Über 7 Stunden
ohne Tor!
Es hatte recht gut begonnen:
4:4 Punkte nach den ersten vier Spielen.
Doch dann folgte eine empfindliche Negativserie
von 3:19 Punkten. Erst seit letztem Sonntag
ist die Stimmung in Kassel wieder leicht
gebessert. Dank des 1:0-Sieges beim SV
Meppen hat der KSV den Abstand zu anderen
"Kellerkindern" leicht verringern
können. Natürlich ist man dennoch
weit hinter den Erwartungen geblieben.
Erst insgesamt 9 Punkte haben die Hessen
auf ihrem Konto, obwohl man recht zuversichtlich
in die Saison gegangen war. Trainer Brungs
- er wurde vor dem 9. Spieltag abgelöst
- verkündete sogar als Ziel einen
Mittelfeldplatz, doch auch er mußte
frühzeitig die eklatanten Schwächen
in der Abwehr eingestehen und die gesteckten
Ziele abschreiben. Nachfolger von Brungs
wurde Günther-Lorenz Köstner,
der in Freiburg nach dem 8. Spieltag sein
Amt wegen "unüberbrückbaren
Differenzen mit dem Vorstand" freiwillig
aufgab. Die Stimmungsmache seitens des
Vorstandes veranlaßte ihn trotz
guten Starts (12:4 Punkte) den ungewöhnlichen
Schritt zu machen.
In Kassel erwischte Köstner
einen Auftakt nach Maß. Gegen den
Aufstiegs-Favoriten Braunschweig schaffte
der KSV den bislang einzigen Heimsieg,
doch danach mußte er 1:11 Punkte
einstecken, ehe es am letzten Sonntag
zum zweiten Auswärtssieg (nach einem
1:0 bei Darmstadt 98) kam. Im Emsland
ging auch eine weitere Misere zu Ende:
Nach über 7 Stunden Spielzeit (exakt:
455 Minuten) gelang mal wieder ein Tor.
Die Probleme der Kasselaner
sind zahlreich. Einerseits fehlten teilweise
bis zu 6 Akteuren - zwischenzeitlich wurde
der 41-jährige Holger Brück
reaktiviert - andererseits wurde auch
schon des öfteren das Spielerpotential
als nicht ausreichend eingestuft. Die
Abwehr gilt als unsicher, im Mittelfeld
wird die ordnende Hand vermißt und
der Sturm brachte es bislang erst auf
12 Tore. Besonders auffällig ist
die unbefriedigende Heimbilanz. Ein Sieg
und zwei Unentschieden bei fünf Niederlagen
sind einfach zu wenig für den Klassenerhalt.
Dreimal gab es gleich 5 Gegentore auf
heimischen Boden, insgesamt 38 Gegentreffer
in 16 Spielen!
Hessen Kassel - immerhin
Neunter der "ewigen Tabelle"
- gibt sich mit der bisherigen Rolle als
Punktelieferant natürlich auch als
Neuling nicht zufrieden. Auf der Suche
nach Verstärkungen hat man vor wenigen
Wochen Hans-Jürgen Heidenreich vom
1. FC Nürnberg ausgeliehen. Der 22-jährige
spielt zwei Jahre im Frankenland und kam
zu 18 Bundesligaeinsätzen, ehe er
aus Enttäuschung über seine
Reservistenrolle wechseln wollte. Fortan
gehört er auch zu den herausragenden
Akteuren des KSV und bildet neben den
Stürmern Drube, Hecking sowie Libero
Eymold - der zwischenzeitlich 6 Spiele
wegen einer roten Karte gesperrt war -
die Korsettstangen der Hessen. Bislang
gaben sich die Kasselaner auswärts
sehr defensiv und lauerten auf ihre Konterchancen.
Seit dem Amtsantritt von Köstner
bescheinigen die Fachleute der Mannschaft
auch eine Steigerung im spielerischen
Niveau, nach dem anfänglich die Elf
als zu brav eingeschätzt wurde.
Jörg Wenzel