Graus
Treffer reichte nicht
KSV-Trainer Rudi Kröner
war fast 90 Minuten lang stocksauer auf seine
eigenen Spieler und auf den Unparteiischen.
Bei der anschließenden Pressekonferenz
schien er aber weniger auf Schiedsrichter
Wohlfart als vielmehr auf seine Mannschaft
böse zu sein, von der er beide Zähler
erwartete. Doch schließlich lautete
sein Fazit: „Eine gerechte Punkteteilung.
Ich bin zufrieden, daß bei dieser heimstarken
Elf ein Remis herausgesprungen ist. Daß
wir keinen Sieg davongetragen haben, lag daran,
daß wir zuviele Chancen vergeben haben."
Damit war der Nagel auf
den Kopf getroffen: Nach zehn Minuten, in
denen Kastel fünf Ecken herausholte,
fand der KSV zu seinem Spiel, erwies sich
in den Zweikämpfen überlegen und
sorgte mit Schüssen aus der zweiten Reihe
immer wieder für Gefahr.
Während der offensive
Außenverteidiger Hofmann für mächtig
viel Druck sorgte, glänzten die Routiniers
Zaczyk und Hampl wiederholt mit technischen
Kabinettstückchen, konnten aber ebenso
wie der schnelle Nebe Kastels Schlußmann
nicht überwinden.
Als Grau endlich mit einem
schön herausgespielten Treffer (sein
erstes Saison-Tor!) den Bann gebrochen hatte,
schienen die Kasseler klar auf der Siegesstraße.
Aber kurz vor und nach der Halbzeit versäumten
es Hampl (38.), Nebe (45.), Grau (48.) und
Zaczyk (58.) in aussichtsreicher Position,
die Führung zu erhöhen.
So sorgte ausgerechnet der
älteste Spieler auf dem Platz. Lothar
Emmerich (39 Jahre) für die Resultats-Wende.
Der Kasteler Spieler-Trainer wechselte sich
nach 70 Minuten für Nebe-Bewacher Konrad
selbst ein, zog kurze Zeit später bei
einem Angriff gleich zwei KSVer auf sich und
sorgte für den freien Raum, den Lustenberger
zum Ausgleich nutzte.
Als Kröner in der Schlußphase
seine Mannen zu konsequenter Abwehrarbeit
aufrief, handelte sich Hüter, der zuvor
schon einmal "Gelb" sah, eine Zehn-Minuten-Strafe
ein (85.). In dem nun folgenden offenen Schlagabtausch
stand Kastel ebenso dicht vor dem Sieg wie
der Gast, der in dieser guten, schnellen und
spannenden Partie seine beiden besten Spieler
in Hofmann und Grau hatte.
Rolf Lehmann (HNA-Sportredaktion) |