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DFB-Pokal 1964/65, 1. Hauptrunde

KSV Hessen Kassel - Hamburger SV

0:2 (0:1)

Samstag, 16.01.1965
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
Spielstatistik
Spielbericht

KSV Hessen - Hamburger SV

Schon lange war es der Wunsch der Kasseler Fußballanhänger, den Hamburger Sportverein in Kassel zu sehen. Wie groß die Anziehungskraft des HSV ist, beweist die enorme Zuschauerkulisse. Sämtliche verfügbaren Karten wurden verkauft. Tribünenkarten waren schon Wochen vorher vergriffen. Wieviele Zuschauer das Auestadion ohne Eintrittskarten betraten, läßt sich nicht schätzen. Sie wurden jedoch scharenweise beim Übersteigen der Umzäunung beobachtet. Auch war der Andrang an den Durchlässen derart stark, daß eine genaue Kontrolle nicht mehr möglich war. Ca. 2000 bis 3000 Zuschauer bevölkerten die Aschenbahn des Auestadions, so daß viele Zuschauer in ihrer Sicht stark behindert wurden.

Die Stimmung war hervorragend, und so versuchte der KSV gegen den Bundesligisten seine Kunst. Mit dem starken Wind im Rücken hatte der HSV in den ersten 15 bis 20 Minuten das Heft in der Hand und es zischte nur so rechts und links an Karl Lowegs Gehäuse vorbei. Karl bewies auch an diesem Tage wieder einmal mehr, daß er ein Klassetorhüter ist. Immer wieder flog er in die äußersten Torwinkel und konnte Bombenschüsse von Uwe Seeler, Peltonen und Mittelstürmer Woldmann unter sich begraben. Zunächst wurden beide Außenstürmer des HSV noch gut beschattet. Aber auch sie konnten im Verlauf des Spieles sich immer mehr in das Spielgeschehen einschalten.

In der 12. Minute zog Uwe Seeler mit einem Steilpaß davon und konnte an dem herauslaufenden Karl Loweg vorbei in die rechte untere Torecke einschießen. Nachdem sich die erste Nervosität unserer Spieler gelegt hatte, versuchten sie nun ihrerseits, den HSV zu bedrängen. Einige gute Torgelegenheiten wurden herausgespielt, und es war ein wenig Pech dabei, als Gerd Becker, fast in der gleichen Situation wie vorher Uwe Seeler, den Ball an dem Hamburger Torsteher vorbei brachte, jedoch nur den Torpfosten traf. Auch eine schöne Einzelleistung von Rolf Fritzsche mit einer abschließenden Maßflanke konnte von den sich gegenseitig behindernden Gerd Becker und Karl-Heinz Bente nicht verwandelt werden. Ein weiterer schöner Kopfball prallte vom Querbalken zurück.

Aber auch die Gäste von der Alster waren in der Zwischenzeit nicht müßig gewesen und hatten unsere Hintermannschaft beschäftigt. Mit dem 1:0 ging es in die Pause, und man hoffte, mit dem Wind im Rücken noch ein Wort mitreden zu können. Hans Michel überquerte mit Riesenschritten das Mittelfeld und versuchte, seinen Sturm in Stellung zu bringen. Leider boten sich aber unsere Stürmer nicht so gut an wie die des HSV. Im Spiel ohne Ball konnten wir von dem Bundesligisten vieles lernen. Die namhaften Stürmer waren ständig in Bewegung und immer anspielbar. Besonders fiel das enorme Antrittsvermögen Uwe Seelers und Charly Dörfels auf.

Das 0:2 in der 57. Minute erzielte Charly, von der Torauslinie angespielt, aus vollem Laufe. Bei diesem Treffer gab es für Karl Loweg keine Chance. Auch nach dem zweiten Treffer versuchten wir noch einmal, wenigstens ein Ehrentor zu erzielen, hallen jedoch nicht die nötige Ruhe und Konzentration, um zu Torerfolgen zu kommen. Eine große Chance vergab Karl-Heinz Bente, als ein Abschlag Karl Lowegs über das gesamte Spielfeld von einem Hamburger Deckungsspieler verpaßt wurde, und Karl-Heinz sich urplötzlich mit dem Ball fast in Höhe des Elfmeterpunktes sah.

Sein hoher Schuß, meterweit über das Hamburger Tor, hatte nur ein Aufstöhnen der Zuschauer zur Folge. Noch einmal hatte Gerd Becker eine gute Möglichkeit, doch sein Schuß strich knapp am linken Torpfosten vorbei.

Besonders auffällig war das Phlegma Karl-Heinz Bentes, der sich oft herausfordernd langsam über das Spielfeld bewegte. Alle anderen gaben mit mehr oder minder großem Erfolg ihr Bestes.

Kurt Kratzenberg (Quelle: KSV-Vereinsrundbrief Nr. 2, Februar 1965)