Besonders
hell war es nicht
Flutlicht
im Kasseler Auestadion. Als diese Meldung
Anfang Januar 1973 vom KSV Hessen zugeschickt
wurde, wollte es zunächst niemand glauben.
Auch unsere Zeitung nicht. Die gab zu, auf
den ersten Blick an einen verspäteten
Silvesterscherz gedacht zu haben. Eine Nachfrage
damals ergab dann aber, dass alles stimmte.
Dass also der damalige Zweitligist KSV am
Mittwoch, den 10. Januar 1973, ein Testspiel
gegen Borussia Dortmund im Auestadion unter
Flutlicht austragen wird.
"Wie
wollen die das machen?", dürften
sich viele Zeitgenossen gefragt haben. Denn
Flutlichtanlagen kannte man damals nur aus
den Bundesligastadien. Des Rätsels
Lösung: Eine mobile Anlage, aufgestellt
von der Kasseler Firma Polyma (heute Polyma
Energiesysteme GmbH, 60 Mitarbeiter), sollte
es richten. Das Unternehmen wollte seine
mobile Anlage, die in den 60er-Jahren entwickelt
worden war, testen. Von wem das erste Signal
ausgegangen war, vom KSV oder Polyma, lässt
sich nicht mehr feststellen.
Die Anlage bestand aus
sechs neun Meter hohen Lichtmasten mit je
neun Scheinwerfern, die das Spielfeld beleuchteten.
Für die nötige Energie sorgten
Maschinensätze, die mit Diesel betrieben
wurden. Die mittlere Leuchtkraft auf dem
Feld: 70 Lux (zum Vergleich: Die jetzt fest
installierte Anlage im Auestadion verfügt
über 800 Lux. Eine normale Straßenlaterne
bringt etwa 10 Lux).
So richtig hell war es
damals an einem lausig kalten Mittwochabend
vor über 35 Jahren also nicht. Den
Zuschauern und auch den Spielern sollte
es dennoch reichen. Adi Schade (heute 63),
der damals im KSV-Trikot mit dabei war:
"Es war nicht besonders hell. Der Ball
war aber immer erkennbar. Für uns Spieler
auf dem Platz gab es also keine größeren
Probleme." Auch von Beschwerden der
Zuschauer wurde nichts bekannt. Ebenfalls
zufrieden war HNA-Sportreporter Horst Henke.
Er monierte zwar das "relativ niedrige
Flutlicht", lobte aber die besondere
Atmosphäre. "Das macht Laune."
4000 Fans waren ins Auestadion gekommen.
Sie erhielten vom KSV kostenlos Regenumhänge.
Eingeladen waren außerdem die Stadtväter
und die Mitglieder des Förderkreises.
Denn die Löwen hatten schon damals
insgeheim auf den Bau einer stabilen Flutlichtanlage
gehofft.
Das Spiel gewannen die
Löwen übrigens mit 3:2. Das war
nicht wirklich überraschend, denn auch
Dortmund war im Frühjahr 1973 nur ein
Zweitligist. Die Tore schossen Habedank
und zweimal Hansmann für den KSV. Für
Dortmund waren Bertl und Wilhelm erfolgreich.
Uli Brehme
(HNA-Sportredaktion, 28.04.2008)