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<<< 26. Spieltag
Bezirksoberliga 2000/01, 27. Spieltag

KSV Hessen Kassel - GSV Eintracht Baunatal

4:2 (4:2)

Sonntag, 06.05.2001
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
GSV Eintracht Baunatal
Holger Flörke
Michael Hellmuth
Günter Schmidt
Andreas Dickhaut
Gerrit Stieglitz (67. Thomas Börner)
Carsten Günther (46. Björn Hofmann)
Ralf Staudt (28. Martin Köhler)
Awart Abraha
Björn Bliewert
Trainer: Holger Brück
Trainer: Erhard Hofeditz
Spielstatistik
Tore: 0:1 Bliewert (5.), 1:1 Claus Schäfer (8.), 2:1 Rosch (13.), 3:1 Claus Schäfer (18.), 3:2 Bliewert (24.), 4:2 Jevtic (30.) - Bes. Vork.: Stern hält Foulelfmeter von Flörke (90.) - Gelb-Rote Karte: Jevtic (86., KSV) - Rote Karte: Hellmuth (84., GSV) - Schiedsrichter: Marc Reitze (Nieste) - Zuschauer: 4.500
Spielbericht

4.500 Zuschauer beim Fussballfest im Auestadion

Das war es nun, daß große Fußballfest. Sechs Tore, zwei Rote Karten, dutzende von Torraumszenen, Hektik, lange Schlangen vor den Kassenhäuschen, Fernsehkameras und viel Stimmung. Es fehlte an nichts. Am Ende siegten die Löwen mit 4:2, machten einen großen Schritt in Richtung Landesliga. Drei Punkte Vorsprung bei noch drei ausstehenden Spielen, der KSV hat es nun in der Hand aus eigener Kraft den Direktaufstieg zu schaffen.

Doch bis es soweit war, mußten die Kasseler lange Zittern. Die junge Großenritter Mannschaft hielt glänzend mit, hatte ihren Anteil an diesem spannenden Spiel. Und sie hatte den besseren Auftakt. Nach nur fünf Minuten, war die wacklige Defensive der Löwen zum erstenmal ausgehebelt. Der flinke Björn Bliewert, der schon im Hinspiel mit drei Toren der Schrecken der KSV-Deckung war, reagierte am schnellsten - 0:1.

Die Welt sah nun für die Großenritter Rosarot aus. Doch beeindruckt von der großen Kulisse und einem quirligen Marc Rosch stand es nur 13 Minuten später 3:1 für die Löwen. Zunächst spitzelte Claus Schäfer eine präzise Rechtsflanke von Rosch zum 1:1 über die Linie, dann zog "Uschi" aus 16 Metern selber zum 2:1 ab und zu guter letzt lochte Claus Schäfer seine Mustergültige Flanke von links zum 3:1 ein.

Nun lagen die Trümpfe beim KSV, doch auch er reichte sie wieder weiter. Björn Bliewert brachte die Eintracht wieder zurück ins Spiel und wieder sah die Abwehr alles andere als sicher aus. Patrick Pfalzgraf und Stefan Hildebrandt mussten diesmal auf der Bank schmoren, besser war das Defensiv-Verhalten beim KSV dadurch keinesfalls. Die technisch versierten Baunataler deckten die Abwehrschwächen der Löwen gnadenlos auf. Aber auch die Großenritter waren in der Defensive anfällig. Einen katastrophalen Querpaß von Carsten Günther nutzte Stipe Jevtic zum 4:2 für die Löwen. Sechs Tore nach nur 30 Minuten, die Zuschauer waren begeistert. Aber auch danach hatte die Eintracht noch Chancen. Die Pfeilschnellen Abraha und Bliewert hätten noch vor der Pause das Spiel erneut kippen können.

Im zweiten Durchgang überließ der KSV nun den Gästen die Initiative. Die Großenritter hatten mehr vom Spiel, ohne jedoch die glänzenden Chancen zu besitzen. Im Gegenteil. Stipe Jevtic, Claus Schäfer und Terry Scott hätten bei Kontern für die Entscheidung sorgen können, doch sie scheiterten an Zoran Zeljko und den eigenen Nerven.

Dass es dann am Ende hektisch wurde, war ein Verdienst des Schiedsrichters. Marc Reitze aus Nieste, der lange mit der fairen Partie keine Probleme hatte, sorgte in den letzten zehn Minuten für Aufregung. Zunächst schickte er Holger Brück auf die Tribüne und brachte dann, vollkommen überflüssig, Farbe ins Spiel. In der 84. Minute schraubte sich Stipe Jevtic bei einem Laufduell in den Großenritter Michael Hellmuth und stürzte spektakulär. Die unverständliche Entscheidung des Mannes in Gelb: Platzverweis. Das schlechte Gewissen des Schiedsrichters wurde dann drei Minuten später offensichtlich. Diesmal wurde Jevtic klar umgerissen, doch die Pfeife von Reitze blieb stumm. Wollte er einen Fehler durch einen weiteren Fehler ausgleichen? Jevtic war damit gar nicht einverstanden und wurde wegen Reklamierens auch zum duschen geschickt.

Dann die 90. Minute. Nach einer eher harmlosen Rangelei zwischen Thomas Freudenstein und Sascha Metze zeigte der Mann aus Nieste auf den Elfmeterpunkt. Holger Flörke schritt zur Tat, fand aber in Patrick Stern seinen Meister. Doch noch war das Spiel nicht vorbei. Daniel Ortmann hätte in der Nachspielzeit alles klar machen müssen, doch auch er brachte die Lederkugel nicht im Gehäuse unter.

VON OLIVER ZEHE (06.05.2001)

Stimmen zum Spiel:

Holger Brück (1. Vorsitzener / Trainer KSV Hessen): "Kompliment an Baunatal, die Mannschaft die gesamte Saison über super mitgehalten. Wir hätten uns die Serie sicherlich einfacher vorgestellt. Es hat riesig Spaß gemacht, heute vor soviel Zuschauern zu spielen."

Erhard Hofeditz (Trainer GSV Eintracht): "Seit langer Zeit war das mal wieder ein schöner Tag für Nordhessen. Selbst wenn wir nicht gewonnen haben, es hat Spaß gemacht. Wir haben dem KSV Hessen ein schweres Spiel geliefert und guten Fußball gezeigt. Am Ende ist der Sieg für den KSV verdient."

Wolfgang Kleff (Ex-Nationalspieler): "Das ist wirklich Sensationell. Irre welche Begeisterung hier ist. Der KSV hat einige gute Fußballer in seinen Reihen."

Georg Lewandowski (Oberbürgermeister Kassel): "Das war ein großer Fußballtag für Kassel."

Karl-Hermann Löber (Abteilungsleiter GSV Eintracht): "Unsere Mannschaft hat sich hier gut verkauft, mit etwas mehr Glück hätten wir einen Punkt holen können".

Thomas Freudenstein (KSV Hessen): "Nach dem frühen Rückstand haben wir gezeigt, daß wir eine intakte Mannschaft sind. Es hat einfach Spaß gemacht, die Kulisse hat uns nach vorne getrieben."

Marc Rosch (KSV Hessen): "Das war die totale Euphorie. Wir hatten mit vielleicht 2.000 Zuschauern gerechnet, aber das war der Wahnsinn. Sowas gibt es nur beim KSV Hessen."

Terry Scott (KSV Hessen): "Das war ein hartes Stück Arbeit. Nach dem 3:1 hatten wir das Spiel eigentlich schon im Sack gehabt, aber wir haben es nochmal aus der Hand gegeben."

Völle Ränge und viel Prominenz

Wer hätte damit gerechnet? Da regnete es stundenlang und dennoch rannten die Zuschauer dem KSV fast die Bude ein. Das erste Punktspiel im Auestadion seit dem 13. Dezember 1997, dem letzten Regionalliga-Spiel des FC Hessen, sollte zum ganz großen Publikumsmagneten werden. 4.500 Zuschauer waren es am Ende, gab es mal mehr bei einem Spiel der sechsten Liga? Fast zwanzig Minuten Verspätung hatte die Partie, immer noch standen dutzende von Fans auf dem Stadion-Vorplatz. Und als dann die Tribünen voll waren, mußte sogar noch die Nordkurve geöffnet werden.

Und die Stimmung war fast schon wie zu alten Zweitliga-Zeiten. Da gab es rythmisches Klatschen und die La-Ola-Welle, alle waren heiß auf Fußball. Gerechnet hatte mit diesem Ansturm keiner. "An 2.500 hatte ich gedacht" meinte dann auch Holger Brück zu seinen Erwartungen.

Viel Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Sport war da. Ehemalige KSV-Größen wie Gerd Grau, Manfred Grawunder, Winfried Döring und Erich Knothe drückten genauso die Daumen, wie Ex-Nationalspieler Wolfgang Kleff, der einst mit Gladbach und Düsseldorf so manches heiße Spiel im Auestadion hatte. Während Baunatals Bürgermeister Grenacher traurig über die Niederlage des GSV war, strahlten Ingo Groß und Georg Lewandowski nach dem Spiel um die Wette.

Und auch das dürfte einmalig in der Bezirksoberliga sein. Uwe Becker vom HR drehte mit seinem Team einen Filmbeitrag, der am Sonntagabend Landesweit im Sportkalender zu sehen war.

Einen großen Anteil an diesem Fußball-Fest hatte die HNA. Durch eine groß aufgemachte Anzeigenserie wurde dieses Spiel in der letzten Woche täglich in der Zeitung angekündigt. Und die Initiative zeigte Wirkung. "Am Freitag und Samstag haben mich viele auf Karten angesprochen, die seit Jahren nicht mehr beim Fußball waren", freute sich Holger Brück.

VON OLIVER ZEHE (06.05.2001)