HOME
News
Regionalliga
Verbandsliga
Vereinsbilanz
Hall of Fame
Spielerarchiv
Trainerarchiv
Saisonarchiv
Auestadion
Hessenlöwe
LINKS
IMPRESSUM

Was macht Dirk Bakalorz?

Dirk Bakalorz: Ich wohne mit meiner Frau, meiner Tochter und meinem Sohn mittlerweile wieder in Raesfeld, 40 Km nördlich von meinem Geburtsort Bottrop. Beruflich habe ich meine eigene Firma und vertreibe Tapebandagen und andere Verbandstoffe. Es gibt auf dem Markt zwei bis drei große Hersteller, die ihre Produkte über den Namen vertreiben und dementsprechend Geld kosten. Mein Ziel ist es, dem Sportler eine günstige Alternative bei gleicher Qualität zu bieten. Ich habe das Ganze „Löwentape“ genannt, allerdings nicht als Anlehnung an den KSV Hessen Kassel, sondern wegen dem Tier, als Symbol der Stärke. Ich beliefere Einzelkunden mit kleinen Stückzahlen, genauso wie Vereine, so wie zum Beispiel auch meine ehemalige Sportkollegen von Rot-Weiß Essen und Westfalia Herne. Zusätzlich biete ich es auch über meine Homepage http://www.sporttape.de an.

Spielt ihr Sohn auch Fußball?

Dirk Bakalorz: Armin spielt Fußball und ist auch sehr ehrgeizig. Er spielt in der C-Jugend von Westfalia Gemen und ist mit der Kreisauswahl Westfalenmeister geworden.

In der Saison 1981/82 haben sie schon als A-Jugendlicher in der 2. Bundesliga für Rot-Weiß Essen gespielt. Wie kam es dazu?

Dirk Bakalorz: Ich habe 4 Jahre dort gespielt: zwei Jahre B-Jugend, zwei Jahre A-Jugend. Durch Ehrgeiz, Fleiß und Glück habe ich dann den Sprung direkt in die erste Mannschaft geschafft. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Rot-Weiß Essen stand in der Tabelle nicht gut und hatte viele Verletzte. Der damalige Trainer hat mich dann zusammen mit Jürgen Wegmann, der später unter anderem für Bayern München gespielt hat, in die erste Mannschaft geholt.

1984 begann dann Ihre Zeit beim KSV Hessen Kassel. Wie kam der Kontakt zustande?

Dirk Bakalorz: Wir hatten am letzten Spieltag der Saison 1983/84 mit Rot-Weiß Essen ein Abbruchspiel auf Schalke. Da hatten die Zuschauer 10 Minuten vor Abpfiff schon die Meisterschaft in der 2. Bundesliga gefeiert und das Spielfeld gestürmt und so musste das Spiel wiederholt werden. Damals ging Mats Nordgren von Kassel weg und Flöck und Berger hatten Ersatz gesucht. Bei dem Spiel haben die beiden dann, wie mir im nachhinein gesagt wurde, auf der Tribüne gesessen. Und so kam der Kontakt nach Kassel zustande.

Wie beschreiben Sie Ihre Rolle in der Mannschaft des KSV Hessen Kassel?

Dirk Bakalorz: Ich war mehr der Vorbereiter, nicht der Knipser. Also der Spielgestalter und Lenker im zentralen Mittelfeld. Mir war daran gelegen, dass ich meine Stürmer so gut wie möglich einsetze und sie die Tore schießen lasse. Die 9 und 8 Tore, die ich in den zwei Jahren für den KSV geschossen habe, sind ja nicht die Welt. Horst Knauf und Peter Cestonaro hatten zu meiner Zeit 13 Tore in einer Saison.

Was denken Sie heute über Ihre Zeit beim KSV Hessen Kassel?

Dirk Bakalorz: Die Kasseler Zeit war insgesamt mit die schönste Zeit, die ich erlebt habe. Die ganze Geschichte Kassel war positiv. Ich habe nur positive Gedanken an den Verein, das Umfeld, die Fans, dem damaligen Präsidenten und Manager, den Trainer und die Betreuer, wie zum Beispiel Partha Ghosh, etc. Es war einfach eine erfolgreiche Zeit. Das Mannschaftsgefüge hat gepasst und das Ich-bezogene Denken gab es damals nicht. Die Truppe war homogen mit Traser, Horch, Wulf, später dann Freudenstein, Deuerling und Eplinius, mit dem ich heute noch Kontakt habe. Da hat einfach grundweg alles gepasst. Es gab auch keine Starallüren eines älteren Spielers.

War das auch etwas, was Jörg Berger geprägt hat?

Dirk Bakalorz: Mit Sicherheit, obwohl er sich auch im Laufe der Jahre verändert hat und irgendwann auch nur noch erfolgsbezogen war. Ich hatte ihn später bei Eintracht Frankfurt noch mal als Trainer. Mit Frankfurt ging es gegen den Abstieg und da war er nicht mehr der Jörg Berger, den ich aus Kassel kannte. In Kassel war alles lockerer.

Warum sind Sie trotz diesen positiven Erfahrungen in Kassel 1986 zu Borussia M’gladbach gewechselt?

Dirk Bakalorz: Mein Weggang aus Kassel hatte nie einen finanziellen Grund, sondern ich wollte unbedingt in die 1. Bundesliga. Wenn ich gewusst hätte, dass man da mehr auf sich achten muss, als auf alle anderen und den Ellenbogen einsetzen muss, wäre ich nie aus Kassel weggegangen. Mein Ziel war es aber, mich mit den Besten zu messen. Ich wollte Bundesliga spielen und im letzten Schritt vielleicht auch Nationalmannschaft, wozu es leider nicht gekommen ist. Ich hatte das Pech, dass mich eine Verletzung daran gehindert hat. In der Olympiamannschaft habe ich noch die Qualifikation für Seoul 1988 gespielt und bin dann wegen einer Sprunggelenksverletzung nicht mitgefahren. Hannes Löhr hatte sich für jemand anderes entschieden.

Dann war also das große Dilemma für Sie, dass es der KSV nur den 4. Platz erreichte und nicht aufgestiegen ist?

Dirk Bakalorz: Ich hatte schon dem damaligen Manager Herrn Flöck gesagt, dass ich bei einem Aufstieg des KSV in die 1. Bundesliga nicht weggegangen wäre. Ich war in der Mannschaft durch meine Leistung innerhalb kürzester Zeit respektiert worden und behaupte im nachhinein, dass ich gesetzt war. In Gladbach musste ich mir meinen Platz gegen Hochstätter und Rahn erkämpfen. Das hätte ich mir nicht antun müssen. Ich hätte in Kassel nur auf meinen Körper achten müssen, wieder die Form wie in der 2. Bundesliga bringen müssen und hätte in der 1. Bundesliga gespielt. Das wir die finanziellen Mittel damals nicht gehabt hätten, um ein Angebot aus Gladbach, Kaiserslautern oder Schalke auszuschlagen, ist klar. Aber aus sportlichen Gründen wäre ich in Kassel geblieben.

An welches Spiel erinnern Sie sich spontan?

Dirk Bakalorz: Das Saisonspiel gegen St. Pauli im Auestadion. Wir lagen zur Halbzeit 1:4 zurück, sind aber aus der Kabine rausgekommen und haben uns gesagt „Wir gewinnen dieses Spiel“. Wir haben dann tatsächlich 5:4 gewonnen. Das Spiel war wirklich eine Sensation und viele Zuschauer haben uns das nicht zugetraut und sind schon nach Hause gegangen. Ich denke aber auch an die Spiele gegen Nürnberg und Hannover 96. Das waren die Spiele, die uns in der Saison 1984/85 das Genick gebrochen haben. Wobei eigentlich noch eher das Spiel gegen Hannover 96. Das Spiel gegen Nürnberg habe ich eigentlich gar nicht so negativ in Erinnerung. Da kann man verlieren, vor 50.000 Zuschauern im Stadion. Wir hätten gegen Hannover alles klar machen können und müssen.

Gegen Nürnberg habt ihr aber das Hinspiel 4:0 gewonnen.

Dirk Bakalorz: Ja, aber Nürnbergs Trainer Heinz Höher hatte damals die komplette Mannschaft ausgeräumt. Die wollten ihn kippen. Und dann hat er die Mannschaft mit jungen Spielern vom letzten oder vorletzten Tabellenplatz nach vorne gebracht, so dass sie am Schluss aufgestiegen sind, weil sie uns geschlagen haben.


Wie haben Sie die weitere Entwicklung des KSV Hessen Kassel nach Ihrem Wechsel verfolgt?

Dirk Bakalorz: Ich habe das einige Zeit beobachtet. Nur dann wurde ich bombardiert mit Journalisten und Kameras und hatte nach einem Trainer in Kassel, vier Trainer in Gladbach. Da hat man so viele andere Dinge um den Kopf, dass der Verein, von dem man kommt, eigentlich nur noch sekundär ist. Ich habe das nur noch am Rande mitbekommen.

Wie haben Sie das Medieninteresse an der damaligen 2. Bundesliga empfunden?

Dirk Bakalorz: Die 2. Bundesliga ist nach wie vor noch untergeordnet. Damals war das Interesse vielleicht höher, als heute, weil man damals die Spieler für die 1. Bundesliga rausziehen konnte, die den Sprung auch schaffen. Heute laufen die Manager mit dem Geldkoffer durch die Gegend, bis der VFB Stuttgart auf die Idee gekommen ist, eine junge Mannschaft aufzubauen, was meiner Meinung nach auch der richtige Weg ist. Wir haben genug junge Talente in Deutschland, man muss sie nur finden und ihnen das Vertrauen geben. Man muss nicht die teuren Stars kaufen.

Ein junges Talent aus ihrer Zeit, mit dem Sie zusammen in Gladbach gespielt haben, war Stefan Effenberg. Wie haben Sie ihn kennen gelernt?

Dirk Bakalorz: Mit Stefan habe ich noch ein Jahr zusammengespielt. Er ist 5 Jahre jünger als ich und war damals jung und unverbraucht. Das was wir heute sehen, ist das Endstadium. Man kann den Stefan Effenberg von damals nicht mehr mit dem Stefan Effenberg von heute vergleichen. Er hatte viele Erfolge und hat sich weiter entwickelt.

Wie kam der Kontakt nach Gladbach zustande?

Dirk Bakalorz: Jupp Heynckes hat mich persönlich angerufen. Vorher habe ich immer mit Managern und Geschäftsführern gesprochen. Deshalb hat es mich am meisten gefreut, dass der Trainer zu mir sagte: “Du bist gut und Dich will ich haben“. Und zwei Tage später war Helmut Grasshof in Kassel. Innerhalb von 2 Stunden waren wir uns einig, bzw. eigentlich wusste ich vorher schon, dass ich dahin gehen wollte, weil Jupp Heynckes angerufen hatte. Das war so ähnlich, wie Jörg Berger mich anrief. Da habe ich mich auch für den Verein entschieden, weil mich der Trainer wollte. Das erste Jahr in Gladbach war auch nicht schlecht. Für mich war es aber eine mittlere Katastrophe, dass Heynckes nach meinem ersten Jahr in Gladbach weggegangen ist, weil ich da sonst wahrscheinlich Nationalspieler geworden wäre. Jupp Heynckes hat mich sehr gut gefördert. Er hat mich zwar auch genauso gefaltet und auf die Tribüne geschickt, ich kann aber nichts Negatives über ihn sagen.

Sind Sie dann zu Eintracht Frankfurt gewechselt, weil Sie unzufrieden waren?

Dirk Bakalorz: Es gab einige Differenzen mit dem neuen Trainer. Er wollte nicht, dass ich die Position spiele, die ich bei Heynckes hatte und auf eine andere Position wollte ich nicht wechseln. Es kamen dann noch Differenzen mit anderen Spielern dazu und so begann mein sportlicher Abstieg in Gladbach. Ich hatte dann Angebote vom FC Brügge und von Eintracht Frankfurt. Ich habe das Angebot von Frankfurt vorgezogen, was aus heutiger Sicht ein Fehler war. Ich hätte den Auslandsaufenthalt machen sollen. Ich war 10 Tage in Brügge, die Mannschaft dort war super und haben auch international gespielt. Ich wollte damals aber aus familiären Gründen in Deutschland bleiben. Zu der Frankfurter Zeit, hatte ich eine Operation an der Bandscheibe und es war unklar, ob ich wieder fit werde. Man hat dann Uwe Bein geholt und damit war die Position des Spielmachers besetzt. Es kam dann auch noch Andi Möller und somit hat man mich abgeschoben. Damals bestand ein Kooperationsvertrag zwischen Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt und so habe ich noch 3 Jahre in Darmstadt gespielt. In der Zeit habe ich auch den Trainerschein gemacht und war ich danach 3 Jahre als Spielertrainer für die TGS Jügesheim aktiv. Ich wollte aber kein Cheftrainer, sondern eher Co-Trainer werden. Beruflich habe ich mich dann als Kaufmann weitergebildet und war fast 3 Jahre Verkaufsleiter in einem Frankfurter Autohaus.

In der Saison 1996/97 sind Sie noch mal als Spieler nach Kassel zurückgekehrt, damals zum FC Hessen in der Regionalliga Süd.

Dirk Bakalorz: Da hat mich noch mal der Hafer gestochen und wollte es noch mal wissen. Ich habe eine lange Anlaufzeit gebraucht, weil ich auch nicht mehr so intensiv im Training war. Das ging dann noch einige Wochen in die Saison hinein und dann ging es aber wieder aufwärts. Es kam allerdings ein finanzielles Desaster. Der Verein war ja schon klinisch tot, als ich hinkam, was ich vorher aber auch nicht wusste. Wir hatten ein halbes Jahr ausstehende Gehälter und das ohne Job in Kassel. Wir sind damals als Spieler vor die vollendete Tatsache gestellt worden, dass wir kein Gehalt mehr bekommen. Und plötzlich tauchten drei Bielefelder Spieler auf, wo jeder zwischen 50 und 70.000 DM im Monat kassiert hat, allerdings wohl nicht vom FC Hessen Kassel, sondern von Arminia Bielefeld. Das ist aber keine hundert prozentige Aussage von mir, sondern das habe ich erfahren, als ich schon 2 Monate weg war. Ich musste in der Zeit an meine Familie denken und habe meinen Job in Frankfurt wieder aufgenommen. Die haben mich wieder eingestellt und so war ich die Werktage in Frankfurt und bin am Wochenende nach Kassel gefahren, um meine Familie zu besuchen. Das ging über 3 Monate, bis wir dann wieder in den Westen gezogen sind, wo wir jetzt wohnen.

Wie haben Sie den Neuanfang des KSV Hessen Kassel mitbekommen?

Dirk Bakalorz: Ich habe es im Internet und in der Zeitung verfolgt. Ich habe auch von Dirk Steinbach, der später zur Bildzeitung gegangen ist, einiges aus Erzählungen mitbekommen, aber leider nicht Hautnah. Auch über Uwe Eplinius habe ich immer etwas über den KSV erfahren. Er ist von Hamburg am Wochenende runtergefahren und hat noch für den KSV gespielt. Dieses Jahr habe ich übrigens auch das Spiel gegen Darmstadt im Fernsehen gesehen. Bei dem Spiel habe ich für Kassel gefiebert. Bei dem, was in meiner Zeit bei Darmstadt alles vorgefallen ist, regt sich bei mir in Sachen Darmstadt gar nichts mehr. Keine Emotionen. Man hat in dieser Zeit mehr auf das finanzielle geschaut, als auf das spielerische Potential. Damals hat man sich auf die Schulden konzentriert und somit begann die Ausschlachtung der Mannschaft. Im Endresultat sind wir dann 1993 in die Regionalliga abgestiegen und der Trend hat sich noch fortgesetzt und jetzt sind sie eben in der Oberliga Hessen. Für die Südhessische Region mit den vielen Konzernen und Sponsoren war es eigentlich ein Witz, dass wir nur in der 2. Bundesliga gespielt haben. Da sind hintenrum so viele Sponsoren vergrault worden, dass wir irgendwann keine großen Sponsoren mehr hatten.

Wie sehen Sie die Zukunft des KSV Hessen Kassel?

Dirk Bakalorz: Das ist schwer zu sagen. Vieles wird mit Geld gemacht, aber man kann auch nicht alles mit Geld machen. Wenn man eine Mannschaft hat, die zusammen steht, dann kann auch der KSV Hessen Kassel gegen Bayern München gewinnen. Fußball ist nach wie vor immer noch ein Mannschaftssport. Wenn man aber Egoisten in der Truppe hat, die nur für sich spielen, hat man ein Problem. Wenn man die ausmerzt und einen spielerisch schlechteren Spieler mit ins Team nimmt, der sich für die Mannschaft aufreibt, kann man auch die Großen schlagen. Der KSV kann somit auch gegen die Darmstädter gewinnen, auch wenn die einen höheren Etat haben. Wenn man auf dem Rasen ist, wird Geld uninteressant. Man kann sich jetzt natürlich unterhalten, ob man 10 Punkte in dieser Saison noch aufholen kann. Das ist schwer, aber sicherlich nicht unmöglich. Die Darmstädter können auch noch einbrechen.

Tim Siebrecht