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Regionalliga Süd, Saison 1971/72, 1. Spieltag

FC Bayern Hof - KSV Hessen Kassel

7:0 (6:0)

Samstag, 14.08.1971
Stadion Grüne Au Hof

FC Bayern Hof
KSV Hessen Kassel
Reinhard Franz
Dieter Peterzelka
Peter Rompza
Gisbert Eser
Siegfried Seifert
Siegfried Sieber
Siegfried Stark (73. Schönauer)
Ludwig Schuster
Wolfgang Breuer
Karl-Heinz Zapf (83. Rudolf Fichtner)
Reinhard Lippert
Trainer: Herbert Wenz
Spielstatistik
Tore: 1:0 Stark (2.), 2:0 Zapf (7.), 3:0 Zapf (9.), 4:0 Breuer (20.), 5:0 Schuster (24.), 6:0 Breuer (45.), 7:0 Breuer (89.) - Schiedsrichter: Haselberger (Reutlingen) - Zuschauer: 6.000
Spielbericht

KSV beim 0:7 in Hof vor der Pause glatt überrumpelt

In der Hofer "Grünen Au" verging dem KSV Hessen am ersten Spieltag der Regionalliga Süd Hören und Sehen. Mit 7:0 (6:0) wurden die Kasseler regelrecht überfahren. Dieses 0:7 bedeutet gleichzeitig die dritthöchste Niederlage in der Vereinsgeschichte. Nur gegen den 1. FC Nürnberg (0:9) und beim VfL Neustadt (0:8) wurde noch klarer verloren. Die Hessen, die Alfred Resenberg und Adi Schade ersetzen mußten, traf noch ein weiterer Keulenhieb. Gerd Grau erlitt nach einem Foulspiel einen Sehnenanriß des rechten Arms und schied zwanzig Minuten vor Schluß aus. Der Arm von Grau wurde in Gips gelegt.

Diese ersten 45 Minuten in Hof, wo der KSV im vergangenen Jahr noch mit 3:1 gewann, werden die Löwenträger so schnell wie möglich vergessen wollen. Schon am nächsten Sonntag gegen Jahn Regensburg will die Mannschaft den schwarzen Samstag von Hof einigermaßen wettmachen. KSV-Trainer Hans-Wilhelm Lossmann muß in dieser Woche in erster Linie moralische Aufrüstung betreiben.

Die Hofer spielten vom Anpfiff an wie entfesselt und führten bereits nach neun Minuten mit 3:0, nach zwanzig Minuten mit 4:0. nach 45 Minuten mit 6:0! Zu diesem Zeitpunkt drohte sogar eine zweistellige KSV-Niederlage. Schon in der zweiten Minute wurde die KSV-Abwehr nach einem völlig überflüssigen Foulspiel von Rabeneck überrascht. Den fälligen Hofer Freistoß, den der von Probandt nicht zu bremsende Breuer vor das Tor schoß, wuchtete Stark mit Kopfball zum 1:0 ein. Nach diesem ersten Schlag schalteten die Hessen auf Offensive um, wurden aber eiskalt gekontert.

Nach dem 2:0 durch Zapf in der neunten Minute ging die Linie in den hinteren Reihen vollkommen verloren. Während sich die Hofer in einen wahren Rausch hineinsteigerten, wußte in der KSV-Abwehr kein Spieler mehr, wen er zu decken hatte. Das 2:0 wirkte wie eine Lähmung. Nur schlecht oder zu spät wurden die Oberfranken angegriffen. Zapf hatte keine Mühe, um schon in der neunten Minute nach einem Sololauf durch die KSV-Hintermannschaft Torhüter Burose das drittemal zu bezwingen.

Nach dem 0:4 kam Birkhölzer

Kein Wunder, daß auch Torhüter Burose, der völlig kalt erwischt wurde, ein schwerwiegender Fehler unterlief. Beim 4:0 durch Breuers Kopfball kam der KSV-Torhüter nicht aus seinem Tor heraus. Nach dem vierten Hofer Paukenschlag übernahm Rolf Birkhölzer diese undankbare Torhüter-Aufgabe. Birkhölzer stand keine vier Minuten im Gehäuse, da hatte es auch bei ihm schon eingeschlagen. Gegen den Drehschuß des überragenden Ex-Nürnbergers Schuster, der im Mittelfeld Regie führte, war kein Kraut gewachsen.

Während die Hessen wie versteinert wirkten, Fehler über Fehler begingen und den Hofern kaum noch Widerstand leisteten, gelangen den Oberfranken die größten Kabinettsstückchen. Das 6:0 durch Brauer war wie aus dem Lehrbuch entnommen. Geschickt hob der Hofer Torjäger den Ball über den herausstürzenden Birkhölzer, lief um den KSV-Schlußmann herum und nickte den herunterfallenden Ball zum 6:0 ins Netz.

Fast jeder Schuß ein Volltreffer

Weder Burose noch Birkhölzer hatten in der ersten Halbzeit irgendeine Gelegenheit, um sich auszuzeichnen. Fast jeder Schuß auf das Tor war ein Volltreffer. Der KSV war sogar noch gut bedient, denn Stark und Schuster trafen außerdem noch Pfosten und Latte. Nur selten konnten sich die Kasseler aus der Umklammerung freimachen so sehr sich Kapitän Habedank und Weiland auch um Linie bemühte. An diesem Tag ging einfach alles schief! Die wenigen Schüsse auf das Hofer Tor bereiteten Ersatztorhüter Franz überhaupt keine Schwierigkeiten.

Die einzige reelle Torchance in der ersten Halbzeit besaß Maciossek, der in der 40. Minute eine Flanke von Grau zwei Meter vor dem Tor verfehlte. Nach der Pause konnten sich die Hofer es leisten, einen Gang zurückzuschalten. Bei 30 Grad im Schatten blieben die Platzherren aber bis zum Schluß die tonangebende Mannschaft. Die letzten zwanzig Minuten mußten die Hessen mit zehn Spielern durchstehen, nachdem Grau ausgeschieden war und im Krankenhaus behandelt werden mußte. Kurz vor dem Schlußpfiff gelang Breuer der siebente Hofer Streich. Vom Angriff der Nordhessen war auch in den zweiten 45 Minuten weit und breit nichts zu sehen. Außer einem Pfostenschuß von Weiland brachten die Hessen nichts Bemerkenswertes zustande.

Lossmann: Nichts zu entschuldigen

KSV-Trainer Hans-Wilhelm Lossmann: "Es gibt einfach nichts zu entschuldigen. Wir wurden einfach kalt erwischt und gingen dann restlos unter. Mit Resenberg fehlte uns ein kopfballstarker Mann, der vielleicht manche Lücke geschlossen hätte. Nach dem frühzeitigen hohen Rückstand war von einem normalen Spielverlauf keine Rede mehr. Jetzt muß erst einmal die Moral wieder aufgerichtet werden."
Nach den guten Leistungen im Freundschaftsspiel gegen den Bundesliga-Neuling VfL Bochum kam dieses 0:7 wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Aber welche Mannschaft hat nicht einmal einen Tag, an dem nichts gelingen will? Wir sind sicher, daß die Hessen diesen Fehlstart überwinden. Dazu brauchen sie in erster Linie die Unterstützung des Publikums. Hoffen wir, daß Grau, Resenberg und Schade bis zum nächsten Sonntag wieder einsatzfähig sind.

- (HNA-Sportredaktion, 16.08.1971)