Einseitige
Angelegenheit
Auf dem Weg zur Meisterschaft
der Fußball-Oberliga ist der KSV Hessen
erneut ein Stückchen weitergekommen.
Nach dem 6:1 (3:1)-Sieg im Kasseler Lokalderby
gegen die Spvgg Olympia benötigt der
Spitzenreiter aus den restlichen fünf
Spielen sechs Punkte, um sechs Jahre nach
dem Abstieg aus der damaligen Regionalliga
wieder im bezahlten Fußballager Einzug
zu halten. Die Olympianer sind mit dieser
Niederlage ans Tabellenende gerückt und
können jetzt praktisch nur noch auf ein
Wunder im Kampf um den Klassenerhalt hoffen.
Die 2700 Zuschauer, die trotz
strömenden Regens ins Auestadion gepilgert
waren, erlebten von Anpfiff bis Abpfiff eine
einseitige Angelegenheit. Zu krass war der
Unterschied der technisch über-legenen
"Hessen" zu den nur hausbackenen
"Zwehrenern", die praktisch und
nur darauf bedacht waren, die Niederlage in
Grenzen zu halten.
So gesehen, mußten
die KSV-Fans, die eine Torflut ihrer Elf erwartet
hatten, etwas enttäuscht von dannen ziehen.
"Gut, daß wir nicht noch mehr Treffer
erzielt haben, sonst wären vielleicht
jetzt schon einige ausgeflippt", zeigte
sich KSV-Trainer Rudi Kröner auch mit
der Ausbeute des halben Dutzend hoch zufrieden.
Kröner warnte nach diesem Erfolg erneut
davor, die Mannschaft schon als zukünftigen
Meister zu feiern. "Drei schwere Brocken
warten noch auf uns", dämpft der
KSV-Coach jede aufflackernde Euphorie.
So ist denn auch dieser
6:1-Sieg keinesfalls als Wertmesser für
die kommenden Aufgaben zu betrachten, in Baunatal,
in Egelsbach und in Dillenburg dürfte
der KSV bei weitem mehr gefordert werden als
es diesmal die Olympianer taten, die lediglich
nach dem überraschendem Elfmeter-Ausgleich
(der einschußbereite Knauf wurde gefoult)
für kurze Zeit hoffen durften.
Doch als Kott bald darauf
das 2:1 gelang, war Olympia bereits geschlagen.
Denn die Mannschaft, die einige Male im Mittelfeld
recht gefällig kombinierte, besaß
für den Angriff nicht mehr die Kraft,
um das KSV-Gehäuse noch einmal ernsthaft
in Gefahr zu bringen.
Derby-Stimmung konnte also
in keiner Phase des Spiels aufkommen. Letztlich
fehlte bei den KSV-Aktionen dann doch der
"Biß", um diesem Duell der
ungleichen Nachbarn das Prädikat "hochklassig"
zu geben.
Der in den letzten Wochen
immer häufiger zu beobachtende Trend,
daß beim KSV die Spieler aus den rückwärtigen
Regionen die Tore schießen, hielt weiter
an: Fünf der sechs Treffer erzielten
Abwehr- oder Mittelfeldspieler - von den Stürmern
war diesmal nur Hampl erfolgreich. „Darin,
daß auch die Akteure mit Defensivaufgaben
Treffer machen können, liegt unsere Stärke”,
freute sich Kröner über die gut
gelungene Rollenverteilung bei der Tore-Produktion.
Adi Schade, "Noch-Optimist'
auf Olympias Trainerbank ("Mit ein bißchen
Glück könnten wir den Klassenerhalt
doch noch packen") war erstaunt darüber,
daß der KSV Hessen "trotz des beruhigenden
Vorsprungs nach Halbzeit noch so spielfreudig
zu Werke" gegangen ist.
Aus einer ihr Pflicht-Pensum
gekonnt herunterspulenden KSV-Mannschaft sind
erneut der kopfballstarke Horch und „Ideen-Geber”
Zaczyk besonders zu loben. Auch Sturm, Hofmann
und Kott sorgten wieder dafür, daß
der Drang aufs Olympia-Gehäuse nicht
nachließ. Beim Gast, der vor Jahresfrist
ebenfalls mit 1:6 im Auestadion verlor und
einen fairen Gegner abgab, gefiel Vorstopper
Damm und - mit Abstrichen - Torwart Meyer,
der einige Male glänzend reagierte.
Günter Grabs (HNA-Sportredaktion) |