Der Zukunft wegen
ab nach Kassel
Als bekannt wurde, der
KSV Hessen Kassel werde sich durch Klaus
Zaczyk (Hamburger SV) und Gerd Grau (Hertha
BSC) verstärken, herrschte Freude
hier, Skepsis dort. Die Skeptiker erinnerten
an den SV Wiesbaden, der sich einst mit
„Bubi” Hönig und Bernd
Rupp wohl auch einen steileren Erfolgsweg
ausgerechnet hatte. Das Wort vom „abgetakelten
Bundesligaspieler”, der im Amateurlager
sein „Gnadenbrot” bekomme,
machte die Runde.
Dem widerspricht man
bei Hessen Kassel ganz energisch. „Grau
und Zaczyk wollen hier keine Altersrente
beziehen”, betont KSV-Trainer Gyula
Toth. Tatsächlich haben die bisherigen
Vor-bereitungsspiele gezeigt, daß
Ehrgeiz, Einsatzfreude vorhanden und die
Routine dieser beiden überaus wertvoll
für die Mannschaft ist.
Grau und Zaczyk sind
sozusagen der Antriebsmotor für das
KSV-Gefährt, das die Ziellinie „2.
Bundesliga” diesmal erreichen will.
Die junge Mannschaft (Durchschnittsalter
23,5 Jahre) blieb bis auf eine Ausnahme
(Torhüter Guth) beisammen. Ihr fehlten
bisher die „Korsettstangen”.
Sie fand man in Grau und Zaczyk.
„Wer
wie Klaus Zaczyk neun Jahre treu dem Hamburger
SV gedient hat, dem legen wir keinen Stein
in den Weg. Sie bekommen einen sehr guten
Mann”, betonte HSV-Manager Günter
Netzer vor dem Vereinswechsel. Zaczyk,
dessen Weg beim VfL Marburg begann, bringt
die Erfahrung von 400 Bundesligaspielen
mit.
Die Rückkehr von
Gerd Grau wurde in Kassel besonders herzlich
begrüßt. Der Junge aus Homberg/Efze
spielte schon erfolgreich beim KSV Hessen,
ehe er 1972 zusammen mit Holger Brück
zu Hertha BSC wechselte - ein „Verkauf”,
der dem KSV Hessen damals einige Vorwürfe
eintrug.
Was lockt Bundesligaspieler,
zu einem Amateur-Oberligisten zu wechseln?
Grau (30) und Zaczyk (33) sind sich einig:
„Die berufliche Zukunftsicherung!”
Klaus Zaczyk wird von einer heimischen
Ver-sicherungsgesellschaft zum Versicherungskaufmann
ausgebildet und übernimmt eine Generalagentur.
Er zieht in wenigen Tagen nach Lohfelden
bei Kassel um. Grau wird ein Toto-Lotto-Geschäft
übernehmen und macht gegenwärtig
die KSV-Stadionzeitung. Er wohnt in Guxhagen
(Schwalm-Eder-Kreis) .
Sportlich fühlen
sich beide verpflichtet, auf das erwähnte
Ziel hinzuarbeiten. Dabei wurde bereits
sichtbar, wie sehr die Mannschaft von
der Routine Zaczyks (Mittelfeld) und dem
nach wie vor enormen Laufpensum Graus
(Angriff) profitiert. Trainer Toth: „Beide
haben als jahrelange Profis die richtige
Einstellung zu ihrem Sport.”
H. Henke (Kicker, Saison
1978/79)