HOME
News
Regionalliga
Verbandsliga
Vereinsbilanz
Hall of Fame
Spielerarchiv
Trainerarchiv
Saisonarchiv
Auestadion
Hessenlöwe
LINKS
IMPRESSUM

<<< 2. Runde
Süddeutscher Pokal, Saison 1971/72, 3. Runde

VfR Heilbronn - KSV Hessen Kassel

3:2 (1:1)

Samstag, 20.11.1971
Städtisches Stadion Heilbronn

VfR Heilbronn
KSV Hessen Kassel
Karl-Heinz Seyffer
Stjepan Ilic
Klaus Schmidt
Günter Becker
Karl Alber
Karl Hagner
Martin Kübler
Hans Mayer
Erwin Hohenwarter
Karl-Heinz Frey
Harry Griesbeck
Trainer: Fred Hoffmann
Spielstatistik
Tore: 0:1 Adler (8.), 1:1 Mayer (26.), 2:1 Frey (52.), 3:1 Mayer (67.), 3:2 Künkel (88.) - Schiedsrichter: Kaufmann (Walldorf) - Zuschauer: 3.500
Spielbericht

1:0-Führung genügte KSV nicht zum Sieg

Es bleibt dabei: Der KSV Hessen Kassel kann in Heilbronn einfach nicht gewinnen. Das bewahrheitete sich auch am Samstag auf dem eisigen Schneeboden des städtischen Stadions am Neckar wieder, wo es bei strahlendem Sonnenschein gegen den VfR eine 2:3-Niederlage in der dritten süddeutschen Pokalrunde gab. Die Hessen trafen vor nur 3500 Zuschauern auf eine einheimische Elf, die gewillt war, endlich wieder eine Leistung zu bieten, die das Prädikat „regionalligareif” verdient.

Dabei sah es zuerst keineswegs gut für die Schwaben aus. Denn vom Anpfiff weg bot sich Kassel eine Chance, die allerdings Verteidiger Becker vereitelte, als er Maciossek in letzter Sekunde vom Ball trennte. Das Duell Becker gegen Maciossek sollte schließlich spielentscheidend werden. Denn der Heilbronner hatte den Kasseler Torjäger von der 15. Minute an jederzeit sicher im Griff. Bis zu dieser Zeit allerdings versäumten es die Schützlinge von Hans-Wilhelm Loßmann, die Partie für sich zu entscheiden, was durchaus möglich gewesen wäre. Angriff auf Angriff rollte vor das Heilbronner Tor, wo Libero Schmidt und Rechtsverteidiger Ilic sich an Hilfslosigkeit und Nervosität gegenseitig überboten. In der achten Minute jagte Adler einen Freistoß an der schlecht postierten Heilbronner Mauer vorbei zum 0:1 ins Netz. Diese frühe Führung gab Kassel noch mehr Auftrieb. Wenn Kassel nach dem 0:1 auch noch ein zweites Tor geschossen hätte, wäre das Spiel sicher entschieden gewesen. So aber brillierten die Hessen zwar mit ihrem weiträumigen modernen Spiel, in dem vor allem Libero Brück bestach, blieben aber vor dem VfR-Strafraum ohne Wirkung.

Den Österreicher Hohenwarter, Heilbronns besten Stürmer, ließ man agieren wie er wollte. Ein Gegenspieler für ihn schien gar nicht zu existieren. So nahm das Unheil für Kassel schließlich doch noch seinen Lauf. In der 26. Minute fing Becker einen Kasseler Vorstoß geschickt im Mittelfeld ab, lief ungehindert bis zum Strafraumeck und schickte eine hohe Flanke in den Strafraum, die Hohenwarter ungedeckt per Kopf zum 1:1 verlängerte. Gegen diesen Kopfballtorpedo a la Uwe Seeler war der ohnehin schwache Torwart Birkhölzer machtlos.

Nun war es vorbei mit der Kasseler Feldüberlegenheit. Um jeden Ball und jeden Meter Boden kämpften die Heilbronner. Zweimal hatten die Hessen durch Maciossek noch eine Chance, die aber Becker zunichte machte. Glück auch für Heilbronn, daß Schiedsrichter Kaufmann in der 41. Minute nicht auf den Elfmeterpunkt zeigte, als Becker, Alber und Ilic mit vereinten Kräften Künkel im wahrsten Sinne des Wortes "zur Strecke brachten". Auf der Gegenseite allerdings war das Fußballglück in der 42. nd 43. Minute gegen Heilbronn, als Hohenwarter erst nur den Innenpfosten und dann die Oberkante der Querlatte traf.

In den zweiten 45 Minuten kurbelten der von Weiland nicht zu bremsende Mayer und Hohenwarter das Sturmspiel ihrer Elf an. Das spielerische Übergewicht lag nun eindeutig auf seiten der Gastgeber, obwohl Kassel nach wie vor durch technisch gutes Spiel gefiel. In der 52. Minute ging für die Hessen das Treffen dann endgültig verloren. Birkhölzer klatschte einen 20-Meter-Freistoß von Hohenwarter nur ab, anstatt zu fangen, und Frey brauchte den Ball nur einzuschieben. Verständlich, daß Trainer Loßmann den enttäuschenden und als Gegenspieler von Hagner wirkungslosen Adler gegen Martin austauschte, ohne daß der neue Mann allerdings noch das Kasseler Spiel hätte herumreißen können. Als schließlich Kassels bester Mann, Holger Brück, mit nach vorne ging, um vielleicht doch noch etwas zu retten, war der Weg frei für die VfR-Generaloffensive. In der 67. Minute setzte sich Hohenwarter zum wiederholten Male gegen drei Kasseler durch, und Mayer köpfte dessen Flanke zum 3:1 ein. Daß es drei Minuten später nicht sogar 4:1 oder gar 5:1 hieß, hatte der KSV nur dem Unvermögen von Griesbeck zu verdanken, der beide Male den Ball nicht an Birkhölzer vorbeibrachte.

In den letzten 15 Minuten schaltete der VfR dann auf Ergebnissicherung um, und die Kasseler kamen etwas stärker auf. Als in der 88. Minute Becker im Strafraum den Ball an Brück verlor und der im Doppelpaß Künkel einsetzte, hatte Künkel keine Mühe das Ergebnis mit dem 3:2 etwas freundlicher zu gestalten.

Alles in allem stellte sich in Heilbronn eine Kasseler Mannschaft vor, die auf dem schwierigen Boden den technisch brillanteren und für das Auge schöneren Fußball spielte, sich aber gegen den erwachenden Kampfgeist der Heilbronner schwer tat.

Sichtlich bedrückt meinte Hessen-Trainer Loßmann nach dem Spiel: "Wir versäumten es, das spielentscheidende zweite Tor zu schießen. Heilbronn war gegenüber dem 0:6 bei uns wesentlich besser. Spielentscheidend war für mich, daß Becker Maciossek völlig ausschaltete und Birkhölzer eine sehr schwache Leistung bot."

H. Frank (HNA-Sportredaktion, 22.11.1971)