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4.500
Zuschauer beim Fussballfest im Auestadion
Das war
es nun, daß große Fußballfest.
Sechs Tore, zwei Rote Karten, dutzende von
Torraumszenen, Hektik, lange Schlangen vor
den Kassenhäuschen, Fernsehkameras und
viel Stimmung. Es fehlte an nichts. Am Ende
siegten die Löwen mit 4:2, machten einen
großen Schritt in Richtung Landesliga.
Drei Punkte Vorsprung bei noch drei ausstehenden
Spielen, der KSV hat es nun in der Hand aus
eigener Kraft den Direktaufstieg zu schaffen.
Doch bis
es soweit war, mußten die Kasseler lange
Zittern. Die junge Großenritter Mannschaft
hielt glänzend mit, hatte ihren Anteil
an diesem spannenden Spiel. Und sie hatte
den besseren Auftakt. Nach nur fünf Minuten,
war die wacklige Defensive der Löwen
zum erstenmal ausgehebelt. Der flinke Björn
Bliewert, der schon im Hinspiel mit drei Toren
der Schrecken der KSV-Deckung war, reagierte
am schnellsten - 0:1.
Die Welt
sah nun für die Großenritter Rosarot
aus. Doch beeindruckt von der großen
Kulisse und einem quirligen Marc Rosch stand
es nur 13 Minuten später 3:1 für
die Löwen. Zunächst spitzelte Claus
Schäfer eine präzise Rechtsflanke
von Rosch zum 1:1 über die Linie, dann
zog "Uschi" aus 16 Metern selber
zum 2:1 ab und zu guter letzt lochte Claus
Schäfer seine Mustergültige Flanke
von links zum 3:1 ein.
Nun lagen
die Trümpfe beim KSV, doch auch er reichte
sie wieder weiter. Björn Bliewert brachte
die Eintracht wieder zurück ins Spiel
und wieder sah die Abwehr alles andere als
sicher aus. Patrick Pfalzgraf und Stefan Hildebrandt
mussten diesmal auf der Bank schmoren, besser
war das Defensiv-Verhalten beim KSV dadurch
keinesfalls. Die technisch versierten Baunataler
deckten die Abwehrschwächen der Löwen
gnadenlos auf. Aber auch die Großenritter
waren in der Defensive anfällig. Einen
katastrophalen Querpaß von Carsten Günther
nutzte Stipe Jevtic zum 4:2 für die Löwen.
Sechs Tore nach nur 30 Minuten, die Zuschauer
waren begeistert. Aber auch danach hatte die
Eintracht noch Chancen. Die Pfeilschnellen
Abraha und Bliewert hätten noch vor der
Pause das Spiel erneut kippen können.
Im zweiten
Durchgang überließ der KSV nun
den Gästen die Initiative. Die Großenritter
hatten mehr vom Spiel, ohne jedoch die glänzenden
Chancen zu besitzen. Im Gegenteil. Stipe Jevtic,
Claus Schäfer und Terry Scott hätten
bei Kontern für die Entscheidung sorgen
können, doch sie scheiterten an Zoran
Zeljko und den eigenen Nerven.
Dass es
dann am Ende hektisch wurde, war ein Verdienst
des Schiedsrichters. Marc Reitze aus Nieste,
der lange mit der fairen Partie keine Probleme
hatte, sorgte in den letzten zehn Minuten
für Aufregung. Zunächst schickte
er Holger Brück auf die Tribüne
und brachte dann, vollkommen überflüssig,
Farbe ins Spiel. In der 84. Minute schraubte
sich Stipe Jevtic bei einem Laufduell in den
Großenritter Michael Hellmuth und stürzte
spektakulär. Die unverständliche
Entscheidung des Mannes in Gelb: Platzverweis.
Das schlechte Gewissen des Schiedsrichters
wurde dann drei Minuten später offensichtlich.
Diesmal wurde Jevtic klar umgerissen, doch
die Pfeife von Reitze blieb stumm. Wollte
er einen Fehler durch einen weiteren Fehler
ausgleichen? Jevtic war damit gar nicht einverstanden
und wurde wegen Reklamierens auch zum duschen
geschickt.
Dann die
90. Minute. Nach einer eher harmlosen Rangelei
zwischen Thomas Freudenstein und Sascha Metze
zeigte der Mann aus Nieste auf den Elfmeterpunkt.
Holger Flörke schritt zur Tat, fand aber
in Patrick Stern seinen Meister. Doch noch
war das Spiel nicht vorbei. Daniel Ortmann
hätte in der Nachspielzeit alles klar
machen müssen, doch auch er brachte die
Lederkugel nicht im Gehäuse unter.
VON OLIVER
ZEHE (06.05.2001)
Stimmen
zum Spiel:
Holger Brück
(1. Vorsitzener / Trainer KSV Hessen): "Kompliment
an Baunatal, die Mannschaft die gesamte Saison
über super mitgehalten. Wir hätten
uns die Serie sicherlich einfacher vorgestellt.
Es hat riesig Spaß gemacht, heute vor
soviel Zuschauern zu spielen."
Erhard Hofeditz
(Trainer GSV Eintracht): "Seit langer
Zeit war das mal wieder ein schöner Tag
für Nordhessen. Selbst wenn wir nicht
gewonnen haben, es hat Spaß gemacht.
Wir haben dem KSV Hessen ein schweres Spiel
geliefert und guten Fußball gezeigt.
Am Ende ist der Sieg für den KSV verdient."
Wolfgang
Kleff (Ex-Nationalspieler): "Das ist
wirklich Sensationell. Irre welche Begeisterung
hier ist. Der KSV hat einige gute Fußballer
in seinen Reihen."
Georg Lewandowski
(Oberbürgermeister Kassel): "Das
war ein großer Fußballtag für
Kassel."
Karl-Hermann
Löber (Abteilungsleiter GSV Eintracht):
"Unsere Mannschaft hat sich hier gut
verkauft, mit etwas mehr Glück hätten
wir einen Punkt holen können".
Thomas Freudenstein
(KSV Hessen): "Nach dem frühen Rückstand
haben wir gezeigt, daß wir eine intakte
Mannschaft sind. Es hat einfach Spaß
gemacht, die Kulisse hat uns nach vorne getrieben."
Marc Rosch
(KSV Hessen): "Das war die totale Euphorie.
Wir hatten mit vielleicht 2.000 Zuschauern
gerechnet, aber das war der Wahnsinn. Sowas
gibt es nur beim KSV Hessen."
Terry Scott
(KSV Hessen): "Das war ein hartes Stück
Arbeit. Nach dem 3:1 hatten wir das Spiel
eigentlich schon im Sack gehabt, aber wir
haben es nochmal aus der Hand gegeben."
Völle
Ränge und viel Prominenz
Wer hätte
damit gerechnet? Da regnete es stundenlang
und dennoch rannten die Zuschauer dem KSV
fast die Bude ein. Das erste Punktspiel im
Auestadion seit dem 13. Dezember 1997, dem
letzten Regionalliga-Spiel des FC Hessen,
sollte zum ganz großen Publikumsmagneten
werden. 4.500 Zuschauer waren es am Ende,
gab es mal mehr bei einem Spiel der sechsten
Liga? Fast zwanzig Minuten Verspätung
hatte die Partie, immer noch standen dutzende
von Fans auf dem Stadion-Vorplatz. Und als
dann die Tribünen voll waren, mußte
sogar noch die Nordkurve geöffnet werden.
Und die
Stimmung war fast schon wie zu alten Zweitliga-Zeiten.
Da gab es rythmisches Klatschen und die La-Ola-Welle,
alle waren heiß auf Fußball. Gerechnet
hatte mit diesem Ansturm keiner. "An
2.500 hatte ich gedacht" meinte dann
auch Holger Brück zu seinen Erwartungen.
Viel Prominenz
aus Wirtschaft, Politik und Sport war da.
Ehemalige KSV-Größen wie Gerd Grau,
Manfred Grawunder, Winfried Döring und
Erich Knothe drückten genauso die Daumen,
wie Ex-Nationalspieler Wolfgang Kleff, der
einst mit Gladbach und Düsseldorf so
manches heiße Spiel im Auestadion hatte.
Während Baunatals Bürgermeister
Grenacher traurig über die Niederlage
des GSV war, strahlten Ingo Groß und
Georg Lewandowski nach dem Spiel um die Wette.
Und auch
das dürfte einmalig in der Bezirksoberliga
sein. Uwe Becker vom HR drehte mit seinem
Team einen Filmbeitrag, der am Sonntagabend
Landesweit im Sportkalender zu sehen war.
Einen großen
Anteil an diesem Fußball-Fest hatte
die HNA. Durch eine groß aufgemachte
Anzeigenserie wurde dieses Spiel in der letzten
Woche täglich in der Zeitung angekündigt.
Und die Initiative zeigte Wirkung. "Am
Freitag und Samstag haben mich viele auf Karten
angesprochen, die seit Jahren nicht mehr beim
Fußball waren", freute sich Holger
Brück.
VON OLIVER
ZEHE (06.05.2001)
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