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<<< 19. Spieltag
Regionalliga Süd 1997/98, 21. Spieltag
 

FC Hessen Kassel - Karlsruher SC Am.

2:2 (0:1)

Samstag, 13.12.1997
Auestadion Kassel

FC Hessen Kassel
Karlsruher SC Am.
Martin Fischer
Christian Kritzer
Timo Haas
Jakov Kristo
Kristian Sprecakovic (85. Sven Eller)
Dominique Eller
Mark Burkart (88. Rapp)
Rainer Scharinger
Christian Hurle
Thomas Ollhoff
Peter Gorscak (75. Rainer Baumgart)
Trainer: Horst Schmidt
Trainer: Edmund Becker
Spielstatistik
Tore: 0:1 Burkart (44.), 0:2 Specakovic (59.), 1:2 Höhle (62.), 2:2 Weise (86.) - Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart) - Zuschauer: 800
Spielbericht

Am Ende bleiben Hessen Kassel nur leere Versprechungen

Musik verbindet. Besonders in den Fußballstadien werden Gesänge angestimmt, um gemeinschaftlich die eigene Mannschaft zu Unterstützen oder den Gegner zu necken. Umgekehrt lief es am Samstag im Kasseler Auestadion, als sich die Spieler des Regionalligaklubs FC Hessen mit einem Lied von ihren Anhängern verabschiedeten. "Drum sagen wir auf Wiedersehen. Die Zeit mit euch war wunderschön", dröhnte es vom Tonband. Doch der Wunsch der Band "Die Toten Hosen" wurde nicht erfüllt: "Wir wollen keine Tränen sehen". Spieler und Anhänger hatten allen Grund zur Niedergeschlagenheit. Nachdem das zuständige Amtsgericht die beantragte Eröffnung eines Konkursverfahrens mangels vorhandener Masse abgelehnt hat, stehen die Nordhessen vor dem endgültigen Aus. Wenn nicht noch in letzter Sekunde ein finanzstarker Retter für den mit offiziell mehr als 1,8 Millionen Mark verschuldeten Traditionsklub gefunden wird, nimmt die Mannschaft nicht mehr an der Regionalliga Süd teil. In der Geschäftsstelle stehen schon die Umzugskartons bereit. Viele werden nicht gebraucht, denn das letzte Hab und Gut beschränkt sich auf angestaubte Pokale aus besseren Zeiten. Das Telefon ist längst gesperrt. Ein Verein hört auf zu existieren.

"Mir sind schon auf dem Spielfeld die Tränen gekommen", sagte Mittelfeldspieler Marc Rosch nach dem Schlußpfiff der Partie gegen die Amateure des Karlsruher SC. Der überragende Mann auf dem Platz konnte sich angesichts der Umstände über die eigene Leistung nicht sehr freuen. "Zumindest kann ich nun auf Angebote von anderen Vereinen hoffen", sagte Rosch. Auch die Mehrheit seiner Mitspieler weiß noch nicht sicher, für welchen Verein sie im Früjahr gegen den Ball treten wird. Mit dem Gedanken, daß das 2:2-Unentschieden wahrscheinlich das letzte Punktspielergebnis des FC Hessen ist, konnte sich niemand so richtig anfreunden. "Ich kann noch gar nicht glauben, daß nun alles vorbei sein soll", sagte Marco Mason, der mehr als sechs Jahre für die Nordhessen gespielt hat. Die rund 800 Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft gebührend. Schon in der Halbzeitpause zogen sie über das Spielfeld. Ihre Forderung: "Wir wollen Fußball in Kassel." In den letzten Minuten spendeten sie stehend Beifall für die Spieler, die seit drei Monaten kein Gehalt bekommen haben und dennoch bis zum Schluß eine gute Leistung zeigten. "Die Mannschaft besitzt eine hervorragende Moral und vor allem Charakterstärke", lobte Trainer Horst Schmidt. Ihn selbst feierten die Anhänger überschwenglich. Der Oberstabsfeldwebel bei der Bundeswehr hatte es in den vergangenen Wochen geschafft, trotz katastrophaler Bedingungen beim FC Hessen die Spieler zu motivieren und das schon abhanden gekommene Gemeinschaftsgefühl wieder aufleben zu lassen.

Die Hauptverantwortlichen für die Misere des Traditionsvereins waren am Samstag nicht im Stadion. Der FC-Vorsitzende Horst Flöck war beruflich verhindert, sein Stellvertreter Richard Wurbs im Urlaub auf der Nordseeinsel Sylt, um "die Seele baumeln zu lassen". Von dem umstrittenen Manager Gerhardt Welz hatte sich Hessen Kassel in der vergangenen Woche getrennt. Doch vielleicht wird sogar der in den vergangenen Wochen stark kritisierte Flöck zum großen Retter: "Es gibt noch einen Strohhalm, an den ich mich klammere", sagte der Kasseler Kaufhof-Personalchef. Genauer wurde da schon Hans-Jochem Weikert, der Geschäftsführer der FC Hessen Marketing Gesellschaft. "Es gibt Informationen, daß eine Sport-Marketing-Agentur dem Verein helfen will." Von 700 000 Mark sei die Rede. Auch habe Flöck mit Championsleague-Sieger Borussia Dortmund über eine Kooperation verhandelt. "Die endgültige Entscheidung fällt am kommenden Freitag", sagte Weikert. Die Spieler zeigten sich skeptisch über die vermeintliche neue Hoffnung. "Uns sind in der Vergangenheit schon viele leere Versprechungen gemacht worden", sagte Kapitän Mario Deppe. Ein Abschiedslied von den "Toten Hosen" war wohl passend.

Dirk Steinbach