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DFB-Pokal 1990/91, 1. Hauptrunde

KSV Hessen Kassel - FC 08 Homburg

1:0 (1:0)

Samstag, 04.08.1990
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
Trainer: Gerd Schwickert
Spielstatistik
Spielbericht

Ein Hitze-Martyrium mit glücklichem Ende

Die Kräfte reichten am glücklichen Ende gerade noch für einen kurzen Abstecher zu dem Häuflein jubelnder Fans auf der Gegengerade. Dann wankten die völlig erschöpften Spieler des KSV Hessen Kassel mit letztem Willen in die Kabine und sanken darnieder. Vorbei war ein Hitze-Martyrium im Glutofen Auestadion mit Temperaturen auf dem Rasen von annähernd 50 Grad, vorbei eine fast unmenschliche körperliche Anstrengung, bei der allerletzte Einsatzbereitschaft gefordert war. Aber der totale Zugriff auf physischen Reserven war nicht vergebliche Mühe geblieben. Nach 90 kurzweiligen, spannenden und abwechslungsreichen Minuten war die 1:0-Pokalüberraschung des KSV gegen Bundesliga-Absteiger FC Homburg perfekt.

Erleichtert wischte sich Trainer Hans-Ulrich Thomale nach dem Happy-End den Schweiß von der Stirn. Am Spielfeldrand hatte er in der Schlußviertelstunde miterleben müssen, wie die Saarländer sich machtvoll gegen den 0:1-Rückstand aufbäumten und das Tor des KSV energisch bedrängten, aber auch, wie seine Elf die weitaus klareren Chancen bei diversen Konterattacken ungenutzt verstreichen ließ. Kein Fall für schwache Nerven. Aber Thomale war schließlich trotz des bedenklichen Verhältnisses von Aufwand und Ertrag bei den Torchancen zufrieden: "Wir haben eine moralisch hochwertige Leistung gezeigt, wir haben alles gegeben."

Der Coach hatte einen möglichen Erfolg vor dem Spiel an folgende Bedingungen geknüpft. In der Mannschaft brauche man „willensstarke Typen, die auch dann weiterlaufen, wenn die Beine so schwer wie Blei werden”. Und: „Wir müssen aus wenig Chancen viel machen.” Genau in der Verwirklichung dieser beiden Forderungen spiegelten sich die Höhen und Tiefen des KSV-Spiels, wurden Starken und Schwächen sichtbar, summierten sich Pluspunkte und Versäumnisse.

Keine Frage: Kämpferisch stimmte beim KSV alles, da gab's nichts, aber rein gar nichts auszusetzen. Die Mannschaft fightete bis zum letzten Atemzug. Als Jörg Müller am Ende sagte, er sei „total platt”, sprach er für alle. Für alle 13, die am Sieg beteiligt waren.

Punkt zwei in Thomales Kalkül ging nicht uneingeschränkt auf. Er bot später Anlaß zu vorsichtiger Kritik: Zwar gelang dem KSV das wichtige frühe Führungstor, als Schäfer Freudensteins auf den kurzen Pfosten gezogenen Eckstoß ins Netz köpfte (11.), zwar kontrollierte er auch noch bis zur Halbzeit überwiegend die Partie gegen Homburgs ziemlich schlappe Balltreter, doch es fehlten Clever-neß und Routine, um den Pokalkampf bereits frühzeitig zu entscheiden.

Der KSV zeigte zwei Gesichter. Zuweilen einen reibungslosen Fluß der Aktionen mit schönen Ballstafetten bis zum Strafraum, dann aber auch mangelnde Effektivität an vordersteter Front und übertriebenes Einzelspiel. „Teilweise haben wir: uns das Leben selbst ein wenig schwer gemacht, mit den vielen Ballverlusten. Außerdem fehlt uns noch die Eiseskälte im Sturm”, bilanzierte Trainer Thomale.

Weil nicht frühzeitig für kläre Verhältnisse gesorgt worden war, ging das Bangen nach dem Wechsel eifrig weiter. Die nun aus ihrer Lethargie aufgewachten Homburger drückten machtvoll auf den Aus-gleich, der nur noch eine Frage der Zeit schien. Ziemers Knaller aus 25 Metern (60.) und Maciels Pfostentreffer (65.) versetzten die Kasseler und die spärliche Kulisse von 1000 Zuschauern in hellste Aufregung.

Doch der KSV befreite sich aus der Umklammerung und hatte durch Höhle (77.), Freudenstein (79.), Koutsoliakos (86. und 90., mutterseelenallein vor Gundelach) beste Möglichkeiten, die Hitzeschlacht zu seinen Gunsten zu entscheiden. Aber es blieb eben nur bei Möglichkeiten und damit auch dem Zittern und Zagen bis zur letzten Minute. Als Ersatz-Schiri Rüdiger schließlich abgepfiffen hatte, mochte indes auch Homburgs Trainer Gerd Schwickert nicht verhehlen, daß „der Sieg des KSV Hessen in Ordnung geht. Wir haben gewußt, daß die Kasseler eine der stärksten Amateurmann-schaften sind, die wir überhaupt kriegen konnten. Es hat sich leider bestätigt.”

Jörg Allmeroth (HNA-Sportredaktion, 05.08.1990)