| Schwache
Nerven? – Horch-Elfmeter an die Latte!
Fassungslose Fans, deprimierte
KSV-Spieler, ein Jubelndes Gast-Knäuel
- es war der schwärzeste Tag der Saison
im Auestadion. Nur vier Chancen besaßen
die Griesheimer: zwei vor, zwei nach Halbzeit.
Daraus machten sie zwei Tore - das letzte
schon in der dreiminütigen Nachspielzeit:
Der Ex-Bürstädter Schmiedl überlief
Hofmann, lenkte an Siewert vorbei den Ball
ins Netz...
Genau wie im letzten Heimspiel
(gegen Gießen) ging der Gast in Führung.
Doch die Parallele zum guten Ende setzte sich
nicht fort. Trotz des Einsatzes von vier,
ja fünf Sturmspitzen von Anfang an (Zaczyk,
Kempa, Hampl, Frohnapfel, Nebe) fand niemand
das Rezept, die stabile Griesheimer Dekkung
um den hervorragenden Torhüter Steinmetz
mit spielerischen Mitteln aufzureißen.
Als man es mit Kampf, mit der Brechstange
versuchte, sprang als einzige Ausbeute das
Ausgleichstor durch Helmut Hampl heraus. Es
war die beste Tat des KSV-Torjägers,
der im übrigen im Schatten des hervorragenden
Vorstoppers Lachmann stand.
Sechs Minuten zuvor schien
der Tiefpunkt erreicht: Lachmanns Foul an
Hampl ahndete der Schieds-richter trotz Griesheimer
Proteste mit einem Elfmeter. Walter Horch
schoß - an die Latte! Niemand war da,
der sich an diesem Tag an der Routine und
Präzision von Klaus Zaczyk aufrichtete.
Nervenschwäche heißt das KSV-Problem.
Vom Erfolgszwang gebeutelt, von einem ungeduldigen
Publikum umgeben, fehlt - wie es Trainer Rudi
Kröner ausdrückte - einigen Spielern
die geistige Frische. Leistungsträger,
die noch vor wenigen Wochen großer Rückhalt
und Motor waren, entwickeln plötzlich
wenig Zielstrebigkeit und Spielwitz. Kröner:
„Es scheint, daß innerhalb der
Elf etwas nicht mehr stimmt. Ich muß
das herausfinden." Daß die Mannschaft
möglicherweise übertrainiert sei,
bestreitet Kröner. Der Trainingsrhythmus
sei zwar umgestellt, dabei jedoch eher weniger
trainiert worden.
Horst Henke (HNA-Sportredaktion) |