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Bönisch wechselt zum Freiburger FC

Daß der Sonnenschein an heißen Sommertagen bereits den Kern drohender Unwetter in sich birgt, zeigte die ablaufende Woche überdeutlich. Auch in die heitere, gelöste Vorsaison-Atmosphäre des Fußball-Zweitligisten KSV Hessen krachte gestern mittag ein Donnerschlag: Karl Bönisch (24), pfeilschneller Flügelflitzer und mit acht Treffer drittbester KSV-Schütze der letzten Saison, verläßt die „Löwen”. Doch nicht etwa zum Erstligisten Fortuna Düsseldorf, bei dem er ein Probetraining absolviert hatte, zieht es das bärtige Nachwuchstalent, das von der SG Frielendorf/Spieskappel zum KSV Hessen kam. Karl Bönisch wird seine Zelte demnächst im äußersten Süden Deutschlands, nämlich in Freiburg aufschlagen, wo er in der kommenden Serie für den in der Aufstiegsrunde gescheiterten Oberligisten Freiburger FV (nicht den Zweitliga-Klub, SC Freiburg) auf Torejagd geht. Übrigens der Verein, dessen Trikot nun auch Kassels Ex-Vorstopper Uli Wielandt trägt!

„Ich bin schockiert!” Dem Spielausschußvorsitzenden Horst Flöck war die Enttäuschung über Bönischs Entscheidung, den Verein zu verlassen, deutlich anzumerken. In einem dreistündigen Gespräch mit dem Spieler hatten die KSV-Verantwortlichen am Freitagvormittag noch auf einen Sinneswandel von Bönisch gehofft, doch dies trat nicht ein. „Ich bedauere diese Entwicklung sehr, weil wir gerade in den letzten Tagen und Wochen alles darangesetzt hatten, mit einer personell starken Mannschaft in die nächste Saison zu starten”, lautete der knappe Kommentar des KSV-Managers, der zu keiner weiteren Stellungnahme zu bewegen war. Da auch Karl Bönisch gestern telefonisch nicht zu erreichen war, kann über die Wechselgründe nur wenig mehr als spekuliert werden.

Die Verhandlungen mit Bönisch sollen letztendlich daran gescheitert sein, daß der KSV Hessen dem 24jährigen keine Lehrstelle als Fotograf beschaffen konnte. Ein Wunsch, den die Freiburger ihrem neuen Außenstürmer bestimmt erfüllen können.

Rolf Wiesemann (HNA-Sportredaktion, 14.07.1984)

„Mit dem KSV schon einig gewesen”

Sein Domizil im Breisgau heißt - nonien est omen - „Frohe Einkehr”. Karl Bönisch, der den KSV Hessen Hals über Kopf verlassen hat und künftig seine Fußball-Laufbahn beim badischen Oberligisten FC Freiburg fortsetzt, hofft, mit seinem Einzug in Amateur-Gefilde „den richtigen Weg eingeschlagen” zu haben.

„Ich weiß, daß mein Wechsel nach Freiburg sportlich einen Schritt zurück bedeutet. Doch ich bin überzeugt, daß ich meinen Teil dazu beitragen kann, mit der neuen Mannschaft in der nächsten Saison ins Profi-Lager aufzusteigen.” Der 24jährige gibt als Hauptgrund für seinen plötzlichen Sinneswandel sein berufliches Weiterkommen an. „Die Freiburger haben mir eine Lehrstelle als Fotograf angeboten. Eine solche Stelle hatte zwar der KSV Hessen ebenfalls für mich bereit, doch fehlte das schriftliche Angebot eines Lizenzspieler-Vertrages.”

Wie Bönisch mitteilte, sei er sich vor Beginn seines Urlaubs, den er in der Dominikanischen Republik verbrachte, mit KSV-Manager Horst Flöck über den neuen Vertrag einig gewesen. „Auch Schatzmeister Kunkel hatte den Kontrakt abgezeichnet. Es fehlte lediglich noch die Unterschrift des für die vergangene Saison zuständigen geschäftsführenden Vorsitzenden. Zu meiner Verwunderung lag aber bei der Rückkehr aus der Karibik das Schriftstück nicht vor, und diese Tatsache gab mit den Ausschlag dafür, daß ich den Freiburgern meine Zusage gab.”

Der badische Klub ist den „Hessen” somit zuvorgekommen. Noch heute aber rätselt Bönisch, wie die Freiburger seine Urlaubsadresse auf der haitischen Insel ausfindig machen konnten. „Auch Bundesligist Fortuna Düsseldorf bekundete sein Interesse an mir. Eines Morgens gegen 4 Uhr klingelte das Telefon meines Hotel-Zimmers, und die Düsseldorfer Verantwortlichen baten mich, nach Urlaubsende ein Probetraining mit der Mannschaft zu absolvieren. Sie hätten mich in einigen Punktspielen beobachtet. Doch mir war die Sache zu unsicher, und deshalb habe ich der Fortuna abgesagt.”

Karl Bönisch kickt also künftig in Freiburg, Seite an Seite mit seinem Ex-Kasseler Kameraden Ulrich Wielandt. „Wir werden das Kind schon schaukeln und sicherlich den Aufstieg schaffen”, gibt sich Wielandt ebenso wie Bönisch optimistisch. Daß die Freiburger nicht nur zwei Profi-Stammspieler aus Kassel erworben haben, sondern Bönisch darüber hinaus auch noch zum Null-Tarif, dürfte die FFC-Bosse sehr zufrieden stimmen. Denn weil der KSV Hessen seinem pfeilschnellen Offensiv-Mann kein schriftliches Angebot für eine Vertragsverlängerung unterbreitet hat, kostet Bönisch laut DFB-Satzung im Moment keinen Pfennig an Ablöse. Sollte Freiburg allerdings im nächsten Jahr aufsteigen, müßte der Klub für Bönisch (und auch für Wielandt) ein erkleckliches Sümmchen auf den Tisch blättern.

HNA-Sportredaktion, Juli 1984