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<<< 29. Spieltag
Oberliga Hessen 1979/80, 30. Spieltag

KSV Baunatal - KSV Hessen Kassel

2:1 (2:1)

Samstag, 12.04.1980
Parkstadion Baunatal

KSV Baunatal
KSV Hessen Kassel
Ulrich Greifenberg
Horst Prantschke
Edmond Melzer
Wayne Thomas
Gerhard Reinbold
N. Tsawaris
Karl-Heinz Dickkopf
Klaus Ganz
Jürgen Krawczyk (72. Ölmez)
Berthold Bachmann (79. Bernd Krech)
Trainer: Norbert Wagner
Spielstatistik
Tore: 1:0 Thomas (2.), 2:0 Krawczyk (5.), 2:1 Hampl (7.) - Ecken: 15:12 - Gelbe Karten: Greifenberg, Thomas - Hampl, Hüter - Schiedsrichter: Klier (Neustadt) - Zuschauer: 10.000
Spielbericht

Baunataler Blitz-Treffer lähmten den Spitzenreiter

Vier Runden vor Schluß ist der Vorsprung des Spitzenreiters der Fußball-Amateuroberliga, KSV Hessen, nach der 1:2 (1:2) - Niederlage in Baunatal auf vier Punkte zusammengeschrumpft. Die Baunataler dürfen sich nach ihrem verdienten Erfolg nun wieder eine - wenn auch kleine - Chance ausrechnen. Die FSV Bergshausen ist nach der 0:2-Niederlage in Hochstadt wohl endgültig aus dem Rennen, kann aber am Mittwoch beim Derby mit dem KSV Baunatal "Zünglein an der Waage" spielen.

Der Baunataler Erfolg vor 10 000 Zuschauern im sonnenüberfluteten Parkstadion war die Summe gewonnener Duelle. Der Trainer der Gastgeber, Norbert Wagner, „kannte seine (Kasseler) Pappenheimer”. Er bewies eine geschickte Hand, als er seine in den letzten Spielen nicht immer überzeugenden Männer dem jeweils "passenden" Gegenspieler zuordnete.

Da Wagner Senior Klaus Zaczyk als Kopf und Schaltzentrale der Hessen kennt, „opferte” er den spritzigen jungen Engländer Wayne Thomas als Torjäger, beorderte ihn zurück in die Abwehr, eben als unerbittlichen Widerpart Zaczyks. Das war die halbe Miete...

Nachdem Thomas in der 2. und Krawczyk in der 5. Minute Eckbälle per Kopf an den wie gebannt zuschauenden Abwehrspielern vorbei ins Netz befördert hatten, wirkte der Spitzenreiter wie gelähmt. Daran änderte auch das schnelle Anschlußtor von Hampl (7., nach verlängerter Flanke Zaczyks) nichts, Anders als mit dem Schock der beiden schnellen Tore ist die saft- und kraftlose, zerfahrene Partie der Hessen einfach nicht zu erklären.

Aber da war nicht nur Thomas Punktsieger über Zaczyk. Reinbold, das Geburtstagskind, dominierte klar über Frohnapfel, Grawunder über Hofmann, der blutjunge N. Tsawaris über Kott. Und Damerau ging gegen den antrittsschnellen Bachmann regelrecht K.o.

Ein „Patt” war bei den restlichen zwei „Pärchen” zu beobachten. Der junge Melzer schlug sich gegen Hampl prächtig, und Gerd Grau hielt mit großem Laufpensum Dickkopf die Waage, wenngleich der Baunataler torgefährlicher war. Hampl und Grau waren die einzigen, die in ihrem Laufpensum und Kampfgeist das boten, was die wohl 7000 Hessenfans im prall gefüllten Stadion von allen erwarteten.

Die Tatsache, daß beide Mannschaften mit nur zwei echten „Spitzen” operierten, schuf neben Prantschke (B) und Horch (Hessen) zwei weitere freie Männer in der Abwehr. Ganz machte mehr aus dieser Rolle als Hüter, dessen Part „Joker” Nebe nach der Pause übernahm, während Hüter auf Krawczyk angesetzt wurde.

Nebe enttäuschte aber ebenso wie Hofmann, der sonst während des Spieles als „Joker” mit so großem Erfolg eingewechselt wurde. Daß der „Williiiiee” (Nebe) zwei Minuten vor dem Ende mit einem Mordsschuß nur den Pfosten traf, war sein Pech. Doch das 2:2 hätte weder dem Spielverlauf entsprochen, noch hätte es die unerklärlichen Schwächen im Spiel des Tabellenführers übertünchen können.

Das Spiel war anfangs hochdramatisch, dann flaute es ab und versackte nach Halbzeit in der Mittelmäßigkeit. Die Baunataler, die mit Tempodrosselung und vielen Quer- und Rückpässen jeden zaghaften Versuch der Hessen, ihren Rhythmus zu finden, zerhackten, waren mit Kontern weitaus gefährlicher. Sie nutzten die Gunst der ersten Minuten und brachten den knappen Vorsprung mit der richtigen Taktik über die Zeit.

Auffällig, daß die Baunataler nahezu jeden Zweikampf für sich entschieden, daß sie im Dribbling geschicker und erfolgreicher waren und mit hohen Flanken und Ecken geradezu Panik vor dem Hessentor hervorriefen.

Weder die Hereinnahme Greifs (für Hofmann) bei den Hessen noch die Ablösung der beiden Spitzen Bachmann und Krawczyk, die sich bei den Baunataler Kontern restlos verausgabt hatten, durch Krech und den Türken Recep gaben dem erfreulich fairen Spiel ohne jedes böswillige Foul noch eine Wendung.

Herbert Peiler (HNA-Sportredaktion)

Verwirrspiel zwischen Rot und Schwarz

Strahlender Sonnenschein, 10 000 Zuschauer und außer dem noch vom Regen der vergangenen Woche etwas feuchten und dadurch rutschigen Rasen ideale Bedingungen beim Nordhessen-Derby in Baunatal. Bevor noch die letzten Zuschauer aus dem Anfahrtsstau auf die Ränge geeilt waren, bejubelten die "Rot-Weißen" auf dem grünen Rasen schön den ersten Treffer.

Die Baunataler Mannschaft jedoch spielte in den Trikots, deren Rot-Weiß-Färbung den Vereinsfarben den "Hessen" entsprachen, die "Löwen" vertraten in Schwarzweiß die der Volkswagenstädter. So blieben die rot-weiß beschalten Fans stumm, schwarz-weiße Fahnen wehten. Ein Verwirrspiel zwischen Rot und Schwarz. Nun, nachdem der Stadionsprecher die Führung für die Baunataler verkündet hatte, löste sich das Rätsel wohl auch für den letzten Irritierten. Nicht so schnell verdauten die Hessen-Fans den Schock aus der zweiten Minute. Im Gegenteil, als auch der nächste Angriff der Gastgeber im Netz endete, sank die Stimmung auf den Nullpunkt.

Der KSV aus Baunatal mußte sich wie bei einem Auswärtsspiel fühlen, schließlich hoffte die Mehrheit der 10 000 auf einen Sieg für die "Hessen". Nun, das sportliche Ergebnis stimmte für die Gastgeber auch noch nach 90 Minuten, und der Kassierer durfte mit seinem Resultat ebenfalls zufrieden sein.
Für die Spieler stand noch eine außergewöhnliche Belohnung bereit: Ein fußballbegeisterter Kasseler Gastwirt hatte für den Derby-Sieger ein Schwein gestiftet.

„Die 'Köpfe' der Hessen ausgeschüttet”

So einig waren sich selten die "feindlichen" Lager: Baunatal hat dieses Prestige-Duell verdient gewonnen! - Die Stimmen der Trainer:

Rudi Kröner (KSV Hessen): „Wir sind eigentlich nie zu unserem zuletzt so erfolgreichen Spiel gekommen. Vor allem fehlte die Durchschlagskraft im gegnerischen Strafraum. Ich hoffe, daß meine Mannschaft diese Niederlage verkraften kann. Wenn wir die letzten vier Spiele von der ersten bis zu letzten Minute konzentriert angehen, müßte der Vier-Punkte-Vorsprung reichen.

Norbert Wagner (KSV Baunatal): „Es ist uns gelungen, die 'Köpfe' des KSV Hessen, wie zum Beispiel Hampl, Kott und Zaczyk, auszuschalten. Ich muß meinen Spielern ein Gesamtlob aussprechen. Jeder einzelne hat optimal gekämpft und gespielt. Für mich steht der KSV Hessen trotzdem als Meister fest.”

Die drei (!) Kapitäne beider Mannschaften äußerten sich wie folgt:

Gerhard „Duce” Reinbold (KSV Baunatal), dem seine Elf zum 25. Geburtstag das schönste Geschenk bereitete: „Unsere stärke Abwehr hat den Grundstein zum Sieg gelegt. Darüber hinaus lief bei uns der Ball schneller als beim Gegner. Erfreulich die Fairneß in diesem wichtigen Treffen.”

Bernd Sturm (KSV Hessen): „Das Spiel war praktisch schon in der Anfangsphase verloren. Obwohl Hampl gleich der Anschlußtreffer gelang, haben wir uns von dem schnellen 0:2-Schock nicht mehr richtig erholt.”

Gerd Grau (KSV Hessen), der nach der Pause den an der Leiste verletzten Sturm als Spielführer ab-löste: „Baunatal war an diesem Tag zweikampf- und kopfballstärker. Dennoch bin ich überzeugt, daß wir Meister werden.”