Mit Sektdusche
in die zweite Liga
1988/89 dümpelte die Mannschaft
um Lothar Sippel und Dieter Hecking in
der Hinrunde mehr schlecht als recht durch
die Oberliga. Bereits im November hatten
die Löwen 5 Punkte Rückstand
auf den Spitzenreiter SpVgg Bad Homburg.
Wohlgemerkt nach der alten 2-Punkte-Regelung.
Zu den Spielen kamen damals nur noch knapp
1000 Zuschauer ins Auestadion. Also fast
alles so wie heute. Wer zu diesem Zeitpunkt
behauptet hätte, daß sich knapp
sechs Monate später 15.000 in die
Arena drängeln würden, wäre
ausgelacht worden. Doch es kam so. Die
Rückrunde wurde zu einem Triumphzug
der Löwen. Nur noch ein Punkt wurde
abgegeben, und dieser ausgerechnet beim
Nachbarn KSV Baunatal. Bei den direkten
Aufstiegskonkurrenten RW Frankfurt und
SpVgg Bad Homburg gelangen tolle Siege,
jedesmal begleitet von einer begeisterten
Anhängerschar. So waren am Frankfurter
Brentanobad über 1.500 Löwen-Fans
mit dabei. "Bundesliga zwei, Kassel
ist dabei", jubelten sie schon. Aber
so weit war es noch nicht. Meister wurde
zwar der KSV, aber der mußte noch
durch das Nadelöhr Aufstiegsrunde.
Und spätestens da hatte auch das
Kasseler Publikum den KSV wieder entdeckt.
Gegen Reutlingen kamen 11.000 Zuschauer,
gegen Edenkoben 10.000. Die Partien im
Auestadion wurden gewonnen, Auswärts
jeweils ein Punkt geholt, so daß
man im letzten Heimspiel gegen die SpVgg
Unterhaching mit einem Sieg schon frühzeitig
den Aufstieg perfekt machen konnte.
Trotz Regenwetter kamen an diesem 11.
Juni 1989 15.000 Zuschauer. Die Löwen
im ungewohnten Outfit, blaue Trikots mit
weißer Hose. Dazu der Kommentar
eines Fans: "Mit dem Outfit kann
der Hecking ja gleich beim EC Kassel spielen".
Doch auch in den Eishockey-Farben klappte
es mit dem Tore schießen. Bei Hecking
sogar besonders gut. Dreimal traf er,
zweimal Terry Scott, dazu noch ein Treffer
von Lothar Sippel. "15.000 Zuschauer
gerieten aus dem Häuschen. Sie erlebten
ein großartiges Kampfspiel",
schwärmte der Kicker über diese
denkwürdige Begegnung. Zehn Minuten
vor Spielende gab es schon stehende Ovationen
von der Haupttribüne, das Spielende
ging in zahlreichen Sektduschen unter.
Prominentestes Opfer wurde Hans Eichel,
der damalige OB, der von einigen übermütigen
Löwen-Spielern von oben bis unten
mit Sekt bespritzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt
dachte keiner mehr an das triste KSV-Leben
einige Monate zuvor.
Oliver Zehe