aber seine Priorität. Bis 2005 läuft sein Visum und bis dahin möchte er noch einiges erreichen.

Von der "neuen" Mannschaft des KSV Hessen Kassel, die mit vielen jungen Spielern (10 Spieler unter 24 Jahren) aufgefrischt wurde, hält Julio sehr viel. Auch von seinen "Vertretungsspielern" Adem Usta und Lamont Sandiford ist er sehr positiv überrascht und ist fest überzeugt, dass die Mannschaft den Aufstieg schafft.

Ganz ist der steinige Weg, zurück zu seinem Leistungsniveau, noch nicht abgeschlossen. In Brasilien will er mit drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche seine Ausdauer wieder aufbauen und mit seinen Freunden das Spielerische am Fußball wieder entdecken. Wichtig ist ihm der Spaß dabei und deswegen will er sich nicht in einem brasilianischen Verein fit halten.

Sehr wichtig ist Julio auch das "nach Hause kommen". Dabei freut er sich auf das Weihnachtsfest mit seinen Eltern und seiner Schwester. Der Flug selbst ist mittlerweile Routine für Julio. Auf dem Heimflug in der letzten Sommerpause, gab es sogar eine interessante Begegnung: Er traf dort Ze Roberto und hat sich gut mit unterhalten.

Zum Schluss sollen noch einmal alle Spekulationen beseitigt werden: Das Rückflugticket wurde Julio von KSV-Manager Jörg Schmidt gleich mitgelöst. Am 20. Januar 2004 wird Julio Cesar da Rosa wieder in Kassel eintreffen und im Februar mit der Mannschaft an einem Hallenturnier in Baunatal teilnehmen. Ob man da wieder "Julioooo" hören und sehen wird?

Tim Siebrecht