Du bist als Jugendspieler
von Hessen Kassel
zu Borussia Dortmund gewechselt. Wie kam
der Kontakt zustande?
Francis Bugri:
Ich habe bis zum Ende der C-Jugend bei
Hessen Kassel gespielt und bin in der
B-Jugend 1995 nach Dortmund gewechselt.
Wir haben mit dem FC Hessen den Nike-Cup
in Darmstadt gespielt und da wurde mir
eine Reise in ein Fußballcamp in
Portugal angeboten. Dort habe ich dann
Marcel Raducanu kennen gelernt, bei dem
ich einige male in seiner Fußballschule
war und der hat mich dann empfohlen. Ich
wurde noch bei einigen Spielen beobachtet,
bis ich von Michael Skibbe nach Dortmund
geholt wurde.
Wo hast Du als
15-Jähriger in Dortmund gewohnt?
Francis Bugri:
Ich wollte erst die zehnte Klasse in Kassel
zu Ende machen, damit ich zur Oberstufe
nach Dortmund wechseln konnte. In diesem
Jahr habe ich noch in Kassel gewohnt und
bin zum Training drei bis viermal die
Woche von Fahrern aus Dortmund abgeholt
worden. Am Wochenende habe ich bei Gasteltern
geschlafen. Das habe ich ein Jahr mitgemacht,
war aber ziemlich stressig. Zu meinem
Wechsel nach Dortmund wurde dann auch
das Jugendhaus des Vereins eröffnet,
wo ich eingezogen bin.
War Borussia
Dortmund als Kind schon Deine Lieblingsmannschaft?
Ich war eigentlich immer
1. FC Köln – Fan, hatte aber
auch Sympathien für Dortmund. Von
daher ist mir der Wechsel leicht gefallen.
Francis Bugri:
War es Dein Jugendtraum Profifußballer
zu werden?
Zuerst fängt man
an Fußball zu spielen, weil Freunde
Fußball spielen und weil man Spaß
daran hat. Man denkt da gar nicht so weit,
dass man diesen Sprung schaffen könnte.
Es hat sich bei mir erst bei meinem Wechsel
nach Dortmund entwickelt, dass ich gedacht
habe „es wäre schön, es
bis ganz nach oben zu schaffen“.
Deine Erfolgsliste
in der Dortmunder Jugend ist lang: 1x
Deutscher B-Jugendmeister, 2x Deutscher
A-Jugendmeister und Du hast über
40 Länderspiele (U15 - U21) für
Deutschland gespielt. Dabei hast Du mit
der Nationalmannschaft bei der U16 EM
den dritten Platz erreicht und bei der
U17 WM den vierten Platz. Mit welchen
Spielern hast Du dort zusammen gespielt?
Francis Bugri:
Die Weltmeisterschaft war in Ägypten.
Da haben wir im Halbfinale gegen Brasilien
verloren. Bei uns in der Mannschaft waren
zum Beispiel Roman Weidenfeller, Sebastian
Deisler, Sebastian Kehl, Michael Zepek,
Benjamin Auer, bei Brasilien Ronaldinho.
Bei ihm stand Ronaldo auf dem Rücken
und deswegen haben wir damals schon Parallelen
gezogen. Gegen uns hat er auch sehr gut
gespielt.
Wie kam es zu
Deinen Einsätzen in der Bundesliga?
Francis Bugri:
Ich war in meinem zweiten Jahr für
die 2. Mannschaft in der Regionalliga.
Am Ende der Saison hat es in der 1. Mannschaft
gekriselt und so habe ich meine Chance
bekommen. Unter Skibbe hatte ich vorher
schon ein paar mal mittrainiert, die Spiele
habe ich aber unter Bernd Krauss gemacht.
Er kam als neuer Trainer und wollte ein
Zeichen setzen und so hat er mich als
Amateur ins kalte Wasser geworfen. Bei
den Amateuren spiele ich hinter den Spitzen
und manchmal auch als Stürmer oder
Rechtsaußen. In der Bundesliga habe
ich im halblinken Mittelfeld gespielt.
Wie beschreibst
Du diese Situation, plötzlich gegen
Eintracht Frankfurt, Hansa Rostock und
Arminia Bielefeld zu spielen?
Francis Bugri:
Es kam sehr überraschend. Ich hätte
auch nicht gedacht, dass ich in der Startelf
stehen würde. Es ist ein riesen Gefühl
dort mit zu spielen. In meinem ersten
Spiel habe ich eine Torvorlage gegeben
und in meinem zweiten Spiel gegen Hansa
Rostock wurde ich von Premiere sogar zum
Topspieler des Spiels gewählt. Ich
habe dabei einen Ball überreicht
bekommen.
In der Saison
2001/02 wurdest Du im Championsleaguespiel
gegen Dynamo Kiew für Amoroso eingewechselt.
War dies Dein größtes Erlebnis?
Francis Bugri:
Es waren nur noch 10 Minuten zu spielen
und wir haben auch schon 1:0 geführt.
Man wünscht sich natürlich als
Fußballer von Anfang an zu spielen
und vielleicht auch noch ein Tor zu machen.
Von daher bedeutet mir dieses Championsleaguespiel
eigentlich nicht so viel. Mir bringt es
auch nichts sagen zu können, dass
ich einmal in der Championsleague gespielt
habe. Ich hatte mir schon gewünscht,
dass ich mich hätte etablieren können.
Wie stehen Deine
Chancen wieder in die 1. Mannschaft von
Borussia Dortmund berufen zu werden?
Francis Bugri:
Es sieht jetzt so aus, dass andere Nachwuchsspieler
berücksichtigt werden, die jünger
sind und mehr Perspektive haben, wie zum
Beispiel Sahr Senesie oder David Odonkor.
Und einfach mal in der 1. Mannschaft mit
zu trainieren würde unser Trainer
Horst Köppel nicht mitmachen, weil
wir wichtige Spieler für die Regionalliga-Mannschaft
sind. Generell ist der Kontakt zwischen
1. und 2. Mannschaft sehr gut. Ich habe
aber auch persönlich mit Spielern
der 1. Mannschaft zu tun. Otto Addo ist
ein guter Freund von mir oder auch Guy
Demel.
Wie lang läuft
Dein Vertrag bei Dortmund und wie sieht
Deine Zukunftsplanung aus?
Francis Bugri:
Ich bin Vertragsamateur und habe noch
einen Vertrag bis zum Ende der Saison
2003/04. Mein Ziel ist es dann, den Verein
zu verlassen und in der 2. Bundesliga
unterzukommen. Ich will noch einmal in
der Bundesliga spielen und das geht für
mich bei einem anderen Verein besser,
als bei Dortmund.
Konzentrierst
Du Dich momentan nur auf Fußball?
Francis Bugri:
Ja. 1999 habe ich mein Abitur gemacht
und seitdem konzentriere ich mich nur
auf Fußball. Wenn ich aber in den
nächsten 2 Jahren keinen großen
Verein finde, würde ich anfangen
zu studieren oder eine Ausbildung machen.
Mich würde zum Beispiel Sportmanagement
oder Sportwissenschaften interessieren.
Mit 25 Jahren sieht man als Fußballer,
wohin es mit einem geht.
Hast Du noch
Kontakt nach Kassel?
Francis Bugri:
Ich habe viele Freunde in Kassel und meine
Eltern wohnen in Kassel. Somit komme ich
regelmäßig zurück. Ich
habe auch die Entwicklung des KSV Hessen
Kassel verfolgt. Meine Freunde gehen ab
und zu ins Auestadion und berichten mir
darüber. Es interessiert mich sehr
und ich würde mich auch sehr freuen,
wenn sie in die Regionalliga aufsteigen.
Kannst Du Dir
vorstellen wieder bei Hessen Kassel zu
spielen?
Francis Bugri:
Ich hoffe, dass der KSV aufsteigt und
falls ich es nicht weiter nach oben schaffe,
würde ich auch gerne zurück
kommen. Das Optimale wäre, wenn der
KSV in die 2. Bundesliga aufsteigen würde,
denn dann würde ich auf jeden Fall
nach Kassel wechseln wollen. Ich hänge
noch an Kassel und würde auch gerne
etwas für den Verein tun. Allerdings
wäre dieser Schritt für mich
jetzt noch zu früh. Ich wünsche
dem KSV viel Glück beim Kampf um
den Aufstieg.
Du hast jetzt
schon als Fußballer geschafft, wovon
viele Träumen. Was würdest Du
dem Fußballnachwuchs als Tipp geben?
Francis Bugri:
Sie sollten sich nicht unter Druck setzen
lassen und nur wegen dem Spaß am
Fußball spielen. Es gibt immer wieder
Eltern, die eher den Traum vom Profifußball
haben, als ihre Kinder. Außerdem
sollte man, wie ich, die Chance wahrnehmen,
in eine andere Stadt zu ziehen, wenn man
dort bessere Perspektiven bekommt.
Tim Siebrecht