Terry Scott - Der freundliche Blonde
mit dem harten Bumms
Er ist der Prototyp eines Publikumlieblings.
Der blondgelockte Spieler rennt, kämpft
und rackert vorbildlich, neunzig Minuten
lang. Doch was die Zuschauer, und natürlich
auch der Trainer, am meisten an ihm schätzen:
er schießt Tore!
In seiner Oberligazeit beim Nachbarn KSV
Baunatal war Terence Scott immer mit an
der Spitze der Torjägerliste zu finden.
Nach leichten Anlaufschwierigkeiten hat
der 26jährige Engländer nun auch
beim KSV Hessen zur alten Treffsicherheit
gefunden. Beim 4:1 gegen die Viktoria aus
Aschaffenburg war Scott einmal rechtzeitig
mit seinem Blondschopf zur Stelle, gestern
gegen Hertha BSC schoß er vier Minuten
vor Schluß den 4:1-Endstand. „Der
Torwart hatte zwar noch die Hand am Ball,
aber der Schuß war einfach zu hart,
den konnte er nicht halten”, erzählt
der Schütze noch in der Umkleidekabine
und will sich dabei fast Ausschütten
vor Lachen, weiß er doch selbst, daß
er ansonsten den Ball mit weitaus größerer
Vehemenz in die Maschen zu dreschen versteht,
als das gestern der Fall war.
Nun, Lachen ist eine von Terry Scotts
Spezialitäten, neben seinen gefürchteten
Kofbällen. Und er lacht auch, wie ein
kleiner Schuljunge, der sich über einen
gelungenen Streich freut, als er sein persönliches
Fazit vom Spiel gegen die Berliner zieht:
„So ein Spiel gefällt mir. Englisches
Wetter, englische Härte, das macht
einfach Spaß.”
Dabei hatte auch Terry Scott, symptomatisch
für die ganze KSV-Elf, zunächst
Mühe, den richtigen Spielrhythmus zu
finden. Auf der ungeliebten Linksaußenposition
kam er nur selten zum Zuge („Da wird
man einfach zu wenig angespielt").
Erst als er später ins Mittelfeld wechselte,
konnte der 1,77 m große Brite seine
Fähigkeiten als Spielmacher und Ballverteiler
voll entfalten. „Du bist einfach mehr
am Ball, weil du ihn von rechts und links
übernehmen kannst”, bringt er
die Vorzüge der Mittelposition auf
einen einfachen Nenner.
Wirbel gab es reichlich, um den umstrittenen
Foulelfmeter an Freudenstein. „Das
war ein klares Foul”, sagt Terry Scott.
„Von hinten sah es so aus, als kam
der Pfiff zurecht”, läßt
sich Libero Mike Kahlhofen vernehmen. Nur
derjenige, der es eigentlich wissen müßte,
Thomas Freudenstein nämlich, der überhörte
alle dementsprechende Fragen, verschwand
im Eilschritt Richtung Klubhaus. Hertha-Coach
Kliemann jedenfalls, war nicht gut auf den
Mann mit dem kurzgeschorenen Haupthaar zu
sprechen: „Eine Frechheit. Der schaute
kurz nach dem Pfiff grinsend zur Trainerbank
rüber!”
Trotz der Freude über den ersten
Heimsieg gegen die Berliner richtet Kapitän
Peter Cestonaro den Blick wieder nach vorne.
„Wir müssen jetzt ein überzeugendes
Spiel in Solingen liefern und möglichst
einen Punkt mitbringen. Nur so wird es uns
gelingen, die Zuschauer zurück ins
Auestadion zu holen, die wir mit der Heimniederlage
gegen Wattenscheid verprellt haben.
Eine schwere Aufgabe, aber sicher keine
unlösbare, zumal wenn man sich auf
so verlässliche Spieler wie Torwart
Hans Wulf stützen kann. Durch eine
schwere Muskelverhärtung (Trainer Berger:
„Fast eine Zerrung”) im Oberschenkel
war der Einsatz des Keepers stark gefährdet.
Doch Hans Wulf biß auf die Zähne
und hielt eisern durch. Nur gut, daß
die Berliner nichts von dem Handicap der
Nummer 1 mitbekommen hatten.
Rolf Wiesemann (HNA-Sportredaktion, 09.09.1985)