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DFB-Pokal 1984/85, 1. Hauptrunde

Hertha BSC Berlin - KSV Hessen Kassel

1:0 (1:0)

Sonntag, 01.09.1984
Olympiastadion Berlin

KSV Hessen Kassel
Heikko Glöde (58. Jörg Blüthmann)
Diego Castro (68. Uwe Kollmannsperger)
Trainer: Uwe Kliemann
Trainer: Jörg Berger
Spielstatistik
Spielbericht

Pokal-Rauswurf nach Cesto-"Selbstmörder"

Mit einem spektakulären 24-Stunden-Musik-Marathon träumten die Berliner am Ernst-Reuter-Platz ihren diesjährigen Sommernachtstraum zu Ende. Knapp fünf Kilometer Luftlinie weiter zogen 22 gut entlöhnte Profi-Balltreter 6 431 nach einem rassigen Pokalfight lechzenden Zuschauern ganz schnell den Zahn. Genuß mit bitterer Reue, Sommerfußball statt Sommernachtstraum. Auf dieses Handwerk verstanden sich Hertha BSC und der KSV Hessen Kassel meisterhaft.

Die Fakten: Berlins Hertha gewann durch ein Tor ihrer Schalker Neuerwerbung Hubert Clute-Simon in der 34. Minute mit 1:0, verdient sich weiter das dringend benötigte Pokal-Zubrot, die Hessen sind gleich in Runde eins rausgeflogen, wieder einmal. Sie haben jetzt den Rücken frei für die Meisterschaft, wenn man so will. Nur, kann das trostreich sein, wenn einem von der Ersatzbank die nackte Personalnot entgegenspringt und die einzige zusätzliche Geldquelle schon wieder versiegt ist?

Bescheidene 21 000 Mark bei einer Gesamteinnahme von 65 000 Mark nahmen die Kasseler von der Spree mit. Damit läßt sich kein neuer Mann finanzieren. „Zumindest ein Wiederholungsspiel hätte uns finanziell ganz gut zu Gesicht gestanden”, jammerte KSV-Trainer Jörg Berger, als der Rausschmiß aktenkundig war.

0:1 also. Getrost hätte man auch auf 90 Minuten Fußball-Karikatur verzichten und die Münze hochwerfen können, um einen Sieger zu ermitteln. Zufälligeres wäre dabei kaum herausgekommen. Oder gleich beide disqualifizieren, das wäre dann den Leistungsverweigerern hüben wie drüben angemessen gewesen.

Das Tor des Tages war das getreue Spiegelbild der spielerischen Einfalt auf beiden Seiten, ein klassischer „Selbstmörder” (Berger) vom schwächsten Mann auf dem Platz. Bedrängt und umständlich in der Ballannahme, schickte Peter Cestonaro einen Rückpaß fast von der Mittellinie auf Torwart Hans Wulf. Clute-Simon erfaßte blitzschnell die Situation, spritzte dazwischen und schlenzte das Leder aufs linke kurze Eck - keine Chance für Wulf. Peter Cestonaro, noch nie der Schnellsten einer, momentan ein Bild des Jammers, steht praktisch wieder da, wo er beim KSV Hessen angefangen hat.

Viel Arbeit für Jörg Berger! Aber daß er dabei in die Haut des Psychologen schlüpfen muß, ist dem KSV-Trainer inzwischen auch klar geworden: „Das Fachliche kann ich praktisch außen vor lassen. Da ist mehr die Psyche gefragt.” Wie Berger sich auch den realistischen Blick auf die „nervliche Instabilität” in der Mannschaft nicht verstellt. Sie kam im Olympiastadion einfach nicht auf Touren, obwohl die mit den gleichen personellen Problemen wie der KSV kämpfenden Herthaner Fehler am Fließband produzierten. Wer freilich genug mit sich selbst und seinen eigenen Querschlägern zu tun hat, weiß sich seinerseits kaum der Geschenke des Gegners zu bedienen.

Der Hessen-Coach ortet da im Moment einen Teufelskreis: „Einzelne Spieler sind zu starken Leistungsschwankungen unterworfen. Doch mangels Alternativen müssen wir sie durchziehen, obwohl dem einen oder anderen dringlichst eine Pause guttäte. Vor einem Jahr hatten wir ein eingespielten, derzeit, mit all den Neuen, läuft noch zu vieles aneinander vorbei.

Versöhnlich stimmte Berger nur die letzte halbe Stunde im Olympiastadion, und hier insbesondere die letzten zehn Minuten, als der für Beginski eingewechselte junge Stefan Kuhn doch etlichen Schwung über den rechten Flügel brachte und Hertha nach Chancen von Cestonaro (66./verfehlte in Zeitlupen-Bewegung frei vor dem Tor den Ball), Freudenstein (85./Volleyschuß nach Münn-Flanke) und Traser (88./Kopfball) den Schlußpfiff nur mit dem Rücken zur Wand erreichte.

Jörg Bergers Klartext: „Was da in der letzten halbe Stunde zu sehen war, muß ich von der Mannschaft über volle 90 Minuten fordern. Die Berliner sind auch noch nicht richtig gefestigt. Das war deutlich zu spüren. Wir hätten sie nach dem 0:1 ganz anders beherrschen müssen.”

HNA-Sportredaktion, 02.09.1984