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6.000 Fans feiern die Löwen
Vier Jahre nach dem Neubeginn
in der Kreisliga A ist der KSV Hessen wieder
Landesweit vertreten. Mit dem vierten Aufstieg
in Serie gelang den Löwen am Samstagnachmittag
der Sprung in die Oberliga Hessen. Vor rund
7.000 Zuschauern im Lohfeldener Nordhessenstadion
reichte dem KSV ein 1:1 zur Meisterschaft.
Am Samstagnachmittag um exakt
16.49 Uhr brachen alle Dämme. Nach dem
Schlusspfiff des Bundesligaschiedsrichters
Stefan Trautmann überfluteten hunderte
Fans den Platz, die überwältigende
Mehrheit der 7.000 Zuschauer (Bundesdeutscher
Rekord für ein Spiel der fünften
Liga), wohl an die 6.000, riss die Arme in
die Höhe. Doch bis es soweit war, wurde
viel gezittert. Eine Nervenschlacht im Nordhessenstadion,
bei der lange Zeit der FSC, wie schon beim
Hinspiel im Auestadion, die bessere Figur
abgab.
Dabei begann alles nach Plan.
Gerade mal 200 Sekunden waren gespielt, als
der Ball bereits im Tornetz von FSC-Keeper
Bartuli zappelte. Nach einem blitzgescheiten
Zuspiel von Ahmet Kayacik setzte sich Andreas
Mayer gegen zwei Verteidiger durch und täuschte
auch Bartuli. Cool und abgezockt schob die
Nummer sieben der Löwen die Kugel über
die Linie.
Ein Traumstart. Doch es
war die letzte gute Szene der Löwen für
lange, lange Zeit. Denn danach spielte nur
noch der FSC. 9. Minute Fußabwehr Zeljko
nach einem gefährlichen Schuß von
Scheiter. 10. Minute Buongiorno knapp vorbei.
11. Minute Glanztat von Zeljko, der einen
Schuß von Scheiter aus 18 Metern über
die Latte boxt. Und dann Minute zwölf.
Einem Kopfball des überragenden Robert
Scheiter konnte Zoran Zeljko nur noch hinterherschauen
- 1:1. Alles wieder offen!
Auch in den folgenden Minuten
tapsten die Löwen von einer Verlegenheit
in die nächste. Die leichtfüßigen
Gastgeber gewannen fast alle Zweikämpfe,
während der KSV spielte, als wenn er
mit Bleigefüllten Rucksäcken ausgestattet
war. Bei hohen Bällen in den KSV-Strafraum
war jedesmal zittern angesagt, fast jedes
Kopfballduell ging an die Gastgeber.
Erst eine minutenlange Verletzungspauses
von Buongiorno, der schließlich ausgewechselt
werden musste, hemmte den Spielfluss der Gastgeber.
In den letzten Minuten vor der Pause konnte
der KSV das Spiel ausgeglichener gestalten,
ohne dabei freilich selber Glanzlichter zu
setzen. Im Gegenteil. Um ein Haar fiel noch
kurz vor dem Halbzeit das 2:1, doch Zeljko
konnte einen Kopfball von Wefringhaus mit
letzter Mühe entschärfen.
"Einige sind hier gar
nicht richtig bei der Sache", schimpfte
ein sichtlich angefressener Oliver Roggensack
beim Gang in die Kabinen. Und da wurde es
nach Angaben der Betroffenen recht laut. Das
Halbzeit-Donnerwetter von Oliver Roggensack
weckte dann die Löwen auf. Endlich wurde
aggressiver gespielt, während den Gastgebern
nun etwas die Puste ausging. Und endlich gab
es auch wieder Chancen. Einen Weitschuss von
Metze entschärfte Bartuli (49.), einen
Heber von Mario Schäfer rettete Wefringhaus
kurz vor der Torlinie (60.). Und auch Andreas
Mayer mit einem platzierten Freistoss (63.)
brachte Bartuli in Schwierigkeiten.
Auf den Rängen wurde
es nun lauter. Aus allen Ecken des prallgefüllten
Nordhessenstadions brandeten die "KSV-KSV"
Sprechchöre auf. Die Nervenschlacht ging
in die letzte Runde. Die Blicke zur Uhr wurden
immer häufiger, jeder herausgeschlagene
Ball wurde gefeiert. Und fast wäre dem
KSV Sekunden vor Schluß sogar noch der
Sieg geglückt, doch Nils Lienhop verpasste
fünf Meter vor dem Tor eine Metze Hereingabe
freistehend.
Der Rest war dann nur noch
Party. Nach dem Schlußpfiff des souverän
pfeifenden Schiedsrichters Trautmann brachen
alle Dämme, hunderte überfluteten
den Rasen des Nordhessenstadions. Bilder die
an alte Zeiten erinnerten, an vergangene Zweitligaaufstiege
und Oberligameisterschaften.
Weiter ging die Feier dann
auf dem Vorplatz des Auestadions und in der
Vereinsgaststätte des Düsseldorfer
Hofs. Und unbestätigten Aussagen zufolge
sollen nicht unwesentlich viele Löwen
nachts in der Umgebung der Friedrich-Ebert-Straße
gesichtet worden sein...
Wie geht es nun weiter? Das
Bild der Löwen wird sich verändern,
viele altbekannte Gesichter wird man in der
Oberliga nicht mehr sehen. Nils Lienhop, Marc
Rosch, Claus Schäfer, Cemal Akkoyun,
Stefan Porada und Stipe Jevtic werden teils
aus beruflichen Gründen, teils aus sportlichen,
nächste Saison bei anderen Clubs kicken.
Und was passiert mit Andreas Mayer, der mit
seinem tollen Tor die Löwen in die Oberliga
schoss? "Versprechen kann ich noch nichts,
aber es sieht ganz gut aus, dass ich beim
KSV bleibe" gab der "König
der Löwen" zu Protokoll. Auch bei
Julio Cesar Da Rosa, der sich am Samstag gegen
"Locke" Wilhelm die Zähne ausbiss,
steht noch nicht endgültig fest, ob er
bleiben wird.
Von Oliver Zehe
Stimmen zum Spiel:
Oliver Roggensack (Trainer
KSV): "Aufgrund der zweiten Halbzeit
haben wir uns das Unentschieden verdient.
In der Pause musste ich etwas lauter werden,
am Anfang waren einige nicht richtig bei der
Sache. Insgesamt sind wir verdient aufgestiegen.
Mein Kompliment an Lohfelden für die
tolle Saison."
Andreas Mayer (KSV): "Der
KSV ist für mich eine Herzensangelegenheit,
wir haben eine Super-Truppe beisammen."
Holger Günther (2. Vorsitzender
KSV): "Ich bin einfach nur glücklich.
Der Druck auf uns war doch recht groß,
ich habe die ganzen letzten Tage schlecht
geschlafen und bin schon immer sehr früh
wach gewesen. Nun ist es geschafft."
Holger Brück (Präsident
KSV): "Ein toller Tag für uns, wir
sind verdient aufgestiegen."
Cemal Akkuyun (KSV): "Es
war für mich ein tolles Jahr. Es war
von Anfang an klar, dass ich bei einem Aufstieg
meinen Job mit dem Fußball nicht vereinen
kann. Ich habe nochmal Holger Brück und
den Fans zuliebe alles versucht, um den Aufstieg
zu schaffen." |