16
000 sahen Sieg der Hessen gegen Baunatal im
Derby
Ein wenig glücklich,
aber nicht unverdient gewann der KSV Hessen
am Samstag im Auestadion das mit Spannung
erwartete Nordhessen-Derby gegen den „Vornamens-Vetter”
KSV Baunatal vor 16 000 Zuschauern mit 2:1
(1:1) und feierte damit im fünften Anlauf
endlich den ersten Punktspielerfolg über
den Erzwidersacher. Da sich Hanau 93 mit 3:0
gegen TuSpo Ziegenhain durchsetzte —
ein achtbares Ergebnis für den Neuling
— liegen die 93er mit 4:0 Punkten aufgrund
der besseren Tordifferenz vor den Hessen.
Bergshausen schlug Hochstadt mit 3:0 und liegt
mit 3:1 Punkten „in Lauerstellung”
hinter den führenden Mannschaften. Olympia
Kassel machte mit dem 2:1-Sieg in Gießen
die beste Reklame für das Lokalderby
gegen den KSV Hessen, das am Mittwochabend
um 18 Uhr an der Leuschner-straße stattfindet.
Im Auestadion ging es nicht
um den Schönheitspreis, es ging um wertvolle
Punkte und um das Prestige, so sehr auch vor
und nach dem Spiel von Baunataler Seite betont
wurde, dies sei „ein Spiel von 34”.
So sahen die 16 000 ein kampfbetontes, streckenweise
hektisches Spiel mit erbittert geführten
Zweikämpfen, das anfangs und zwischen
der 70. und 85. Minute die routinierte Baunataler
Mannschaft, gegen Ende der ersten Halbzeit
und nach Wiederbeginn die Hessen leicht im
Vorteil sah. Jeder hätte gewinnen können,
die Glücksgöttin lächelte diesmal
den Hessen zu und glich damit deren Handicap
aus, mit dem in Hochstadt verletzten Vorstopper
Damerau und dem seit Wochen an einer Achillessehnenreizung
leidenden Gerd Grau zwei wertvolle Stützen
ersetzen zu müssen.
Daß in der umgebauten
Hessen-Abwehr Horch seine sonstige Übersicht
und Abgeklärtheit vermissen ließ,
war für die Hintermannschaft genau so
beunruhigend wie die Nervosität, die
ein sonst so routinierter Mann wie Grawunder
auf der anderen Seite verbreitete.
Beim 0:1 in der 26. Minute
übersah die in der Mauer versammelte
Mannschaft der Hessen, daß sich kurz
vor der Ausführung eines Freistoßes
Prantschke in den freien Raum an der rechten
Seite pirschte. Prompt kam der Paß,
prompt folgte der Torschuß! Als wenig
später Alder von Torwart Schüler
zu Fall gebracht wurde und Schiedsrichter
Kost auf Strafstoß entschied (eine ähnliche
Situation mit Siewert/Reinbold blieb später
ohne Folgen!), trat der 18jährige „Benjamin”
der Hessen, Hofmann, zur „Exekution”
an, nachdem er vor einer Woche in Hochstadt
den Mut hatte, den spielentscheidenden Strafstoß
kurz vor Schluß zum 1:0-Sieg zu schießen.
Diesmal ging sein Schuß „in die
Wolken”, was fast buchstäblich
zu verstehen ist!
Nachdem Schüler mit
prächtiger Parade einen wunderschönen
Volleyschuß von Kott pariert und Rudi
Kröner seine Mannschaft mit der Hereinnahme
von Frohnapfel für Schneider umformiert
hatte (Hofmann rechter Verteidiger, Sturm
Vorstopper, Frohnapfel Mittelfeld), kam die
Wende: „Joker” Frohnapfel mit
der Nummer 13 nutzte nach einer Hereingabe
von Kempa, die Hampl mit der Brust gestoppt
hatte, einen Moment der Unentschlossenheit
in der Baunataler Abwehr mit einem Schuß
zum 1:1 und eröffnete die zweite Halbzeit
mit einem Kopfball an den Pfosten, nachdem
Kempa den von Zaczyk vorgelegten Ball präzise
vor das Tor geflankt hatte. Obwohl nun die
Hessen „am Drücker” waren,
fehlte es auch für die Gäste nicht
an Chancen, deren beste Bachmann, frei vor
Siewert verpatzte. Und „Gustav”
Ganz traf nur die Oberkante der Latte.
In der nun hektischer werdenden
Partie sahen Ganz, Reichel und Schüler
die gelbe Karte, Ganz mußte von der
64. - 74. Minute zuschauen, wie Alder, der
nach dem raffinierten Freistoßtor von
Hampl (85.) das Leder nach dem Motto „Zeit
ist Geld” auf die Tribüne feuerte.
Norbert Wagner versuchte,
seinem Baunataler Angriff mit der Hereinnahme
zweier frischer Spieler für die erlahmten
Flügel neuen Schwung zu verleihen, vergebens.
Rudi Kröner, der mit Frohnapfel, Kott
und Alder drei angeschlagene Spieler auf dem
Feld hatte, „überhörte”
deshalb die Chöre, die das Einwechseln
von Nebe und Grau forderten, bis zur 83. Minute
und schickte dann für den total erschöpften
Kempa den Ex-Zwehrener auf das Feld.
Schiedsrichter Kost war,
wie die 26 Aktiven, gewiß nicht ohne
Fehler, doch leitete er so energisch, daß
er die Partie nie aus dem Griff verlor.
Herbert Peiler (HNA-Sportredaktion) |