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<<< 21. Spieltag
Oberliga Hessen 1988/89, 22. Spieltag

KSV Hessen Kassel - SV Hermannia Kassel

10:0 (4:0)

Samstag, 04.03.1989
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
SV Hermannia Kassel
Wagner
Kraus (65. Metze / 75. Lumpe)
Maciossek
Schröder
Ernst
Adolf
Wolf
Menzel
Trainer: Franz Brungs
Spielstatistik
Tore: 1:0 Hecking (16.), 2:0 Scott (26.), 3:0 Hecking (31.), 4:0 Hecking (39., Foulelfmeter), 5:0 Hecking (63.), 6:0 Schmelting (67.), 7:0 Schmelting (71.), 8:0 Eymold (73.), 9:0 Drube (84.), 10:0 Drube (90.) - Bes. Vork.: Kneuer hält Foulelfmeter von Ernst (47.) - Schiedsrichter: Schwickerath (Battenberg) - Zuschauer: 1.700
Spielbericht

Für Schlager gerüstet

Die Freude über diesen triumphalen Erfolg im Kasseler Derby wurde im Lager des KSV alsbald von Nachdenklichkeit überlagert. Die Gedanken der Gewinner wanderten bereits eine Woche voraus, an die Bad Homburger Sandelmühle, wo am kommenden Samstag das "Spiel der Spiele" steigt.

"Daß deren Spiel in Bürstadt ausgefallen ist, ärgert mich, denn sonst hätten wir gewußt, wo wir stehen", sah Franz Brungs einen Nachteil in der witterungsbedingten „Erholungspause” für den Spitzenreiter vom Taunus. Doch egal wie, die entscheidende Frage, ob der fulminante Sturmlauf gegen die Hermannen nun mustergültig war, oder aber ein bloßes Muster ohne Wert bleibt, wird erst im direkten Aufeinanderprallen der beiden Konkurrenten beantwortet werden.

Auch wenn das Derby aufgrund des totalen spielerischen Zusammenbruchs des SV Hermannia nicht als echter Leistungsmaßstab verwendet werden darf, eines hat das Spiel doch gezeigt: Von der Mannschaftsstruktur her ist der KSV Hessen für das Schlagerspiel gerüstet. Die Hereinnahme von Burjan, dem lediglich beim Torschuß ebenso wie Sippel die Kaltblütigkeit fehlte, erwies sich als belebendes Moment. Sein Arbeitspensum zwischen den Strafräumen, seine Übersicht und der Drang nach vorn rechtfertigten seinen Einsatz allemal. Wenig Chancen, sich auszuzeichnen, erhielt dagegen der seit Ende September 1988 erstmals wieder eingesetzte Torhüter Thomas Kneuer, der, fast arbeitslos, seine Zuverlässigkeit bewies, als er kurz nach der Pause einen schwach geschossenen Foulelfmeter von Ernst parierte.

Daß Franz Brungs im Hinblick auf das Homburg-Spiel auf personelle Alternativen zurückgreifen möchte, zeigte sich in seiner Auswechsel-Taktik. Schon nach dem Wechsel schickte der Trainer den lange Zeit in die Reserrve verbannten Günter Eymold für den verletzten Marhenke (Zerrung) auf den Platz. „Der Lange” rechtfertigte das Vertrauen durch einen soliden Part in Abwehr und Mittelfeld und trug sich sogar in die Liste der Torschützen ein. „Ich hätte den Günter auf jeden Fall gebracht, und vielleicht werde ich Eymold in Homburg sogar von Beginn an einsetzen. Dann als eine Art Doppel-Libero im Zusammenspiel mit Holger Brück", gab Trainer Brungs schon einen kleinen Einblick in seine Strategie preis.

Als wahrer Glücksgriff von Brungs entpuppte sich Dirk Schmelting. Der durch drei schwere Verletzungen im Laufe der Saison immer wieder zurückgeworfene Ex-Hermanne kam, sah und traf. Das dann gleich zweimal innerhalb von nur vier Minuten. Ich denke, ich habe beute gezeigt, daß der Trainer auf mich bauen kann freute sich der 22jährige Finanzbeamte über den gelungenen Wieder-einstieg.

Eine Art Wiedergeburt als Torjäger feierte auch Dieter Hecking mit seinen Saisontreffern zwölf bis 15. "Wir dürfen jetzt nur nicht abheben. Nach Battenberg sind wir hochgejubelt worden und dann in Baunatal auf den Bauch gefallen", warnt der Mannschaftskapitän vor Überschätzen der eigenen Leistung. Er selbst erhofft sich durch seinen Torsegen eine Stärkung des Selbstvertrauens, hätte sich aber "lieber drei Tore für Homburg aufgehoben".

Das wäre sicherlich auch den Hermannen angenehmer gewesen, die mit hängenden Köpfen gedemütigt vom Platz schlichen. Zehn Gegentreffer, da wird Trainer Jürgen Siering in diesen Tagen als Seelenmasseur gefragt sein. Die Hoffnungstriebe auf Klassenerhalt dürften nach der desolaten Samstagleistung der Nordstädter nicht mehr allzu üppig sprießen.

Rolf Wiesemann (HNA-Sportredaktion, 06.03.1989)