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Hessenliga, Saison 1977/78, Testspiel
 

KSV Hessen Kassel - Hertha BSC Berlin

3:5 (0:2)

Mittwoch, 12.04.1978
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
Hertha BSC Berlin
Norbert Nigbur (46. Manfred Werner)
Bernd Hüter (46. Schmidt)
Jürgen Diefenbach
Uwe Kliemann
Hans Weiner
Dieter Nüssing (46. Wolfgang Sidka)
Dietmar Krämer
Ole Rasmussen
Erwin Albert (46. Karl-Heinz Granitza)
Jörgen Kristensen
Trainer: Gyula Toth
Trainer: Kuno Klötzer
Spielstatistik
Tore: 0:1 Brück (23., Foulelfmeter), 0:2 Grau (40.), 0:3 Granitza (46.), 1:3 Wagner (51.), 2:3 Rohatsch (52.), 3:3 Wagner (58.), 3:4 Sidka (83.), 3:5 Brück (88.) - Schiedsrichter: Hellwig (Niestetal) - Zuschauer: 3.000
Spielbericht

Tanz mit der Dame Hertha

Auch Fußball-Bundesliqisten kochen - zumindest in Freundschaftsbegegnungen - nur mit Wasser. Diese Erfahrung machte die Elf des KSV Hessen. Als sie ihren Respekt vor Hertha BSC Berlin abgelegt, als sie aus einem 0:3-Rückstand binnen acht Minuten ein 3:3 gemacht hatte, da gab es Beifall der knapp 3 000 Zuschauer auf offener Szene. Und wenn die Berliner auch am Schluß mit 5:3 (2:0) gewannen: Die Kasseler Elf hatte wieder einmal - wie schon gegen den Hamburger SV - als Außenseiter mit einem großen Gegner mitgehalten.

Begonnen hatte es wie erwartet: Eine kraftvoll, lauffreudig aufspielende Berliner Elf, in der Trickreichtum und Antrittsschnelligkeit des Dänen Jörgen Kristensen ebenso ins Auge stachen wie die Schußfreude des 22jährigen Dieter Krämer und das bewegliche Mittelstürmerspiel des langen Ex-Haßfurters Erwin Albert.

Natürlich besonders im Blickpunkt: die beiden Ex-Kasseler. Holger Brück - zweifacher Torschütze - bestach mit einer an Sachlichkeit nicht zu überbietenden Libero-Partie. Gerhard Grau, der wiederkehrende „verlorene Sohn”, ist nach wie vor ein durch seine Schnelligkeit gefährlicher Flügelstürmer, rechts wie links. Daß beide die ersten Berliner Tore schossen, sah man auf den Rängen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Nach Halbzeit, als sich Granitza - bei seiner ersten Ballberührung - mit dem Tor zum 0:3 hervorragend einführte, dann jedoch bald von Dippoldsmann „an die Kette genommen” wurde, brachte die Einwechslung von Sidka für den etwas behäbigen Nüssing erst im Berliner Endspurt die weiteren Tore.

Dazwischen aber lag die große Zeit der Kasseler Elf, von der Hertha-Trainer Kuno Klötzer - diesmal auf der Ehrentribüne sitzend - meinte: „Die Hessen haben wieder eine gute Elf beisammen. Besonders beeindruckt haben mich die Nummer 7 (Rohatsch, mit dem der ins B-Aufgebot gerufene Hans Weiner einige Mühe hatte) und die Nummer 9 (Wagner).

Holger Brück staunte über die Kasseler Spieler: „Rennen können sie! Wenn da jetzt auch noch ein Kopf in die Mannschaft kommt, ist sie sicher noch stärker!”

Streng genommen gab es keinen schwachen Punkt. Das Angriffstrio Rohatsch-Wagner-Stary setzte sich gegen eine solch routinierte Abwehr erstaunlich gut in Szene. Stärkster Mannschaftsteil aber war das Mittelfeld, mit einer Laufleistung, die Rasmussen-Nüssing-Sidka-Krämer nicht übertreffen konnten. Toth lobte Kempa, aber Lichte war nicht schwächer. Stöhr wurde nach Halbzeit (als Verteidiger) noch stärker. Die taktische Maßnahme, Bernd Sturm nach Halbzeit als „Prellbock” in den Lauf zu stellen und dem 18jährigen A-Jugendlichen Ralph Schmidt den Liberoposten zu überlassen, wirkte sich überraschend positiv aus.

In der Abwehr, in der Arthur Schneider mit Kristensen am meisten Arbeit hatte und Bernd Hüter (gegen Grau) verletzt ausschied, gab es nur dann Schwierigkeiten, wenn die Berliner ihre größere Physis mit schnellem, direktem Spiel einsetzten - wie im Endspurt.

Horst Henke (HNA-Sportredaktion, 13.04.1978)