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<<< 18. Spieltag
Oberliga Hessen 1979/80, 19. Spieltag

TuSpo Ziegenhain - KSV Hessen Kassel

3:1 (1:1)

Samstag, 05.01.1980
Stadion am Fünften

TuSpo Ziegenhain
KSV Hessen Kassel
Mertke
van Thiel
Drescher
Altmann
Pötzl
Clemens
Schäfer
Trainer: -
Spielstatistik
Tore: 1:0 Hansmann (16.), 1:1 Sturm (42.), 2:1 Clemens (55.), 3:1 Hansmann (77.) - Gelbe Karten: Dippoldsmann, Stöhr, Mertke - Schneider, Hofmann - Feldverweise: Dippoldsmann (53.) - Stengel (52.) - Schiedsrichter: Wolf (Bad Soden/Salmünster) - Zuschauer: 3.500
Spielbericht

"Löwen" auf dem Ziegenhainer Rutschparkett ganz zahm: 1:3!

Kaum fünf Stunden, nachdem Präsident Dr. Karl Branner beim Neujahrsempfang des KSV Hessen im Klubhaus an der Damaschkestraße die Erringung der Amateur-Oberligameisterschaft und den Auf-stieg als unverrückbares Ziels des Klubs bezeichnet hatte, rutschten die "Löwen" auf dem Rutsch-parkett des Ziegenhainer Stadions schon auf diesem beschwerlichen Weg aus. Der Neuling aus der Schwalm, "rachedurstig" nach der 0:7-Schlappe im Spiel der ersten Runde, verdiente sich den 3:1 (1:1)-Erfolg mit Ehrgeiz, Einsatz und einer unkomplizierten, aber keinesfalls primitiven Spielweise, die den Platzverhältnissen angepaßt war. Unter den 3500 Zuschauern war gewiß ein Drittel Hessen-Fans, die die "Walstatt" enttäuscht verließen.

Nichts wäre für die Hessen verderblicher, als die Schuld bei anderen zu suchen, denn es werden noch mehr Vereine, zumal auf ihren Plätzen, den Hessen mit gleichem „Biß” ein Bein zu stellen versuchen. Es war nicht der - zugegebenerweise schwache - Schiedsrichter Wolf aus Bad Soden/Salmünster, und es war nicht das Rutschparkett, das die Niederlage verursachte, sondern eine schwache Tages-leistung. Die Schwälmer sahen nie wie "Greenhörner" in dieser Klasse und die Hessen nur in wenigen Situationen wie ein Meisteranwärter aus.

Gewiß: die schlechten Bodenverhältnisse hoben die Unterschiede auf, die wohl in dem technischen Vermögen der Spieler beider Mannschaften bestehen - wie anders wäre sonst zu erklären, daß die Hessen an der Spitze und die Gastgeber auf dem elften Rang lagen, ehe das Derby begann. Aber dies ist keine ausreichende Erklärung, schon gar nicht eine Entschuldigung für die gravierenden Fehler, die gemacht wurden:

• Statt den Ball laufen zu lassen, liefen allzu viele Hessen allzuoft mit dem Ball.
• Statt jede Gelegenheit zum Schießen zu nutzen, wurde gezögert, wurde noch einmal abgespielt oder die Aktion unkonzentriert abgeschlossen.
• Aus dem Mittelfeld wurde der Ball immer wieder hoch in den Strafraum geschlagen, wo sich aus einem guten Dutzend solcher Vorlagen ganze zwei Chancen entwickelten. Die eine nutzte Sturm mit einem Kopfball zum 1:1 kurz vor der Pause, nachdem Hansmann seine Ziegenhainer Mannschaft nach 16 Minuten mit einem unglücklich abgefälschten Schuß in Führung gebracht hatte, und in der Drangperiode der zweiten Hälfte verfehlte Hampl mit einem Kopfball das Tor.

Die Ziegenhainer, bei denen in einem insgesamt knochenharten Spiel Stöhr gegen Grau als erster (und anhaltend) aus der Rolle fiel, hatten mit Clemens und Schäfer gefährliche Spitzen, die in der furiosen ersten halben Stunde schwer zu bremsen waren. Dann verebbte vorübergehend der Schwung, doch nach den hektischen zehn Minuten, in denen die Partie aus den Fugen zu geraten drohte, hatten die Gastgeber angesichts der verzweifelten Offensive der Hessen viel Raum für ihre Konter, von denen einer schließlich zum 3:1 und damit zum "K.o." der Gäste aus Kassel führte.

In den „tollen - 10 Minuten” überschlugen sich die Ereignisse: Der „böse Wolf”, dem man bei seinen vielen anfechtbaren Entscheidungen - wie den Spielern - die schwierigen Bodenverhältnisse zugute halten muß, die eine klare Beurteilung mancher Spielsituation in der Tat unmöglich machten, schickte zuerst den erst in der 31. Minute eingewechselten Stengel wegen eines groben Fouls gegen van Thiel vom Feld und eine Minute später Dippoldsmann, der schon wegen Handspiels verwarnt worden war, hinterher. Ehe sich noch die Aufregung auf dem Feld und am Rand, wo Hessen-Trainer Rudi Kröner mit den Ordnern aneinander geriet, gelegt hatte, schaffte Clemens mit einem energischen Solo entlang der Torauslinie das 2:1 (55.).

Nach Schneider, der mit Schäfer nicht fertig wurde, brachte Kröner mit „Joker” Stengel schon nach 31 Minuten einen zusätzlichen Angreifer, eine halbe Stunde vor Schluß versuchte er. mit der Herein-nahme von Alder (Damerau wurde dem Angriffsspiel geopfert) mehr Dampf zu machen, vergebens ...

Hüter hatte Schäfer zwar besser im Griff als Schneider, und Sturm übernahm die undankbare Aufgabe des Clemens-Bewachers, aber da alles auf eine Karte gesetzt wurde, passierte, was kom-men mußte: nachdem Birkhölzer mit glänzender Reaktion einen Nachschuß von Hofmann über die Latte gelenkt hatte und der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit schien, kam Hansmann nach einem klassischen Konter an der Strafraumgrenze zum Schuß, und gegen den war kein Kraut ge-wachsen.

Der Rest des Spieles war Formsache. Hofmanns Foul gegen Birkhölzer wurde von Altmann "ge-ahndet", und während der Ziegenhainer "Scharfschütze", der Hampl als „Kanonier” klar in den Schatten stellte, ungestraft davonkam, sah Mertke die gelbe Karte, als er erneut Hofmann aufs Korn nahm.

Bei den enttäuschenden Hessen verdienten sich Horch, Hüter, Grau mit seinem Fleiß und Frohnapfel (starke erste Halbzeit) gute Noten. Erstaunlich, daß gerade von dem „Kleinkunst-Artisten” Zaczyk diesmal kaum Impulse ausgingen. Die Ziegenhainer hatten keinen schwachen Punkt in ihren Reihen. Ihr Sieg war die Frucht einer geschlossenen Mannschaftsleistung.

Herbert Peiler (HNA-Sportredaktion)