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<<< 29. Spieltag
Landesliga Nord 2001/02, 30. Spieltag

FSC Lohfelden - KSV Hessen Kassel

1:1 (1:1)

Samstag, 25.05.2002
Nordhessenstadion Lohfelden

FSC Lohfelden
KSV Hessen Kassel
Alexander Bartuli
Michael Wilhelm
Peter Wefringhaus
Özkan Beyazit
Robert Scheiter
V. Buongiorno (28. E. Öczan/52. S. Terell)
Erik Wagner (80. Bekim Tafoski)
Trainer: Gerhard Reinbold
Spielstatistik

Tore: 0:1 Mayer (4.), 1:1 Scheiter (12.) - Schiedsrichter: Stefan Trautmann (Florstadt) - Zuschauer: 7.000

Spielbericht

6.000 Fans feiern die Löwen

Vier Jahre nach dem Neubeginn in der Kreisliga A ist der KSV Hessen wieder Landesweit vertreten. Mit dem vierten Aufstieg in Serie gelang den Löwen am Samstagnachmittag der Sprung in die Oberliga Hessen. Vor rund 7.000 Zuschauern im Lohfeldener Nordhessenstadion reichte dem KSV ein 1:1 zur Meisterschaft.

Am Samstagnachmittag um exakt 16.49 Uhr brachen alle Dämme. Nach dem Schlusspfiff des Bundesligaschiedsrichters Stefan Trautmann überfluteten hunderte Fans den Platz, die überwältigende Mehrheit der 7.000 Zuschauer (Bundesdeutscher Rekord für ein Spiel der fünften Liga), wohl an die 6.000, riss die Arme in die Höhe. Doch bis es soweit war, wurde viel gezittert. Eine Nervenschlacht im Nordhessenstadion, bei der lange Zeit der FSC, wie schon beim Hinspiel im Auestadion, die bessere Figur abgab.

Dabei begann alles nach Plan. Gerade mal 200 Sekunden waren gespielt, als der Ball bereits im Tornetz von FSC-Keeper Bartuli zappelte. Nach einem blitzgescheiten Zuspiel von Ahmet Kayacik setzte sich Andreas Mayer gegen zwei Verteidiger durch und täuschte auch Bartuli. Cool und abgezockt schob die Nummer sieben der Löwen die Kugel über die Linie.

Ein Traumstart. Doch es war die letzte gute Szene der Löwen für lange, lange Zeit. Denn danach spielte nur noch der FSC. 9. Minute Fußabwehr Zeljko nach einem gefährlichen Schuß von Scheiter. 10. Minute Buongiorno knapp vorbei. 11. Minute Glanztat von Zeljko, der einen Schuß von Scheiter aus 18 Metern über die Latte boxt. Und dann Minute zwölf. Einem Kopfball des überragenden Robert Scheiter konnte Zoran Zeljko nur noch hinterherschauen - 1:1. Alles wieder offen!

Auch in den folgenden Minuten tapsten die Löwen von einer Verlegenheit in die nächste. Die leichtfüßigen Gastgeber gewannen fast alle Zweikämpfe, während der KSV spielte, als wenn er mit Bleigefüllten Rucksäcken ausgestattet war. Bei hohen Bällen in den KSV-Strafraum war jedesmal zittern angesagt, fast jedes Kopfballduell ging an die Gastgeber.

Erst eine minutenlange Verletzungspauses von Buongiorno, der schließlich ausgewechselt werden musste, hemmte den Spielfluss der Gastgeber. In den letzten Minuten vor der Pause konnte der KSV das Spiel ausgeglichener gestalten, ohne dabei freilich selber Glanzlichter zu setzen. Im Gegenteil. Um ein Haar fiel noch kurz vor dem Halbzeit das 2:1, doch Zeljko konnte einen Kopfball von Wefringhaus mit letzter Mühe entschärfen.

"Einige sind hier gar nicht richtig bei der Sache", schimpfte ein sichtlich angefressener Oliver Roggensack beim Gang in die Kabinen. Und da wurde es nach Angaben der Betroffenen recht laut. Das Halbzeit-Donnerwetter von Oliver Roggensack weckte dann die Löwen auf. Endlich wurde aggressiver gespielt, während den Gastgebern nun etwas die Puste ausging. Und endlich gab es auch wieder Chancen. Einen Weitschuss von Metze entschärfte Bartuli (49.), einen Heber von Mario Schäfer rettete Wefringhaus kurz vor der Torlinie (60.). Und auch Andreas Mayer mit einem platzierten Freistoss (63.) brachte Bartuli in Schwierigkeiten.

Auf den Rängen wurde es nun lauter. Aus allen Ecken des prallgefüllten Nordhessenstadions brandeten die "KSV-KSV" Sprechchöre auf. Die Nervenschlacht ging in die letzte Runde. Die Blicke zur Uhr wurden immer häufiger, jeder herausgeschlagene Ball wurde gefeiert. Und fast wäre dem KSV Sekunden vor Schluß sogar noch der Sieg geglückt, doch Nils Lienhop verpasste fünf Meter vor dem Tor eine Metze Hereingabe freistehend.

Der Rest war dann nur noch Party. Nach dem Schlußpfiff des souverän pfeifenden Schiedsrichters Trautmann brachen alle Dämme, hunderte überfluteten den Rasen des Nordhessenstadions. Bilder die an alte Zeiten erinnerten, an vergangene Zweitligaaufstiege und Oberligameisterschaften.

Weiter ging die Feier dann auf dem Vorplatz des Auestadions und in der Vereinsgaststätte des Düsseldorfer Hofs. Und unbestätigten Aussagen zufolge sollen nicht unwesentlich viele Löwen nachts in der Umgebung der Friedrich-Ebert-Straße gesichtet worden sein...

Wie geht es nun weiter? Das Bild der Löwen wird sich verändern, viele altbekannte Gesichter wird man in der Oberliga nicht mehr sehen. Nils Lienhop, Marc Rosch, Claus Schäfer, Cemal Akkoyun, Stefan Porada und Stipe Jevtic werden teils aus beruflichen Gründen, teils aus sportlichen, nächste Saison bei anderen Clubs kicken. Und was passiert mit Andreas Mayer, der mit seinem tollen Tor die Löwen in die Oberliga schoss? "Versprechen kann ich noch nichts, aber es sieht ganz gut aus, dass ich beim KSV bleibe" gab der "König der Löwen" zu Protokoll. Auch bei Julio Cesar Da Rosa, der sich am Samstag gegen "Locke" Wilhelm die Zähne ausbiss, steht noch nicht endgültig fest, ob er bleiben wird.

Von Oliver Zehe

Stimmen zum Spiel:

Oliver Roggensack (Trainer KSV): "Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir uns das Unentschieden verdient. In der Pause musste ich etwas lauter werden, am Anfang waren einige nicht richtig bei der Sache. Insgesamt sind wir verdient aufgestiegen. Mein Kompliment an Lohfelden für die tolle Saison."

Andreas Mayer (KSV): "Der KSV ist für mich eine Herzensangelegenheit, wir haben eine Super-Truppe beisammen."

Holger Günther (2. Vorsitzender KSV): "Ich bin einfach nur glücklich. Der Druck auf uns war doch recht groß, ich habe die ganzen letzten Tage schlecht geschlafen und bin schon immer sehr früh wach gewesen. Nun ist es geschafft."

Holger Brück (Präsident KSV): "Ein toller Tag für uns, wir sind verdient aufgestiegen."

Cemal Akkuyun (KSV): "Es war für mich ein tolles Jahr. Es war von Anfang an klar, dass ich bei einem Aufstieg meinen Job mit dem Fußball nicht vereinen kann. Ich habe nochmal Holger Brück und den Fans zuliebe alles versucht, um den Aufstieg zu schaffen."