Baunataler
Blitz-Treffer lähmten den Spitzenreiter
Vier Runden vor Schluß
ist der Vorsprung des Spitzenreiters der Fußball-Amateuroberliga,
KSV Hessen, nach der 1:2 (1:2) - Niederlage
in Baunatal auf vier Punkte zusammengeschrumpft.
Die Baunataler dürfen sich nach ihrem
verdienten Erfolg nun wieder eine - wenn auch
kleine - Chance ausrechnen. Die FSV Bergshausen
ist nach der 0:2-Niederlage in Hochstadt wohl
endgültig aus dem Rennen, kann aber am
Mittwoch beim Derby mit dem KSV Baunatal "Zünglein
an der Waage" spielen.
Der Baunataler Erfolg vor
10 000 Zuschauern im sonnenüberfluteten
Parkstadion war die Summe gewonnener Duelle.
Der Trainer der Gastgeber, Norbert Wagner,
„kannte seine (Kasseler) Pappenheimer”.
Er bewies eine geschickte Hand, als er seine
in den letzten Spielen nicht immer überzeugenden
Männer dem jeweils "passenden"
Gegenspieler zuordnete.
Da Wagner Senior Klaus Zaczyk
als Kopf und Schaltzentrale der Hessen kennt,
„opferte” er den spritzigen jungen
Engländer Wayne Thomas als Torjäger,
beorderte ihn zurück in die Abwehr, eben
als unerbittlichen Widerpart Zaczyks. Das
war die halbe Miete...
Nachdem Thomas in der 2.
und Krawczyk in der 5. Minute Eckbälle
per Kopf an den wie gebannt zuschauenden Abwehrspielern
vorbei ins Netz befördert hatten, wirkte
der Spitzenreiter wie gelähmt. Daran
änderte auch das schnelle Anschlußtor
von Hampl (7., nach verlängerter Flanke
Zaczyks) nichts, Anders als mit dem Schock
der beiden schnellen Tore ist die saft- und
kraftlose, zerfahrene Partie der Hessen einfach
nicht zu erklären.
Aber da war nicht nur Thomas
Punktsieger über Zaczyk. Reinbold, das
Geburtstagskind, dominierte klar über
Frohnapfel, Grawunder über Hofmann, der
blutjunge N. Tsawaris über Kott. Und
Damerau ging gegen den antrittsschnellen Bachmann
regelrecht K.o.
Ein „Patt” war
bei den restlichen zwei „Pärchen”
zu beobachten. Der junge Melzer schlug sich
gegen Hampl prächtig, und Gerd Grau hielt
mit großem Laufpensum Dickkopf die Waage,
wenngleich der Baunataler torgefährlicher
war. Hampl und Grau waren die einzigen, die
in ihrem Laufpensum und Kampfgeist das boten,
was die wohl 7000 Hessenfans im prall gefüllten
Stadion von allen erwarteten.
Die Tatsache, daß
beide Mannschaften mit nur zwei echten „Spitzen”
operierten, schuf neben Prantschke (B) und
Horch (Hessen) zwei weitere freie Männer
in der Abwehr. Ganz machte mehr aus dieser
Rolle als Hüter, dessen Part „Joker”
Nebe nach der Pause übernahm, während
Hüter auf Krawczyk angesetzt wurde.
Nebe enttäuschte aber
ebenso wie Hofmann, der sonst während
des Spieles als „Joker” mit so
großem Erfolg eingewechselt wurde. Daß
der „Williiiiee” (Nebe) zwei Minuten
vor dem Ende mit einem Mordsschuß nur
den Pfosten traf, war sein Pech. Doch das
2:2 hätte weder dem Spielverlauf entsprochen,
noch hätte es die unerklärlichen
Schwächen im Spiel des Tabellenführers
übertünchen können.
Das Spiel war anfangs hochdramatisch,
dann flaute es ab und versackte nach Halbzeit
in der Mittelmäßigkeit. Die Baunataler,
die mit Tempodrosselung und vielen Quer- und
Rückpässen jeden zaghaften Versuch
der Hessen, ihren Rhythmus zu finden, zerhackten,
waren mit Kontern weitaus gefährlicher.
Sie nutzten die Gunst der ersten Minuten und
brachten den knappen Vorsprung mit der richtigen
Taktik über die Zeit.
Auffällig, daß
die Baunataler nahezu jeden Zweikampf für
sich entschieden, daß sie im Dribbling
geschicker und erfolgreicher waren und mit
hohen Flanken und Ecken geradezu Panik vor
dem Hessentor hervorriefen.
Weder die Hereinnahme Greifs
(für Hofmann) bei den Hessen noch die
Ablösung der beiden Spitzen Bachmann
und Krawczyk, die sich bei den Baunataler
Kontern restlos verausgabt hatten, durch Krech
und den Türken Recep gaben dem erfreulich
fairen Spiel ohne jedes böswillige Foul
noch eine Wendung.
Herbert Peiler (HNA-Sportredaktion)
Verwirrspiel zwischen
Rot und Schwarz
Strahlender Sonnenschein,
10 000 Zuschauer und außer dem noch
vom Regen der vergangenen Woche etwas feuchten
und dadurch rutschigen Rasen ideale Bedingungen
beim Nordhessen-Derby in Baunatal. Bevor noch
die letzten Zuschauer aus dem Anfahrtsstau
auf die Ränge geeilt waren, bejubelten
die "Rot-Weißen" auf dem grünen
Rasen schön den ersten Treffer.
Die Baunataler Mannschaft
jedoch spielte in den Trikots, deren Rot-Weiß-Färbung
den Vereinsfarben den "Hessen" entsprachen,
die "Löwen" vertraten in Schwarzweiß
die der Volkswagenstädter. So blieben
die rot-weiß beschalten Fans stumm,
schwarz-weiße Fahnen wehten. Ein Verwirrspiel
zwischen Rot und Schwarz. Nun, nachdem der
Stadionsprecher die Führung für
die Baunataler verkündet hatte, löste
sich das Rätsel wohl auch für den
letzten Irritierten. Nicht so schnell verdauten
die Hessen-Fans den Schock aus der zweiten
Minute. Im Gegenteil, als auch der nächste
Angriff der Gastgeber im Netz endete, sank
die Stimmung auf den Nullpunkt.
Der KSV aus Baunatal mußte
sich wie bei einem Auswärtsspiel fühlen,
schließlich hoffte die Mehrheit der
10 000 auf einen Sieg für die "Hessen".
Nun, das sportliche Ergebnis stimmte für
die Gastgeber auch noch nach 90 Minuten, und
der Kassierer durfte mit seinem Resultat ebenfalls
zufrieden sein.
Für die Spieler stand noch eine außergewöhnliche
Belohnung bereit: Ein fußballbegeisterter
Kasseler Gastwirt hatte für den Derby-Sieger
ein Schwein gestiftet.
„Die 'Köpfe'
der Hessen ausgeschüttet”
So einig waren sich selten
die "feindlichen" Lager: Baunatal
hat dieses Prestige-Duell verdient gewonnen!
- Die Stimmen der Trainer:
Rudi Kröner (KSV Hessen):
„Wir sind eigentlich nie zu unserem
zuletzt so erfolgreichen Spiel gekommen. Vor
allem fehlte die Durchschlagskraft im gegnerischen
Strafraum. Ich hoffe, daß meine Mannschaft
diese Niederlage verkraften kann. Wenn wir
die letzten vier Spiele von der ersten bis
zu letzten Minute konzentriert angehen, müßte
der Vier-Punkte-Vorsprung reichen.
Norbert Wagner (KSV Baunatal):
„Es ist uns gelungen, die 'Köpfe'
des KSV Hessen, wie zum Beispiel Hampl, Kott
und Zaczyk, auszuschalten. Ich muß meinen
Spielern ein Gesamtlob aussprechen. Jeder
einzelne hat optimal gekämpft und gespielt.
Für mich steht der KSV Hessen trotzdem
als Meister fest.”
Die drei (!) Kapitäne
beider Mannschaften äußerten sich
wie folgt:
Gerhard „Duce”
Reinbold (KSV Baunatal), dem seine Elf zum
25. Geburtstag das schönste Geschenk
bereitete: „Unsere stärke Abwehr
hat den Grundstein zum Sieg gelegt. Darüber
hinaus lief bei uns der Ball schneller als
beim Gegner. Erfreulich die Fairneß
in diesem wichtigen Treffen.”
Bernd Sturm (KSV Hessen):
„Das Spiel war praktisch schon in der
Anfangsphase verloren. Obwohl Hampl gleich
der Anschlußtreffer gelang, haben wir
uns von dem schnellen 0:2-Schock nicht mehr
richtig erholt.”
Gerd Grau (KSV Hessen),
der nach der Pause den an der Leiste verletzten
Sturm als Spielführer ab-löste:
„Baunatal war an diesem Tag zweikampf-
und kopfballstärker. Dennoch bin ich
überzeugt, daß wir Meister werden.” |