Verkrampft
und verängstigt
Vom glückseligen Traum
des Platzes an der Sonne stürzte der
KSV Hessen in einen tiefen Alptraum, aus dem
es ein böses Erwachsen gab. Anstelle
von Selbstsicherheit, mit der die Kröner-Truppe
bisher auftrumpfte, traten in Hanau Schüchternheit
im Angriff, Schwächen im Mittelfeld und
Schusseligkeit in der Abwehr.
Verkrampft, verlegen und
verängstigt waren daher die Attribute
der mäßigen KSV-Vorstellung, die
zu der klaren Niederlage führten. Es
gab an diesem Tage aber auch nichts, was die
Spitzenposition rechtfertigte. Nach der spielerischen
Linie hielten die etwa 500 mitgereisten Fans
vergeblich Ausschau.
Das mag vielleicht daran
gelegen haben, daß die keinesfalls zimperlich
auftretenden Hanauer mit ihrer aggresiven
Gereiztheit und ihren bissigen Tacklings den
viel zu „braven” KSVern von vornherein
jeglichen Schneid abkauften.
Allen drei Treffern gingen
haarsträubende Abwehr- beziehungsweise
Abspielfehler voraus. Den Knock-out versetzte
sich der KSV Sekunden vor dem Halbzeitpfiff
selbst, als sich Damerau und Kempa im Mittelfeld
nicht einig wurden, der überragende Genz
daraus Kapital schlug und das vorentscheidende
2:0 markierte.
Solange sich die Sturmspitzen
Zaczyk Hampl und Frohnapfel (später auch
Alder und Nebe) die Bälle im Mittelfeld
selbst erkämpfen müssen, hat ein
abwehrstarker Gegner - wie diesmal Hanau -
leichtes Spiel. Darüber hinaus schien
Hampl an seinem 29. Geburtstag die Schußstiefel
zu Hause gelassen zu haben.
Was allein beeindruckte
waren der große Einsatz des kleinen
Hofmann und das stete Bemühen Kotts um
einen konstruktiven Spielaufbau.
"Ein 0:3 bei einem
Zweitliga-Absteiger ist beileibe kein Beinbruch",
versuchte Rudi Kröner sich selbst und
die Mannschaft zu trösten. Hanaus Trainer
Gyula Toth war derart glücklich über
den Sieg gegen seine ehemaligen Schützlinge,
daß er beim Schlußpfiff Purzelbäume
auf dem Rasen schlug.
Günter Grabs (HNA-Sportredaktion) |