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Vertragsspieler als Fünfkämpfer

„Wir sind zufrieden, wenn wir in der kommenden Saison in der Tabelle nur einen Platz höher stehen”, wurde dem neuen Trainer des KSV Hessen Kassel, Hans-Wilhelm Loßmann, scherzhaft vom Vorstand bedeutet. Dieser „bescheidene” Wunsch würde für die starken Nordhessen die Teilnahme an der Bundesliga-Aufstiegsrunde bedeuten.

Doch zwischen Wunsch und Ziel liegt die harte Saison. Eine Saison, in der die KSV-Vertragsspieler nach dem Willen ihres Trainers frei von jeglichem Zwang, locker und konditionell noch stärker aufspielen sollen.

Wie das große Ziel erreicht werden soll, demonstrierten Trainer und Mannschaft vor 450 KSV-Fans im Aue-Stadion. Ob Abwehr- oder Angriffsspieler - alle sprinteten über 100 Meter, liefen 400 und 3000 Meter, stießen die Kugel und übten sich im Weitsprung - ein klassischer Fünfkampf also unter der Aufsicht eines Übungsleiters der KSV-Leichtathletikabteilung. Dies bedeutet allerdings nicht, daß Trainer Loßmann aus seinen Kikkern olympiareife „Bendlins” machen will. Vielmehr verfolgt er mit dem Fußballer-Fünfkampf mehrere Ziele:

1. Abwechslungsreiches Training.
2. Er will den Spielern Leistungsdaten geben, an denen sie sich orientieren können und die den Ehr-geiz wecken.
3. Der Härtetest soll über die Kondition Aufschluß geben.
4. Die KSV-Anhänger sollten ihre Regionalligisten „einmal anders” als „Leichtathleten” bewundern können (die Mannschaft wurde offiziell vorgestellt).

Alle Spieler standen den ungewöhnlichen Härtetest durch, keiner gab auf. „Mit diesem Geist wollen wir auch in die neue Saison gehen”, erklärte Loßmann. Von Ermüdungserscheinungen war nach dem Training schon nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, die Stimmung war blendend. Loßmann hatte sein Ziel erreicht.

Die Erkenntnisse, die der Trainer nach dem Fünfkampf gewonnen hat, lassen sich kurz zusammen-fassen: „Ich habe eine willige Mannschaft!” Falls noch nicht vorher geschehen, dann hat der Fünfkampf das Eis zwischen den Spielern und dem neuen Trainer wohl endgültig gebrochen.

Der KSV-Coach möchte jedoch unter allen Umständen klarstellen, daß trotz der leichtathletischen Einlage, die im übrigen auch einige psychologische Aspekte ins Spiel brachte, das Training am Ball im Vordergrund steht, zumal die Mannschaft in diesem Stadium bereits in guter konditioneller Verfassung ist. Der Fünfkampf-Test ist daher auch kein Maßstab für die Vergabe der Stammplätze. Kapitän Uwe Habedank ging übrigens - wie es sich gehört - mit gutem Beispiel voran: er gewann den Fünfkampf mit 2440 Punkten.

In einem Gespräch mit kickersportmagazin faßte Trainer Loßmann seine Vorstellungen kurz zusammen: „Ich will zunächst sehen, was aus der Mannschaft noch rauszuholen ist. Wir werden die Schnelligkeit - in jeder Beziehung - forcieren: schnellerer Antritt, schnelles Abspiel (Doppelpaß) und schnelleres Erfassen der Situation. Ich möchte mich nicht als besonders strenger Trainer bezeichnen lassen, auch wenn ich versuche, das Leistungs-Optimum aus der Mannschaft herauszuholen.

Gleich zu Anfang der Saison trifft der KSV auf die „dicksten Brokken”, und der Trainer arbeitet darauf hin, daß die Mannschaft schon früh in Hochform spielt. Denn wenn der Bann einmal gebrochen ist, „dann läuft es praktisch von allein”, meinte Loßmann. Im Spätherbst dieses Jahres will Kassels neuer Trainer mit seinen KSVlern den Leistungs- und Härtetest wiederholen. Gemeinsam mit der Mannschaft will er das Sportabzeichen erkämpfen. Loßmanns einzige Sorge: „Mit dem Schwimmen hapert's noch etwas bei uns.”

Werner Franke (Quelle unbekannt)