Tore:
0:1 Schleiter (40.), 0:2 Hüter
(59., Eigentor), 1:2 Greif (81.), 2:2 Zaczyk
(89.), 3:2 Greif (90.) - Ecken: 14:4
- 10-Minuten-Strafe: Köhler
(85.) - Schiedsrichter: Eckhardt
(Wismar) - Zuschauer: 5.500 |
Nach
Höllenqualen im siebenten Fußballhimmel
Die nun folgende Geschichte soll Mut machen
für die neue Spielzeit. Sie handelt von
den Löwen. Sie erzählt von einer
Saison, in der zunächst nicht alles nach
Wunsch lief, aber dann doch noch der ganz
große Sprung gelang. Und sie berichtet
von einem Spiel, ohne das es diese Wende wohl
nicht gegeben hätte.
Wir sind in der Saison 1979/80, die Oberliga
Hessen ist eine Art nordhessische Meisterschaft
mit südhessischer Beteiligung. Mit von
der Partie der KSV Baunatal, gerade aus der
2. Bundesliga abgestiegen, der FSV Bergshausen
und der KSV Hessen. Doch der kämpft schon
seit sechs Jahren vergeblich um den Sprung
zurück in das bezahlte Fußball-Lager.
Die Regionalliga gab es damals noch nicht.
Und auch in den Februartagen des Jahres 1980
sieht es nicht gut aus. Gegen Hanau 93 steht
es zehn Minuten vor Schluß 0:2 - auch
diesmal kein Happy-End für die Löwen?
Verzweifelt rennt der KSV Hessen an, doch
der Ball will nicht in das Hanauer Tor. 5.500
Zuschauer im Auestadion sind der Verzweiflung
nahe. Die Wintersonne verschwindet langsam
hinter dem Tribünendach, das Spiel neigt
sich dem Ende entgegen. Dann in der 81. Minute
Hoffnung. Nach einem Paß von Klaus Zaczyk
schießt Dieter Greif das 1:2. Greif
kam erst wenige Tage zuvor von Westfalia Herne
und wurde von Trainer Rudi Kröner eingewechselt.
1:2, doch den Löwen läuft die Zeit
davon. Nur noch 70 Sekunden. Zaczyk haut aus
20 Metern auf das Tor - der Ausgleich. Jubelstürme
bei den Fans und Schiedsrichter Eckhardt gewährt
noch einen Nachschlag. 92. Minute - Gewühl
vor Hanaus Tor - wieder ist Dieter Greif da
- Tooooooor!!! 3:2 für die Löwen.
"Das Auestadion stand Kopf. Wildfremde
Menschen umarmten sich, einige wischten verschämt
Freudentränen aus den Augen". So
schwelgte die HNA einen Tag nach dem Spiel.
Das ganze unter dem Titel "Nach Höllenqualen
im siebenten Fußballhimmel". Hanaus
Trainer Gyula Toth, der 12 Monate zuvor beim
KSV entlassen wurde, schwärmte: "Das
war heute Zweitliga-Fußball. Mit den
Herzen bin ich immer noch in Kassel".
Was danach kam ist schnell erzählt. Beschwingt
durch diesen "Last-Minute-Sieg"
schafften die Löwen tatsächlich
den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Baunatal
und Bergshausen kamen erst auf den Plätzen
danach ins Ziel. Und Dieter Greif? Von ihm
hat man nichts mehr gehört. Am Ende standen
7 Einsätze für den KSV zu Buche.
Und zwei Tore. Eben die gegen Hanau 93.
Oliver Zehe |