Neukirchen
schiesst Löwen auf Platz 2
Da Mitkonkurrent FSV Frankfurt
in Neukirchen patzte (3:3), konnte sich der
KSV Hessen am letzten Spieltag der Oberliga
doch noch auf Platz 2 schieben. Vor 1.800
Zuschauern im Auestadion gewannen die Löwen
2:0 gegen Mitaufsteiger Eintracht Wald-Michelbach.
Die Tore erzielten Andre Breitenreiter (3.)
und Torsten Bauer (81.).
Als Schiedsrichter Welz exakt
um 16.47 Uhr Spiel und Saison beendete, kamen
wehmütige Erinnerungen auf. Wehmütige
Erinnerungen an den 25. Mai des letzten Jahres.
Mit dem Schlusspfiff in Lohfelden überfluteten
damals hunderte Löwen-Fans ausgelassen
und vor Glück nur so strotzend, den Rasen
des Nordhessen-Stadions.
Am diesem verregneten Samstagnachmittag
war alles eine Nummer kleiner. Zwar strömten
wieder Fans auf den "heiligen Rasen",
doch waren es diesmal nur einige Dutzend.
Sicher, man liess die Mannschaft hochleben,
aber die totale Euphorie, wie 371 Tage zuvor,
fehlte. Ein Zuschauer auf der Hauptribüne
brachte die Gedanken vieler auf den Punkt:
"Was wäre hier jetzt los gewesen,
wenn die Mannschaft im März nicht die
Sache verzockt hätte...".
Hätte, wenn und aber.
Das alles zählt nicht mehr. Unter dem
Strich steht ein zweiter Tabellenplatz für
den Aufsteiger. Das ganze mit 76-32 Toren
und 74 Punkten. Wer hätte das vor der
Serie erwartet? Übrigens: 76-32 Tore
und 74 Punkte hätten in der letzten Saison
zu Meisterschaft und Aufstieg gereicht...
In dieser nun nicht. Mit
Eschborn ist eine Mannschaft aufgestiegen,
die in 34 Spielen kein einzigen Spiel verlor.
Die, wenn man den Punktabzug herausrechnet,
auf phantastische 85 (!) Punkte kam. Keine
Schande also, wenn die Löwen zum erstenmal
seit der Vereinsneugründung nicht Meister
wurden. "Die Saison war erfolgreich"
stand mit großer Schlagzeile in der
Stadionzeitung. Keine Frage, sehr erfolgreich
sogar. Nicht zuletzt mit Neukirchener Unterstützung
und dem damit verbundenen zweiten Tabellenplatz.
Das letzte Saisonspiel gegen
Mitaufsteiger Eintracht Wald-Michelbach geriet
dagegen zum Schaulaufen. Nach einem tollen
Auftakt mit früher Führung (gefühlvoller
Zauberfreistoß von Breitenreiter in
den linken, oberen Torwinkel) verflachte die
Partie immer mehr. Sommerfußball ohne
große Emotionen auf beiden Seiten. Die
Löwen verfingen sich mit schöner
Regelmässigkeit in der Abseitsfalle von
"Wamiba". Und wenn es dann mal kein
Abseits war, winkte der Linienrichter dennoch
mit seinem Fähnchen... Trotzdem gab es
kaum Härte und Hektik.
Das änderte sich erst
in der Schluss-Viertelstunde. Zunächst
musste der angeschlagene Zoran Zeljko vom
Feld, für ihn kam Norman Stollberg zu
seinem Saisondebüt. Und dann gab es doch
noch eine heiß diskutierte Szene. Julio
Cesar da Rosa kam im Strafraum zu Fall, doch
die Pfeife von Schiedsrichter Welz blieb stumm.
Eine Entscheidung, mit der Cesar offensichtlich
gar nicht leben konnte. Wüst suchte er
Kontakt zum Schiedsrichter, der ihn folgerichtig
zur Abkühlung unter die Dusche schickte.
Nun war noch mal Musik im Spiel und auf den
Rängen. 180 Sekunden später dann
die Entscheidung. Einen butterweichen Freistoss
von Nico Steffen köpfte Torsten Bauer
im Hechtsprung zum 2:0 in die Maschen. Sein
13. Saisontor, zugleich das letzte für
die Löwen in der Saison 2002/2003.
Was in den nächsten
Wochen zur Unterhaltung bleibt sind die üblichen
Spielchen und Gerüchte. Davon gab es
am Samstag in und um das Auestadion schon
eine ganze Menge. Bleibt Cesar? Bleibt Mayer?
Wer kommt noch neben Christoph Keim? Gut so,
denn so gibt es wenig Zeit für wehmütige
Erinnerungen...
Oliver Zehe |