Mit
Klappmesser-Taktik zu tödlichen Kontern
angesetzt
Im Glutofen der Aschaffenburger
Schönbusch-Arena trat der KSV Hessen
cool bis in die Zehenspitzen auf. Wie kaltschnäuzige
Box-Profis, die einen heißblütig-ungestüm
angreifenden Gegner „auflaufen”
lassen, um dann tödliche Konter anzusetzen,
gingen die Hessen ans Werk. Der 3:0-Sieg entspricht
somit haargenau dem Kräfteverhältnis.
Die Schützlinge von
Trainer Rudi Kröner operierten höchst
rationell. Hinter den beiden Sturmspitzen
Hampl (eine Augenweide sein Ballgefühl!)
und Alder/Nebe lullte der Rest im gesicherten
Mittelfeld durch präzises Zuspiel den
Gegner regelrecht ein. Bis plötzlich
zwei, drei, manchmal auch vier KSVer ihre
Positionen verließen - Horch, Hofmann.
Hüter und Sturm taten dies äußerst
routiniert - um sich mit in den Angriff einzuschalten.
Dieser Überfall war
geschickt vorbereitet. Er erfolgte immer erst
dann, wenn sich Frohnapfel, Kempa, Kott oder
Zaczyk freigelaufen hatten und risikolos angespielt
werden konnten. Diese Klappmesser-Taktik ermöglichte
größte Überrumpelungseffekte
bei hohen eigenen Sicherheitsreserven.
Daß das KSV-Tor dennoch
einige Male in Gefahr geriet, lag mehr an
der aufreizend lässigen Art der Abwehr
als an der Durchschlagskraft des gegnerischen
Angriffs. Hier setzte auch Rudi Kröner
seine Kritik an: „Die Hintermannschaft
muß noch viel konzentrierter spielen.”
Im gleichen Atemzug drängte der KSV-Coach
auch Aschaffenburger Vorschußlorbeeren
(„Das ist der kommende Meister")
ent-schieden zurück: „Und wenn
es heute ein 5:0 gegeben hätte und wir
morgen 8:0 gewinnen - ich sorge dafür,
daß keinerlei Euphorie aufkommt.”
Kaum ansprechbar schien
Manfred Brunner. Auf den Einwand, daß
mit diesem Viktoria-Angriff kein Blumentopf
zu gewinnen sei, reagierte Aschaffenburgs
Trainer gekränkt: „Was wollen Sie
eigentlich? Meine junge Elf gehört überhaupt
nicht an die Spitze.” Ein „schöner”
Trainer, der sein Team nicht gern vorn sieht...
!
Der fast dezenten, teilweise
aber profihaften Vorstellung des KSV mangelte
es nicht an glanzvollem Fluidum. Da ist in
erster Linie Hampls hohe Spielkunst zu nennen,
der nach famoser Vorarbeit von Frohnapfel
und Kempa zwei sehenswerte Treffer selbst
erzielte und Wegbereiter zu Kotts herrlichem
2:0 war. Dieser Kott bot aufgrund seiner wiedergewonnenen
Kraft eine prächtige Partie im Mittelfeld.
Und schließlich stach auch die sachliche
Arbeit von Torhüter Siewert hervor, der
sich als ruhender Pol hinter einer manchmal
zu verspielt wirkenden Abwehr erwies.
Günter Grabs (HNA-Sportredaktion) |