2:1-Sieg!
Der KSV Hessen machte sein Meisterstück
Das langersehnte Ziel ist
erreicht: Der KSV Hessen hat einer Runde vor
Saison-Schluß der Fußball-Oberliga
sein Meisterstück gemacht! Mit dem 2:1-Sieg
über den FCA Darmstadt schaffte die Mannschaft
um Trainer Rudi Kröner nach sechsjähriger
Amateurliga Zugehörigkeit den Aufstieg
in die 2. Liga Süd. Auf Platz 2 folgt
der KSV Baunatal, der nach der 0:2-Niederlage
in Kastel sechs Punkte hinter den „Hessen”
zurückliegt. Bergshausen zeigte beim
5:0 über Egelsbach erneut eine prächtige
Leistung, während Ziegenhain und Olympia,
das als Absteiger feststeht, in Sindlingen
beziehungsweise Heppenheim 0:1 verloren.
Wechselbad von Hoffnung und
Bangen, von froher Erwartung und Nervenkitzel,
von Glückseligkeit und Angst. Sie waren
zunächst gelöst (nach dem 1:0),
später geschockt (nach dem 1:1), schließlich,
aber geradezu glückselig, als Siewert
den Elfmeter des Darmstädter Torjägers
Hofmann mit einer Blitzreaktion parierte und
damit den Sieg perfekt machte.
Der KSV Hessen hat in vorausgegangenen
wichtigen Partien wertvolle, für die
Meisterschaft entscheidende Arbeit geleistet
(2:1-Siege gegen Baunatal und Bergshausen,
ein 3:0 in Baunatal gegen Bergshausen sowie
ein 4:0 und ein 3:0 gegen Aschaffenburg).
Diesmal jedoch, als das eine winzige Pünktchen
unter Dach und Fach gebracht werden mußte,
verkrampfte die Mannschaft, fehlte das Selbstbewußtsein,
mangelte es an Ruhe und Gelassenheit.
"Auf den Fans, den
Spielern und auch auf mir lastete heute eine
verständliche Nervosität",
versuchte Rudi Kröner die keineswegs
berauschende Vorstellung des KSV zu erklären.
"Dennoch", so der Meistermacher,
"haben wir ein Finale erlebt, bei dem
jeder Spieler von Kopf bis Sohle mitgegangen
ist."
Im Überschwang der
Freude war Kröner sogar ein erstes Saison-Fazit
zu entlocken: "Bei uns stimmt momentan
alles. Ich konnte schalten und walten, wie
ich wollte, und besaß zu jeder Zeit
freie Hand. Diese Unabhängigkeit von
allen äußeren Einflüssen ist
Voraussetzung, um auf lange Sicht arbeiten
zu können."
Ein großes Lob spendete
auch Gäste-Trainer Günter Dutine,
der nun schon im neunten Jahr beim FCA tätig
ist: "Der richtige Verein hat den Sprung
in die 2. Liga geschafft. Für meine Mannschaft
freue ich mich, daß sie dem Champion
alles abverlangt hat, so daß dieser
noch einmal ein Zitterspiel erleben mußte."
Für den KSV konnte
es ein böses Erwachen geben, wenn Darmstadt
die beiden Großchancen beim Stand von
1:1 genutzt hätte. Aber ebenso besaß
Hampl zwei Riesenmöglichkeiten und traf
Hofmann mit einem Gewaltschuß nur den
Pfosten (87.).
Beim KSV Hessen, der den
Sieg mehr mit Kampf und Krampf denn mit Glanz
und Gloria errang, hinterließen Siewert
(der sehr sicher wirkte), Horch (gutes Stellungsspiel),
Kott (stand ständig frei) und Hampl (großes
Laufpensum) den besten Eindruck. Erfreulich
auch die prächtige Leistung von Nebe,
der für den verletzten Zaczyk ins Spiel
kam.
Günter Grabs (HNA-Sportredaktion)
Ehrenrunde mit nackter
Brust - Jubel, Trubel, Heiterkeit nach dem
erlösenden Abpfiff
Nur wenige werden es bemerkt
haben in dem aufbrausenden Jubel über
das endlich, endlich erreichte Ziel: "Ecki"
Vofrei rannte beim Schlußpfiff von der
Ersatzbank quer über das Feld zu seinem
Torwart-"Kollegen" Gerhard Siewert
und umarmte ihn in Anerkennung seiner Parade,
die Sekunden vor Schluß des krönenden
Spieles verhinderte, daß die Darmstädter
Gäste mit einem Foulelfmeter ein Unentschieden
erzwangen.
Dann herrschte Jubel, Trubel,
Heiterkeit. Als die Spieler der Meistermannschaft
aus dem rotweißen Meer der Fahnen, Kappen
und Schals wieder auftauchten, hatten Souvenirjäger
sie ihrer Trikots „beraubt”. Das
Foto des Meisters, das wir auf dieser Seite
eingeplant hatten, war damit „gestorben”.
Todesmutig hockte sich unser
Fotoreporter bei der Ehrenrunde, die Spieler
und Fans liefen, auf den Boden der Laufbahn
und wurde fast überwalzt. Aus dem Lautsprecher,
über den Erich Balders die Namen der
19 in dieser Saison eingesetzten Spieler genannt
hatte, dröhnte die Melodie, die für
diesen "Hessentag" geschaffen schien:
„So ein Tag, so wunderschön wie
heute ...!” Im Konfettiregen, mit Blumen
im Arm und schweißnasser Männerbrust
schoben sich die Spieler mit ihrem Trainer
Rudi Kröner und Gefolge in die Kabine,
wo die Sektkorken knallten.
Die erste Schampusflasche
hatte ein Fan entkorkt, als Helmut Hampls
Treffer nach 14 Minuten zum 1:0 einschlug.
Was tat's, daß ein Schuß des edlen
Trunks in die Kapuze des Vordermannes spritzte
...
Vor dem Anpfiff hatten Fans
mit ihren Fahnen die nun schon übliche
Zeremonie mit dem Glückspfennig auf dem
Anstoßpunkt zelebriert und die beiden
(!) Fan-Clubs - die "jungen Löwen"
in der Mitte des Stehrangs, die „Alten”
Im Block I/M - ihre Sprechchöre erschallen
lassen. Ein paar Trauben mit bunten Luftballons
wurden vom Wind, der den Hessen in der ersten
Halbzeit in den Rücken blies und sich
zur rechten Zeit drehte, um auch nach dem
Wechsel die Kasseler Aktionen zu beflügeln,
in die Lüfte getragen.
„OB” Hans Eichel
hatte das Spielobjekt, einen blütenweißen
Ball, gestiftet. Die guten Wünsche, die
er dem Leder mit auf dem Weg in die entscheidenden
90 Minuten gegeben hatte, wurden von der viel
zitierten Glücksgöttin Fortuna erhört.
Bei der Pressekonferenz
dankte Erich Balders der Mannschaft, dem Vorstand,
den treuen Fans, gedachte des Spielers, der
den krönenden Abschluß nicht miterleben
durfte, weil er mit einer schweren Armverletzung
im Krankenhaus liegt. Dieter Greif. Der VfR
Bürstadt hatte schon vor dem Spiel (!)
ein Glückwunschtelegramm gesandt und
war damit Spitzenreiter in einer langen Reihe
von Gratulanten. 150 Dauerkarten, so hörte
man, sind für die neue Saison schon bestellt,
es scheint, daß die restlichen weggehen
"wie die warmen Semmeln".
Für Kapitän Bernd
Sturm kommt nun die Stunde der Wahrheit. Er
hat in einer leichtsinnigen Stunde versprochen,
seinen Obmann Erich Balders im Falle der Erringung
der Meisterschaft auf dem Rücken vom
Rasthaus an der Autobahn nach Lohfelden zu
schleppen. Unser Fotograf bittet um Bekanntgabe
des Termins, um den historischen Moment im
Bild festzuhalten.
Herbert Peiler (HNA-Sportredaktion) |