Klarer Kurs auf
die 2. Bundesliga
Nach einem erfolgreichen
Geschäftsjahr 1991 steuert Oberligist
KSV Hessen Kassel Kurs auf die 2. Bundesliga.
Finanziell ist alles klar - sportlich
aber noch nicht.
Falls irgendjemand noch
Zweifel gehabt haben sollte, gestern wurden
sie ausgeräumt. „Es war schon
immer das Ziel unseres Präsidiums,
den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu schaffen.
Die finanziellen Voraussetzungen dazu
sind vorhanden”, stellte Schatzmeister
Hans-Ulrich Tonhausen auf einer Pressekonferenz,
die das Präsidium des Fußball-Oberligisten
im Klubhaus des KSV Hessen anberaumt hatte,
mit nicht geringem Stolz fest.
Optimismus war angesagt,
nicht nur beim Finanzchef, konnte doch
die fast vollzählig erschienene Führungsriege
des KSV eine Bilanz des Geschäftsjahres
1991 vorlegen, deren sechsstellige Endsumme
in schwarzen Zahlen geschrieben war. Von
dem Bilanzüberschuß in Höhe
von 123 000 DM hatte die erfolgreiche
Fußball-Oberligamannschaft (DFB-Pokal
und Aufstiegsrunde) mit 85 000 DM Plus
den weitaus größten Anteil
beigesteuert. Schuldenfrei ist der Kasseler
Großverein deswegen aber noch lange
nicht. Zum Jahreswechsel beliefen sich
die Verbindlichkeiten auf 2,407 Millionen
DM.
Sei's drum, bei den Zahlungen
ist man beim KSV Hessen jedenfalls auf
dem laufenden. „Es gibt bei uns
keine rückständigen Gehälter,
die Sozialversicherung ist bezahlt, und
auch das Finanzamt stellt keine Ansprüche”,
weiß Tonhausen vom Erfolg „unseres
kostengünstigen Arbeitens und der
strikten Einhaltung des Sparkurses”
zu berichten. Somit hat man beim Oberliga-Meister
auch keinen Bammel vor dem Lizensierungsverfahren
beim Deutschen Fußball-Bund. Aus
Frankfurt erwartet der KSV bald „grünes
Licht” und das ohne Auflagen wie
noch im letzten Jahr, zumal man dem DFB
eine Saisonplanung für die 2.Liga
unterbreitet hat, die in der Kalkulation
bescheiden unter dem Zweitliga-Durchschnitt
bleibt und am Ende dennoch ein Plus von
324 000 DM ausweist.
Das eindrucksvolle Zahlenspektakel,
da macht sich auch der Klubvorstand kein
X für ein U vor, steht allerdings
auf tönernen Beinen. Bleibt der sportliche
Erfolg aus, wird der Meistertitel verpaßt,
dann ist die ganze Kosten-Nutzen-Rechnung
Makulatur, bricht das solide gezimmerte
Zahlengebilde in sich zusammen. „Darum
haben wir der Mannschaft den Ernst der
Lage deutlich gemacht”, unterstreicht
KSV-Präsident Karl-Heinz Schwabe
die Bemühungen des Präsidiums,
den Ehrgeiz der Spieler anzu-stacheln.
Schwer genug wird es
ohne hin. Nicht nur sportlich. Auch ein
finanzieller Engpaß ist bis zum
Saisonende in Kassel zu überwinden.
Da man im Auestadion mit bislang 1612
Zuschauern in den elf Heimspielen weit
hinter dem kalkulierten Schnitt von 2200
zurückblieb, weist die Bilanz des
laufenden Jahres schon ein größeres
Loch auf. „Deshalb wäre es
jetzt sehr wichtig, daß uns die
Zuschauer in den restlichen Heimspielen
kräftig unterstützten”,
appelliert Klubchef Schwabe an die heimischen
Fußballfans. Seine Begründung:
„Wir spielen schließlich nicht
Fußball als Selbstzweck, sondern
wir möchten, daß der KSV nach
oben kommt, um für die kleineren
Vereine in der Region und deren Jugend
eine Vorbildfunktion zu erfüllen.”
Auch aus diesem Grund
steht die Zielsetzung fest, die Aufstiegsrunde
muß erreicht werden! Den spannenden
Endkampf der Saison können die Fans
zum Sparpreis auf der Seitentribüne
verfolgen: Der KSV bietet eine Dauerkarte
für die letzten fünf Heimspiele
zum Paketpreis von 50 DM an.
Wird das sportliche
Ziel, der Aufstieg, verfehlt, muß
man kleinere Brötchen backen. „Ein
Kraftakt wie in den letzten zwei Jahren
wäre nicht mehr möglich. In
der Oberliga müßten wir uns
stark einschränken”, deutet
Schwabe die Konsequenzen an. Das würde
wohl auch die Trennung von Trainer Hans-Ulrich
Thomale bedeuten, denn „wir können
es uns dann nicht mehr leisten, einen
Trainer zu beschäftigen, dessen Bezahlung
dreiviertel des Etats aufbraucht”
(Tonhausen).
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
GESCHÄFTSJAHR
1991:
Einnahmen
gesamt: 3,172 Millionen DM, davon Fußballabteilung:
1,906 Mio. DM (Einnahmen Auf-stiegsrunde:
391 000 DM, DFB-Pokal: 323 000, Werbung:
480 000)
Ausgaben
gesamt: 3,049 Mio. DM, davon Fußballabteilung:
1,821 Mio. DM
Überschuß:
123 221 DM, davon Fußballabteilung:
85 000 DM
Verbindlichkeiten
(Stand 31.12.): 2,407 Mio. DM, davon langfristige
Bankverbindungen: 1 Mio. DM, kurzfristige
Verbindlichkeiten: 213 000 DM, flüssige
Mittel: 388 000 DM, Anlagevermögen:
967 000 DM
PLANUNG
92/93 (für 2. Liga):
Personalaufwand: 1,3
Mio. DM, Spielaufwand: 674 000 DM, Transferaufwand:
500 000 DM, Gesamt-aufwand: 2,474 Mio.
Spielerträge: 755
000 DM (bei Zuschauerdurchschnitt von
4000 pro Spiel bei 10 DM Eintritt), Trikot-werbung:
100 000 DM, Werbeeinnahmen: 1,9 Mio. (davon
1,5 Mio. TV-Gelder), Gesamtertrag: 2,798
Mio. DM
Gewinn:
324 000 DM
Rolf Wiesemann (HNA-Sportredaktion,
12.03.1992)