KSV
beim 0:7 in Hof vor der Pause glatt überrumpelt
In der
Hofer "Grünen Au" verging
dem KSV Hessen am ersten Spieltag der Regionalliga
Süd Hören und Sehen. Mit 7:0 (6:0)
wurden die Kasseler regelrecht überfahren.
Dieses 0:7 bedeutet gleichzeitig die dritthöchste
Niederlage in der Vereinsgeschichte. Nur
gegen den 1. FC Nürnberg (0:9) und
beim VfL Neustadt (0:8) wurde noch klarer
verloren. Die Hessen, die Alfred Resenberg
und Adi Schade ersetzen mußten, traf
noch ein weiterer Keulenhieb. Gerd Grau
erlitt nach einem Foulspiel einen Sehnenanriß
des rechten Arms und schied zwanzig Minuten
vor Schluß aus. Der Arm von Grau wurde
in Gips gelegt.
Diese ersten 45 Minuten
in Hof, wo der KSV im vergangenen Jahr noch
mit 3:1 gewann, werden die Löwenträger
so schnell wie möglich vergessen wollen.
Schon am nächsten Sonntag gegen Jahn
Regensburg will die Mannschaft den schwarzen
Samstag von Hof einigermaßen wettmachen.
KSV-Trainer Hans-Wilhelm Lossmann muß
in dieser Woche in erster Linie moralische
Aufrüstung betreiben.
Die Hofer spielten vom
Anpfiff an wie entfesselt und führten
bereits nach neun Minuten mit 3:0, nach
zwanzig Minuten mit 4:0. nach 45 Minuten
mit 6:0! Zu diesem Zeitpunkt drohte sogar
eine zweistellige KSV-Niederlage. Schon
in der zweiten Minute wurde die KSV-Abwehr
nach einem völlig überflüssigen
Foulspiel von Rabeneck überrascht.
Den fälligen Hofer Freistoß,
den der von Probandt nicht zu bremsende
Breuer vor das Tor schoß, wuchtete
Stark mit Kopfball zum 1:0 ein. Nach diesem
ersten Schlag schalteten die Hessen auf
Offensive um, wurden aber eiskalt gekontert.
Nach dem 2:0 durch Zapf
in der neunten Minute ging die Linie in
den hinteren Reihen vollkommen verloren.
Während sich die Hofer in einen wahren
Rausch hineinsteigerten, wußte in
der KSV-Abwehr kein Spieler mehr, wen er
zu decken hatte. Das 2:0 wirkte wie eine
Lähmung. Nur schlecht oder zu spät
wurden die Oberfranken angegriffen. Zapf
hatte keine Mühe, um schon in der neunten
Minute nach einem Sololauf durch die KSV-Hintermannschaft
Torhüter Burose das drittemal zu bezwingen.
Nach dem 0:4 kam
Birkhölzer
Kein Wunder, daß
auch Torhüter Burose, der völlig
kalt erwischt wurde, ein schwerwiegender
Fehler unterlief. Beim 4:0 durch Breuers
Kopfball kam der KSV-Torhüter nicht
aus seinem Tor heraus. Nach dem vierten
Hofer Paukenschlag übernahm Rolf Birkhölzer
diese undankbare Torhüter-Aufgabe.
Birkhölzer stand keine vier Minuten
im Gehäuse, da hatte es auch bei ihm
schon eingeschlagen. Gegen den Drehschuß
des überragenden Ex-Nürnbergers
Schuster, der im Mittelfeld Regie führte,
war kein Kraut gewachsen.
Während die Hessen
wie versteinert wirkten, Fehler über
Fehler begingen und den Hofern kaum noch
Widerstand leisteten, gelangen den Oberfranken
die größten Kabinettsstückchen.
Das 6:0 durch Brauer war wie aus dem Lehrbuch
entnommen. Geschickt hob der Hofer Torjäger
den Ball über den herausstürzenden
Birkhölzer, lief um den KSV-Schlußmann
herum und nickte den herunterfallenden Ball
zum 6:0 ins Netz.
Fast jeder Schuß
ein Volltreffer
Weder Burose noch Birkhölzer
hatten in der ersten Halbzeit irgendeine
Gelegenheit, um sich auszuzeichnen. Fast
jeder Schuß auf das Tor war ein Volltreffer.
Der KSV war sogar noch gut bedient, denn
Stark und Schuster trafen außerdem
noch Pfosten und Latte. Nur selten konnten
sich die Kasseler aus der Umklammerung freimachen
so sehr sich Kapitän Habedank und Weiland
auch um Linie bemühte. An diesem Tag
ging einfach alles schief! Die wenigen Schüsse
auf das Hofer Tor bereiteten Ersatztorhüter
Franz überhaupt keine Schwierigkeiten.
Die einzige reelle Torchance
in der ersten Halbzeit besaß Maciossek,
der in der 40. Minute eine Flanke von Grau
zwei Meter vor dem Tor verfehlte. Nach der
Pause konnten sich die Hofer es leisten,
einen Gang zurückzuschalten. Bei 30
Grad im Schatten blieben die Platzherren
aber bis zum Schluß die tonangebende
Mannschaft. Die letzten zwanzig Minuten
mußten die Hessen mit zehn Spielern
durchstehen, nachdem Grau ausgeschieden
war und im Krankenhaus behandelt werden
mußte. Kurz vor dem Schlußpfiff
gelang Breuer der siebente Hofer Streich.
Vom Angriff der Nordhessen war auch in den
zweiten 45 Minuten weit und breit nichts
zu sehen. Außer einem Pfostenschuß
von Weiland brachten die Hessen nichts Bemerkenswertes
zustande.
Lossmann: Nichts
zu entschuldigen
KSV-Trainer Hans-Wilhelm
Lossmann: "Es gibt einfach nichts zu
entschuldigen. Wir wurden einfach kalt erwischt
und gingen dann restlos unter. Mit Resenberg
fehlte uns ein kopfballstarker Mann, der
vielleicht manche Lücke geschlossen
hätte. Nach dem frühzeitigen hohen
Rückstand war von einem normalen Spielverlauf
keine Rede mehr. Jetzt muß erst einmal
die Moral wieder aufgerichtet werden."
Nach den guten Leistungen im Freundschaftsspiel
gegen den Bundesliga-Neuling VfL Bochum
kam dieses 0:7 wie ein Blitz aus heiterem
Himmel. Aber welche Mannschaft hat nicht
einmal einen Tag, an dem nichts gelingen
will? Wir sind sicher, daß die Hessen
diesen Fehlstart überwinden. Dazu brauchen
sie in erster Linie die Unterstützung
des Publikums. Hoffen wir, daß Grau,
Resenberg und Schade bis zum nächsten
Sonntag wieder einsatzfähig sind.
- (HNA-Sportredaktion,
16.08.1971)