KSV Hessen - Hamburger
SV
Schon lange war es der
Wunsch der Kasseler Fußballanhänger,
den Hamburger Sportverein in Kassel zu sehen.
Wie groß die Anziehungskraft des HSV
ist, beweist die enorme Zuschauerkulisse.
Sämtliche verfügbaren Karten wurden
verkauft. Tribünenkarten waren schon
Wochen vorher vergriffen. Wieviele Zuschauer
das Auestadion ohne Eintrittskarten betraten,
läßt sich nicht schätzen.
Sie wurden jedoch scharenweise beim Übersteigen
der Umzäunung beobachtet. Auch war
der Andrang an den Durchlässen derart
stark, daß eine genaue Kontrolle nicht
mehr möglich war. Ca. 2000 bis 3000
Zuschauer bevölkerten die Aschenbahn
des Auestadions, so daß viele Zuschauer
in ihrer Sicht stark behindert wurden.
Die Stimmung war hervorragend,
und so versuchte der KSV gegen den Bundesligisten
seine Kunst. Mit dem starken Wind im Rücken
hatte der HSV in den ersten 15 bis 20 Minuten
das Heft in der Hand und es zischte nur
so rechts und links an Karl Lowegs Gehäuse
vorbei. Karl bewies auch an diesem Tage
wieder einmal mehr, daß er ein Klassetorhüter
ist. Immer wieder flog er in die äußersten
Torwinkel und konnte Bombenschüsse
von Uwe Seeler, Peltonen und Mittelstürmer
Woldmann unter sich begraben. Zunächst
wurden beide Außenstürmer des
HSV noch gut beschattet. Aber auch sie konnten
im Verlauf des Spieles sich immer mehr in
das Spielgeschehen einschalten.
In der 12. Minute zog Uwe
Seeler mit einem Steilpaß davon und
konnte an dem herauslaufenden Karl Loweg
vorbei in die rechte untere Torecke einschießen.
Nachdem sich die erste Nervosität unserer
Spieler gelegt hatte, versuchten sie nun
ihrerseits, den HSV zu bedrängen. Einige
gute Torgelegenheiten wurden herausgespielt,
und es war ein wenig Pech dabei, als Gerd
Becker, fast in der gleichen Situation wie
vorher Uwe Seeler, den Ball an dem Hamburger
Torsteher vorbei brachte, jedoch nur den
Torpfosten traf. Auch eine schöne Einzelleistung
von Rolf Fritzsche mit einer abschließenden
Maßflanke konnte von den sich gegenseitig
behindernden Gerd Becker und Karl-Heinz
Bente nicht verwandelt werden. Ein weiterer
schöner Kopfball prallte vom Querbalken
zurück.
Aber auch die Gäste
von der Alster waren in der Zwischenzeit
nicht müßig gewesen und hatten
unsere Hintermannschaft beschäftigt.
Mit dem 1:0 ging es in die Pause, und man
hoffte, mit dem Wind im Rücken noch
ein Wort mitreden zu können. Hans Michel
überquerte mit Riesenschritten das
Mittelfeld und versuchte, seinen Sturm in
Stellung zu bringen. Leider boten sich aber
unsere Stürmer nicht so gut an wie
die des HSV. Im Spiel ohne Ball konnten
wir von dem Bundesligisten vieles lernen.
Die namhaften Stürmer waren ständig
in Bewegung und immer anspielbar. Besonders
fiel das enorme Antrittsvermögen Uwe
Seelers und Charly Dörfels auf.
Das 0:2 in der 57. Minute
erzielte Charly, von der Torauslinie angespielt,
aus vollem Laufe. Bei diesem Treffer gab
es für Karl Loweg keine Chance. Auch
nach dem zweiten Treffer versuchten wir
noch einmal, wenigstens ein Ehrentor zu
erzielen, hallen jedoch nicht die nötige
Ruhe und Konzentration, um zu Torerfolgen
zu kommen. Eine große Chance vergab
Karl-Heinz Bente, als ein Abschlag Karl
Lowegs über das gesamte Spielfeld von
einem Hamburger Deckungsspieler verpaßt
wurde, und Karl-Heinz sich urplötzlich
mit dem Ball fast in Höhe des Elfmeterpunktes
sah.
Sein hoher Schuß,
meterweit über das Hamburger Tor, hatte
nur ein Aufstöhnen der Zuschauer zur
Folge. Noch einmal hatte Gerd Becker eine
gute Möglichkeit, doch sein Schuß
strich knapp am linken Torpfosten vorbei.
Besonders auffällig
war das Phlegma Karl-Heinz Bentes, der sich
oft herausfordernd langsam über das
Spielfeld bewegte. Alle anderen gaben mit
mehr oder minder großem Erfolg ihr
Bestes.
Kurt Kratzenberg (Quelle:
KSV-Vereinsrundbrief Nr. 2, Februar 1965)