Wieder
Komplimente für Thomale-Elf
Nichts mehr kaufen kann sich
der KSV Hessen für all die Komplimente,
die ihm nach dem verpaßten Aufstieg
ins bezahlte Fußball-Lager nun auch
von Pforzheimer Seite entgegenschlugen. "Ich
muß es einmal deutlich sagen",
hob Manfred Krafft nach dem Saisonkehraus
hervor, "daß Hessen Kassel die
beste Elf dieser Runde war." Der Pforzheimer
Trainer, der nicht einmal böse über
das 1:3 (0:2) seiner Schützlinge gegen
die noch einmal stark auftrumpfenden Nodhessen
war, wollte seine weiteren Ausführungen
keineswegs als Trost für die Kasseler
verstehen: "Diese Mannschaft hat die
weitaus besten Einzelspieler aller vier Konkurrenten.
1860 München hat es wohl in erster Linie
deshalb geschafft, weil das Münchener
Publikum so fantastisch mitgeht. In Kassel
bleiben die Leute stumm, wenn es mal mit ihrer
eigenen Elf nicht läuft. Das habe ich
schon oft in Kassel erlebt."
Ein Pforzheimer "Krafft-Akt"
blieb im letzten Spiel aus. Dafür sorgte
der spielstarke Gast, der im schmucken Stadion
"Brötzinger Tal" mit einer
auf einem Posten veränderten Elf auflief:
An Stelle von Zoran Zeljko stand diesmal Thomas
Kneuer zwischen den Pfosten. "Das ist
der Dank an Thomas, der die ganze Saison über
starke Leistungen im Training gezeigt hat
und nun belohnt werden sollte", erklärte
KSV-Coach Hans-Ulrich Thomale. Wars das Abschiedsspiel
für Kneuer? "Das kann ich heute
noch nicht sagen. Fest steht nur", so
der 28jährige Keeper, "daß
ich aus beruflichen Gründen nicht mehr
nachmittags mit der Oberliga-Mannschaft trainieren
kann." Durchaus möglich, daß
Kneuer künftig die eigene Landesliga-Mannschaft
verstärkt.
Nicht nur für Kneuer,
der sein Können in zwei, drei gefahrdrohenden
Situationen unter Beweis stellte, war es ein
Servus, sondern auch für die beiden Abwehrstrategen
Kai-Uwe Schnell (wechselt zum VfB Oldenburg)
und Jörg Müller, der demnächst
das Trikot des Bezirksoberligisten FSV Kassel
trägt, sowie für Paul Koutsoliakos,
dessen künftiger Verein allerdings noch
nicht feststeht. Alle vier scheidenden Spieler
boten noch einmal zufriedenstellende Leistungen,
wenn auch der "Akku" bei Koutsoliakos
schon nach einer guten Stunde leer zu sein
schien. Aber der 24jährige Grieche war
noch einmal Wegbereiter eines Tores, als er
eine Rechtsflanke mustergültig Drube
auf den Kopf servierte. Dieses 0:2 war eine
Kopie des ersten Kasseler Treffers: "Tobi"
Schmidt bediente an der rechten Strafraum-grenze
Kistner, der mit wuchtigem Kopfball Pforzheims
Torwart Werner keine Chance ließ.
Diese 2:0-Führung der
kombinationsfreudigen KSVer, die die Platzherren
kaum ins Spiel kommen ließen, war eigentlich
bei Halbzeit schon für die Katz. Denn
als das 1:0 der Münchener gegen Neunkirchen
bekannt und damit dem Hessen-Meister das letzte
Fünkchen Hoffnung geraubt wurde, schlug
der KSV fortan eine saloppe Gangart ein.
Doch zu keiner Zeit gab die
Thomale-Truppe das Heft aus der Hand. Auch
nicht, als der Ex-KSVer Bernhard Raab in der
81. Minute den am Elfmeterpunkt freistehenden
Fisel anspielte, gegen dessen "Hammer"
zum 1:2 kein Kraut gewachsen war. Sechs Minuten
später stellte Thomas Freudenstein nach
Zusammenarbeit der beiden eingewechselten
Igoris Pankratjevas und Matthias Weise per
Abstauber den alten Abstand wieder her.
Mit diesem fast lässig
und ohne großen Kraftaufwand herausgespielten
Sieg blieb der KSV 1991 auswärts ungeschlagen.
Das kleine Häuflein der mitgereisten
Fans - von den ursprünglich ange-forderten
1300 Eintrittskarten schickte der KSV 1280
nach Pforzheim zurück - durfte sich über
eine gelungene Vorstellung seiner Elf freuen,
die nach dem Schlußpfiff ihre Trikots
unter den Schlachten bummlern verteilte.
Ein Teil der Mannschaft fliegt
heute für eine Woche auf die griechische
Insel Kos, einen anderen Teil ziehts nach
Süd-Ost-Asien. Der Urlaub ist diesmal
kurz, denn schon in 14 Tagen, am 1. Juli,
beginnt mit dem ersten Training die neue Saison.
Und auch der erste Testspielgegner steht schon
fest: Sittardia Sittard (Ehrendivision Niederlande)
kommt am 12. Juli ins Auestadion.
Günter Grabs (HNA-Sportredaktion,
17.06.1991) |