Gegen
diese Hessen hatte Bergshausen keine Chance
Die Hessen zeigten, daß
sie noch spielen können, daß sie
aber auch in taktischer und kämpferischer
Hinsicht ihr Tief schnell überwunden
haben. Mit bemerkenswerter Disziplin setzten
die Spieler die Anweisungen von Rudi Kröner
auf dem Feld in Aktionen um, die Bergshausen
nicht ins Spiel kommen ließen.
Die Zuschauer, wohl zwei
Drittel Anhänger der Hessen, sahen in
der ersten Halbzeit ein etwas verkrampftes
Spiel, in dem aber die Kasseler bereits deutliche
Vorteile hatten. Lediglich die „Soli”
von Werner Reisse sorgten auf der Gegenseite
für stete Alarmstimmung. Der wendige
Dribbelkünstler versetzte nacheinander
drei KSVer in den „einstweiligen Ruhestand”:
Nach Fouls mußten beide Außenverteidiger,
Sturm und Hüter, kurz vor der Pause für
zehn Minuten auf das Sünderbänkchen,
und als Trainer Kröner erregt an den
Spielfeldrand lief, traf ihn der Bann des
Darmstädter Schiedsrichters Bruckner.
Er mußte auf der Tribüne Platz
nehmen.
Der Darmstädter Unparteiische
war kleinlich, mißachtete den Vorteil
reihenweise und war mit Pfiffen bei Zweikämpfen
vor dem Strafraum der Hessen besonders schnell
zur Hand. Ein Feldverweis des Trainers, zwei
Zeitstrafen und fünf gelbe Karten - eine
ungewöhnliche Kollektion an Disziplinar-maßnahmen,
die aber nicht für Ruhe und Frieden,
sondern für Hektik sorgten. Daß
diese nach Halbzeit abklang, lag an der immer
eindeutiger werdenden Überlegenheit der
Hessen, die nach einer Stunde praktisch als
Sieger feststanden.
Erstaunlich, daß die
Bergshäuser, bei denen im Mittelfeld
nur Sigi Gail konstruktiv spielte, auch in
der Zelt zahlenmäßiger Überlegenheit
nicht den Mut zum „Powerplay”
fanden. Jedenfalls kamen die Hessen zu keiner
Zeit in Verlegenheit.
Als Kempa nach 28 Minuten
verletzt vom Feld mußte, brachte Rudi
Kröner mit Stengel eine echte zweite
„Spitze” neben Hampl. Das Spiel
des Angriffs wurde dadurch noch mehr belebt,
nachdem zuvor wechselweise Kempa, der blendend
aufgelegte Kott, Frohnapfel und die beiden
„Oldtimer” Zaczyk und Grau, die
in Topform spielten, aber auch der stets anspielbare
Libero Horch zu dem „Vorposten”
Hampl aufgerückt waren und der Deckung
dabei manches Rätsel aufgegeben hatten.
Stengel krönte sein
sensationelles Comeback mit einem herrlichen
Kopfballtor in der 55. Minute nach Flanke
von Grau. Dieses Tor verlieh den Hessen Flügel
und schockte den Gegner, bei dem auch der
Versuch, durch Frank Michel dem Sturmspiel
mehr Effektivität zu verleihen fehlschlug.
Das 2:0 durch' Horch, der den von Guth abgewehrten
30-m-Freistoß Hampls über die Linie
bugsierte, war in der 62. Minute schon die
Entscheidung, das 3:0 durch Kott, der eine
Flanke Hampls mit der Brust stoppte und vom
Elfmeterpunkt plaziert einschoß, beseitigte
letzte Zweifel am Ausgang des Spieles.
Beide Trainer machten von
der Möglichkeit der Auswechslung zweier
Spieler Gebrauch. Bei den Hessen verletzte
sich nach Kempa auch Hüter. Dieser erlitt
kurz nach der zehnminütigen Zwangspause
eine Zerrung. Heinz Brede mußte Döring
wegen Verletzung ersetzen und brachte für
den enttäuschenden Lichte den Ex-Gombether
Michel.
Großes „Glück”
hatte in der hektischen Partie Grau, bei dessen
grobem Foul an Chorbacz der ansonsten so pingelige
Schiedsrichter Gnade vor Recht ergehen ließ.
Herbert Peiler (HNA-Sportredaktion,
22.10.1979) |