Drube
zu Borussia Fulda?
Die Qual eines Entscheidungsspiels
bleibt den Oberliga-Kickern des KSV Hessen
erspart: Mit 2:0 qualifizierte sich die SpVgg
Bad Homburg für die Deutsche Amateurmeisterschaft.
Der traurige Abgesang, aber
auch das getreue Spiegelbild einer verkorksten
Saison: Mit einer trotz leichter Überlegenheit
verdienten 0:2 (0:2)-Niederlage gegen die
SpVgg Bad Homburg verab-schiedete sich der
KSV Hessen von den Fans. Von 2500, wie es
offiziell hieß? Oder von allenfalls
1500, wie Beobachter mutmaßten? Unerheblich,
jedenfalls hatte der nordhessische Renommierklub
wohl schon vorher beim Anhang allen Kredit
verspielt. Immerhin hatte ein Modehaus aus
der Kasseler City rund 10 000 Freikarten ausgegeben
und damit die bescheidenen wirtschaftlichen
Saisondaten des Klubs etwas aufgepäppelt.
Wer diesmal einen großen
Bogen ums Auestadion gemacht hatte, versäumte
so viel wahrlich nicht. Es sei denn, eine
anspruchsvolle Bad Hornburger Präsentation
mit ausgesprochen homogenen Zügen. Die
Männer aus dem Taunus erinnerten mit
ihrer Spielauffassung gleichsam an die besten
Zeiten des KSV Hessen in der vergangenen Saison.
Leichtfüßigkeit
und Beweglichkeit, ständige Positionswechsel
und brandgefährliche Konter waren Gift
für die schwerfälligen Thomale-Schützlinge,
die zudem einmal mehr vom Schiedsrichtergespann
aus-gebremst wurden. Doppel-Torschütze
Liebe stand vor dem 1:0 beim Steilpaß
von Stoll eineinhalb Meter im Abseits. Es
muß ein Linienrichter schon mit Blindheit
geschlagen sein, der sich genau auf dieser
Höhe befindet und sich trotzdem die für
alle sichtbare Abseitsposition entgehen läßt.
Trainer Hans-Ulrich Thomales langanhaltender,
ironischer Applaus ließ den Mann in
Schwarz indes kalt.
Mit dem durch die Niederlage
zementierten dritten Platz in der Endtabelle
ist nunmehr auch die letzte theoretische Chance
der Kasseler auf die Aufstiegsrunde dahin.
Anzumerken war freilich kaum einem der rot-weißen
Kicker, daß es um diesen Griff nach
dem Strohhalm eigentlich noch ging. Immerhin
hat der DFB Aschaffenburg immer noch keine
Lizenz erteilt. Und die Frage nach der Perspektive
der Viktoria stellt sich mehr denn je. Die
Mannschaft fällt auseinander: Nach Trainer
Lorant (nach Fulda) haben die beiden Sturm-Asse
Winter und Hock Verträge bei Fortuna
Düsseldorf bzw. Borussia Mönchengladbach
unterzeichnet.
Freilich, beim KSV Hessen
scheint sich eine ähnliche Fastenkur
anzubahnen. Michael Drube, jahrelang die unverzichtbare
Stütze der Mannschaft, wird als erster
wohl heute oder morgen bei der zu-künftigen
Konkurrenz unterschreiben. Dem satten Angebot
von Borussia Fulda wird er kaum noch widerstehen.
Ulrich Fuhrmann (HNA-Sportredaktion,
17.05.1992) |