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Regionalliga Süd, Saison 1970/71
Fundgrube

"Berti Vogts hatte sich gleichzeitig auswechseln lassen. Nicht wegen einer Verletzung, sondern um auf diese unauffällige Weise den Autogrammjägern zu entkommen und einen Platz unter der Dusche zu finden. Auch das gehört zur Schläue eines alten Fußballhasen ..." - Herbert Peiler in seinem Zeitungsbericht über das Freundschaftsspiel Hessen Kassel gegen Borussia M'gladbach (25.07.1970)

"Es ist ein schlechtes Omen, hier in Kassel zu gewinnen. Wer in Kassel verliert, der wird auch deutscher Meister", meinte er halb abergläubisch, halb scherzhaft. Der blonde Weltklasseverteidiger spielte damit auf die Niederlagen von Bayern München und seiner Mannschaft an, die in den letzten beiden Jahren die Vorbereitungsspiele im Auestadion verloren hatten. - Reinhard Bank zitiert Berti Vogts in seinem Zeitungsbericht über das Freundschaftsspiel Hessen Kassel gegen Borussia M'gladbach (25.07.1970)

"Aber da waren auch noch Gerstner und zur großen Überraschung Gerd Grau dabei. Dem Ex-Homberger juckte es schon wieder in den Füßen, man merkte es ihm deutlich an. Die Leistenoperation hat er offenbar gut überwunden." - Reinhard Bank in seinem Zeitungsbericht über das Freundschaftsspiel CSC 03 Kassel gegen Hessen Kassel (05.08.1970)

"Zum Schluß gellten Pfiffe der zu Recht maßlos enttäuschten Zuschauer durch das Rund, und so mancher Schwur - nie, nie wiederzukommen - wurde laut, der wohl schon am 12. September beim Heimspiel gegen die Münchener Löwen gebrochen werden wird." - Herbert Peiler in seinem Zeitungsbericht über das Ligaspiel Hessen Kassel gegen VfR Mannheim (03.09.1970)

"Wir haben gewiß genug Phantasie, uns vorzustellen, wie einem Trainer bei einem solchen Zitterspiel auf seinem harten Bänkchen zumute ist. Vor einem auf dem grünen Rasen läuft nichts zusammen, und hinter einem fordert Volkes Stimme kategorisch Auswechslung, Sieg und Punkte." - Herbert Peiler in seinem Zeitungsbericht über das Ligaspiel Hessen Kassel gegen Opel Rüsselsheim (21.09.1970)

"Als Adler nach genau einer Stunde Spielzeit den Flankenball von Grau mit dem Kopf zum erlösenden 1:0 ins Tor bugsierte, gab es bei Trainer Heinz Baas einen Kurzschluß in der Schaltzentrale. Die treuen Zuschauer und Freunde des Vereins gingen auf die Barrikaden, als ihnen die Zunge herausgestreckt wurde. Peinlich, peinlich - besonders deshalb, weil wir um die Bemühungen des Vorstandes um eine gute Öffentlichkeitsarbeit wissen." - Herbert Peiler in seinem Zeitungsbericht über das Ligaspiel Hessen Kassel gegen Opel Rüsselsheim (21.09.1970)

"Wir fürchten, daß viele der Fans, die mit dem am häufigsten gebrochenen Eid auf den Lippen das Stadion verließen (Ich schwöre: hier gehe ich nie wieder hin ...), diesmal Wort halten werden." - Die HNA in ihrem Spielbericht über das 1:1 zwischen dem KSV und Schweinfurt 05 (16.11.1970).

"Trainer Heinz Baas hatte doppelten Anlaß zur Freude. „Er feiert heute seinen 20. Hochzeitstag”, blinzelte uns Herbert Maciossek in der Kabine zu. Und weil ein Trainer bekanntlich auch mit dem Fußball verheiratet ist, machte ihm die „zweite Braut” mit diesem Sieg ein zusätzliches Geschenk." - Aus dem Spielbericht der HNA über das Pokalspiel KSV Hessen gegen Ingolstadt (23.11.1970).

"Ein Mann wie der 33jährige Heiner Dittel dankte es seinem „Chef”, daß er trotz bohrender Zweifel an ihm festhielt und ihm die Bewachung von Gerd Müller übertrug. Großartig, wie der Heiner mit Kraft und Elan, aber auch mit Köpfchen und Zähigkeit seine Aufgabe löste. Von zehn Duellen gewann Kassels Vorstopper sieben – aber zum Schluß blieb die Tatsache, daß Gerd Müller, dieser langhaarige Strafraumgeist, doch die beiden Treffer für seine Mannschaft erzielt und sie damit vor einem vorzeitigen „Aus” im Pokalwettbewerb bewahrt hatte. Die fast nebensächliche Art, wie er zweimal den Ball über die Linie mauschelte, war typisch für den Mann, den sie - unzutreffender geht's nimmer - den „Bomber” nennen." - Aus dem Spielbericht der HNA über das Pokalspiel KSV Hessen Kassel gegen FC Bayern München (14.12.1970).

"Zu Lachen hatten die Anhänger des KSV zu dieser Zeit schon nichts mehr, denn der Club hatte nach 60 Minuten das Kommando so eindeutig an sich gerissen, daß das zweite Tor nur eine Frage der Zeit schien. Heiterkeit kam nur auf, als der Platzsprecher den Fund einer Brille meldete und Volkes Stimme im Chor echote: Gehört dem Schiedsrichter!" - Aus dem Spielbericht der HNA über das Spiel KSV Hessen Kassel - 1. FC Nürnberg (10.01.1971)

"Baas hat immer bedauert, keine dominierende Spielerpersönlichkeit als „verlängerten Trainer-Arm” auf dem Spielfeld zu haben. Ein heranreifender Holger Brück in dieser Mittelfeldrolle könnte eine solche Persönlichkeit werden." - Aus dem Spielbericht der HNA über das Spiel VfR Mannheim - KSV Hessen Kassel (01.02.1971)

Rainer Künkel ist da schon weiter. Aber gegen einen so cleveren Gegenspieler wie Vorstopper Ulrich zeigte sich seine Unerfahrenheit. „Der hat ja getreten und gespuckt”, entrüstete er sich nach dem Spiel beim Trainer. Worauf Heinz Baas auf seine Weise die Konsequenz zog: „Der Rainer muß im Zweikampf härter werden. Beim nächsten Training werde ich ihn gegen den Walter Liebich stellen ...” - Aus dem Spielbericht der HNA über das Spiel VfR Mannheim - KSV Hessen Kassel (01.02.1971)

"Aus dem im Fußball bis zum Überdruß zitierten „Heimvorteil” ist für die Hessen ein echter „Heimkomplex” geworden. Wer sie ruhig, abgeklärt und clever spielen sehen will, muß ein paar hundert Kilometer 'gen Süden fahren. Zu Hause spielen sie - seit ihr Nimbus vom Nürnberger Club gebrochen wurde - derart konfus, daß man an einen Hühnerhof denken muß, in den der Fuchs eingebrochen ist. Alles flattert und rennt durcheinander, ein System wird Gegner und Publikum erfolgreich verschleiert." - Aus dem Spielbericht der HNA über das Spiel KSV Hessen Kassel - VfR Heilbronn (08.02.1971)

"Auf den Rängen nahm man die Fehlzündungen anfangs mit Humor. „Am Bratwurststand sind mehr Würstchen als Brötchen”, kam es über den Lautsprecher. „Auf dem Spielfeld auch”, tönte jemand zurück." - Aus dem Spielbericht der HNA über das Spiel KSV Hessen Kassel - Wacker München (05.04.1971)

"Toleranz und Geduld sind bei einem Teil des Kasseler Publikums keine Tugenden. Man will etwas sehen für sein teures Geld. Man will, daß solch ein Absteiger mit Haut und Haaren verspeist wird. Man beschimpft den Trainer, pfeift die Spieler aus. „Den Ernst Martin haben sie regelrecht fertiggemacht”, ärgerte sich ein Teil der KSV-Mannschaft nachher. Otto Kastl war es schon vorher zu bunt geworden: „Nun seid mal schön stille”, rief er zur Tribüne hinauf." - Aus dem Spielbericht der HNA über das Spiel KSV Hessen Kassel - Wacker München (05.04.1971)