1:0-Führung
genügte KSV nicht zum Sieg
Es bleibt
dabei: Der KSV Hessen Kassel kann in Heilbronn
einfach nicht gewinnen. Das bewahrheitete
sich auch am Samstag auf dem eisigen Schneeboden
des städtischen Stadions am Neckar
wieder, wo es bei strahlendem Sonnenschein
gegen den VfR eine 2:3-Niederlage in der
dritten süddeutschen Pokalrunde gab.
Die Hessen trafen vor nur 3500 Zuschauern
auf eine einheimische Elf, die gewillt war,
endlich wieder eine Leistung zu bieten,
die das Prädikat „regionalligareif”
verdient.
Dabei sah
es zuerst keineswegs gut für die Schwaben
aus. Denn vom Anpfiff weg bot sich Kassel
eine Chance, die allerdings Verteidiger
Becker vereitelte, als er Maciossek in letzter
Sekunde vom Ball trennte. Das Duell Becker
gegen Maciossek sollte schließlich
spielentscheidend werden. Denn der Heilbronner
hatte den Kasseler Torjäger von der
15. Minute an jederzeit sicher im Griff.
Bis zu dieser Zeit allerdings versäumten
es die Schützlinge von Hans-Wilhelm
Loßmann, die Partie für sich
zu entscheiden, was durchaus möglich
gewesen wäre. Angriff auf Angriff rollte
vor das Heilbronner Tor, wo Libero Schmidt
und Rechtsverteidiger Ilic sich an Hilfslosigkeit
und Nervosität gegenseitig überboten.
In der achten Minute jagte Adler einen Freistoß
an der schlecht postierten Heilbronner Mauer
vorbei zum 0:1 ins Netz. Diese frühe
Führung gab Kassel noch mehr Auftrieb.
Wenn Kassel nach dem 0:1 auch noch ein zweites
Tor geschossen hätte, wäre das
Spiel sicher entschieden gewesen. So aber
brillierten die Hessen zwar mit ihrem weiträumigen
modernen Spiel, in dem vor allem Libero
Brück bestach, blieben aber vor dem
VfR-Strafraum ohne Wirkung.
Den Österreicher
Hohenwarter, Heilbronns besten Stürmer,
ließ man agieren wie er wollte. Ein
Gegenspieler für ihn schien gar nicht
zu existieren. So nahm das Unheil für
Kassel schließlich doch noch seinen
Lauf. In der 26. Minute fing Becker einen
Kasseler Vorstoß geschickt im Mittelfeld
ab, lief ungehindert bis zum Strafraumeck
und schickte eine hohe Flanke in den Strafraum,
die Hohenwarter ungedeckt per Kopf zum 1:1
verlängerte. Gegen diesen Kopfballtorpedo
a la Uwe Seeler war der ohnehin schwache
Torwart Birkhölzer machtlos.
Nun war
es vorbei mit der Kasseler Feldüberlegenheit.
Um jeden Ball und jeden Meter Boden kämpften
die Heilbronner. Zweimal hatten die Hessen
durch Maciossek noch eine Chance, die aber
Becker zunichte machte. Glück auch
für Heilbronn, daß Schiedsrichter
Kaufmann in der 41. Minute nicht auf den
Elfmeterpunkt zeigte, als Becker, Alber
und Ilic mit vereinten Kräften Künkel
im wahrsten Sinne des Wortes "zur Strecke
brachten". Auf der Gegenseite allerdings
war das Fußballglück in der 42.
nd 43. Minute gegen Heilbronn, als Hohenwarter
erst nur den Innenpfosten und dann die Oberkante
der Querlatte traf.
In den
zweiten 45 Minuten kurbelten der von Weiland
nicht zu bremsende Mayer und Hohenwarter
das Sturmspiel ihrer Elf an. Das spielerische
Übergewicht lag nun eindeutig auf seiten
der Gastgeber, obwohl Kassel nach wie vor
durch technisch gutes Spiel gefiel. In der
52. Minute ging für die Hessen das
Treffen dann endgültig verloren. Birkhölzer
klatschte einen 20-Meter-Freistoß
von Hohenwarter nur ab, anstatt zu fangen,
und Frey brauchte den Ball nur einzuschieben.
Verständlich, daß Trainer Loßmann
den enttäuschenden und als Gegenspieler
von Hagner wirkungslosen Adler gegen Martin
austauschte, ohne daß der neue Mann
allerdings noch das Kasseler Spiel hätte
herumreißen können. Als schließlich
Kassels bester Mann, Holger Brück,
mit nach vorne ging, um vielleicht doch
noch etwas zu retten, war der Weg frei für
die VfR-Generaloffensive. In der 67. Minute
setzte sich Hohenwarter zum wiederholten
Male gegen drei Kasseler durch, und Mayer
köpfte dessen Flanke zum 3:1 ein. Daß
es drei Minuten später nicht sogar
4:1 oder gar 5:1 hieß, hatte der KSV
nur dem Unvermögen von Griesbeck zu
verdanken, der beide Male den Ball nicht
an Birkhölzer vorbeibrachte.
In den
letzten 15 Minuten schaltete der VfR dann
auf Ergebnissicherung um, und die Kasseler
kamen etwas stärker auf. Als in der
88. Minute Becker im Strafraum den Ball
an Brück verlor und der im Doppelpaß
Künkel einsetzte, hatte Künkel
keine Mühe das Ergebnis mit dem 3:2
etwas freundlicher zu gestalten.
Alles
in allem stellte sich in Heilbronn eine
Kasseler Mannschaft vor, die auf dem schwierigen
Boden den technisch brillanteren und für
das Auge schöneren Fußball spielte,
sich aber gegen den erwachenden Kampfgeist
der Heilbronner schwer tat.
Sichtlich
bedrückt meinte Hessen-Trainer Loßmann
nach dem Spiel: "Wir versäumten
es, das spielentscheidende zweite Tor zu
schießen. Heilbronn war gegenüber
dem 0:6 bei uns wesentlich besser. Spielentscheidend
war für mich, daß Becker Maciossek
völlig ausschaltete und Birkhölzer
eine sehr schwache Leistung bot."
H. Frank
(HNA-Sportredaktion, 22.11.1971)