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Regionalliga Süd 1970/71, Testspiel
 

VfL Bad Wildungen - KSV Hessen Kassel

0:13 (0:4)

Sonntag, 11.10.1970
Bad Wildungen

VfL Bad Wildungen
KSV Hessen Kassel
Wörmsen
Hecker
Beyer (46. Hannig)
Landau (50. Michel)
Proll
Friedrichs
Weinreich
Blackert
Meise
Lieber
Aue
Trainer: Quadt
Spielstatistik
Tore: 0:1 Gerstner (10.), 0:2 Gerstner (25.), 0:3 Weiland (37.), 0:4 Adler (40.), 0:5 Beyer (52.), 0:6 Beyer (55.), 0:7 Radovic (60.), 0:8 Rabeneck (70.), 0:9 Gerstner (75.), 0:10 Radovic (85.), 0:11 Künkel (88.), 0:12 Martin (89.), 0:13 Gerstner (90.) - Schiedsrichter: Mann (Gellershausen) - Zuschauer: 800
Spielbericht

Feuer aus allen Rohren: 13:0 in Bad Wildungen

Die Handvoll KSV-Fans, die sich selbst das Freundschaftsspiel ihrer Mannschaft in Bad Wildungen, gegen den „Hoflieferanten” des Kasseler Klubs nicht entgehen lassen wollten, wurden mit reichem Torsegen belohnt. Mit Galgenhumor meinte einer der Wildunger Sekunden vor dem Schlußpfiff, nachdem Nummer 13 im Tor der Badestädter eingeschlagen hatte: Bei der Zahl braucht man nicht abergläubisch zu sein, um vorherzusagen, daß wir heute 'ne böse Packung beziehen!

Nun, diese Packung umhüllte einen guten Kern: auf, Kasseler Seite - mit den beiden Wildungern Alfred Resenberg und Ernst Martin - wollte man dem tapferen, vorbildlich fairen Gegner nicht wehtun, aber wenn's mal so läuft, dann macht das Spielen, Tricksen und Schießen halt eben Spaß. Der in der A-Klasse Waldeck souverän führende VfL Bad Wildungen hatte sich wohl doch ein wenig zu viel zugemutet, als er die Hessen ins wunderschön gelegene, gepflegte Stadion zum Freundschaftsspiel einlud. Denn tags zuvor hatte man in Rattlar mit einem 4:2 Sieg und Punkte ergattert und die Führungsposition ausgebaut. Eine halbe Stunde hielten die Rotschwarzen dann auch munter mit, und das 0:2 zu diesem Zeitpunkt durch zwei prächtige Tore von Gerstner ermutigte Wildungens Trainer Quadt zu dem Ausspruch: Wir müssen nur aufpassen, daß es nicht zweistellig wird."

Diese Hoffnung schien eher „untertrieben”, denn außer Gerstner fand zunächst keiner der KSVer das Ziel. Kastl drängte zu früh nach innen, und Grau war auf der anderen Seite bei Hecker in guten Händen. Bei den sporadischen Gegenstößen mußte sich Guth einmal gewaltig strecken, um dem leichtgewichtigen und leichtfüßigen Blackert den Ball vom Schußfuß zu klauben.

Doch nach einer halben Stunde rief Trainer Quadt immer öfter, aber vergeblich nach Verstärkung, wenn die Sturmwellen anbrandeten. Die Mittelfeldspieler waren überfordert, und da sie die Abwehr nicht mehr in der erforderlichen Weise unterstützen konnten, wankte das Deckungsgefüge vor dem schnell reagierenden, aber in der Beherrschung seines Strafraumes noch verbesserungsbedürftigen Wörmann immer stärker. Ein genau in den oberen Torwinkel placierter Schrägschuß Weilands und ein Treffer Adlers ergaben den Halbzeitstand. Adler und Grau hatten in diesen ersten 45 Minuten noch je einen Schuß an die Torbalken gezimmert.

Mit fünf „neuen” Leuten kamen die Hessen in die zweite Halbzeit, und diese Neuen brannten vor Ehrgeiz und sprühten vor Spiellaune. Volker Beyer schoß das 5:0 und 6:0, und der besonders spielfreudige Mita Radovic bombte Nummer 7 in den Torwinkel. Dann folgte ein Schuß von Ernst Martin, der „a la Wembley 1966”, der von der Unterkante der Latte auf die Linie und aus dem Tor heraussprang. „Bonanza” Wörmann stand jetzt minutenlang einem wahren Scheibenschießen der Hessen gegenüber. Wildungens Senior und Abwehr-Organisator Beyer wurde wieder in die Abwehr eingebaut, aber alle Dämme brachen bei dieser Flut von Angriffen. Nun wurde aus dem KSV-„Spielchen", das zuvor der Eröffnung von Schußmöglichkeiten gedient hatte, oft Selbstzweck. Der Spaß am Vergnügen verführte zu engen, allzu engen Ballpassagen, und da jeder nach dem Motto „Wer will noch mal, wer hat noch nicht” auf das Tor knallen wollte, verlor das Spiel ein bißchen an Ernsthaftigkeit und Linie. Rabenecks ungewöhnlich harter Schrägschuß leitete dann aber die letzten 20 Minuten ein, die noch Treffer durch Gerstner, Radovic, Künkel, Martin (Kopfball-Torpedo nach wunderschöner Vorarbeit von Radovic) und Gerstner brachten.

Gern hätten Resenberg u. Co. den bis zum Schluß überaus sportlichen und fairen Wildungern die Chance zum verdienten Ehrentor gelassen, aber bei den vereinzelten Gegenstößen fehlte es den sehr jungen Badestädtern - mit dem Spiel des Vortages in den müden Knochen - an Kraft und Konzentration, um das Werk zu vollenden.

Fast unbemerkt schied kurz vor Schluß Uwe Habedank mit einer Fußprellung aus. Hoffentlich ist der Schaden bald behoben. Selbst mit 13 Toren wäre sein Ausfall zu teuer bezahlt!

Herbert Peiler (HNA-Sportredaktion, 12.10.1970)