Hofmann
ein unbezahlbarer "Joker"
Die 18 000 im rappelvollen
Auestadion - wo sollen eigentlich die restlichen
8000 Platz finden, wenn die Kapazität
des Stadions mit 26 000 angegeben wird?! –
erlebten eine erste Halbzeit, die noch von
einer gewissen Vorsicht und Nervosität
auf beiden Seiten geprägt war. Doch nach
der Pause boten ihnen die Akteure alles, was
das Fußballherz begehrt: Tore, Tempo,
Kampf und einen dramatischen Abschluß,
der die Hessen für ihren Sturmlauf während
der letzten halben Stunde belohnte und die
großartig mithaltenden Bergshäuser
in den Abgrund tiefster Enttäuschung
stieß, als sie sich schon am Ziel ihrer
Wünsche sahen, einem Remis.
Niemand wird sagen, der
Sieg des Spitzenreiters sei unverdient gewesen,
aber kein ehrlicher Betrachter dieses echten
Spitzenspiels wird auch bestreiten, daß
dies im Endeffekt doch ein glücklicher
Erfolg war.
Schiedsrichter Gossmann
aus Bad Hersfeld gebührt ein hohes Lob:
er verlor die emotionsgeladene Prestige-Partie
der „Löwen '80” und der jetzt
im roten Bergshäuser Dreß spielenden
Ex-KSVer (neun von zwölf!) nie aus der
Hand. Manchem mag er ein wenig kleinlich vorgekommen
sein, aber dies war genau die Art, wie man
ein solches Derby pfeifen muß. Note
1 also für Gossmann!
Nach einem Beinahe-Eigentor
von Döring, das Windisch verhinderte,
hatte Hampl nach einer Ruck-Zuck-Kombination
Grau-Zaczyk-Hampl die erste Riesenchance des
Spieles, verzog den Schuß aber mit dem
(rechten) „Schokoladenfuß”.
Bei einer Serie von Freistößen
und Ecken (13:2 zugunsten der Hessen) verfehlte
Kopfballspezialist Horch zweimal knapp das
Ziel, und als Hampl nach einem Mustersteilpaß
von Sturm allein dem Tor zustrebte, zog „Mike”
Windisch noch gerade auf der 16-m-Linie die
„Notbremse”. Bei den Gegenstößen
des wieselflinken, leichtfüßig-eleganten
Staib und des nach langer Zwangspause (Sperre)
schon wieder ganz schön munteren Reiße
kamen auch die Hessen-Fans ins Zittern.
Der Auftakt zur zweiten
Hälfte jagte den „Löwen"-Anhängern
eine Gänsehaut über den Rücken,
denn Frohnapfel lenkte Lichtes flache Hereingabe
ins eigene Tor, und wenig fehlte am 0:2, als
gleich darauf Lichtes Kopfball nach einer
Ecke knapp über die Latte strich.
Ein beherzter Bombenschuß
des überragenden Mittelfeldspielers Kott
aus 30 m Entfernung, den „Luffe”
Guth abprallen ließ und Hampl ins Netz
wuchtete, brachte sieben Minuten später
die Wende. Zwar blieben Staib und Reiße
bei Kontern weiter brandgefährlich, aber
die KSV-Hessen-„Spitzen" der zweiten
Halbzeit, Supertechniker Zaczyk (Filigranarbeiter
gegen Grobschmied Rabeneck, der sich dennoch
beachtlich aus der Affäre zog!), Hampl
und Laufwunder Grau mit einem durch die neu
ins Spiel gekommenen Hofmann und Nebe in der
Offensivkraft gestärkten Mittelfeld sorgten
dafür, daß sich das Geschehen mehr
und mehr in die Bergshäuser Hälfte
verlegte, wo kurz nach einer elfmeterverdächtigen
Szene (Gombert-Hampl) Hofmann mit einem Kopfball
auf Graus Flanke die späte Entscheidung
herbeiführte und damit erneut die Frage
aufwarf, ob er wirklich nicht mehr ist als
ein "Joker"!
Herbert Peiler (HNA-Sportredaktion)
Zum Fußballfest
ein Ferkel für die "Hessen"
Das mit 18 000 Zuschauern
besetzte Auestadion erlebte nach 16 Monaten
wieder einen Fußball-Festtag. Wie am
22. November 1978 trafen Spitzenreiter, damals
VfR Bürstadt, und Verfolger aufeinander,
wieder ein wolkenverhangener Himmel und wieder
erwartungsvolle Fans, die nur ihren KSV siegen
sehen wollten. Welch' einen Jammer gab es
aber an jenem trüben Herbsttag nach 90
Minuten, mit hängenden Köpfen schlichen
die „Löwen” in die Kabinen,
von Bürstadt mit 1:3 gebändigt,
jeglicher Illusion von Aufstieg und Titelgewinn
beraubt. Bei den 22 000 Besuchern herrschte
Grabes-stille und Resignation: „Die
schaffen's nie!”
Auch die Partie vom 15.
März schien 87 Minuten lang nicht zu
halten, was das Volk von ihr erwartete; die
selbstbewußte Parole eines Transparentes
„Zweite Liga - wir kommen!” drohte
trotz Über-legenheit der „Löwen”
nur durch ein mageres Remis Nahrung zu bekommen.
Welch ein tosender Jubel jedoch, als Armin
Hofmann Kameraden und Anhänger „erlöste”,
das Auestadion in ein Tollhaus verwandelte
und die rot-weißen Fahnen stolzer als
selten zuvor im Wind 'wehen ließ' -
'sein Treffer brachte den Fußball-Frühling
eine Woche früher als im Kalender angezeigt.
Zweifellos ein Verdienst
der dominierenden "Löwen",
die ebenso wie Baunatal endlich einmal „Schwein
hatten”. Dem vor dem Anpfiff unter heftigem
Quieken auf den Rasen gezerrten Ferkel wird
es wohl wurscht gewesen sein, dem KSV als
Glücksbringer gedient zu haben. |