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HNA-Sportredaktion - 12.03.1992

Klarer Kurs auf die 2. Bundesliga

Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 1991 steuert Oberligist KSV Hessen Kassel Kurs auf die 2. Bundesliga. Finanziell ist alles klar - sportlich aber noch nicht.

Falls irgendjemand noch Zweifel gehabt haben sollte, gestern wurden sie ausgeräumt. „Es war schon immer das Ziel unseres Präsidiums, den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu schaffen. Die finanziellen Voraussetzungen dazu sind vorhanden”, stellte Schatzmeister Hans-Ulrich Tonhausen auf einer Pressekonferenz, die das Präsidium des Fußball-Oberligisten im Klubhaus des KSV Hessen anberaumt hatte, mit nicht geringem Stolz fest.

Optimismus war angesagt, nicht nur beim Finanzchef, konnte doch die fast vollzählig erschienene Führungsriege des KSV eine Bilanz des Geschäftsjahres 1991 vorlegen, deren sechsstellige Endsumme in schwarzen Zahlen geschrieben war. Von dem Bilanzüberschuß in Höhe von 123 000 DM hatte die erfolgreiche Fußball-Oberligamannschaft (DFB-Pokal und Aufstiegsrunde) mit 85 000 DM Plus den weitaus größten Anteil beigesteuert. Schuldenfrei ist der Kasseler Großverein deswegen aber noch lange nicht. Zum Jahreswechsel beliefen sich die Verbindlichkeiten auf 2,407 Millionen DM.

Sei's drum, bei den Zahlungen ist man beim KSV Hessen jedenfalls auf dem laufenden. „Es gibt bei uns keine rückständigen Gehälter, die Sozialversicherung ist bezahlt, und auch das Finanzamt stellt keine Ansprüche”, weiß Tonhausen vom Erfolg „unseres kostengünstigen Arbeitens und der strikten Einhaltung des Sparkurses” zu berichten. Somit hat man beim Oberliga-Meister auch keinen Bammel vor dem Lizensierungsverfahren beim Deutschen Fußball-Bund. Aus Frankfurt erwartet der KSV bald „grünes Licht” und das ohne Auflagen wie noch im letzten Jahr, zumal man dem DFB eine Saisonplanung für die 2.Liga unterbreitet hat, die in der Kalkulation bescheiden unter dem Zweitliga-Durchschnitt bleibt und am Ende dennoch ein Plus von 324 000 DM ausweist.

Das eindrucksvolle Zahlenspektakel, da macht sich auch der Klubvorstand kein X für ein U vor, steht allerdings auf tönernen Beinen. Bleibt der sportliche Erfolg aus, wird der Meistertitel verpaßt, dann ist die ganze Kosten-Nutzen-Rechnung Makulatur, bricht das solide gezimmerte Zahlengebilde in sich zusammen. „Darum haben wir der Mannschaft den Ernst der Lage deutlich gemacht”, unterstreicht KSV-Präsident Karl-Heinz Schwabe die Bemühungen des Präsidiums, den Ehrgeiz der Spieler anzu-stacheln.

Schwer genug wird es ohne hin. Nicht nur sportlich. Auch ein finanzieller Engpaß ist bis zum Saisonende in Kassel zu überwinden. Da man im Auestadion mit bislang 1612 Zuschauern in den elf Heimspielen weit hinter dem kalkulierten Schnitt von 2200 zurückblieb, weist die Bilanz des laufenden Jahres schon ein größeres Loch auf. „Deshalb wäre es jetzt sehr wichtig, daß uns die Zuschauer in den restlichen Heimspielen kräftig unterstützten”, appelliert Klubchef Schwabe an die heimischen Fußballfans. Seine Begründung: „Wir spielen schließlich nicht Fußball als Selbstzweck, sondern wir möchten, daß der KSV nach oben kommt, um für die kleineren Vereine in der Region und deren Jugend eine Vorbildfunktion zu erfüllen.”

Auch aus diesem Grund steht die Zielsetzung fest, die Aufstiegsrunde muß erreicht werden! Den spannenden Endkampf der Saison können die Fans zum Sparpreis auf der Seitentribüne verfolgen: Der KSV bietet eine Dauerkarte für die letzten fünf Heimspiele zum Paketpreis von 50 DM an.

Wird das sportliche Ziel, der Aufstieg, verfehlt, muß man kleinere Brötchen backen. „Ein Kraftakt wie in den letzten zwei Jahren wäre nicht mehr möglich. In der Oberliga müßten wir uns stark einschränken”, deutet Schwabe die Konsequenzen an. Das würde wohl auch die Trennung von Trainer Hans-Ulrich Thomale bedeuten, denn „wir können es uns dann nicht mehr leisten, einen Trainer zu beschäftigen, dessen Bezahlung dreiviertel des Etats aufbraucht” (Tonhausen).

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GESCHÄFTSJAHR 1991:

Einnahmen gesamt: 3,172 Millionen DM, davon Fußballabteilung: 1,906 Mio. DM (Einnahmen Auf-stiegsrunde: 391 000 DM, DFB-Pokal: 323 000, Werbung: 480 000)

Ausgaben gesamt: 3,049 Mio. DM, davon Fußballabteilung: 1,821 Mio. DM

Überschuß: 123 221 DM, davon Fußballabteilung: 85 000 DM

Verbindlichkeiten (Stand 31.12.): 2,407 Mio. DM, davon langfristige Bankverbindungen: 1 Mio. DM, kurzfristige Verbindlichkeiten: 213 000 DM, flüssige Mittel: 388 000 DM, Anlagevermögen: 967 000 DM

PLANUNG 92/93 (für 2. Liga):

Personalaufwand: 1,3 Mio. DM, Spielaufwand: 674 000 DM, Transferaufwand: 500 000 DM, Gesamt-aufwand: 2,474 Mio.

Spielerträge: 755 000 DM (bei Zuschauerdurchschnitt von 4000 pro Spiel bei 10 DM Eintritt), Trikot-werbung: 100 000 DM, Werbeeinnahmen: 1,9 Mio. (davon 1,5 Mio. TV-Gelder), Gesamtertrag: 2,798 Mio. DM

Gewinn: 324 000 DM

Rolf Wiesemann (HNA-Sportredaktion, 12.03.1992)