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<<< 32. Spieltag
Oberliga Hessen 1979/80, 33. Spieltag

KSV Hessen Kassel - 1. FCA Darmstadt

2:1 (1:0)

Samstag, 03.05.1980
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
1. FCA Darmstadt
Grommes
Heusel
Buxmann
Kiekbusch
Bischoff
Müller
Moll
Biedenkapp
Hahn (70. Schledt)
Hofmann
Flick
Trainer: Günter Dutine
Spielstatistik
Tore: 1:0 Hampl (14.), 1:1 Biedenkapp (71.), 2:1 Kott (75., Foulelfmeter) - Ecken: 8:5 - Besondere Vorkommnisse: Siewert hält Hofmann-Elfmeter (89.) - Schiedsrichter: Pauli (Bonbaden) - Zuschauer: 8.000
Spielbericht

2:1-Sieg! Der KSV Hessen machte sein Meisterstück

Das langersehnte Ziel ist erreicht: Der KSV Hessen hat einer Runde vor Saison-Schluß der Fußball-Oberliga sein Meisterstück gemacht! Mit dem 2:1-Sieg über den FCA Darmstadt schaffte die Mannschaft um Trainer Rudi Kröner nach sechsjähriger Amateurliga Zugehörigkeit den Aufstieg in die 2. Liga Süd. Auf Platz 2 folgt der KSV Baunatal, der nach der 0:2-Niederlage in Kastel sechs Punkte hinter den „Hessen” zurückliegt. Bergshausen zeigte beim 5:0 über Egelsbach erneut eine prächtige Leistung, während Ziegenhain und Olympia, das als Absteiger feststeht, in Sindlingen beziehungsweise Heppenheim 0:1 verloren.

Wechselbad von Hoffnung und Bangen, von froher Erwartung und Nervenkitzel, von Glückseligkeit und Angst. Sie waren zunächst gelöst (nach dem 1:0), später geschockt (nach dem 1:1), schließlich, aber geradezu glückselig, als Siewert den Elfmeter des Darmstädter Torjägers Hofmann mit einer Blitzreaktion parierte und damit den Sieg perfekt machte.

Der KSV Hessen hat in vorausgegangenen wichtigen Partien wertvolle, für die Meisterschaft entscheidende Arbeit geleistet (2:1-Siege gegen Baunatal und Bergshausen, ein 3:0 in Baunatal gegen Bergshausen sowie ein 4:0 und ein 3:0 gegen Aschaffenburg). Diesmal jedoch, als das eine winzige Pünktchen unter Dach und Fach gebracht werden mußte, verkrampfte die Mannschaft, fehlte das Selbstbewußtsein, mangelte es an Ruhe und Gelassenheit.

"Auf den Fans, den Spielern und auch auf mir lastete heute eine verständliche Nervosität", versuchte Rudi Kröner die keineswegs berauschende Vorstellung des KSV zu erklären. "Dennoch", so der Meistermacher, "haben wir ein Finale erlebt, bei dem jeder Spieler von Kopf bis Sohle mitgegangen ist."

Im Überschwang der Freude war Kröner sogar ein erstes Saison-Fazit zu entlocken: "Bei uns stimmt momentan alles. Ich konnte schalten und walten, wie ich wollte, und besaß zu jeder Zeit freie Hand. Diese Unabhängigkeit von allen äußeren Einflüssen ist Voraussetzung, um auf lange Sicht arbeiten zu können."

Ein großes Lob spendete auch Gäste-Trainer Günter Dutine, der nun schon im neunten Jahr beim FCA tätig ist: "Der richtige Verein hat den Sprung in die 2. Liga geschafft. Für meine Mannschaft freue ich mich, daß sie dem Champion alles abverlangt hat, so daß dieser noch einmal ein Zitterspiel erleben mußte."

Für den KSV konnte es ein böses Erwachen geben, wenn Darmstadt die beiden Großchancen beim Stand von 1:1 genutzt hätte. Aber ebenso besaß Hampl zwei Riesenmöglichkeiten und traf Hofmann mit einem Gewaltschuß nur den Pfosten (87.).

Beim KSV Hessen, der den Sieg mehr mit Kampf und Krampf denn mit Glanz und Gloria errang, hinterließen Siewert (der sehr sicher wirkte), Horch (gutes Stellungsspiel), Kott (stand ständig frei) und Hampl (großes Laufpensum) den besten Eindruck. Erfreulich auch die prächtige Leistung von Nebe, der für den verletzten Zaczyk ins Spiel kam.

Günter Grabs (HNA-Sportredaktion)

Ehrenrunde mit nackter Brust - Jubel, Trubel, Heiterkeit nach dem erlösenden Abpfiff

Nur wenige werden es bemerkt haben in dem aufbrausenden Jubel über das endlich, endlich erreichte Ziel: "Ecki" Vofrei rannte beim Schlußpfiff von der Ersatzbank quer über das Feld zu seinem Torwart-"Kollegen" Gerhard Siewert und umarmte ihn in Anerkennung seiner Parade, die Sekunden vor Schluß des krönenden Spieles verhinderte, daß die Darmstädter Gäste mit einem Foulelfmeter ein Unentschieden erzwangen.

Dann herrschte Jubel, Trubel, Heiterkeit. Als die Spieler der Meistermannschaft aus dem rotweißen Meer der Fahnen, Kappen und Schals wieder auftauchten, hatten Souvenirjäger sie ihrer Trikots „beraubt”. Das Foto des Meisters, das wir auf dieser Seite eingeplant hatten, war damit „gestorben”.

Todesmutig hockte sich unser Fotoreporter bei der Ehrenrunde, die Spieler und Fans liefen, auf den Boden der Laufbahn und wurde fast überwalzt. Aus dem Lautsprecher, über den Erich Balders die Namen der 19 in dieser Saison eingesetzten Spieler genannt hatte, dröhnte die Melodie, die für diesen "Hessentag" geschaffen schien: „So ein Tag, so wunderschön wie heute ...!” Im Konfettiregen, mit Blumen im Arm und schweißnasser Männerbrust schoben sich die Spieler mit ihrem Trainer Rudi Kröner und Gefolge in die Kabine, wo die Sektkorken knallten.

Die erste Schampusflasche hatte ein Fan entkorkt, als Helmut Hampls Treffer nach 14 Minuten zum 1:0 einschlug. Was tat's, daß ein Schuß des edlen Trunks in die Kapuze des Vordermannes spritzte ...

Vor dem Anpfiff hatten Fans mit ihren Fahnen die nun schon übliche Zeremonie mit dem Glückspfennig auf dem Anstoßpunkt zelebriert und die beiden (!) Fan-Clubs - die "jungen Löwen" in der Mitte des Stehrangs, die „Alten” Im Block I/M - ihre Sprechchöre erschallen lassen. Ein paar Trauben mit bunten Luftballons wurden vom Wind, der den Hessen in der ersten Halbzeit in den Rücken blies und sich zur rechten Zeit drehte, um auch nach dem Wechsel die Kasseler Aktionen zu beflügeln, in die Lüfte getragen.

„OB” Hans Eichel hatte das Spielobjekt, einen blütenweißen Ball, gestiftet. Die guten Wünsche, die er dem Leder mit auf dem Weg in die entscheidenden 90 Minuten gegeben hatte, wurden von der viel zitierten Glücksgöttin Fortuna erhört.

Bei der Pressekonferenz dankte Erich Balders der Mannschaft, dem Vorstand, den treuen Fans, gedachte des Spielers, der den krönenden Abschluß nicht miterleben durfte, weil er mit einer schweren Armverletzung im Krankenhaus liegt. Dieter Greif. Der VfR Bürstadt hatte schon vor dem Spiel (!) ein Glückwunschtelegramm gesandt und war damit Spitzenreiter in einer langen Reihe von Gratulanten. 150 Dauerkarten, so hörte man, sind für die neue Saison schon bestellt, es scheint, daß die restlichen weggehen "wie die warmen Semmeln".

Für Kapitän Bernd Sturm kommt nun die Stunde der Wahrheit. Er hat in einer leichtsinnigen Stunde versprochen, seinen Obmann Erich Balders im Falle der Erringung der Meisterschaft auf dem Rücken vom Rasthaus an der Autobahn nach Lohfelden zu schleppen. Unser Fotograf bittet um Bekanntgabe des Termins, um den historischen Moment im Bild festzuhalten.

Herbert Peiler (HNA-Sportredaktion)