Wann hast Du
Dich entschieden in einem Verein Fußball
zu spielen? Hattest Du ein bestimmtes
Schlüsselerlebnis?
Thorsten Schönewolf:
Ich wollte eigentlich kein Fußballer
werden. Schon mit 4 Jahren hat es mich
eher zum Handball hingezogen. Irgendwann
war ich dann mal mit meinem großen
Bruder, der 5,5 Jahre älter ist als
ich und schon C-Jugend bei der SG Kaufungen
gespielt hat, mit im Training. Da wollte
ich dann mitspielen, habe jedoch keinen
Ball gesehen, weil die alle größer
und schneller waren als ich. Das Schlüsselerlebnis
war dann, als deren Trainer mir gesagt
hat, dass die F-Jugend immer montags um
17 Uhr trainiert. Dort bin ich hin und
habe im ersten Training gleich ein Tor
geschossen. Und da ging es dann los ...
Hast Du von Anfang
an in der Abwehr gespielt?
Thorsten Schönewolf:
In der Jugend habe ich mehr im offensiven
Mittelfeld gespielt.
Anfang der Saison
bist Du vom KSV Baunatal zum KSV Hessen
Kassel gewechselt. Was war Deine Hauptmotivation
für diesen Schritt?
Thorsten Schönewolf:
Von Kindheit an hängt mein Herz an
dem Verein KSV Hessen Kassel. Ich war
schon als Jugendlicher oft im Stadion
und habe immer mitgefiebert. Von daher
war es schon immer ein Traum von mir,
irgendwann einmal beim KSV Hessen Kassel
zu spielen. Zudem sehe ich hier, im Vergleich
zu den anderen nordhessischen Vereinen,
die beste sportliche Perspektive, um noch
einmal in die Regionalliga aufzusteigen.
Es ist schon ein großer Sprung von
der Oberliga in die Regionalliga. Ich
kann mir kaum vorstellen, dass dies ein
anderer Verein in Nordhessen dauerhaft
realisieren kann.
Traust Du diesen
Schritt dem KSV Baunatal nicht zu? In
der Saison 2000/01 hatten sie es ja fast
geschafft.
Thorsten Schönewolf:
Vom Sportlichen eher als vom Wirtschaftlichen.
Ich habe selbst einige Jahre Regionalliga
gespielt und gerade jetzt, wo es nur noch
zwei Gruppen sind (früher waren es
vier Gruppen) weiß ich, dass es
wirtschaftlich ein enormer Kraftakt ist.
Ein Verein, wie der KSV Baunatal, könnte
dies zwar mal als Abenteuer angehen, aber
sicherlich nicht langfristig in der Regionalliga
spielen. Da fehlt das Umfeld und die Zuschauer.
Sicherlich gibt es Vereine, wie Wehen
oder Elversberg, die auch mit geringen
Zuschauerzahlen in der Regionalliga auskommen,
aber dazu braucht man einen "verrückten
Sponsor" (im positiven Sinne), der
Jahr für Jahr einen Draufleger macht.
Dieser ist in Nordhessen nicht in Sicht!
In der Saison
1996/97 hast Du schon einmal für
Hessen Kassel in der Regionalliga gespielt,
das damals das unbeliebte "FC"
vor dem Vereinsnamen hatte. Was ist der
Hauptunterschied zu dem Verein von damals
und heute?
Thorsten Schönewolf:
Der Verein ist jetzt in Aufbruchstimmung,
auch wenn wir in letzter Zeit einige sportliche
Rückschläge erleben mussten.
Außerdem hat man den alten Namen
"KSV" wieder angenommen, was
sehr wichtig ist. Zudem ist der Verein
solide geführt, was überhaupt
das Wichtigste ist, um den Verein langfristig
wieder nach oben zu bringen. Außerdem
ist auch das Zuschauerinteresse wieder
größer als damals in der Regionalliga.
Die Erwartungen,
die bei Deinem Wechsel an Dich gestellt
wurden, hast Du souverän erfüllt
und bist zurecht fester Bestandteil der
Stammelf. Was waren Deine persönlichen
Erwartungen und Saisonziele?
Thorsten Schönewolf:
Ich bin hierher gekommen, weil ich etwas
bewegen will und nicht, um nur mitzulaufen.
Ich will Verantwortung übernehmen
und denke, das ist auch die Erwartung,
die der Verein an mich haben kann, wo
ich jahrelang in der Regionalliga und
in der Oberligaspitze mitgespielt habe.
Das ich mir einen Platz in der Stammelf
erkämpfen muß, ist klar. Ich
war und bin mir aber sicher, daß
ich das schaffe. So selbstbewußt
bin ich. Mein Ziel ist und bleibt der
Aufstieg in die Regionalliga.
Ein Grund für
Deinen Wechsel nach Kassel war auch das
Publikum, wie Du schon angedeutet hast.
Immerhin hat der KSV in dieser Saison
einen Schnitt von 3.000 Zuschauern, im
Gegensatz zu Deinem Ex-Verein KSV Baunatal
mit ca. 500 Zuschauern. Wie ist es vor
dieser Kulisse zu spielen ? Bist Du vor
Spielen nervös?
Thorsten Schönewolf:
Nein, nervös nicht. Ich habe auch
schon vor größeren Kulissen
gespielt. Es ist ja so: Man betreibt die
Woche über einen gewissen Aufwand
mit Ernährung, Körperpflege,
Training, Anreise und was alles dazu gehört.
Und wenn man sich dann in einem Stadion
warmläuft, wo man die Leute zählen
kann, stellt man sich hin und wieder die
Frage: Wofür machst Du das eigentlich
? Wofür betreiben die Vereine einen
solchen Aufwand, wenn es nur Wenige interessiert
? Da ist es doch etwas anderes, wenn Stimmung
im Stadion ist. Zuschauer drücken
nun mal ein Interesse aus und schaffen
Stimmung. Das bedeutet mir unheimlich
viel, wenn viele Zuschauer da sind. Und
auch in der jetzigen Zeit, wo es nicht
so läuft, ist trotzdem Leben im Stadion.
Im Endeffekt macht dies den Fußball
aus.
Durch die zur
Zeit extrem hohen Erwartungen der Zuschauer
wird ein immenser Druck auf die Mannschaft
ausgeübt. Glaubst Du, dass Deine
Mannschaft die Zuschauer noch als Heimvorteil
nutzen kann oder wird sie durch die Reaktionen
der Zuschauer eher verunsichert?
Thorsten Schönewolf:
Das ist eine gute Frage. Im Moment ist
die Mannschaft sicherlich verunsichert.
Das sieht jeder, der ins Stadion geht.
In den Zeiten wo es lief und wir gewonnen
haben, wurde der ein oder andere Fehler
verziehen. Jetzt wird das Publikum nach
kürzester Zeit unruhig. Wir haben
eben unseren Kredit bei den Zuschauern
verspielt. Und da kann es schon sein,
daß der ein oder andere Spieler
mit dieser Art von Druck Probleme hat
und noch unsicherer wird. Das ist ein
Teufelskreis. Von daher kann ich sagen,
dass es im Moment nicht einfach ist, zu
Hause zu spielen. Auswärts hat man
nicht so den Druck, wie im eigenen Stadion.
Teilweise versteht man auch einzelne negative
Zwischenrufe. Das darf einen zwar in diesem
Moment nicht beeinflussen, aber es ist
doch irgendwo im Unterbewußtsein
vorhanden, wo man kurz darüber nachdenkt.
Und in dem Moment, wo man darüber
nachdenkt, verliert man eventuell die
Konzentration auf das Spiel. Andererseits
muss man natürlich wissen, auf was
man sich einlässt, wenn man sich
entscheidet für den KSV zu spielen.
Wer mit Druck nicht umgehen kann, ist
fehl am Platz!
Kürzlich
war ein Interview mit dem Leiter des Sportamtes,
Herrn Kuhlmann, in der HNA. Er ist der
Überzeugung, daß der Platz
des Auestadions in einem "Top-Zustand"
sei. Stimmst Du dem zu?
Thorsten Schönewolf:
Der Platz ist mit Sicherheit der schlechteste,
auf dem wir nach der Winterpause in der
Oberliga gespielt haben. Die Plätze
bei den Auswärtsspielen in Aschaffenburg,
Erzhausen und Eschborn waren alle besser
als unser Platz. Das stimmt mich bedenklich.
Denn wir als Mannschaft, die um die Meisterschaft
spielt und mehr von spielerischen, als
von kämpferischen Tugenden lebt,
tun uns gegen eine Mannschaft, die sich
hinten reinstellt und zunächst nur
zerstört, gerade auf diesem Platz
sehr schwer. Das soll zwar keine Ausrede
sein, aber der Platz in diesem katastrophalen
Zustand, ist für uns ein Nachteil.
Im Fußball läuft vieles intuitiv
ab, und das ist im Moment nicht gegeben.
Im Moment braucht man zwei oder drei Ballkontakte,
um den Ball überhaupt zu kontrollieren.
Und sobald man sich in Bewegung setzt
und merkt, daß der Ball wieder verspringt,
muß man das Tempo rausnehmen. Zudem
wird der Platz vor den Spielen nicht gewässert,
obwohl wir darum gebeten haben. Hier könnte
man auch von anderer Seite sicherlich
mehr Einsatz bringen.
In den letzten
Wochen gab es einige Turbulenzen, bei
denen am Ende euer Trainer Oliver Roggensack
gehen mußte. Wie kam es dazu und
kannst Du die Trainerentlassung nachvollziehen?
Thorsten Schönewolf:
Es kam dazu, weil die Mannschaft auf dem
Platz nicht das gezeigt hat, was sie zu
leisten im Stande ist. In der Vorbereitungsphase,
haben wir gut gearbeitet, gut trainiert
und auch eine Woche vor Serienbeginn unser
Leistungshoch erreicht. Im Trainingslager
haben wir auch zwei sehr gute Spiele gegen
Regionalligisten gemacht. Dann starten
wir in die Serie und gewinnen in Aschaffenburg
verdient. Allerdings war es noch nicht
so überzeugend, wie wir uns das zunächst
gewünscht hatten. Als nächstes
kam das Spiel gegen Neukirchen, wo wir
auch nicht gut gespielt haben und auch
in den letzten Minuten nicht das Glück
hatten, den Ball nochmal reinzutun, um
das Spiel zu gewinnen. Was für ein
unangenehmer Gegner das war, haben sie
uns in der nächsten Woche wieder
gezeigt, wo Eschborn kurz vor Schluß
erst den Ausgleich gemacht hat. Da war
die Welt noch in Ordnung. Dann haben wir
in einem Geduldspiel gegen Flieden 2:0
gewonnen. Ein Arbeitssieg, aber auch kein
überzeugendes Spiel. Wir hatten immer
noch nicht so richtig Fahrt aufgenommen.
Und dann kam das Spiel in Eschborn, wo
wir, wenn man die Torchancen zusammenaddiert,
mindestens einen Punkt verdient gehabt
hätten. Die erste Halbzeit haben
wir sehr gut kontrolliert und es stand
1:1. Da habe ich uns noch im Vorteil gesehen.
Direkt nach dem Wechsel hatte Eschborn
die klare Feldüberlegenheit, aber
ohne sich groß Chancen rauszuspielen.
Wir sind erst wieder eine Viertelstunde
vor Schluß ins Spiel gekommen und
haben dann fast im Minutentakt klare Torchancen
gehabt. Da wäre auch noch der Ausgleich
möglich gewesen. Aber das war auch
noch nicht das Spiel, wie wir uns das
vorgestellt hatten. Und als dann das Spiel
gegen Wörsdorf noch dazu kam, war
der Trainer entlassen. Weil wir nie in
unseren Rhythmus gefunden haben und nicht
ein einziges überzeugendes Spiel
gemacht haben. Insgesamt bedauere ich
das sehr, daß der Trainer gehen
mußte, weil wir sehr gut und erfolgreich
mit ihm zusammen gearbeitet haben und
ein sehr harmonisches Verhältnis
mit ihm hatten. Das Thema ist jetzt aber
abgehakt. Wir müssen nach vorne schauen.
Meiner Meinung
nach ist es dem Publikum viel wichtiger
zu sehen, daß jeder Einzelne kämpft
bis zum Umfallen, als nur ein blankes
Ergebnis. Oft konnte die Mannschaft nicht
den nötigen Druck aufbauen.
Thorsten Schönewolf:
Das ist eine Sache über die wir auch
sprechen. Wir wissen, daß der Zuschauer
momentan nicht mit dem Eindruck nach Hause
geht, daß die Mannschaft alles gegeben
hat. Das ist für mich das Schlimmste
was passieren kann, wenn ich vom Platz
runtergehe und in den Spiegel schaue und
mir dann sage, ich habe nicht alles gegeben.
Jeder will den Erfolg. Jeder will auch
jetzt noch aufsteigen und alles dafür
geben. Leider können wir die guten
Vorsätze, die auch im Training erkennbar
sind, nicht im Spiel umsetzen. Vieles
wird zur Kopfsache. Das ist schwer zu
erklären. Man sieht es in allen Spielklassen,
von der Bundesliga bis zur Kreisklasse,
daß eine Mannschaft sich viel vornimmt,
aber es nicht umsetzen kann. Zum Beispiel
wie auch gerade bei Bayer 04 Leverkusen.
Der neue Trainer,
Thomas Freudenstein, trainiert euch jetzt
seid 3 Wochen. Was hat er bisher geändert?
Thorsten Schönewolf:
Zunächst Kleinigkeiten, wie Trainingsabläufe,
Trainingstage, Trainingszeiten, etc. Wenn
ein neuer Trainer kommt, führt man
viele Gespräche. Er will jeden Spieler
kennenlernen und ihn natürlich versuchen
aufzubauen, weil im Moment jeder in einem
Leistungstief ist. Da ist der Psychologe
in ihm gefragt. Er macht eine sehr gute
Analyse und stellt uns gut ein. Mehr kann
man von einem Trainer nicht verlangen.
Siehst Du Chancen
auch eventuell als Zweiter noch in die
Regionalliga aufzusteigen, falls Eschborn
die Lizenz verweigert wird?
Thorsten Schönewolf:
An die Lizenzverweigerung glaube ich eigentlich
nicht. Aber um so ärgerlicher ist
es, wenn man jetzt Dritter wird und der
Fall dann wirklich eintritt. Von daher
setzen wir alles daran, den zweiten Platz
zu verteidigen. Das wird auch ganz klar
von der Mannschaft erkannt.
Würde die
Mannschaft bei einem Aufstieg in die Regionalliga
zusammenbleiben oder wissen einige Spieler
schon, daß ein Aufstieg ihr persönliches
Aus beim KSV bedeuten würde?
Thorsten Schönewolf:
Das kann ich nicht sagen. Ich weiß
nur, wie meine Situation aussieht. Ich
würde gerne bleiben, egal ob in der
Regionalliga oder in der Oberliga, aber
die Situation ist für mich im Moment
unsicher. Das letzte konkrete Gespräch
mit dem Verein liegt schon sehr lange
zurück.
Könntest
Du eine Regionalliga-Saison mit Deinem
Beruf verbinden?
Thorsten Schönewolf:
Ich habe das früher auch so gemacht.
Das ist eine Sache, wie der Verein plant.
Ich habe das auch in Göttingen erlebt.
Da habe ich auch nur nachmittags trainiert,
die anderen haben zweimal die Woche vormittags
trainiert und ich habe trotzdem gespielt.
Es ist auch die Frage, ob ein Verein ein
Vollprofitum bezahlen kann. Ich glaube,
für den KSV ist es wichtig, daß
auch berufstätige Spieler dabei bleiben,
da es sicherlich zu teuer ist nur mit
Profis zu arbeiten.
Durch die momentan
sehr angeheizte Stimmung darf man natürlich
nicht vergessen, dass der KSV Hessen Kassel
in den letzten Jahren viel geleistet hat
und in kürzester Zeit wieder zu Nordhessens
stärkstem Team geworden ist. Gerade
aber durch den Siegeszug des KSV durch
Nordhessen in den letzten Jahren hat der
Verein viel Nachbarschaftsneid gesät.
Hast Du noch Kontakt zu Ex-Kollegen? Wie
ist deren Sichtweise?
Thorsten Schönewolf:
Neid anderer Spieler habe ich bisher nicht
erfahren. Ich weiß aber, dass der
KSV gerade für junge Spieler aus
der Region eine interessante Perspektive
bietet. Im privaten Umfeld erfährt
man, dass der Verein die Region spaltet.
Es gibt einige die sagen "Ihr habt
uns schon häufiger verarscht. Sei
es mit den drei verpaßten Aufstiegen
zur 1. Bundesliga Anfang der 80er Jahre
oder den wirtschaftlichen Eskapaden in
den 90er Jahren". Da hat der Verein
bei vielen Kredit verspielt. Nur für
die Situationen von damals waren Personen
verantwortlich, die dem Verein schon lange
nicht mehr angehören. Mit der Neugründung
kam ein neuer Vorstand, der solide wirtschaftet
und arbeitet. Und deswegen gilt es, den
Verein wieder voll zu unterstützen
und ihm eine neue Chance zu geben.
Zum Schluß
interessiert mich noch Dein Film-Tip und
Dein CD-Tip.
Thorsten Schönewolf:
American Pie. In der jetzigen Situation
haben wir nicht viel zu lachen. Da tut
ein solcher Film ganz gut. In Sachen Musik
bin ich sehr flexibel. Vielleicht etwas
von R Kelly.
Tim
Siebrecht